Montag, 23. Januar 2017

Winterzeit - Erkältungszeit?

Was du jetzt tun kannst, um Erkältungen zu vermeiden


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Kennst du das?

Fast alle um dich herum rotzeln, schniefeln übelgelaunt. Die Stellage Tempotaschentücher im Supermarkt ist so belagert von kampfeslustigen Muttertieren, dass du beschließt, entweder die häkelumrandeten Stofftaschentücher deiner Oma zu reaktivieren (bei der Milonga) oder halt in Gottes Namen in Klopapier zu schnäuzen (daheim).

Eigentlich gehts dir ja noch ganz gut. Noch hats dich nicht erwischt. Aber früher oder später...

Kann man nix machen!
Meinst du?
Doch! 

Freilich kannst du was unternehmen, um Schnupfelviren, Stinkestreptokokken und andere unliebsamen Gesellen vorbeizuwinken, ihnen den Einstieg zu erschweren und sie daran zu hindern, längerfristig ihre Zelte in dir drin aufzuschlagen.

Du bist (wahrscheinlich) glücklicher Besitzer eines funktionierenden Immunsystems - ein ausgefuchst fein abgestimmtes Team. Es freut sich, wenn du ihm Möglichkeiten einrichtest, seine Aufgaben optimal zu erledigen. Sonst legen vielleicht einige Mitarbeiter einfach ihren Job beleidigt streikend nieder.

Manche Arbeitsplatzverbesserungs-Maßnahmen, die du als Werksleiter anbieten kannst, sind so einfach, dass sie kaum mehr erwähnt werden: unspektakulär, vielleicht sogar altmodisch - aber umso wirkungsvoller. Deswegen befreie ich diese Vorschläge hiermit feierlich aus der Schublade des Vergessens:


* Schlafe ausreichend!


Wie viele Stunden Schlaf ein Mensch ganz genau braucht, hängt von vielen Faktoren ab. Ein Kind z.B. benötigt eine höhere Dosis als ein Älterer. Wachsen ist schließlich auch Arbeit und geschieht im Schlaf. Außerdem werden träumend und tiefschlafend unzählige Eindrücke verarbeitet: Ein Mehr an intensiven Erlebnissen fordert mehr Schlaf. Altersunabhängig.
Harte körperliche Betätigungen (und Intensiv-Tango) natürlich auch.

Wachst du morgens (einigermaßen) erfrischt auf und bleibst tagsüber leistungsfähig, hast du für dein System genug in Morpheus Armen verbracht. Ausreichend regeneriert, erholt! Dein Immunsystem mag das sehr.

Klebrige Schlappheit tagsüber, kombiniert mit Gähnanfällen, signalisieren, dass du vielleicht ein bissel früher in die Kiste solltest oder einfach mal länger drinbleiben. Zum Schlafen. Allein.(Ja, okay, auch zu zweit, aber schlafen, gell ;)

Oder gepflegt siestieren (spanifiziert für Tangoistas) bzw. powernappen (businesskasperisch) - ein Mittagsschläfchen halten (deutsch, altmodisch).


* Iss was Gescheites!


Du bist, was du isst: Fast alles, was du verspeist, arbeiten deine internen Baumeisterlein in deine Zellen hinein. Oder versuchen nach Kräften, Nährwert als Baustoff herauszuholen. Dabei tun sie sich wesentlich leichter, wenn die Zutaten auch in der Natur vorkommen und nicht aus dem Labor stammen. Vielleicht gelingt das ja in einigen Millionen Jahren. Leider hinkt da die Evolution ein wenig hinterher.

Das gilt genauso für seelische Nahrung.

Auch die Zellkumpanen deines Immunsystems wollen ihre bekannt-natürlichen Legoklötzchen! Von Mineralstoffen, Vitaminen über Eiweiß  bis hin zu wertvollen ungesättigten Fettsäuren.

Nahrungsmittelähnliche Produkte oder liebloser Kantinenfraß versprechen wenig Nutzen. Zu Tode gekocht, billig gehalten mit künstlichen Geschmacksstoffen, ertränkt in Packerlsaucen, enthalten sie meist viel Zucker und Transfette. Sollen deine Baumeisterlein so einen Schund in deine Zellen hineinbauen? Vorausgesetzt, das geht? Sauber arbeitende Immunzellen werden daraus bestimmt nicht.

Kochst du selbst, benutzt frische, vitale, möglichst wenig behandelte Zutaten, vielleicht sogar bio vom heimischen Markt, dürfte die Nähr- und Mineralstoffversorgung kein Problem darstellen. Und es schmeckt! DAS ist Nahrung für Leib und Seele!
Ein prima Fettsäurelieferant ist z.B. Leinöl in Joghurt oder Quark - köstlich mit frischen Früchten!
Und die Teilchen eines ehemals glücklichen Schweins weiß ich lieber in meinen Zellen zu Hause als die des antibiotisch-traurigen Huhns Nr. 46985.

Glaubst du, selbst nicht kochen zu können, dann würde es sich lohnen, es zu lernen. Nicht jeder muss damit ins Fernsehen. Bodenständige, einfache Gerichte sind kein Hexenwerk, und Bücher oder Anleitungen, z.B. bei Youtube, gibt es wirklich genug. Heiraten oder zu Mami ziehen wären die Alternativen.

Bestücke deine Gefriertruhe mit Notfallrationen Hühnerbrühe Rezept siehe hier. Im "Ernstfall" hast du wahrscheinlich wenig Appetit und keine Lust, am Herd zu stehen.


* Warm halten!


Zugegeben: Nierenwärmer sind nicht unbedingt der Erotik letztes Argument. Puschelsocken samt Fossybärstiefel auch nicht. Und wie hat mich meine Oma mit der uncoolen Unterhemdansage genervt.

Aber diese Geräte wärmen die Nieren, die Mitte und Füße effektiv. Und helfen, die nächste Erkältung vielleicht vorbeiwitschen zu lassen.

So behaupten die Alten, die Chinesen und - mich eigenen Erfahrungswerten demütig beugend - ich.


* Die Keimwolken verdünnen


Eine höhere Zahl Erreger pro Kubikmeter Atemluft lässt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken steigen. Mit 287 Ladendieben auf 100 Quadratmetern kommt selbst der beste Kaufhausdetektiv nicht mehr zurecht - mit einem dagegen, oder sogar fünf, gewiss.

Die Konzentration der fiesen Gesellen kannst du mit simplen LÜFTEN erfolgreich vermindern. Also Fenster alle paar Stunden bis zum Anschlag aufreißen! Egal ob im Büro oder bei einer Milonga.

Vor allem tagsüber: Die UV-Strahlen, die uns die Sonne automatisch-gratis mitliefert, killen einige Keime.

Ein anderes, bei Erregern sehr beliebtes Transfer-Taxi sind unsere Hände:
Ein keimetragender Mensch niest die Unwesen in taschentuchbewehrte Pfoten. Dort machen sie sich's gemütlich, um dann am Türgriff auszusteigen und auf den nächsten Bus zu warten. Der transportiert sie anschließend zuverlässig zur Einstiegspforte Nase am nächsten Menschen.

Alternative Verkehrsknotenpunkte sind die Griffe von Einkaufswägen im Supermarkt, Telefonhörer, Haltestangen in der Trambahn, dein(e) Tanzpartner etc. Und Geld.

Normales Händewaschen genügt völlig - warmes Wasser und Seife vorausgesetzt. (Warum gibt es auf Schultoiletten eigentlich nur kaltes Wasser?)

Desinfizieren wird nur zwingend, wenn du selbst oder eine Person im Haushalt schwer angeschlagen ist, z.B. während einer Chemotherapie. 
Oder nach einem Klinik- oder Altenheimbesuch. Dort wachsen Erreger, die man auch in kleiner Zahl nicht mit nach Hause nehmen möchte.



* Schleimhäute feucht halten!


Die Schleimhäute im Nasenrachen-Raum sind für gewöhnlich die Häfen, die unsere Unfreunde ansteuern. Das weiß dein Immunsystem und unterhält aus diesem Grund genau dort lokale Abwehrstützpunkte. Diese Truppen phagozytieren fröhlich, lassen sich dann tot - mit Bösem im Bauch - in Schleim packen und nach draußen abtransportieren, vulgo abrotzen.

Ein wenig tiefer, in den Bronchien, helfen Flimmerhärchen mit. Wie auf einem Laufband befördern sie alles nach oben zum Abhusten, Schnäuzen oder Ausspucken, was keine Miete zahlt.

Schleimhäute, Schleim und Flimmerhärchen mögen es am liebsten schön feucht.

Die einfachste und effektivste Methode ist viel trinken: Zwei bis drei Liter dürfen es schon sein - optimal wären Wasser, Tee, Suppen oder verdünnte Fruchtsäfte. Wein, Bier und Kaffee lassen sich zwar auch trinken, sind aber zur ausschließlichen(!) Flüssigkeitszufuhr nicht wirklich geeignet.

Inhouse-Luftbefeuchtung klingt cool, kommt aber als altmodisches Stoß-Lüften daher.


* Langsam tun! 


Die Chinesen sagen, der Winter wäre eine Zeit des Rückzugs. Zeit, um Kräfte zu sammeln. Zeit zum Reflektieren. Zur Besinnung kommen?

Aufwändig-anstrengende Missionen dürfen winterlich ruhen!

Im Frühjahr, wenn die Säfte steigen und die Burschen ihr Lied für Veronika singen, ist die richtige Zeit, um heldenhaft die Unterhose drüber zu tragen und die Welt zu retten!


* Glücklich sein!


Inzwischen - man lese und staune - kommen sogar die Schulmediziner drauf:

Ein in zufriedener Grundstimmung schwingendes System bleibt eher gesund! Ein liebevolles soziales Umfeld unterstützt diesen Prozess sehr. Diese medizinische Fachrichtung nennt sich Psycho-Neuroimmunologie.

Also gönne dir Glücksmomente! 
So oft wie möglich!

Ein prima hochwissenschaftlich evidenzbasiertes Argument, heute doch noch zum Tangotanzen zu entwischen, obwohl deine Familie krank darniederliegt. Mit Männerschnupfen.

Für Non-Tangoistas erschließen sich bestimmt andere Möglichkeiten, die entsprechende Dosis wohligen Krankheitsprophylaxe-Glücks zu schnupfen.

Umgib dich mit Menschen, die dich mögen. 
Einfach, weil du bist, wie du bist.


* Und wenn es dich doch erwischt hat?


Dann gelten die Maßnahmen erst recht:
  • Ausruhen!
  • Warm halten!
  • Keimkonzentration verdünnen!
  • Viel trinken!
  • Schleimhäute feucht halten!
  • Langsam tun!
  • Für glückliche Gefühle sorgen!

Ohne diese Basics können selbst die besten Medikamente nicht wirken. Schleimlöser (Expektorantien) - egal ob Acetylcystein oder Kräuterzubereitungen aus Thymian, Efeu, Umckaloabo, oder was auch immer, brauchen genug Flüssigkeit im Körpersystem.

Unterstützend könntest du inhalieren: mit einem Ultraschall-Vernebler der neuen Generation, den IH50 von Beurer zum Beispiel, das Modell kenne ich aus der ambulanten Pflege.
Die alte Methode "heißes Wasser in Schüssel - Handtuch über'm Kopf - rote Birne" kann da nicht mithalten.

Und vor allem AUSRUHEN! Dein Immunsystem soll arbeiten. Du nicht.

Ich verbiete dir hiermit, dich über im Erkältungsfall eingeschränktes Funktionieren zu ärgern. Genieße lieber die Zeit, mal auf dem Sofa abzuhängen, mit einem guten Buch oder sogar vor dem Fernseher!

