Dienstag, 14. Februar 2017

Das Trippeln, der Tango und die Angst

Warum Ängste die Balance umschubsen

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Februar 1997: Sepp hat das Tanzen aufgegeben


Der "AWO-Tanztreff für Senioren" ist über den Aufzug leicht zu erreichen. Mein kleiner Sohn wirft sich beherzt in die Lichtschranke, um die Aufzugtüren am Schließen zu hindern, während meine Oma - hochgeschätzte DJane der Veranstaltung - stockbewehrt hinten drein wackelt. Im dritten Stock überholen wir einen Gehwagen mit sehr altem, klitzekleinem Herrn samt Zigarrenwolke im Schlepptau. Er nickt uns freundlich zu, Oma winkt über die Schulter. "Bis gleich, Sepp!"

Das "Gleich" zieht sich noch ein wenig, Oma sortiert derweil ihre Schallplatten in Reih' und Glied und Emmentalerscheiben auf Semmelhälften. Letzten Winter sei er hingefallen, der Sepp, und seitdem hätt' er Angst. Beim Laufen. Und daheim auch. Und überhaupts. Drum ziehe er nächsten Montag um in's Altersheim. Tanzen wolle er nimmer - schad' - so ein guter Tänzer... der Depp.

Sie schüttelt verärgert den Kopf, gießt mir eine Tasse Kaffee ein, versorgt ihren Urenkel mit einem extragroßen Kuchenstück, bevor sie sich an den Stammtisch mit den Tanzveteranen setzt, die noch eine Zahl unter zwanzig im 19-hunderter Geburtsjahr haben. Na ja, eher VeteranINNEN. "Und du lernst fei auch g'scheit tanzen, gell! Das mögen die Mädchen." Urenkel nickt mit großen Augen und vollem Mund.

Keine drei Minuten später drückt sie mir ihren Stock in die Hand und entschwindet auf's Parkett. Sie hält nicht nur sich in veritabler Balance - auch ihren Tanzpartner. Die beiden stauben über die Fläche, überholen die "jungen Hupfer" (im dortigen Sprachgebrauch: die unter 65-Jährigen), kompensieren seine O-Beine und ihre a bissele lahme Hüfte. Und ich staune, zu welch lebensfreudeversprühenden Aktionen Füße dieses Jahrgangs samt zugehöriger Gestelle in der Lage sein können. Hui!

Inzwischen hat auch Sepp die Ziellinie überschritten. Sorgfältig parkt er den Rollator unter dem Garderobenständer, trippelt die paar Schritte zum Tisch und nimmt ächzend neben mir Platz. "Wissen's, Frollein," - kleiner Diener im Sitzen - "wenn mir der Doktor nicht gesagt hätt', ich soll aufpassen, dass ich nimmer hinfall', tät ich Sie zu einem Tänzle bitten. Und jetzt pass ich so auf! Hingefallen bin ich aber seitdem noch öfter als vorher."



Februar 2017: Trippeltango


Wieder ein "Tanztreff", diesmal meine Baustelle: Tango, die Gäste "junge Hupfer" oder unwesentlich jünger. Man trippelt brav in der Ronda. Schneller, beschwingter geht ja nicht, dazu sind die Schritte zu kurz, wachsen wahrscheinlich auch nicht mehr, sind weit über die Pubertät hinaus. Die Musik stammt aus einer Zeit, als die Veteranen (siehe oben) trotz Krieg und anderer Unannehmlichkeiten ihre Jugend feierten. Minischrittchen, voneinander weggeneigte Oberkörper trotz enger Haltung, angespannte Gesichter. Wenn doch in einem Paar mehr Aktion stattfindet, dann selten, hektisch, heuschreckig. So tanzt das Gros der Anwesenden. Wo sind denn die Sahnehäubchen? Wo ist der Genuss geblieben? Die Freude? Locker-lässiger Schabernack? Einfach, weil Tanzen Spaß macht? Mag's der Tango nicht sinnlich? Hm...

Die Tänzerin links von mir findet es blöd, dass man beim Tango immer so hohe Schuhe tragen müsse. Da hat sie immer Angst, umzufallen. Aber die sind halt so schön! Betreten schlinge ich meine schläppchenbekleideten Füße (und meine Tanzlust) um die Stuhlbeine.

Einer von der Stammbelegschaft fordert mich auf. Noch vor dem ersten Stück gesteht er mir flüsternd, dass er sich dies ein Jahr lang nicht getraut hätte - aus Angst, er könne mir nicht genug bieten, einer "so guten Tänzerin". Und ich hätte ja immer einen so tohollen Tänzer dabei. Und außerdem könne ich auch führen. Trotz meiner Beteuerung, dass ich niemanden beiße, schwitzen seine Handflächen. Sein Führungsarm, seine Rückenmuskeln und seine Beine wirken starr. Die Schritte bleiben Schrittelein beim ersten Stück. Aber alles in allem: Nicht schlecht, da steckt entwickelbares Potenzial drin - finde ich - und lächle ermutigend: "Schön! Geht doch, alles gut!" Während der nächsten beiden Tangos singt ihm der dicke, alte Mann schmelzend wenigstens ein paar Ängste aus Leib und Seele. Derart entschwert schweben wir über die Fläche, mit entspannten Füßen - die im Schwabenland bis zur Hüfte reichen - vorüber an den Kleinschrittigen. Überraschte Gesichter am Rande. Wieso glitzert der plötzlich? Der kann ja tanzen!
Eben. Geht doch. 

Die Tanguera zu meiner Rechten erzählt ihrer Freundin von der Runde mit X (ich will hier keine Namen nennen), dem Milonguero viejo, der so toholl (mit Dehnungs-H) tanzt. Sie sieht ihm so(!) gern(!) zu, aber als er sie aufgefordert hat, ist sie fast gestorben vor Angst! Und hat nur noch einen "rechten Sch..." zusammengetanzt.

Wie gut ich dieses Gefühl von früher kenne! Typische  Tangokrise. Anstatt mich in die Arme dieses Traumtangueros zu schmiegen wie eine fette Schnurrkatze, führten meine Füße (im schwäbischen Sinne) ein widerborstig-steifes Eigenleben. Darüber hab' ich mich lange Zeit schwarzgeärgert. Was natürlich alles noch verschlimmert hat. Balance dahin. Angst vor Umfallen. Lässigkeit, Genuss? Adieu!


Angst triggert Verspannung

Verspannung triggert Angst


Über zehn Jahre habe ich gebraucht, um den Zusammenhang zu begreifen zwischen Angst, steifen Beinen, Umfallangst bis zum Sturz. Mit nachlassender Qualität des Erhaltungszustands schafft es ein bejahrtes Gestell in der Regel gar nicht mehr, die steifen Beine auszugleichen. Und stürzt.

Dabei ist es ganz logisch: Stell dir vor, es kommt irgendwas Fürchterliches auf dich zu: ein Säbelzahntiger, die Dogge deines Nachbarn oder deine Schwiegermutter. Die natürliche, einzig sinnvolle Reaktion ist Zurückweichen (Totstellen oder Kämpfen fällt aus. Bringt hier nix). Diese Abfolge ist tief eingebaut in entwicklungsgeschichtlich ganz alten Gehirnbereichen (z.B. Hirnstamm,  Amygdala) und läuft automatisch ab, was bei echter Gefahr ja ganz praktisch ist. Diesen archaischen Hirnteilen ist es erstmal wurscht, ob die Furcht gerechtfertigt ist.

Also rückwärts! Schritte und Oberkörper fort von der Gefahr!

Funktioniert auch bei Glatteis und der Angst auszurutschen.
Oder der Angst, vor dem Supertänzer abzuschmieren.

Auch wenn dein Großhirn jetzt meint, "alles nicht so schlimm" und dich auf die "Gefahr" zu bewegen möchte, muss dein Gestell trotz allem gegen die schon aufgebaute Spannung in Gegenrichtung anarbeiten. Das kostet viel Energie. Dazu sind eh schon angespannte Muskeln schwieriger zu koordinieren. Dann werden deine Schritte tippelig, die Spannung in deiner Rückenlinie steigt, die Knöchel frieren ein. Verkrampfte Füße tun sich sehr schwer, die Informationen an die Gleichgewichtszentrale weiterzuleiten. Deine sichere Balance verabschiedet sich. Die Folge: Umfallangst!

Und damit ist der Teufelskreis angetriggert: Angst - Verkrampfen - Angst - Verkrampfen - Angst - ...