Verwöhn dich selbst! Gerade jetzt!
Das hast du verdient.

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel
(... while eating my own dog food ;)







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Donnerstag, 19. Januar 2017

"Mein Leben als Schiffskater" - Gastbeitrag von Peter Ripota

Wieso geht man ausgerechnet zum Tango? 



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Sein Leben als Schiffskater

Erfahrungsgemäß ist es ein schier unmögliches Unterfangen, Non-Tangoistas diese ganz besondere, beihnah magnetische Anziehung verständlich zu machen, die der Tango argentino auf uns „aficionados“ ausübt. 

Und selbst unsere tangoverrückten Kollegen können dir (und sich) die Tiefe dieses Verlangens oft nur schwer erklären. Enthusiastisch werden gerne als Tatmotive genannt:


Die Musik!
Die Freiheit der Improvisation!
Das so intensive Erleben des Augenblicks - umarmt und umarmend!
In Zauberreichen schwebend alle - wirklich alle - Emotionen ein- und ausatmend! Hossa!


Trotz aller sichtbaren Begeisterung bekommst du hilflose, dürre Worte geliefert, die nur an einem kleinen Teilaspekt kratzen können: Pressemeldungen vom Großhirn.

Was genau bewirkt die Faszination für Tango argentino denn nun wirklich? 


Bei wem? Und warum?
Braucht man, um Tango zu lieben, eine eigenartige Persönlichkeitsstruktur? Falls ja, welche?
Ist es hilfreich, ein bissel zu spinnen? Falls ja, wie? Spinne ich ein bissel, weil ich Tango tanze oder tanze ich Tango, weil ich ein bissel spinne?
Warum tu ich mir das immer wieder an? Körbe? Sitzenbleiben? Tangokrisen? Stochern in fadem Schrammel? Weite Anfahrt, Parkplatzsuche, Großstadtarroganz?
Warum geht man ein andermal nach einer Milonga so vor Glück bebend nach Hause - tangosatt - obwohl man in der Musik schwimmend das gesamte Spektrum der Gefühle durchmisst - Blut und Schweiß und Tränen? Die Liebe und das Leben und all das - die volle Dosis, konzentriert in ein paar Tänzen? 

Oder bilde ich mir das alles nur ein? Sind wir Freaks? Wenn ja - welcher Art? Oder ist Tango einfach nur Tango? Träumen wir? Oder was? Fragen über Fragen...

Um den Antworten ein wenig näher zu kommen, hilft es vielleicht, einem „Milonguero viejo“ zu lauschen. Nach unendlichen Strapazen, therapiedurchgemühlt, hat er seinen ureigenen Grund gefunden, warum er ausgerechnet Tango tanzen muss. 


So ist es mir eine große Ehre und seefrische Freude, dir Peter Ripotas Geschichte „Mein Leben als Schiffskater“ präsentieren zu dürfen. 

 
Dieser Artikel  erscheint zeitgleich in Peter Ripotas „Notizen aus dem schwarzen Loch“:

http://ya0m.r.bh.d.sendibt3.com/33i6anw17fl.html

Bühne frei, ahoi und viel Vergnügen!




Mein Leben als Schiffskater

Nachdem keine Therapie funktioniert hatte, um mich von meinen diversen seelischen Leiden zu befreien; nachdem ich vergeblich Verhaltens-, Gruppen-, Gesprächs-, Psycho-, Logo- und Magnetfeld-Therapie versucht hatte, riet mir meine Therapeutin zur Erforschung meines früheren Lebens. Und siehe da: Durch diese Erkenntnisse ließen sich die Seltsamkeiten meiner jetzigen Existenz endlich erklären!

Was mich schon immer wunderte: Ich liebte alles, was mit dem Meer zu tun hat, von Hans Albers über Freddy Quinn bis zu argentinischen Tangos, die zwar nicht vom Meer, wohl aber von viel Sehnsucht nach der Heimat (jenseits des Meeres) handeln. Dabei gibt es in meiner Heimat kein Meer, keine Seemänner, und getanzt wird Walzer, nicht Tango. Doch bei aller Liebe zum Meer: Wasser in größerer Menge finde ich furchtbar. Schon in einer Badewanne mittleren Ausmaßes habe ich Angst vorm Ertrinken. Aber Kreuzfahrten liebe ich, da kann ich stundenlang aufs Meer starren. Doch Reingehen ist nicht meine Sache.

Die Gründe dafür wurden mir klar, als ich mein Leben als Schiffskater neu erlebte, auf irgendeinem Piratenschiff, wobei der Unterschied zu normalen Frachtschiffen nicht so klar war - und mich auch wenig interessierte. Das Leben als Schiffskater ist etwas anders als die meisten glauben. Meine Hauptaufgabe war laut Anstellungsvertrag (ja, wir Katzen hatten damals noch Rechte, ganz ohne Gewerkschaft!) das Jagen und Vernichten von Ratten, die überall auf dem Schiff herumliefen. Aber das tat ich nicht. Die Menschen haben so komische Vorstellungen von der "Natur", bei der es angeblich nur ums Überleben des Besseren geht und jeder jeden frisst, sofern dazu fähig. Kompletter Unsinn, den sich ein magenkranker Engländer mit viel Bart und wenig Haaren ausgedacht hat. Ich hab mich, wie alle Schiffskatzen, mit den Ratten gut verständigt. Ich ließ sie in Ruhe, sie ließen mich in Ruhe. Sie kriegten von mir gelegentlich was zum Fressen, das mir nicht schmeckte (z.B. dieser widerlich versalzene Speck), und sie waren froh, wenn ich ab und zu ihre Bevölkerung (nach ihren Wünschen) ein wenig dezimierte. Ansonsten kamen wir gut miteinander aus. Sie versteckten sich bei Inspektionen, ich warnte sie davor. Denn was die Menschen vorhatten, wusste ich immer. Wir Katzen können zwar nicht verstehen, was die Menschen über ihre seltsamen Laute einander mitteilen - aber ihre Gefühle, ihre echten Wünsche und Intentionen kennen wir sehr wohl.

Als wohlerzogener Kater nahm ich regelmäßig an den Mahlzeiten in der Offiziersmesse teil. Pünktlich eine Viertelstunde vor Beginn des Essens saß ich auf meinem Platz neben dem Kapitän, dann machte ich meine Runde und holte mir von jedem, was mir zustand. Manche Matrosen waren so verfressen, dass sie alles in sich hineinstopften, und dabei fiel ihnen so viel aus ihren Mäulern, dass ich die Sachen nur zusammenwischen musste. Einer redete ununterbrochen, bis ich ihm mal während seiner Elaborate mit meiner Pfote was aus dem Mund holte, zum allgemeinen Gelächter der anderen.
Doch das Üble auf dem Schiff war das Wasser. Wenn es regnete, das ging ja noch. Ich verkroch mich unter eine Plane und schleckte dann mein Fell trocken, bis mein Magen voller Haare war. Aber wenn Sturm aufkam, gischteten die Wellen über das Deck, und es gab keine Flucht vor ihnen. Das Salz kriegte ich nicht mehr aus den Haaren, ich klebte und roch nach Pökelfisch. Widerlich. Dafür spielte Hein, der Künstler, mit seiner Donald-Duck-Mütze und den Pluderärmeln, am Abend auf seinem Schifferklavier (er nannte es "Concertina") melancholische Stücke, von denen er behauptete, es wären Tangos, und er hätte sie in Buenos Aires aufgeschnappt. Die anderen tanzten dazu. Naja, Tango war's wohl keiner, mehr ein Sirtaki, oder ein schottischer Reigentanz, aber egal. Die Musik hat mich fasziniert, ich tanzte mit, natürlich auf meine Art - geschmeidig, elegant und musikalisch, eben katzenhaft.

So führte ich ein erfülltes Leben, bekam meine Schmuse-Einheiten von den Männern, durfte im Bett des Kapitäns schlafen (wenn ich ihm vorher eine tote Ratte überreichte, sozusagen als Gastgeschenk), blieb in den Häfen an Deck (an Land gab's Leute, die Katzen aßen - Barbaren!), und alles wäre gut gegangen, hätten meine Mannen nicht eines Tages ein anderes Schiff gekapert. Sie nahmen die Mannschaft gefangen und entsorgten sie später im Meer (wir hatten zu wenig zum Essen für all die hungrigen Mäuler). Nur die eine Frau, die sich als Matrose getarnt hatte, die behielt der Kapitän, aus erzieherischen Gründen, wie er sagte. Was er damit meinte, sagte er nicht; vermutlich brachte er ihr die Grundlagen einer erfolgreichen Navigation bei. Das Problem war nur ihr Anhängsel, ihre Muschi. Ich meine ihre Katze, ein verzogener Fratz, verwöhnt, verweichlicht, durchtrieben und arrogant. Ich wollte, wie es meine Art ist, mit ihr Freundschaft schließen, aber sie ließ mich abblitzen. Schlimmer noch: Sie schaffte es irgendwie durch falschen Charme, meine Stelle beim Kapitän und bei den Matrosen einzunehmen. Ich wurde zum Nichts. Ein von mir angezettelter Aufstand meiner Rattenfreunde gegen sie lief ins Leere, denn sie flüchtete in die Kabine des Kapitäns und verriet den Haufen Langschwänze an den ersten Offizier, der mit den armen Vierbeinern kurzen Prozess machte, soweit er ihrer habhaft wurde. Ich verzog mich in den finstersten Winkel des Schiffs, wo es nach Faulwasser, Stinkefisch und Schimmelholz roch. Das war kein Leben.

So beschloss ich, trotz aller Gefahren, mit meinen Rattenfreunden das Schiff zu verlassen. Da war eh nichts mehr zu holen. Im nächsten Hafen (keine Ahnung, wo) marschierte ich von Deck, markierte zum letzten Mal den Landungssteg und machte mich auf die Suche nach - wonach? Die anderen Katzen im Hafenviertel dieser verkommenen Stadt (war das Buenos Aires?) schreckten mich ab, sie waren verwahrlost, verhungert, ungebildet und voll roher Scherze. Allein gefiel's mir aber auch nicht, doch die Katze meiner Träume fand ich trotz intensiver Suche nicht. Ich fühlte mich wie in den Texten dieser Tangos, verraten, verlassen, verfemt, und in meiner Verzweiflung tröstet ich mich mit dem Gedanken: Vielleicht findest du sie ja im nächsten Leben...


Gut, dass er wohl gestorben ist.
Drum tanzt er wieder - heute!


Vielen Dank an Peter Ripota!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





* Mehr von Peter Ripota: 
 http://newsletter.peter-ripota.de/archiv-de-3929.html

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Montag, 9. Januar 2017

Pflege-Sprechblasen aus der Teppichetage

Beliebte, häufig verwendete Textbausteine bettferner Mitarbeiter in der Alten- und Krankenpflege - höchst subjektiv gewertet, kommentiert und mit möglichen Antworten garniert!



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Kennst du das?
Du bist zu einer Zeit aufgestanden, als der Mond noch sein Nachtlichtlein fröhlich zur Erde geschickt hat. Hast dein Auto aus dem Schnee gegraben, bist vielleicht mit anderen Frühschichtlern feiertags im Stau gestanden, um die kranke Kollegin zu vertreten. Eigentlich hättest du frei...
In deiner Freizeit recherchierst du medizinische Hintergründe oder weitere pflegerische Maßnahmen, um die Qualität zu optimieren.
Die Arbeit an der Front muss ja erledigt werden: Dein(e) Patient(en) kann man nicht in die Garage schieben und das Tor schließen. The show must go on!

Der Tag läuft soweit ohne Probleme, der Patient ist nicht nur fachgerecht, sondern sogar prima versorgt: Er fühlt sich wohl an Leib und Seele, kein Dekubitus, keine Kontrakturen, keine Infektionen etc. Deinen Kollegen und dir gefällt die Arbeit am Bett. Ihr seid richtig gut darin, habt diverse Fobis, Erfahrung und Fachwissen.

Bis sich ein eigenartiger KONTAKT ergibt - eine Begegnung mit der dritten Art - ob Personaler, Pflegedienstleitung oder ähnliches, ist dabei egal. Die Berufsbezeichnung leuchtet firmenabhängig in englisch oder deutsch auf den hübschen Visitenkärtchen. Die Herrschaften greifen alle in dieselbe Kiste mit wohlformulierten Textbausteinen. Die können sie auswendig hersagen und, wie im Kommunikationsseminar gelernt, mit Betroffenheitsmimik(ry) verbrämen. Manchmal bringen sie - falls sie sich zu einem Ausflug in die Wildnis entschließen - auch Glasmurmeln für die Eingeborenen mit. Oder Kulis oder Bonbons oder so.

Da sich die abgesetzen Wortkonstrukte aus dem operativen Part der Pflege unabhängig von der genauen Stellenbeschreibung gleichen, verzichte ich auf genaue Zuordnung der jeweiligen Berufsgruppe.

Et voilà!

"Machen Sie viele Überstunden? Oh, das tut uns leid. Sie brauchen hier noch mindestens eine Vollkraft! Wir geben das weiter an die Geschäftsleitung!"

Dieser Teppichetagenbewohner weiß ganz genau, wie es um die Personalsituation steht. Die Geschäftsleitung auch - es liegen ja schon einige Überlastungsanzeigen vor. Vor einigen Jahren hast du solche Aussagen naiv-hoffnungsvoll ernst genommen, Ideen entwickelt, Vorschläge gemacht, die potenziellen Gründe diskutiert. Passiert ist wenig bis gar nichts. So sparst du deine Puste, verschwendest maximal ein "Ja!" zum Thema Überstunden und ein "Tun Sie das!" zur Informationsweitergabe. Lieber regelmäßig Briefe an die Geschäftsleitung mit der Bitte um Gehaltserhöhung schicken. Ein meist mehr Erfolg versprechendes Vorgehen.

An eine neue Bewerberin: "Wir machen Ihnen einen schönen Vertrag!"

Dazu kann ich nur sagen: Bevor du unterschreibst...
1. Lies den Vertrag!
2. Lies den Vertrag!
3. Lies den Vertrag!

Kläre den Bruttostundenlohn, die Zuschläge,die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Entlohnung im Urlaub und die Zahl der Urlaubstage.

Bei ambulanter Intensivpflege außerdem: Was wird sein, wenn dein Patient ins Krankenhaus muss oder stirbt? Spesen? Übernachtungskosten?

Verlasse dich nicht auf mündliche Versprechungen: Im Ernstfall sind diese unmöglich nachzuweisen. Werden die Punkte nicht schriftlich fixiert, unterschreibe einfach nicht! Die Firma braucht dich dringend. Ich gehe davon aus, dass deine Forderungen nicht unzumutbar sind. Kommt man dir nicht entgegen (schriftlich), gibt es genug andere personalmangelige Pflegeanbieter, bei denen du unter passenderen Bedingungen arbeiten kannst.

Zur Bewerberin: "Natürlich können Sie Ihre Dienste frei gestalten! Natürlich können Sie nur im Nachtdienst arbeiten!"

Nein, kannst du nicht.
Die Dienstplangestaltung liegt in der Verantwortung der Teamleitungen, mit welchen Teppichetagler sich in der Regel nicht absprechen. Die Chefinnen an der Front müssen sich schließlich neben den Neuankömmlingen auch mit den schon vorhandenen Mitarbeitern und deren Verpflichtungen  arrangieren.

Also sprich zuerst - bevor du den Vertrag unterschreibst - mit der Teamleitung und kläre, ob du den Anforderungen für besagte Stelle wenigstens teilweise entsprechen kannst und/oder willst. Fast immer findet sich ein Kompromiss. Teamleiterinnen sind erfahrungsgemäß offen und ehrlich, was die Arbeitsbelastung betrifft.

Den bestehenden Teams ist es meistens lieber, ein frühes, klares "Nein, geht nicht" zu hören, als neue Kollegen zuerst sorgfältig einzuarbeiten, auf Entlastung zu hoffen und dann im letzten Moment doch wieder einspringen zu müssen, wenn der/die Neue enttäuscht entschwindet.

Zur Teamleitung nach dem Bewerbungsgespräch mit Wunschdienstplanversprechen: "Man muss gute Pflegekräfte doch halten!"

Ja! Alles andere wäre ungeschickt, wenn nicht sogar dumm, will man eine Versorgung/Station am Laufen halten. Zur Gruppe der "guten Pflegekräfte" gehören allerdings auch diejenigen, die seit Monaten unter immenser Überstundenbelastung den Laden schmeißen. DIE sind es wert, gehalten zu werden. Sie haben ihre Motivation ja schon bewiesen. Die Neue (noch) nicht.
 
"Wir bemühen uns nach Kräften, die vakante Stelle zu besetzen."

Hübsche, sehr oft verwendete, höchst beliebte Floskel. Nimm sie einfach als solche. Lächle wissend, nicke - wenn's geht - demütig.

Frage auf keinen Fall nach: Du wirst weder herausfinden, wer mit "wir" gemeint ist, noch welche konkreten Maßnahmen eingeleitet wurden. Das geht dich doch nix an! Du bist doch nur eine kleine Krankenschwester oder ein doofer Altenpfleger! Das machen doch Marketingspezialisten! Und das Recruiting-Assessment! Dein Wissen um die örtliche Mentalität, verwendete Medien in der Zielgruppe, Bedingungen bei anderen Pflegeunternehmen ist doch irrelevant!

"Hier in der Gegend ist die Konkurrenz an Pflegeanbietern enorm! Da bekommt man ganz schlecht Personal!"

Streiche gedanklich "hier in der Gegend". Es gibt überall Pflege-Firmen, die höhere Stundenlöhne zahlen. Dafür wird dort an Zuschlägen gespart, oder wo auch immer.
Der Markt sowie die ortsüblichen Löhne sind den Damen und Herrn von droben genauestens bekannt. Trotzdem wäre es für deine Gehaltsverhandlungen sinnvoll, den ortsüblichen Tarif einer Putzfrau zu kennen.

"Natürlich bekommen Sie einen Springer!"

Reinrassige Beschwichtigungsrhetorik! Ihr beide wisst doch ganz genau, dass keine Springer zur Verfügung stehen. Kurzfristig schon gar nicht. Springen wirst am Ende schon du selber oder eine deiner Kolleginnen, zähneknirschend. Habt es ja bisher auch gemacht. Geht doch! Wieso sollte da Handlungsbedarf bestehen?
Rechne einfach damit, dass der Springer im letzten Moment abspringt. Das erspart dir Frust.
Deine Erfahrungswerte bezüglich abgesprungener Springer werden rhetorisch absaufen. Schreib lieber einen Brief an die Geschäftsleitung mit der Bitte um Gehaltserhöhung.

"Wir bemühen uns nach Kräften, bei Ausfällen zeitnah für einen Ersatz zu sorgen." 

In der ambulanten Intensivpflege bedeutet das: Nimm dir immer soviel zu essen mit, dass es gegebenenfalls auch für zwei Dienste am Stück reicht. Auch die beste Personaldisponentin kann keinen Ersatz aus dem Hut ziehen nach dem alten Zauberer-Motto: "Wenn du was aus dem Ärmel holen willst, musst du zuerst was reintun!"

"Sie können doch Ihre Kollegen nicht im Stich lassen!"

"Ach, keine Oma? Kein Ehemann? Da müssen Sie schon einen Plan B haben! Einen 9-Jährigen kann man doch schon mal nachts alleine lassen, er schläft doch eh. Nein? Dann bringen Sie Ihr Kind doch einfach mit..." 

Wer lässt hier wen im Stich?
Du deine Kollegen oder dein Arbeitgeber dich?
Es ist nicht dein Job, für eine ausreichende Personaldecke zu sorgen. Dafür werden andere bezahlt (Marketingabteilung, Personaler etc.).

Wen musst du im Stich lassen? Dich selber? Essen, schlafen, Zahnarzttermin? Dein Kind? Etwa dein eigenes Geschäft? Weswegen du nur Teilzeit arbeitest?

Natürlich hält das Team zusammen. Oft genug ist jeder schon eingesprungen, wenn's brennt. Aber es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen Kollegialität und Leibeigenschaft!
Kündigung schreiben hilft nur bedingt: In den anderen Firmen läuft es ähnlich. Aber vielleicht kannst du so eine Lohnerhöhung anbahnen.

"Dann müssen Sie den neuen Kollegen halt sorgfältiger einarbeiten!"

Erkläre dem Teppichüberflieger den Unterschied zwischen "Ausbildung" und "Einarbeitung". Soll der neue Kollege eigenverantwortllich arbeiten, muss zumindest eine Chance bestehen, dass er das auch schafft. Äußere deine Bedenken sachlich und nachdrücklich, bestehe gegebenenfalls auf Versetzung des Mitarbeiters - zum Wohle des Teams und deines/deiner Patienten. Nicht alle Neueinsteiger (können) wissen, worauf sie sich einlassen.

"Die Aufbewahrung für die Tablettenschächtelchen ist staubig.
Die neuen Vorgaben vom MDK sind eben so.
Ziele in der Pflegeplanung müssen genau terminiert werden usw."

Nicken, lächeln, Debatte vermeiden. Einfach so machen.
Auch PDLs haben ihre Aufgaben. Und für kleine Machtdemonstrationen an der Front eigenen sich solche Ansagen hervorragend. Also nicken (wenn möglich demütig) und die Anforderungen halt umsetzen. Du musst keinen Sinn darin sehen. Der PDL verlässt den Ort des Geschehens sicher bald - frohgemut - und du kannst wieder in Ruhe arbeiten.
Dann folgt zuverlässig ein Fleißbildchen und der Textbaustein: "Wir wollen doch alle eine gute Bewertung."

An den Patienten: "Wir müssen schon kontrollieren, dass die Schwestern nicht Ihre Tabletten essen!"

Würde mein Automechaniker verkünden, er müsse kontrollieren, dass seine Angestellten keine Schrauben aus meinem Auto klauen, würde ich die Werkstatt wechseln. Was für ein Laden ist das dann?


"In den jetzigen Zeiten wird alles zum Pfleger ausgebildet, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Deswegen muss firmenseitig ein Recruiting Assessment vorgeschaltet werden, um die schlimmsten Bewerber vorab auszufiltern."

Klingt ohne Insiderwissen nachvollziehbar - auch ein hübsches Beispiel für Worthülsen, die an der Realität vorbeirollen wie ein Dornbusch in der Wüste. Die Teppichetageler wissen ganz genau, wo die hochqualifizierten Pflegekräfte sind: gut bezahlt angestellt oder freiberuflich. Entsprechende Anreize zum Wechsel können leider nicht geboten werden (siehe nächste Sprechblase), so dass eine Filterung vorab entfiele. Diskussion zwecklos, da bedingungslos von der Geschäftsführung eingenordet.

"Man kann die Pflege aus einem humanitären oder kaufmännischen Blickwinkel betrachten!"