Alternativ kannst du auch bei Verkrampfen einsteigen: Geh ein paar Schritte ganz normal, dann versteinere deine Füße und beobachte die Folgen in Körpergefühl und Gemüt. 


An diesem Punkt der Geschichte gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Du bleibst solange im Angstkarussell, bis du wirklich hinfällst. 


Die Spirale führt dich zwar wenig genussvoll, aber zuverlässig zum Schleudersitzausstieg: Hinfallen, dann "musst" du nicht mehr Tango tanzen (für die "jungen Hupfer"). Keine Sorge, das kannst du über Jahre oder Jahrzehnte strecken. Deine Ängste definiert dir dein Großhirn gerne so um, dass du dich nicht mit ihnen beschäftigen musst oder findet Gründe im Außen. Damit lässt sich die Zeit noch verlängern. Wenn Tanz- und Bewegungsgenuss für dich nicht die oberste Priorität bei der Tangomotivation einnimmt, könnte das ein Weg für dich sein. Schließlich nehme ich mir nicht das Recht heraus, deine Gründe zu werten! Oder das, was diverse Pressesprecher verkünden.

Bliebe nur noch die Frage offen, ob die Angst den Tango auf seine momentane "Größe" eingeschrumpft hat oder ob seine trippelschrittige Erscheinungsform eher ängstliche Zeitgenossen anzieht?

Die "Veteranen" wählen als Notausgang gerne den Oberschenkelhalsbruch mit Umzug ins Pflegeheim. Nette Zugaben: Lungenentzündung, dann bald tot.


2. Du kommst mit deinen Ängsten zurecht.


Jeder hat Angst. Alle. Ich auch. Das ist normal.
Angst kommt und - gute Nachricht! - geht.
Dann hast du halt mal Angst. Na und?
Dann tanzt du halt mal verkrampft. Na und?
Spür die Angst, tanz einfach weiter. Weiteratmen.
Dann schnallt deine archaische Zentrale schon, dass keine Lebensgefahr besteht.
Die Angst geht durch dich durch.
Und dann wieder raus.
Raus aus den Füßen: Die Balance ist wieder da!
Und raus aus Leib und Seele.
Dann ist's auch schon wieder gut.

Probier's aus!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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Samstag, 4. Februar 2017

Tatmotive einer Heilpraktikerin

Ganz ruhig - dann kannst schauen, wie er das macht mit seinem Rüssel...


Hui! Da saust dein Leben!


Mit dir im Schlepptau?
Du an der Leine hintendrein?
Und du versuchst tapfer, Schritt zu halten?
Die ganzen Verpflichtungen – Arbeit! Familie! Hausbau! Freizeit?!
Termine und ToDos plätschern fröhlich auf dich ein?
Anforderungen aus einem Duschkopf, der ganz weit droben über deinem Kopf hängt?
Nur: Wer hat den Wasserhahn abgeschraubt?
Glitschig wird’s, schwierig, die Füße auf dem Boden zu halten?
Große Anstrengungen, kompensieren „wie die Sau“, gleichzeitig Aufgaben jonglieren, ein guter Mensch bleiben?
Keine Zeit – geschweige denn Energie mehr, Prioritäten zu setzen?
Die kleinen und großen Dramen kriegen Junge, selbstständig, ohne dein Zutun?
Und fressen deine Herzenswünsche zum Frühstück?
Verbiegen zwickend dein Gestell, streuen grauen Sand ins Befindlichkeitsgetriebe von Leib und Seele, schicken dein Immunsystem in Dornröschenschlaf? Umranken dein Herz und deinen Bauch mit unzähligen, kleinen oder hochstupfigen, eigenartigen Beschwerden?
Dein Schlaf, deine Verdauung? Positiv formuliert: suboptimal?
Dein Sympathikus will sein Flucht-und-Kampf-Modus-Zepter nicht mehr abgeben?

* Wie sollen sich so dein Körper und deine Seele regulieren?


Die bereitliegenden Möglichkeiten in der internen Schatzkiste (wieder-) finden, mühelosere Vorgehensweisen zu entwickeln?
Ja, wiederfinden – die sind installiert – freilegen und für die alltägliche Nutzung bereitstellen?
Wieder schmerzfrei und geschmeidig in Bewegung kommen?
Und so dein Leben lässig zu meistern?
Wieder in deinem Körper zu wohnen?
Bei dir sein?