Sozialromantik ist ein feines Hobby. Leider akzeptieren weder mein Vermieter noch der Discounter meines Vertrauens Idealismus als Zahlungsmittel. Auch "Pflegeleuten am Bett" darf man zutrauen, ihre erbrachten Leistungen unter kaufmännischen Gesichtspunkten zu betrachten.

"Die Krankenkassen zahlen immer weniger!"

Würden mit dem Verkauf von pflegerischen Leistungen nicht die Kassen klingeln, hätten dann nicht schon mehr Firmeninhaber die Branche gewechselt? Ich habe gehört, Pferdewetten wären einträglich.


"Der Mensch ist Mittelpunkt!" 
Mein persönlicher Favorit.


Der Mensch ist Mittel. Punkt!


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel






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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Weihnachtsglitzern! Kinderaugen!

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen?

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20.12.
Plätzchen backen, Stau umfahren. Hat der Wertstoffhof noch auf? Kind, jetzt mach noch deine Hausaufgaben! Wird Amazon noch liefern? Hast das Silber schon geputzt? Geschenke kaufen - auch die eigenen. Die Milonga lass ich lieber aus. Christbaum kaufen, bio sowieso. Wer holt die Omi eigentlich? Weihnachtsglitzern, Kinderaugen. Elefanten bringt das Christkind nicht. Schreib deine Wünsche sauber auf.

23.12.
Das kann das Christkind doch nicht lesen! An Schwägerin durch's Telefon: Nein, die Spielkonsole kriegt er nicht! Wann und wo sollen wir bei wem dann sein? Reicht das Klopapier die Feiertage? Reicht die Zeit, daheim, allein? Zum Duschen, packen, Sternderl falten? Karten schreiben, Weihnachtswünsche. Wie, die Gans vegan?

24.12. 
Dein Schwager kann die Knödel essen, sind ganz ohne totes Tier. Hemden bügeln, Kleidchen suchen. Hohe Schuhe für die Nacht. Das Babyfon wirst du nicht brauchen, Zucker putscht die Kinder gründlich. Wer holt die Omi denn nun ab?

Pfoten weg, das ist zerbrechlich! Bindest jetzt den Christbaum auf? Keine Kerzen, lieber Lämpchen. Gemischter Chor im Radio. 87 Knödel fertig. Weihnachtsglitzern, Kinderaugen. Dafür ist die ganze Show! Holst du bitte die Geschenke? Dunkel wird's. Pflock deine Neffen richtig an. Ihre Mutter nimmt ein Bad. Nein, der Engel will nicht Katze reiten.

Klingeling! Erst wird gesungen! 2. Strophe? Kein Problem. Mund bewegen, artig schauen. Weihnachtglitzern, Kinderaugen. Zappeln, essen, Ranzen voll. Gelächter und Geschichten, alle schon so oft gehört. Knistern, staunen: Oh, wie schön! Das haben wir uns echt gewünscht! Höflich lügen, Müll getrennt. Die Kinder schießen wie Raketen. Menschen plaudern, Sherry schimmert. Der Christbaum steht noch. Baby plärrt. Verhungert es? So schmal, die Kleine. Hat gewiss nicht genug Milch.

Katze frisst die Essensreste. Wäschekörbe sind gepackt. Geschenketauschmission erfolgreich! Wer holt die Omi denn nun ab? Kinderaugen, Weihnachtsglitzer. Schlafen ist auf spät verlegt. Ja, ich fahr', hab nix getrunken. Spielkonsole noch verboten. Süße Träume? Krisenmanagement.

25.12.
Ja, es wird geduscht! Du stinkst, mein Kleiner, mit Verlaub. Was sollen deine Tantchen denken? Schuhe putzen, Hemd aufbügeln. Schmuckgeschenk von gestern angelegt. Karten schreiben: Glückwunsch, Friede, guten Rutsch. Menschen treffen, kaum bekannt. Genügt verwandt? Augenringe überschminkt.

Klingeling! Erst wird gesungen! 2. Strophe? Kein Problem. Mund bewegen, artig schauen. Weihnachtglitzern, Kinderaugen. Zappeln, essen, Ranzen voll. Gelächter und Geschichten, alle schon so oft gehört. Knistern, staunen: Oh, wie schön! Das haben wir uns echt gewünscht! Höflich lügen, bissel streiten, Müll getrennt. Die Kinder schießen wieder wie Raketen. Menschen plaudern, Sherry schimmert. Der Christbaum steht noch. Baby plärrt. Zu kalt? Zu heiß? Die Windel voll? Tantchen schuckelt, Bruder kotzt.

Packen, Kinder sammeln. Post-Kotz-Wäschewechsel. War erwartet. Weiter. Auf geht's. Nächstes Event. Weihnachtsaugen, Kinderglitzern. Wer holt die Omi denn nun ab?

Klingeling! Da capo. Nicht (!) al fine.

Daheim. Geschenke raus. Weihnachtsgrüße pöppen rein. So friedlich soll Weihnachten sein? Ach, die Omi bleibt daheim?

26.12.
Geht heut Hose? Schick genug? Omi und Mischpoke warten! Kinder, kommt! Die nächste Gans. Hat Omi WLAN? Keine Ahnung. Die Spielkonsole bleibt zu Haus. Kannst Karten mit den Tantchen spielen. Tanken nicht vergessen. Heimlich rauchen. Nachbarn winken. Friedliche Weihnachten! Wo denn bloß? Menschen plaudern. Glühwein schimmert. Zungen schwer. Themen gehen aus. Weihnachtskinder, Augenglitzern. Kinder streiten. Neffe gewinnt: Elefant vom Christkind. Raufen, Krisenmanagement. Kinder lüften. Baby plärrt.

Klingeling! Da capo. Bald geschafft!

Packen, Kinder sammeln. Destrudo an der Gans ausleben. Die Tupperschüssel mit dem Rest. Weihnachtsoptimierung für die Kinder. Für wen denn sonst der ganze Zirkus? Erinnerung, die bleibt? Wem? Kuss für Menschen, die ich fast nicht kenn'. Sind die verwandt? Tanken doch vergessen. Ja, ich fahr. Morgen nochmal treffen? Sind doch selten da! Dankbarkeit am Weihnachtsabend?

***
Irgendwann hat's mir gereicht.

Warum nicht daheim bleiben an Weihnachten?
Ganz in Ruhe? Optimierungsfrei?
Einfach essen. Das, was schmeckt.
Mit Menschen, die man wirklich gern hat -
auch wenn grad nicht Weihnachten ist.
Einfach gemütlich, vollkommen programmfrei zusammensitzen?
Und nur solange, wie man möchte?
Ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Und in der restlichen Zeit feiertagsblümeln?
Zeit nehmen, um den Gedankenarbeitsspeicher Cache zu leeren?
Sich einfach mal gepflegt langweilen!
Gegebenenfalls zusammen mit den Kindern. 
Kerzen beim Abbrennen zuschauen.
Warum keinen Krimi an Heilig Abend?
Kein Problem mit Internet.
Im Gammelpulli auf der Couch.
Oder Teppich zusammenrollen, Tango tanzen.
Und es fährt kein göttlicher Blitz vom Himmel herab.

Verweigerung bringt Sippenstrafe?

Ja und? Mord und Prügel sind verboten.
Das würde strafrechtlich verfolgt.
Dafür darf ich in einigen Sandkästen nicht mehr mitspielen.
Und das ist gut so.

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel






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Mittwoch, 14. Dezember 2016

Pablo will im Himmel sein

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"Bist du schon mal aus dem Himmel herausgefallen?"
Aha. Pablo arbeitet mal wieder an seiner Selbstoptimierung. Um Zeit für eine Antwort zu schinden, bücke ich mich hinter das Sofa, wo die Weihnachtspyramide in ihrer alten Schachtel auf Aufbau wartet.

"Wie meinst du das: 'aus dem Himmel gefallen'?",
frage ich ihn, diverse Holzmännchen und Schäflein in den Händen. Ich stelle sie in Staureihe auf den Couchtisch. Der Mohr kippt immer wieder um - zu viel alter Pattex unter seinen nicht vorhandenen Füßen.

"Zack Bumm! Halt aus dem Himmel heraus auf die Erde. Plumps! Padauz! Aufgeschlagen im Dreck."

Es scheint ihm ernst zu sein. So überlege ich sorgfältig, komme aber zu keinem Ergebnis. Das würde ja voraussetzen, dass ich wüsste, wo der Himmel ist. Ich weiß es definitiv nicht!

"Muss man nicht tot sein, um in den Himmel zu kommen?"
Mit meinem alten Taschenmesser befreie ich die Figürchen eines nach dem anderen von Klebstoffkrusten. Pablo steckt derweil die Propellerflügel vorsichtig in die Achse.

"Nicht zwingend!"
Mit einem Propellerflügel wedelnd markiert er analog seine Aussage. 

"Reicht ein bissele tot?" 
Ich nehme ihm den Rotor ab und korrigiere die Kippung der Hubschrauberflügel. Sonst läuft die weihnachtsmodellige Ronda rückwärts. Und die Heiligen Drei Könige kommen nie an. Das wär' blöd.

"Der Himmel ist doch nicht nur für Leichen konzipiert! Manche Leute sind schon die ganze Zeit drin. Ich zum Beispiel. Wenn man eh schon im Himmel ist, muss man nicht mehr hinein."
Wenn ich nicht aufpasse, mampft er mir alle Kokosmakronen weg.

"Aber du sitzt doch hier bei mir und schraubst Weihnachtsdeko zusammen!"
Platz auf dem Tisch schaffen simulieren! Kokosmakronen erfolgreich evakuiert! Prima - dafür fummelt er halb eingetrockneten Leim zu kleinen Kügelchen, die er an den Rand seiner Teetasse pappt.

"Ja, schon, aber quasi feinstofflich auch im Himmel. Der ist ja überall."
Er versucht heimlich seine mit Holzleimschmodder verschmierten Finger an meinem Lieblingsgeschirrtuch abzuwischen. Ich reiche ihm wortlos einen alten Lumpen hinüber, den er dann artig benutzt.

"Außerdem arbeite ich ständig an meiner spirituellen Entwicklung! Mit Mentaltechniken und so. Weißt schon: 'New Behaviour Generator', Meditation, Achtsamkeit, 'gewaltfreie Kommunikation im Tango leicht gemacht', 'ausgefuXte Visualisierungen für mehr Selbstbewusstsein (bewusst mit X!)', das Erleuchtungsseminar im Sommer ...  übe alle Techniken, um 'in die Kraft zu kommen' - in den Himmel halt. Und vor allem, um dort zu bleiben!"
Das Display seines Smartphones wird mittels Leimlumpenwischung nicht unbedingt sauberer.

"Bist so lieb und schiebst mir grobstofflich den Leimtopf rüber?"
Josef stürzt auf Maria. Ihn klebe ich als Erstes wieder an seinen Platz auf der mittleren Etage.

"Also bist nicht tot, aber trotzdem im Himmel? Klingt nach einem Haufen Arbeit..."
Ich muss mir unbedingt einen Kniff überlegen: Ich kann Josef auf keinen Fall so lange stützen, bis der Leim abgebunden hat. Pattex hab ich nicht im Haus, und der Baumarkt hat schon zu.

"Ja, isses! Weil wenn jemand merkt, dass ich noch kein Meister bin, fliege ich stante pede raus."
 
Knetmasse! Das isses! Kleine Würste zu einem Ring gewickelt sollten als Stütze funktionieren.

"Und wer hat für eine fristlose Himmelskündigung die Entscheidungsbefugnis?"