Dann wird wahrscheinlich alles leichter.

Und wie soll das ganz konkret gehen?

* Ganzheitlich:


Auch wenn ich zögere, diesen Begriff zu benutzen – er kommt heutzutage fast abgegriffen durch inflationäres Fleddern daher – komme ich ohne ihn nicht aus. Der gute, alte „Krankenschwesternblick“ auch auf die Details am Rande, dein Umfeld sowie weitere, unterstützende Ansätze (z.B. naturheilkundliche Präparate, Ernährungsberatung etc.) basieren nun mal altmodisch auf „ganzheitlich“.

Der „Krankenschwester“ liegt viel daran, dich als „ihren Patienten“ bodenständig „gut zu versorgen“, was die Zusammenarbeit mit anderen medizinischen Fraktionen bei Bedarf und Wunsch einschließt – patientengerecht komplementär.

Selbstverständlich erhältst du – vielleicht für einen Angehörigen? – auch rein pflegerische Leistungen, in Rat und Tat.


* Körpertherapie:


Du kannst nur gut bewegen, was du gut spürst.
Du kannst nur gut spüren, was du gut bewegen kannst.

Aus den Zutaten aus meiner körpertherapeutischen Schatzkiste stelle ich dir gerne ein Mahl zusammen: Dabei koche ich u.a. mit sensomotorischen Methoden, die über dein Bindegewebe, Faszien und Muskeln auch deine Seele „über Bande“ beruhigend ansprechen – erfahrungsgemäß oft ebenso wirksam bei Problemen außerhalb des Bewegungsapparats. Eine gute Ernährung des „kranken“,  durch Spannungen blockierten Gebiets durch Blut und Lymphe sowie Wiedereingliedern in dein eigenes Körpergefühl kann zu einer deutlichen Verbesserung führen.

Dein Immunsystem freundlich anstupsen:

Ganz einfach durch die während der Behandlung fast nicht zu vermeidende Umschaltung ins parasympathische System, das die Ruhe bereitstellt, um Heilung zu unterstützen oder erst zu ermöglichen. Hier gelangen wir in den Bereich der Psycho-Neuro-Immunologie, die inzwischen (evidenzbasiert) diesen Zusammenhang nachweisen kann.

Die Mechanismen, um einen von der Vitalität isolierten Anteil zu kompensieren, sind so zahlreich und verschieden wie es Menschen gibt: Da kann z.B. ein verspannter Beckenboden Atembeschwerden bewirken, die ungünstige Stellung deiner Füße Nackenschmerzen auslösen.

Welcher Part deines Systems betroffen ist und warum, finden wir während der Behandlung heraus. Dabei orientiere ich mich an deinen internen Wegweisern und arbeite „von da, wo's wehtut“ zu „dort wo's herkommt“. Wenn es nötig ist, über deine körperlichen Grenzen hinaus ins Umfeld, z.B. wenn du während deiner Arbeit unphysiologische Haltungen einnehmen musst, wie z.B. Musiker, Pflegeleute oder Schreibtischhelden das gerne tun.

Da ich eine Hausbesuchspraxis führe, erfolgen die Behandlungen bequem in deiner vertrauten Umgebung: keine Wege und geringer Organisationsaufwand. So bleibt dir mehr Zeit für dich und das, was dir wichtig ist. Was wir brauchen, bringe ich mit.

* Berührung und Ruhe sind die Schlüssel für Heilung.


Diesen Leitgedanken samt einer Portion Lebenslust schenke ich dir in der klassischen Pflege ebenso wie bei den heilpraktischen Behandlungen.

Trotz allem:
Behandlung sagt mehr als dürre Worte.
Probier's aus!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel
TERMIN VEREINBAREN






Einen Musterbehandlungsvertrag findest du hier.
Meine Abrechnung erfolgt i.d.R. nach GebüH. Heilpraktikerleistungen werden von den Krankenkassen nicht automatisch erstattet. Bitte erkundige dich bei deiner KK, ob Behandlungskosten evtl. übernommen werden.