Pablo lässt die Schäfchen die Bremer Stadmusikanten darstellen. Ohne Hilfsmittel.
Okay, dann klebe ich sie halt erst zum Schluss an ihren Plätzen fest. Schon irgendwie süß, wie sie ihre streichholzdünnen Beinchen fast artistisch in die Luft recken.

"Die anderen Meister natürlich! Manchmal binden sie einen, den sie der Nichtmeisterschaft verdächtigen, zur Warnung an ein Bungeeseil und lassen ihn auf und ab pöppen. Kannst dir das vorstellen?"

"Bist du sicher, dass du vom 'Himmel' sprichst? In den von dir beschriebenen Sphären scheint mir ein rechtes Lumpenpack zu hausen."
Dem Engel fehlt Goldfarbe am linken Flügel. Statt mit Lack - der mir zu lange zum Trocknen brauchen würde - bessere ich die Stelle mit silbernem Fasermaler aus. Sieht man nicht bei Kerzenschein. Wie meine paar grauen Haare und Falten um die Augen.

"Wurde Amateurismus zweifelsfrei nachgewiesen, schubsen sie einen aus dem Himmel hinaus! Dann Plumps, padauz, Landung im Dreck!"
Pablo trifft den Schafturm gestikulierend mit dem kleinen Finger. Wir klauben die Tiere vorsichtig vom schokoladenbraunen Hochfloorteppich. Heuer schenke ich den Schäflein Bobbelfüße aus weißer Knete. Bis Weihnachten werden sie schon halten.

"Warum gibst dich überhaupt mit einem solchen G'schwerl ab? Das soll 'himmlisch' sein?"
Ganz sachte setze ich die Achse mit den verschiedenen Leveln auf den Drehpunkt. Himmelwärts hält der Propeller die fragile Geschichte zusammen. Hoffentlich sind die Knetmassewürste nicht zu schwer.

Der Antrieb fehlt noch: 4 KS (Kerzenstärken). Ich drücke Pablo die Streichholzschachtel in die Hand. Er zündet sich eine Zigarette an.

"Pablo! Da unten brauchen wir Feuer!"
Zähneknirschend verbiete ich mir die Frage, ob Weihnachtskonstrukte kleine Höllenfeuer eingebaut haben dürfen.

"Schön, wie die Bienenwachskerzen duften...",
meint er. Alle viere hat er angezündet, ohne sich die Pfoten zu verbrennen.Respekt!

Ich schalte das elektrische Licht aus. Er wechselt für bessere Sicht auf die Weihnachtspyramide neben mich auf's Sofa. Laible krümelnd und Tee trinkend betrachten wir stolz unser Werk, das beginnt, sich ganz langsam zu drehen.

"Da herunten ist doch auch nicht schlecht. Ich bin gern hier auf der Erde."
Die letzte Kokosmakrone knirscht zwischen meinen Backenzähnen. An der Zimmerdecke tanzt der Propellerschatten. Alles ist stille und friedlich.

"Bist ja auch kein MEISTER. Drum kannst auch nicht vom Himmel fallen."
Kein Schnurrbartzucken. Kein Grinsen. Keine Gänsefüßchen. 
Pablo filmt mit seinem Smartphone die Weihnachtspyramide. Dann lädt er meine schöne Besinnlichkeit hoch in seine Facebookgruppe.


Manchmal verfluche ich diese in Verstandesschatten gepflanzten Sprüche. Die wachsen dann gut gedüngt hinein in die Weltsicht, bis kein Erdenlichtlein mehr durchkommt.
Erhellen? Alternative Sichtweise? Neuinterpretation?
Schwierig! Aber möglich.

Derweil kriegt Pablo einen Sturzhelm von mir zu Weihnachten.

Und eine große Portion selbstgebackene Kokosmakronen.

****

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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Dienstag, 6. Dezember 2016

"Haben Sie auch Placebo?" - Gastbeitrag von Gerhard Riedl

Der "Patient an sich" ist auch ein Mensch.

 
image article im prinzip tango haben sie auch placebo
Renitenter (?) Patienten-Krampus Gerhard Riedl mit rotem Mäschle (nikolauskompatibel)

Heute kommen wir zu der interessanten, quasi auf den Kopf gestellten Frage: Können Pflegende, Therapeuten oder Ärzte auch selbst "Energievampire" sein? 

Meiner Erfahrung nach durchaus - allerdings meist ohne dass ihnen dieser Vorgang bewusst ist. Die dem Patienten abgelutschte Lebenskraft wird dann zwar lobenswert nicht zur Auffüllung der eigenen genutzt, was den Prozess aber nicht besser macht.

Der Weißkittel-Bluthochdruck ist dir bestimmt ein Begriff. Die Intensiv-Fachkrankenschwester, die am liebsten Komapatienten versorgt - mit selbigen muss sie nicht reden - sitzt in dieser Schublade. Die Heilpraktikerkollegin mit gebelltem Befehl "Loslassen!!", während sie dir ihre bestimmt tolle Spezialmassage in einem eiskalten Raum zuteil werden lässt, mag (oder kann) ebenso nur einen kleinen Teilaspekt ihrer Patientin erkennen. 

Wenn Kampf und Flucht auf der Agenda stehen - in eher sympatikuslastigen Situationen - haben Leib und Seele schlicht keine Zeit und Aufmerksamkeit frei, um das Immunsystem hochzufahren, die Durchblutung und Ernährung im sogenannten kranken Bereich zu verbessern, zur Ruhe zu kommen und gesund zu werden. Egal, ob der Säbelzahntiger dahergaloppiert, das Pflegepersonal dich hektisch akkord-abarbeitet oder der Mediziner sorgenvolle Brummellaute während einer Untersuchung von sich gibt.

"Heilung" bzw. "Linderung des Leidens" geschieht nicht nur meiner Erfahrung nach wesentlich besser in einem friedlichen Umfeld, die dem Patienten die Umschaltung Richtung Parasympatikus gestattet. Hier wird im Moment fleißig geforscht, und ich hoffe, dass die Studienergebnisse in nicht allzu langer Zeit auch auch das medizinische Fußvolk an der Patientenfront erreichen. Rühmliche Ausnahmen gibt es ja bereits.

Vielleicht sollte uns "Medizindienstleistern" jeglicher Couleur dieser Punkt eher zu denken geben als die ständigen Streitfragen, wer denn nun als Spinner einzuordnen wäre, geschweige denn, wer recht hat?

Hören wir unseren Patienten doch einfach mal zu! 

Die wissen nämlich oft ganz genau, was sie brauchen und was nicht, sind gescheiter als wir uns anmaßen, zu meinen.

Deswegen freue ich mich, einen Gastbeitrag des geschätzten Bloggerkollegen und renitenten (?) Patienten-Krampus Gerhard Riedl kredenzen zu dürfen, der aus der Sicht des "Users" das Thema beleuchtet. Wegen Nikolaus mit einem roten Mäschle.
Bühne frei!
 
************************

Haben Sie auch Placebo?


Neulich unterzog ich mich – wie jedes Jahr – einem Gesundheitscheck. Wenn man vor acht Jahren eine Krebsdiagnose erhalten hat, wird man doch etwas vorsichtiger und geht nicht erst bei Beschwerden zum Arzt. Allerdings fühle ich mich in der Woche um diesen Termin herum stets saumäßig.

Es ist sicherlich jedes Mal aufregend, auf die Ergebnisse zu warten. Die Hauptursache aber ist eine andere: Technisch bin ich bestimmt in besten Händen – ein positives Verhältnis zu dem Mediziner hat sich jedoch nicht entwickelt, im Gegenteil. Dabei gäbe es Gründe hierfür: Immerhin gelte ich nach schulmedizinischen Standard als „geheilt“ – das damals diagnostizierte Non Hodgkin-Lymphom hat sich nach Chemotherapie und Antikörperbehandlung bislang ohne Rezidiv verabschiedet.

Wäre dies nicht ein Anlass, mir irgendwann einmal zu sagen, das hätte ich gut gemacht, mir eventuell sogar zu diesem Erfolg zu gratulieren? (So wie meine Heilpraktikerinnen, von denen ich das öfter höre!) Offenbar nicht. Kuriert haben mich ja die Onkologen, nicht ich selbst! Das letzte Mal fragte der Arzt mich, in meiner dönerdicken Krankenakte blätternd: „Hatten Sie damals auch eine Chemotherapie?“ Ich leide sonst nicht an mangelnder Schlagfertigkeit, doch diesmal blieb mir die fällige Antwort im Halse stecken: „Nö, natürlich nicht, ich hab das mit Aprikosenkernen weggekriegt!“

In Wahrheit waren die zwölf Sitzungen Chemo und das sonstige Klinikprogramm nicht vergnügungssteuerpflichtig – ich habe mich dennoch dem Regime der Schulmedizin unterworfen und es ohne größere Schrammen überstanden. Allerdings holte ich mir weitere Hilfe: Eine Tangofreundin, welche damals gerade ihre Überprüfung als Heilpraktikerin bestand, kümmerte sich intensiv um mich, ebenso ein von ihr empfohlener Arzt, der auf Naturheilkunde spezialisiert war – meine Ehefrau nicht zu vergessen.

Das Wichtigste aber: Irgendwie war mir klar, dass ich nicht am „Lymphdrüsenkrebs“ sterben würde – fragen Sie mich nicht, warum! Und ich war vom Erfolg aller Therapien überzeugt und beschloss gleichzeitig, der Krankheit in meinem Leben nicht mehr Raum zu lassen als nötig. Daher ging ich weiter zum Tanzen und gab Zaubervorstellungen, oft im Anschluss an die Chemositzung im Krankenhaus – auch wenn das bei meiner sicher nicht zaghaften Heilpraktikerin leichte Panikanfälle auslöste. Dennoch ermutigte mich mein näheres Umfeld stets darin, an mich und meine Heilung zu glauben.

Anekdote am Rande: Beihilfe und private Krankenversicherung bezahlten fast alle Therapien, sogar die komplementären – mit Ausnahme einer Behandlung, welche mir besonders gut tat: der Visualisierungen. Soviel zur Abrechnungs-Logik unseres Gesundheitssystems…

Wer hat mir nun zu wieviel Prozent geholfen: die Zytostatika und Antikörper, die Naturheilkunde, die Endorphine bei Zauberei und Tango, die Zuversicht meines Umfelds – oder doch ich mir selber?

Ich habe neulich (zusammen mit Manuela Bößel) eine Rezension des Buches von Anousch Mueller geschrieben: „Unheilpraktiker: Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen“. (Von den Lesern bei „Amazon“ erhielt diese Besprechung sehr viel Zustimmung und führte zu über 160 Kommentaren!)

Für die Autorin ist die Sache ganz einfach: „Eine optimale Arzneimittelstudie verläuft placebokontrolliert, doppelt verblindet und randomisiert.“  Also Placebo plus echtes Medikament halbe-halbe, keiner weiß, was er gerade gibt bzw. nimmt, alles und alle zufällig ausgewählt. Nach diesen Kriterien haben nur die schulmedizinischen Präparate geholfen: „Für die meisten paramedizinischen Therapien konnten bis heute keine Wirksamkeitsnachweise erbracht werden.“ (Ich lasse lieber die Grübelei darüber, welche Studien von wem finanziert werden, und wer die Fragen passend zu den Antworten formuliert…)

Okay, Akupunktur hilft vielleicht ein bisschen bei Migräne, Zuwendung sowie gar Berührung erhöhen den Serotoninspiegel und Heilpraktiker nehmen sich mehr Zeit, da sie kein Ferienhaus in Spanien finanzieren müssen – aber gegen Krebs wirkt das alles nicht. Bloßer Placeboeffekt!

Bloß? Als gelernter Naturwissenschaftler bin ich inzwischen der felsenfesten Überzeugung: Ohne Placeboeffekt wären die meisten Therapien nicht mal halb so wirksam – und dessen bedienen sich studierte Mediziner (wenn sie klug sind) ebenso wie Heilpraktiker! Wenn jemand vor Angst stirbt, helfen auch keine Pillen – und: Wer recht haben will, heilt. So einfach ist das!

Ich bin sicher, man wird dereinst die Zusammenhänge zwischen Psyche und körperlichen Abläufen (z.B. im Immunsystem) genauer erforscht haben. Aber dies ficht natürlich Autorinnen wie Anousch Mueller nicht an: „Es gibt weder das Qui noch Meridiane.“ Aha. Schön, wenn man das so genau weiß…

Warum falle ich dann jedes Mal nach einer Akupunkturbehandlung in einen erquicklichen, wohltuenden Schlaf wie nach einer großen Anstrengung? Wegen dem bisschen Piekserei? Aber klar, das sind natürlich nur „anekdotische Beweise“! (Nebenbei ist es mir auch wurscht, wie man welche Leitbahnen nennt!)

In ihrem Anti-Heilpraktiker-Werk wird Frau Mueller nicht müde, vor den unseriösen Heilungsversprechen sowie fragwürdigen, ja gefährlichen Methoden der alternativen Therapeuten zu warnen. Mein Vorschlag wäre dagegen, Patienten nicht für dümmer zu halten, als sie sind: Würde mir ein Heilpraktiker mit irgendwelchem esoterischen Schmus kommen oder mir gar von ärztlicher Behandlung abraten, wäre ich schneller aus der Praxis, als er eine Rechnung schreiben kann – umgekehrt aber auch: Als ein studierter Mediziner einmal – mit unverwandtem Blick auf den Computerbildschirm – bei mir den Leberschaden eines Patienten behandeln wollte, mit dem ich nur den Nachnamen gemeinsam hatte, suchte ich meine Heilung ebenfalls in der Flucht.

Was mir jedoch besonders an Nieren und Galle geht, ist das Geschwätz von der stets hundertprozentig „evidenzbasierten“ Schulmedizin: Ich hatte ja das Vergnügen, fast 60 Jahre lang ausschließlich mittels dieser therapiert zu werden. Ärzte erlebte ich in meiner Kinder- und Jugendzeit als Personen, welche nach einem misstrauischen sowie sorgenvollen Blick auf meine blasse Gestalt reihenweise Befunde abspulten (natürlich nur drei Minuten lang): Offenbar war bei mir gar nix in Ordnung – erst recht, als ich ab zirka fünf Jahren einen veritablen Wachstumsschub hinlegte. Der ärztliche Rat: Zurückstellung von der Einschulung, Befreiung vom Sport, Schonung allenthalben. Mit neun Jahren konnte ich noch keinen Purzelbaum und fing mir einschlägige Werturteile von Klassenkameraden und Sportlehrern ein (auch so eine Spezies, die alles ganz genau weiß)…

Heute bin ich davon überzeugt: Mir fehlte damals gar nichts außer Bewegung, frischer Luft und Medizinern, die mir halfen, an mich zu glauben. Meine Frage: Welche nachweisbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse brachten meine damaligen Ärzte dazu, so einen Schwachsinn zu labern? Die Wirkung solcher Therapien bestand lediglich aus dem Nocebo-Effekt psychischer Abwertung und sozialer Isolation!

Erst mit fast siebzehn fand ich ein Metier, welches in mir erstmals den Verdacht aufkeimen ließ, an mir könnte körperlich doch nicht alles falsch sein: das Tanzen. Damit habe ich mich im Laufe der Zeit selber „geheilt“. Eigentlich logisch, dass ich dann mit Ende fünfzig sogar dem Krebs davongetanzt bin…

Mit achtzehn befand allerdings die Ärzteschaft, ich sei immerhin gesund genug für den Wehrdienst, und war durchaus bereit, in der treffend so genannten „Sprechstunde“ darüber Vorträge (gerne über drei Minuten) zu halten. Auch an diesen medizinischen, sicherlich evidenzbasierten Rat hielt ich mich nicht.

Insofern befolge ich gerne die Empfehlung von Anousch Mueller:  „Krank sein heißt schließlich nicht, seinen Verstand an der Praxistür abgeben zu müssen.“ Im Unterschied zur ihr beziehe ich diese Aussage aber nicht nur auf Heilpraktiker-Pforten. Was ich an der Tür von Schulmedizinern allerdings zurücklasse, sind meine Emotionen. Ist besser so, denn der Herr Doktor kann damit eh nichts anfangen!

************************

Dankeschön! 
Der Patient ist also wirklich auch ein Mensch.   
q.e.d.
Echt!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel




Rezension und Diskussion zu "Unheilpraktiker" hier auf dem Blog
 
Gerhards Tango-Report: http://milongafuehrer.blogspot.de/

Peter Riptas Artikel zum Thema:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/3144/mein-wort-zum-sonntag-die-zukunft-des-heilens
und hier:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/12286/mein-wort-zum-sonntag-was-bedeutet-heilen
und hier:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/26447/mein-wort-zum-sonntag-was-ist-krankheit
und hier:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/27181/mein-wort-zum-sonntag-was-ist-krankheit-noch-mehr-definitionen

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Sonntag, 27. November 2016

Vom Umgang mit Energievampiren

Was du gegen das Davonfließen deiner Lebensenergie tun kannst


<image>vom Umgang mit Energievampiren
Hausbuddha mit seiner "Universelle Energie bitte da hinein!"-Pudelmütze



Kennst du das?


Gestern warst du endlich mal wieder zu Besuch bei einer alten Freundin - eigentlich ein ganzer netter Nachmittag, mit Kaffee und selbst gebackenen Plätzchen, sogar mit interessanten Gesprächsthemen. Hast dir ihre Sorgen angehört, Göttergatten plus Blagen betreffend, Lösungsansätze besprochen.

Aber nach den paar Stunden sinkst du ausgelaugt wie nach einem Marathonlauf auf dein Sofa, willst nix mehr sehen und hören, maximal einen „Tatort“ und das Schnurren deiner Katze. Komisch, das letzte Mal hat dich auch so erschöpft. Es ist doch schön, alte Freunde zu treffen! Das gehört sich so! Das hat gefälligst entspannend zu sein! Basta! „Also“, spricht dein interner Sozialkontakteverwalter, „stell dich nicht so an!“

Trotzdem will die amöbige Gefühlsqualität „ausgelutschter Kaugummi, von Kettenraupe überfahren“ nicht schwinden.

Versorgerinnen von Berufs wegen?


Du willst deine Arbeit als Krankenschwester oder Therapeutin bestens erledigen. Du bist in der glücklichen (?) Lage, eine Art „Energiefluss“ von dir zu deinem Schützling zu fühlen. Völlig unesoterisch, einfach pragmatisch spürbar perlt Lebenskraft via Handflächen und Fingerspitzen von dir zu ihm hinüber. Deinem Patienten geht es nicht so gut, dir schon. Du musst ihn doch stärken, das ist dein Job! Seine Lebensenergie in Fluss bringen! So spricht deine Berufsehre und dein Ehrgeiz. Dein Patient saugt regelrecht an dir. Dann geht es ihm sicht- und messbar besser. Das gehört sich doch so!

Blöd, dass du dich selber nach dem Kontakt schwächer fühlst. Mal mehr, mal weniger, ins Minus rutscht du immer. Das gefällt dir gar nicht, deswegen versuchst du dich mit verschiedensten Methoden vor einem Zuviel an Energieverlust zu schützen, arbeitest hart daran, deine Lebenskraft in deiner knappen Freizeit wieder irgendwie aufzufüllen. Trotz guter Nahrung für Leib und Seele, ausreichend Schlaf und allen Maßnahmen, die du deinen Patienten zur Entspannung empfiehlst, gelingt dies leider nur partiell. Wie bei einem alten Akku, der langsam, aber sicher an energetischer Inkontinenz leidet.


Beim Tangotanzen


Der Typ gestern hat wirklich schön getanzt. Ein wenig traurig hat er gewirkt. Während des zweiten Stückes flüsterte er dir ins Ohr, dass ihn seine Herzallerliebste verlassen hätte, und warum nicht alle Frauen so sein könnten wie du. So „hüüngebungsvoll". Tirili. Dann hat er sich in die Umarmung hinein geschmiegt, energiesaugend den Trost gesoffen, den du ihm selbstverständlich (?) übermittelt hast. Das gehört sich doch so! Nach den Tänzen mit ihm warst du plötzlich so müde, dass du sofort nach Hause gegangen bist. „Tatort“, Katzenschnurren, eine Tasse Tee auf dem Sofa. Ohne die gewohnte, tangoinduzierte Beschwingtheit in Herz und Schuhbeutel.


Energievampire und die Lust am Energieverteilen


Meiner Erfahrung nach gibt es sie wirklich, diese Energievampire. Bewusst oder unbewusst, mit oder ohne böse Absichten klinken sie sich ein und versuchen, einen Teil für sich abzuzwacken. Sie scheinen das als Nahrung zu benötigen.

Die Krux für den Angezapften besteht im momentanen Wohlgefühl, das der Energiefluss  auch beim Gebenden auslöst. Sonst würde man sich ja stante pede verweigern, automatisch die Grenzen dicht machen, oder? Liegt darin deine Motivation? Im Lustgewinn?


Lösungsansätze?


Manche meiner Bloggerkollegen raten bezüglich Umgang mit Energievampiren: „Überdenke und ändere deine Lebenssituation!“

Du hast also sorgfältig nachgedacht, hast Herz, Hirn und Bauch befragt. Bist in den Unterbewusstseinskeller hinabgestiegen, hast Altlasten begraben oder entsorgt. Aber bis auf unwesentliche, selbstverständlich schon umgesetzte Änderungsvorschläge hast du einfach keine Probleme mit deiner Lebenssituation. Mission für den kommenden, überblick- und änderbaren Zeitraum erledigt. Alles gut. Du bist zufrieden, wenn nicht sogar glücklich! Kann das sein?

Der nächste Tipp lautet meist: „gnadenloser Kontaktabbruch“.

Gut und schön, aber was tun, wenn der menschliche Staubsauger eine wirklich hilfsbedürftige Person ist, für die du Verantwortung trägst, ja tragen willst? Deine gesundheitlich angeschlagene Mutter? Dein Kind? Dein Patient an deiner Arbeitsstelle?

Vielleicht ist es ja auch so, dass du an einen lieben Menschen gerne und mit voller Absicht Energie weitergibst? Einfach, weil du es kannst? Dieses eigenartige Talent besitzt?

Du selber holst dir natürlich nur ganz selten, nur in Ausnahmefällen und nur ganz wenig Energie von anderen Menschen. Du weißt ja, wie das auszehren kann. Obwohl manche Zeitgenossen einen schier unerschöpflichen Vorrat zu besitzen scheinen. Wie machen die das nur?
 
Und so schwindet deine eigene Lebenskraft immer mehr dahin. Mittel- oder langfristig wirst du krank werden. Ob an Leib oder Seele, darfst du dir aussuchen. Manche chronischen Energieweitergeber verkürzen dadurch ihre vom Schicksal (oder wem auch immer) zugedachte Lebensdauer und sterben vor ihrer Zeit.

Eine unter Sozialberuflern (Pflegeleute, Lehrer, Mütter...) beliebte Vorgehensweise.
Schad‘ drum!


Warum wechselst du nicht einfach den Kanal?


Deine Lebenskraft gehört nur dir allein! 