Stichworte: Zen Shiatsu, Akupressur, Fußreflexzonenmassage, medizinische und Entspannungs-Massagen, Mobilisation, Haltung verbessern, Rückenschmerzen, Atemtherapie, Beckenbodentraining, Beratung, Pflege

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Samstag, 28. Januar 2017

Genug gepaced!


Was pacing und leading mit folgen und führen beim Tango zu tun hat




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You teach best what you need most.



"Pacing and Leading ist ein Begriff aus dem Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP). (...)
Der Begriff Pacing and Leading bedeutet auf Deutsch so viel wie: Schritt halten und die Führung übernehmen. Die Wirksamkeit von NLP konnte wissenschaftlich nie nachgewiesen werden.
[https://de.wikipedia.org/wiki/Pacing_and_Leading]



* Pacing


Mal ganz ehrlich meine Damen, mit dem ersten Teil des Konzepts sind wir doch bestens vertraut! Meisterhaft beherrschen wir es, unsere Verhaltensweisen dem jeweiligen sozialen Umfeld anzupassen und so "Rapport herzustellen" - was schlicht und einfach "brückenbauend Kontakt aufnehmen" bedeutet.

Chamäleonartig schaffen wir es problemlos, in verschiedenen sozialen Gruppen gute Kontakte herzustellen - vom Elternmob in der Schule über die spießigen Nachbarn bis hin zur Arbeitsstelle/Kundschaft oder Schwiegerfamilie. Die unterschiedlichen Wertesysteme jonglieren wir routiniert und natürlich total reflektiert - wir haben ja schließlich an unserem Mindset gearbeitet.

Beim Tango warten wir heutzutage artig auf männliche Aufforderung zum Tanze respektive einmal pro Abend Damenwahl wie annodazumal. Dann versuchen wir, uns folgzahm in männliche Führung(sversuche) hineinzufühlen und selbige umzusetzen: Ergebnis ausführlicher Feldstudien in "Tangomilieu pacen".


* Und Leading?


(Eindeutschen in leaden geht leider gar nicht: englisch "leaden" bedeutet "bleiern")

Ja, können wir auch: Der Sohnemann duscht in sozialverträglicher Frequenz, erledigt seine Hausaufgaben, der Göttergatte bringt den Müll runter bzw. dein Ex lässt grade keinen Anwaltsbrief schreiben... Deine Schwiegermutter serviert dir keinen Spinat mehr. Nachdem du die Herrschaften sorgfältig-hartnäckig gepaced hast. Da braucht's keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis! Das ist weibliches Grundwissen! Seit Jahrhunderten.

Wir haben sogar kapiert, dass im interaktiven Verlauf die Führung zu übernehmen der eigentliche Zweck des Pacens ist. Das können wir ausgezeichnet! ("Scha-hatz, ...") Aber wenn, dann nur zum Wohle unserer Lieben, gell!

Aber Leaden ist doch nur erlaubt, wenn es dem Geleadeten nützlich ist, oder?

Sind deine eigenen Bedürfnisse und Ziele eine Zumutung für die Gruppe/das Gegenüber?
Oder allein schon die Prüfung dieser Frage auf Antworten?
Arrogant? Gar egoistisch?

Und so lassen wir es beim pacen, und pacen und pacen...

Fühlt sich ja wohlig an, mit den Mitmenschen in gutem Kontakt zu stehen! Die mögen dich dafür irgendwie umso lieber. Shen Te war bestimmt ein "guter Mensch", von den Göttern geliebt. [https://www.inhaltsangabe.de/brecht/der-gute-mensch-von-sezuan/]

Die Traute, das eigene Leben zu gestalten dagegen verhungert.

Eine kaum wahrnehmbare Unzufriedenheit schleicht sich dann irgendwann ein, die sich in eigenartigen Begrifflichkeiten äußert, wie "frau müsse endlich in ihre Kraft kommen!". Coachingangebote dazu gibt es zuhauf. Und die Herrn der Schöpfung reiben sich die Hände. Wenn wir SO weitermachen, bleibt der Wunsch, ernst genommen zu werden - ob vom Lebensgefährten, Chef oder Kunden - eine Illusion.

Und Brecht verlangt von uns, selber eine Antwort auf das Dilemma von Shen Te / Shui Ta zu finden! Der Vorhang fällt und wir gehen heim. Alle Fragen offen - ohne fertige Antworten. Schalten wir also aufforderungsgemäß unser Hirnkastel ein und zentrifugieren die Fakten und hauseigenen Annahmen.

Gehen wir ganz frech von folgenden Grundsätzen aus:

1. Du hast deinen Wunsch auf Herz und Nieren geprüft und bist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Erfüllung niemandem schadet. (Musst ja nicht gleich Shui Ta aus der Schublade holen.)

2. Du bist bereit, (meist vorübergehende) Irritationensreaktionen deines Umfelds auszuhalten. Die dürfen sich ja erst mal daran gewöhnen, dass du auch zum eigenen Wohle (oder des gemeinsamen, wieder das eigene eingeschlossen) mal das Heft in die Hand nimmst.

3. Dir ist klar, wohin du steuerst und warum - also deine Motivation.


* Ein Beispiel, zum Üben 


(Transfer in andere Lebensbereiche möglich bzw. erwünscht)

Ziel: Du willst Tango tanzen.

Auf der Milonga sitzen schon gefühlte 87 alleinige Frauen, nur ein Tanzpartner in Sicht. Der deinige liegt mit Männerschnupfen daheim im Bett. (Bravo! Erste Hürde gemeistert! Solo zum Tango gegangen! Geht doch.)

Dafür umso mehr magische Musik. Bald zuviel Tanzdruck im internen Sicomatic! Stufe Rot!

Dass Frauen Männer auffordern, sähe man hier gar nicht gerne, hat man dir mehrfach während des deines Tangoszenen-Pacings geflüstert. Okay.
Logische Schlussfolgerung: Du willst tanzen, nur Frauen als Partnerinnen verfügbar?

Dann fordere halt eine Frau auf! 

Als "Führende".
Macht Spaß und lindert den Tanzdruck.

Mit der Motivation "Mann anfassen" funktioniert das natürlich nicht ;) Da wäre die Entwicklung eines anderen Algorithmus vonnöten. Kannst ja mal drüber nachdenken, zu Übungszwecken.


* Fazit


Als Tanguera, die beide Rollen tanzt, bin ich (wie meine sehr wenigen Kolleginnen) immer noch eine Exotin. Schade, denn ich habe in keinem Abschnitt meines Tangolebens meine Technik in dem Maße verbessern können und quasi nebenbei soviel über's Folgen gelernt.

Denn Führen beim Tango ist auch nix anderes als Rapport herstellen und halten, pacen und leaden.

Aufgeben werde ich das "Beide-Rollen-Spiel" gewiss nicht mehr. Und das Führen zum richtigen Zeitpunkt in anderen Bereichen schon gar nicht.

Und wenn ich mir einen falschen Schnurrbart anpappen muss!


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel 

Nachtrag am 31. Januar:

Einen Überblick, was der Text ausgelöst hat, findest du auf Gerhard Riedls Tango-Report:
http://milongafuehrer.blogspot.de/2017/01/follow-leader.html 
Dankeschön - auch für das wunderbare Musikvideo zum Thema! Joi!







Quellen: https://www.nlp.ch/pdfdocs/pr002-r-Rapport-Scriptauszug.pdf

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Montag, 23. Januar 2017

Winterzeit - Erkältungszeit?

Was du jetzt tun kannst, um Erkältungen zu vermeiden


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Kennst du das?

Fast alle um dich herum rotzeln, schniefeln übelgelaunt. Die Stellage Tempotaschentücher im Supermarkt ist so belagert von kampfeslustigen Muttertieren, dass du beschließt, entweder die häkelumrandeten Stofftaschentücher deiner Oma zu reaktivieren (bei der Milonga) oder halt in Gottes Namen in Klopapier zu schnäuzen (daheim).

Eigentlich gehts dir ja noch ganz gut. Noch hats dich nicht erwischt. Aber früher oder später...

Kann man nix machen!
Meinst du?
Doch! 

Freilich kannst du was unternehmen, um Schnupfelviren, Stinkestreptokokken und andere unliebsamen Gesellen vorbeizuwinken, ihnen den Einstieg zu erschweren und sie daran zu hindern, längerfristig ihre Zelte in dir drin aufzuschlagen.