Sonst niemandem! „Liebende“, hilfsbedürftige oder gar gierige Pfoten haben an deinem eigenen, internen Kraftspeicher nix zu suchen! Behalte deine Energie und nutze sie für dein Leben.

Es gibt doch genügend Energie rund um uns herum! 

Angeblich sogar im ganzen Universum. (Über die Erde hinaus bin ich allerdings noch nicht gekommen, so kann ich das nicht bestätigen.) Die Chinesen nennen sie „Chi“, die Japaner und Reikifraktion „Ki“, die Yogaistas in Indien und sonstwo "Prana", sogar Milton Trager spricht vom „Hook up“, was „Anschluss an die universelle Energie“ bedeutet - such‘s dir aus oder erfinde einen neuen Begriff.

Ich bin sicher, du kannst sie fühlen, diese Lebenskraft - weißt ganz genau, worüber ich schreibe.

Was man spürt, muss es doch geben, oder?
Was du spürst, kannst du auch „anzapfen“, weitergeben.

Und die eigene behalten.

Dann fließt die Energie durch dich hindurch - hinein in den Empfänger.

Der profitiert, darf soviel saugen, wie er will. Dass das nicht deine ist, merkt er nicht. Sie schmeckt ja nach dir, weil sie durch dich durch marschiert ist.

Und du hast im Nebeneffekt auch was davon: Es fühlt sich an, als würdest du dein eigenes Chi (oder welchen Namen auch immer du dafür wählst) waschend klären, auffüllen, anwärmen, nähren...

Zugegeben, diese Idee umzusetzen erfordert Übung. Vor allem, wenn man auf schwurbelesoterische Begrifflichkeiten so allergisch reagiert wie ich. Aber es lohnt sich. Versprochen!
(Deinen Tatort darfst du katzekraulend trotzdem noch angucken.)

Viel Vergnügen beim Ausprobieren!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





Mehr zum Thema von der "Tango-Fuß-Blogger-Kollegin" Birgit Faschinger-Reitsam:
http://www.draufgaengerin.de/hornhaut-nein-danke/
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Mittwoch, 16. November 2016

Hefezopf im Walzertakt

Über den Interpretationsspielraum von Rezepten und die ketzerische Frage, ob man beim Tangotanzen wirklich mitzählen muss


<image>zählen beim tangotanzen
Tango in Prag bei Vollmond (Echt!) * Foto: M. Bößel * www.tangofish.de

Die Geschichte vom Hefezopf aus der himmlischen Backstube


Kennst du das?

Du versuchst, einer Angehörigen der Generation Kittelschürz' das Rezept für deine Lieblingsspeise - z.B. den göttlichen Hefezopf - zu entlocken. Mit Notizblock und gespitzten Ohren bewaffnet, gerätst du aber bald an den Rand der Verzweiflung: Statt konkreter Grammangaben vermeldet die Geheimnisträgerin "einen guten Schuss davon", "ungefähr eine Handvoll jenes" und "mit der Butter brauchst nicht zu sparen", gekrönt von "wie's dir halt schmeckt". Fragen nach der Backzeit wehrt sie empört ab: "Das merkt man doch, wenn er fertig ist!"

Ich versichere dir, die einzige Methode diesen unvergleichlichen Geschmack selbst herzustellen, besteht nicht in der Auflistung der Zutaten und Kopierversuchen, sondern im wörtlich gemeinten Begreifen des haptischen, sinnlichen Prozesses: Nachfühlen.

Spüre, wie viel Raum Omas "Handvoll" einnimmt!
Lass dir die Hand führen beim "Schuss Wasser" zugeben!
Rühre eigenhändig in ihrem perfekten Teig, vor und nach dem Gehen!
Fühle die Konsistenz! Koste, schnuppere dich durch sämtliche Schritte!
Pieks' hinein in den fertigen Zopf, klopfe, horche, speichere das Geräusch ab.

Dann wissen deine Hände, Nase und Ohren, wie's sein soll.
Das Ergebnis beflügelt die Sinne: innen fluffig warm wie ein Plumeau und außen magisch knusper-krustig.  
Dann schmeckt's lebendig!



Blümelige Gesänge unter'm Balkon bei Vollmond versus Robotermusik


Was unterscheidet eigentlich eine musikalische Interpretation, die dich kalt und angefadet lässt, von einer, die dich zu Tränen rührt? Dieses LIED, das du vielleicht nur anhörst, wenn du ganz alleine bist? Mit taschentuchiger Intention bei Mondenschein samt Herzerwärmung?

Würde ein Roboter dein Lieblingssentimentaltätsstück notenkorrekt abnudeln, wäre es zwar für's Großhirn richtig gespielt, aber irgendwie leer und tot.

Der spezielle Interpret, dessen Version du so gerne magst, spielt dieselbe Melodie im angegebenen Takt - allerdings nutzt er die Noten "nur" als Vorgabe und füllt das Stück mit Emotionen. Seinen, deinen, unseren, egal!

Das führt dann zwangsläufig zu minimalen Verzögerungen oder zusätzlichem Schwung in der Ausführung. Das können wir fühlen, aber kaum verstandesgesteuert hören. Sein Unbewusstes spricht direkt mit deinem: Emotionsaustausch ohne Umweg über's Großhirn. Notieren lässt sich diese Art zu spielen schwer.

Aber der der hohe Gänsehautfaktor triggert die Herzen an. Gelangt pulsierend in die Beine: Tanzlust auslösend. Mit und ohne Vollmond. Dann schmeckt's lebendig!



Ketzerische Frage 


Kennst du das?

Du stehst mit einem Tanzpartner auf dem Parkett. Die ersten Takte flattern vorbei, gefolgt von seiner Frage "Vals oder Tango? Ist das jetzt ein Drei- oder Viervierteltakt? Oder eine Milonga?" Angstschweiß auf seiner Stirne, sein Finger zupft am Hemdkragen.

"Musst du das wissen?", strahle ich ihn an.
Großäugige Verwirrung.

"Egal! Tanz einfach!"
"Echt jetzt?"
Ein bissel ungläubig beginnt er. Und schlägt sich erst tapfer, dann richtig gut.

Ich freue mich diebisch darüber, einem weiteren Anfänger die Unschuld gelernter Kursschritte zu rauben. Wegen meiner Weigerung, ihm den momentanen Aufenthaltsort der Eins zu verraten, an die er sonst gerne Schrittfolgenmodul 1 (Vals) oder SFM 2 (Tango) wie beigebracht schraubt, ist er gezwungen, in die Musik einzutauchen: tiefer als knöcheltief - wie sonst - sich treiben zu lassen in den Klängen der Geigen und des Bandoneóns. Wohlig umspült von der Magie des Augenblicks und den in die Musik hineingewobenen Gefühlen.

Und dann fliegen wir tatsächlich! Getragen von der Stimme des dicken Mannes, der von der Sehnsucht und der Liebe singt. Mein "versauter" Anfänger scheint's zu genießen, sehr sogar.

Ohne Zählen, sogar ohne dem Großhirn zu erlauben, das Taktschema zu definieren.
"In der Liebe zählt ihr doch auch nicht!", verkündete Peter Ripotas Tangolehrerin.
Recht hat sie!
Dann schmeckt's lebendig!


Rezepte jeglicher Art


können gewiss hilfreich sein - ob Kochanleitung, Schrittfolgen oder Musiknoten - und Informationen vor dem Vergessen bewahren, um sie irgendwann wieder zu verwenden.

Solange die Aktivierung des konserviert eingekochten Wissens aber ausschließlich über das Großhirn erfolgt, bleiben Rezepte einfach dürre Knochen - leer und trocken. (Tot?)

Da nimmt dein Augenglitzern sein Lichtlein nicht in die Hand und zieht sich muffelnd die Decke über den Kopf.

Wie wäre es stattdessen,
  • die korrekten Klackerknochen mit Blut und Schweiß und Tränen zu schmücken? 
  • mit Lachen zu süßen, das erlaubterweise am 3/4-Takt vorbei, gefühlt siebenachtelnd aus dem Herzen perlt? 
  • Leben einhauchen? Mit einem dicken Stück guter Butter? 
  • oder was immer dir Schabernackiges einfällt...

    Das nährt Leib und Seele, 
    ganz lebendig halt!

    Herzliche Grüße und bis bald,
    Manuela Bößel





    Mehr zum Thema: 
    http://milongafuehrer.blogspot.de/2016/11/die-birne-kann-kein-tango.html

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    Mittwoch, 2. November 2016

    Buchbesprechung: "Wenn Tango Leiden schaf(f)t: Mit glücklichen Füßen genussvoll tanzen" von Birgit Faschinger-Reitsam

    Ein Buch voller Erfahrungen und erprobter Tipps für zufriedene Tangotänzerinnenfüße



    Birgit Faschinger-Reitsam (www.draufgaengerin.de) beschreibt uns in ihrem frisch erschienenen Werk EINEN Weg zum Tango, einen aus meiner Sicht steilen: Den Ihrigen, den sie zwangsläufig (?) highheelbewehrt bewältigte, der ihr trotz aller Widrigkeiten glückliche Füße und vor allem sinnlichen, ganzkörperlichen Genuss beim Tanzen schenkte.

    Der Wunsch, das Tangoland mit hübsch-hohem Schuhwerk zu betreten und zu erkunden, ist mir persönlich zwar ein bissel fremd, dennoch scheint er mir sehr weit verbereitet. (Heute noch viel mehr als vor 16 Jahren, als Tangueras noch in Cargohosen zur Milonga erscheinen durften, mit dem einzigen Schuhanspruch im Beutel: "Er muss so bequem sein, dass ich stundenlang drin tanzen kann! Aussehen und Höhe irrelevant!")

    Kein Wunder, dass Probleme sich gerne in Glitzi-Glänzi-Peeptoe-geschmückten Füßen manifestieren, Fußschmerzen als Bühne nutzen. Dabei spielt es keine Rolle, welche Aufgaben aktuell zu meistern sind: Die Autorin beschreibt  spezielle Tangotanzprobleme, Schmerzen oder "Hemmschuhe", die sich die Damen gerne anziehen (z.B. Scham, Stress, "nicht gut genug sein", etc.) - verschiedene Stoppschilder auf der Reise zur wohligen "Körperbenutzung".

    Diese Betrachtungen kommen erfrischend authentisch daher. Ich finde, man kann ihre eigenen, bitteren Erfahrungen zwischen den Zeilen glimmen sehen. Gerade die Vielzahl der verschiedenen Blickwinkel, die Birgit Faschinger-Reitsam einnimmt, ermöglichen ein schlüssiges Verknüpfen zu ganzheitlichen Lösungsansätzen.

    Sie kredenzt uns Gedanken zum konstruktiven Umgang mit Schmerzen, liefert praktische Ratschläge "rund um den Schuh", Tipps zur verwöhnenden Pflege unserer "Freunde am anderen Ende des Universums" und zur artgerechten, entspannten Nutzung derselben, ergänzt mit feinen Visualisierungen und ergänzenden Entspannungsübungen. Wie im Tango und im "echten Leben" - Leib und Seele zusammenzubringen stimmt glücklich.


    Ihre Ermutigung, Folgendes von "Profis" zu lernen und ihr Hinweis, dass die Umsetzung Zeit und Übung erfordert, empfinde ich gerade für Anfängerinnen als besonders wichtig:
    • den eigenen Körper als Instrument zu begreifen, das Pflege braucht 
    • ihn kennenlernen und hinein zu investieren für genussvolles Tanzen
     Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Autorin mehr ins Rampenlicht traute, statt hinter diversen "Expertinnen" in der zweiten Reihe zu verschwinden. Und womit? Mit Recht! Schließlich hat sie selber genügend Stoff im Schuhbeutel! Ich erinnere hier an die Textpassagen, in denen sie die Leserinnen ermuntert, sich als etwas Besonderes zu sehen und den staubigen Glaubenssatz "nicht gut genug sein" zu entsorgen.