Du bist (wahrscheinlich) glücklicher Besitzer eines funktionierenden Immunsystems - ein ausgefuchst fein abgestimmtes Team. Es freut sich, wenn du ihm Möglichkeiten einrichtest, seine Aufgaben optimal zu erledigen. Sonst legen vielleicht einige Mitarbeiter einfach ihren Job beleidigt streikend nieder.

Manche Arbeitsplatzverbesserungs-Maßnahmen, die du als Werksleiter anbieten kannst, sind so einfach, dass sie kaum mehr erwähnt werden: unspektakulär, vielleicht sogar altmodisch - aber umso wirkungsvoller. Deswegen befreie ich diese Vorschläge hiermit feierlich aus der Schublade des Vergessens:


* Schlafe ausreichend!


Wie viele Stunden Schlaf ein Mensch ganz genau braucht, hängt von vielen Faktoren ab. Ein Kind z.B. benötigt eine höhere Dosis als ein Älterer. Wachsen ist schließlich auch Arbeit und geschieht im Schlaf. Außerdem werden träumend und tiefschlafend unzählige Eindrücke verarbeitet: Ein Mehr an intensiven Erlebnissen fordert mehr Schlaf. Altersunabhängig.
Harte körperliche Betätigungen (und Intensiv-Tango) natürlich auch.

Wachst du morgens (einigermaßen) erfrischt auf und bleibst tagsüber leistungsfähig, hast du für dein System genug in Morpheus Armen verbracht. Ausreichend regeneriert, erholt! Dein Immunsystem mag das sehr.

Klebrige Schlappheit tagsüber, kombiniert mit Gähnanfällen, signalisieren, dass du vielleicht ein bissel früher in die Kiste solltest oder einfach mal länger drinbleiben. Zum Schlafen. Allein.(Ja, okay, auch zu zweit, aber schlafen, gell ;)

Oder gepflegt siestieren (spanifiziert für Tangoistas) bzw. powernappen (businesskasperisch) - ein Mittagsschläfchen halten (deutsch, altmodisch).


* Iss was Gescheites!


Du bist, was du isst: Fast alles, was du verspeist, arbeiten deine internen Baumeisterlein in deine Zellen hinein. Oder versuchen nach Kräften, Nährwert als Baustoff herauszuholen. Dabei tun sie sich wesentlich leichter, wenn die Zutaten auch in der Natur vorkommen und nicht aus dem Labor stammen. Vielleicht gelingt das ja in einigen Millionen Jahren. Leider hinkt da die Evolution ein wenig hinterher.

Das gilt genauso für seelische Nahrung.

Auch die Zellkumpanen deines Immunsystems wollen ihre bekannt-natürlichen Legoklötzchen! Von Mineralstoffen, Vitaminen über Eiweiß  bis hin zu wertvollen ungesättigten Fettsäuren.

Nahrungsmittelähnliche Produkte oder liebloser Kantinenfraß versprechen wenig Nutzen. Zu Tode gekocht, billig gehalten mit künstlichen Geschmacksstoffen, ertränkt in Packerlsaucen, enthalten sie meist viel Zucker und Transfette. Sollen deine Baumeisterlein so einen Schund in deine Zellen hineinbauen? Vorausgesetzt, das geht? Sauber arbeitende Immunzellen werden daraus bestimmt nicht.

Kochst du selbst, benutzt frische, vitale, möglichst wenig behandelte Zutaten, vielleicht sogar bio vom heimischen Markt, dürfte die Nähr- und Mineralstoffversorgung kein Problem darstellen. Und es schmeckt! DAS ist Nahrung für Leib und Seele!
Ein prima Fettsäurelieferant ist z.B. Leinöl in Joghurt oder Quark - köstlich mit frischen Früchten!
Und die Teilchen eines ehemals glücklichen Schweins weiß ich lieber in meinen Zellen zu Hause als die des antibiotisch-traurigen Huhns Nr. 46985.

Glaubst du, selbst nicht kochen zu können, dann würde es sich lohnen, es zu lernen. Nicht jeder muss damit ins Fernsehen. Bodenständige, einfache Gerichte sind kein Hexenwerk, und Bücher oder Anleitungen, z.B. bei Youtube, gibt es wirklich genug. Heiraten oder zu Mami ziehen wären die Alternativen.

Bestücke deine Gefriertruhe mit Notfallrationen Hühnerbrühe Rezept siehe hier. Im "Ernstfall" hast du wahrscheinlich wenig Appetit und keine Lust, am Herd zu stehen.