    Besonders schatzkistenverdächtig - leider ebenso ein wenig im Beiläufigen versteckt - finde ich Birgits Gedanken zum Umgang mit Tangokrisen. Diese gehören meiner Erfahrung nach zur ganz normalen Entwicklung der Tangotänzerin dazu. Da muss man einfach durch! Also, liebe "Tangoküken", lesen und beherzigen!

    Fazit: Ein höchst bodenständiges Buch für Tangoanwenderinnen, die ihren Fußschmerzen Adieu sagen und mehr Genuss im Tango finden möchten. Empfehlenswert! (... und lass dich vom Cover aus der Tangoklischee-Kiste nicht abschrecken ;)

    Erhältlich als Taschenbuch (128 Seiten, 13,50 €) und E-book (10,50 €) bei Amazon oder direkt bei der Autorin (www.draufgaengerin.de/impressum). Viel Vergnügen beim Lesen!

    "Tanz mal drüber nach"



    Herzliche Grüße und bis bald,
    Manuela Bößel





    Birgits Blog: http://www.draufgaengerin.de/
    https://www.facebook.com/Draufgaengerinnen/
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    Freitag, 28. Oktober 2016

    Pimp dein Gestell ganz schnell - Teil 4: Dich spüren lernen

    Life hacks für eine gute Haltung: Im eigenen Körper daheim sein, denn...

    ... du kannst nur gut bewegen,was du spürst!

    ... du kannst nur gut spüren, was du bewegst!



    <image>gute haltung 4: dich spüren lernen (www.tangofish.de Manuela Bößel)


    (Dieser Artikel erscheint zeitgleich auf Gerhard Riedls Blog  in der Serie: "Was Ihnen Ihr Tangolehrer nicht erzählt...")

    In den ersten drei Folgen von "Pimp dein Gestell ganz schnell" hast du gelernt, wie du in verschiedenen Regionen deines Körpers entspannte Aufrichtung antriggern kannst: ausgehend von deiner Mitte, deinem Kiefer und Schultern oder von ganz unten - deinen Füßen.
    Teil 1: Mitte  * Teil 2: Oben * Teil 3: Unten

    Nicht jeder Pimp wird immer gleich gut funktionieren - das ist ganz normal und tagesformabhängig. Je mehr im Alltag geübte Möglichkeiten du deiner Bewegungssteuerungszentrale anbieten kannst, umso einfacher und wohliger wird die artgerechte Benutzung deines Körpers beim Tango tanzen (oder was auch immer).

    Bei der Auswahl und Umsetzung der heute passenden Methode samt Wirkungskontrolle brauchst du unbedingt eine gute Körperwahrnehmung!
    Ohne feine Sensorik keine feine Motorik!

    Und genau hier beginnt manchmal schon das Problem.

    Drum kümmern wir uns heute um's Spüren:

    • Wie geht das - sich selber spüren? 
    • Wie können wir das sensomotorisches Feedback, das wir ja sowieso dauernd bekommen, besser oder überhaupt wahrnehmen?


    Stell dir vor...


    du bist zu Gast auf einem alten Schloss. Der Besitzer ist mit sämtlichen Domestiken unterwegs. Er hat dich alleine zurückgelassen mit einem dicken Schlüsselbund und einer langen Liste Handlungsanweisungen, z.B. wann die Katze (siehe Bild oben) zu füttern sei.

    Dich friert's wie einen Hund, dein kleiner Abendhunger bohrt Löcher in die Magengegend, eigenartige Geräusche flirren durch dunkle Gänge und zu allem Überfluß fliegt die Sicherung raus. Dunkelheit umschließt Augen und Gemüt. Gott (oder wem auch immer) sei Dank: Dein Handy funktioniert!

    Nach einigem Zögern rufst du doch den Schlossherrn an und schilderst ihm dein Leid. Er kennt das alte Gemäuer wie seine Westentasche und lotst dich schrittweise von einer Problemlösung zur nächsten:

    • Wo du Holz zum Anschüren der Kamine und des Küchenofens findest ("Taste dich an der Wand entlang, in die Richtung, wo es kälter wird und leicht bergab geht..".)
    • Wie du dort Feuer entfachst (als Zentralheizungsgewöhnter scheint dir dieses Abenteuer fremd)
    • Wo du in der kühlschrankfreien Zone die Eier findest ("Jawoll, im finsterkühlen Keller - nicht in der Speisekammer, im Regal neben dem Sicherungskasten! Obacht, die dritte Stufe von oben ist niedriger als der Rest der Stiegen, und benutze die dritte Pfanne von rechts, die mit dem hölzernem Griff...)
    • Wie du die Rohrleitungen entlüftest und welche Fensterritzen du mit Strickwürsten abdichtest (wegen der komischen Geräusche)
    • und welches Futterbeutelchen die Katze heute wünschen wird (wegen der komischen Geräusche)

    Mit dem Telefon am Ohr befolgst du eine Anweisung nach der anderen. Irgendwie schon zielführend, gewiss, aber ein zeitaufwändiger, anstrengender "Blindflug".

    Ein Jahr später wohnst du immer noch im Schloss. (Warum, weiß ich auch nicht.)
    Du kennst inzwischen jeden Winkel, hüpfst sicher die schiefen Stiegen hinauf und hinab - sogar im Dunklen!  Die Schlosskatze, die sich täglich unter deinem Federbett verkriecht, entfernst du daraus inzwischen blind-routiniert. Anfeuern gelingt mit jedem Tag Übung noch besser. Du weißt inzwischen die Vorzüge einer handgeschmiedeten, nicht rostfreien Eisenpfanne zu schätzen. Manchmal singst du sogar mit dem Schlossgespenst ein Duett.

    Du hast dir quasi das Schloss zu eigen gemacht, sinnlich übend begriffen. Jeden Tag ein bissel mehr. Nun weißt du einfach, welche Türen sich mit welchen Schlüsseln öffnen lassen, und was du dort vorfindest. Ohne groß(hirnig) darüber nachzudenken. Die Finger finden den Schlüssel am Bund tastend von allein. Dein Rücken weiß inzwischen, unter welchem Türsturz du dich bücken solltest.

    Höchstwahrscheinlich fühlst du dich jetzt wohl im Schloss.

    Dein Körper mit seinen wunderbaren, schon installierten Bewegungsmöglichkeiten ist auch eine Art Palast! (oder Bungalow, Alpenhütte, Villa - wie's beliebt)
    Du wohnst dort!
    Erkunde ihn!
    Erforsche und begreife!


    Gönne deinem Körperpalais spürende Bewegungserfahrungen!


    So oft wie möglich, einfach während deiner Alltagsroutine - nur dann bist du in der Lage, diese Muster beim Tango (oder was auch immer) fix und fertig abzurufen!

    Aus dem Stand losrennen: Sei ehrlich, wann hast du das letzte Mal gemacht? Borg' dir hierfür - falls nicht vorhanden - Katze, Hund oder Kind aus. Ballwerfend auf einer Wiese herumtollen mögen alle drei Fraktionen. Mitspielen ist zwingend ;)

    Hängend die Schwerkraft spüren: Schau, der alte Baum da drüben! Dein Leihkind erklimmt schon mutig die unteren Äste. Der starke Querausleger würde sich doch hervorragend eignen, dich mal beherzt dranzuhängen? Spürst du die Dehnung im Rücken? Und ja! Tatsächlich! Die Schulterblätter sind wirklich flexibel befestigt und gleiten. Deine Beine baumeln völlig locker - total entspannt!

    Jetzt hast du dich total eing'saut auf der herbstmatschigen Wiese? Macht nix! Die Waschmaschine erledigt das schon: ab in den Waschkeller!

    Treppen hinunterhopsen: Dein Rumpf "schwebt" über den Stufen, deine Beine tanzen fröhlich lässig mit, ballentapsend-federleicht und herzensfroh! Hinein in den Boden. Genau dieses Gefühl darfst du abspeichern und beim nächsten Tango aktivieren.

    In der Hocke die Waschmaschine befüllen: Deine Knie und Hüftgelenke sind maximal gebeugt. Ob du auf den Zehenspitzen oder der ganzen Fußsohle stehst, ist egal. Probiere beides aus, wobei auf dem ganzen Fuß die Hockstellung halten lange Routine erfordert und eher für Fortgeschrittene (oder Asiaten) zugeschnitten ist. Funktioniert am besten mit lockeren Hinterbacken. Dein Beckenboden erfährt natürliche Dehnung.

    Dein unterer Rücken darf und soll in dieser Haltung rund werden! So haben ihn die göttlichen Baumeister konzipiert. Die herumgeisternde Aufforderung, die Wirbelsäule in jeder Lebenslage gerade zu halten und auf keinen Fall zu beugen, ist biomechanisch gesehen gefährlicher Quatsch!

    In der Brustwirbelsäule drehen: Wieder stehend suchst du das Waschmittel. Ach ja, im Seitregal hinter dir! Anstatt deinen Körper walzengleich mit einer Parkinson-Pirouette zu wenden, drehst du dich einfach in der Brustwirbelsäule etwas oberhalb der Taille. Eine Schulter führt dich in die Drehrichtung. Die Beine samt Beckengürtel bleiben weiter nach vorne zur Waschmaschine ausgerichtet.

    Falls dein Auto keine Rückfahrkamera besitzt, hilft dir diese Bewegungsmöglichkeit beim Einparken. Schreibtischhelden können auch den Drehstuhl gegen einen normalen austauschen, sich selber zum Drucker hinüber wenden. Die Halswirbelsäule verdreht sich gar nicht gern.

    Durchrütteln lassen: Ein besonderes Körperspür-Schmankerl bietet dir Freundin Waschmaschine. Setz dich einfach drauf, wenn sie schleudert! So viele somatosenorische Impulse erhältst du selten geschenkt! Und deine Propriozeptoren für die Eigenwahrnehmung werden jubeln!

    Berührungsinformationen bewusst in verschiedenen Stärken wahrnehmen: Dem Strahl der Dusche kannst du abhängig von der Temperatur und Stärke zahlreiche Mitteilungen entlocken. Und anschließend feste abrubbeln, zärtlich eincremen, ...
    Weitere Möglichkeiten, die Streichelsensoren zu aktivieren, überlasse ich deiner Fantasie ;)

    Flach wie eine Flunder liegen: Zwischendurch platt auf dem Rücken liegend in die Unterlage hineinschmelzen entfaltet dein Gestell zur vollen Größe - vor allem, wenn du viel sitzt. Ganz Verwegene lassen Arme oder sogar den Kopf über die Bettkante herunterhängen.

    Bestimmt fallen dir nach diesen Beispiel-Anfixungen zur Bewegungserfahrung im Alltag noch viele weitere ein.

    Je vielfältiger, je bunter und vor allem bewusster du dich im Alltag bewegst, umso routinierter kann deine Steuerungszentrale diese Muster auch beim Tango (oder was auch immer) einsetzen!

    Probier's einfach aus!
    Spiele! Sei ungeniert kreativ!
    Wünsche wohlige Bewegungsabenteuer und Entdeckungen.

    Herzliche Grüße und bis bald,
    Manuela Bößel





    Was Ihnen Ihr Tangolehrer nicht erzählt...
    (zur ganzen Serie der Bloggerparade auf Gerhard Riedls Blog)
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