* Warm halten!


Zugegeben: Nierenwärmer sind nicht unbedingt der Erotik letztes Argument. Puschelsocken samt Fossybärstiefel auch nicht. Und wie hat mich meine Oma mit der uncoolen Unterhemdansage genervt.

Aber diese Geräte wärmen die Nieren, die Mitte und Füße effektiv. Und helfen, die nächste Erkältung vielleicht vorbeiwitschen zu lassen.

So behaupten die Alten, die Chinesen und - mich eigenen Erfahrungswerten demütig beugend - ich.


* Die Keimwolken verdünnen


Eine höhere Zahl Erreger pro Kubikmeter Atemluft lässt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken steigen. Mit 287 Ladendieben auf 100 Quadratmetern kommt selbst der beste Kaufhausdetektiv nicht mehr zurecht - mit einem dagegen, oder sogar fünf, gewiss.

Die Konzentration der fiesen Gesellen kannst du mit simplen LÜFTEN erfolgreich vermindern. Also Fenster alle paar Stunden bis zum Anschlag aufreißen! Egal ob im Büro oder bei einer Milonga.

Vor allem tagsüber: Die UV-Strahlen, die uns die Sonne automatisch-gratis mitliefert, killen einige Keime.

Ein anderes, bei Erregern sehr beliebtes Transfer-Taxi sind unsere Hände:
Ein keimetragender Mensch niest die Unwesen in taschentuchbewehrte Pfoten. Dort machen sie sich's gemütlich, um dann am Türgriff auszusteigen und auf den nächsten Bus zu warten. Der transportiert sie anschließend zuverlässig zur Einstiegspforte Nase am nächsten Menschen.

Alternative Verkehrsknotenpunkte sind die Griffe von Einkaufswägen im Supermarkt, Telefonhörer, Haltestangen in der Trambahn, dein(e) Tanzpartner etc. Und Geld.

Normales Händewaschen genügt völlig - warmes Wasser und Seife vorausgesetzt. (Warum gibt es auf Schultoiletten eigentlich nur kaltes Wasser?)

Desinfizieren wird nur zwingend, wenn du selbst oder eine Person im Haushalt schwer angeschlagen ist, z.B. während einer Chemotherapie. 
Oder nach einem Klinik- oder Altenheimbesuch. Dort wachsen Erreger, die man auch in kleiner Zahl nicht mit nach Hause nehmen möchte.



* Schleimhäute feucht halten!


Die Schleimhäute im Nasenrachen-Raum sind für gewöhnlich die Häfen, die unsere Unfreunde ansteuern. Das weiß dein Immunsystem und unterhält aus diesem Grund genau dort lokale Abwehrstützpunkte. Diese Truppen phagozytieren fröhlich, lassen sich dann tot - mit Bösem im Bauch - in Schleim packen und nach draußen abtransportieren, vulgo abrotzen.

Ein wenig tiefer, in den Bronchien, helfen Flimmerhärchen mit. Wie auf einem Laufband befördern sie alles nach oben zum Abhusten, Schnäuzen oder Ausspucken, was keine Miete zahlt.

Schleimhäute, Schleim und Flimmerhärchen mögen es am liebsten schön feucht.

Die einfachste und effektivste Methode ist viel trinken: Zwei bis drei Liter dürfen es schon sein - optimal wären Wasser, Tee, Suppen oder verdünnte Fruchtsäfte. Wein, Bier und Kaffee lassen sich zwar auch trinken, sind aber zur ausschließlichen(!) Flüssigkeitszufuhr nicht wirklich geeignet.

Inhouse-Luftbefeuchtung klingt cool, kommt aber als altmodisches Stoß-Lüften daher.


* Langsam tun! 


Die Chinesen sagen, der Winter wäre eine Zeit des Rückzugs. Zeit, um Kräfte zu sammeln. Zeit zum Reflektieren. Zur Besinnung kommen?

Aufwändig-anstrengende Missionen dürfen winterlich ruhen!

Im Frühjahr, wenn die Säfte steigen und die Burschen ihr Lied für Veronika singen, ist die richtige Zeit, um heldenhaft die Unterhose drüber zu tragen und die Welt zu retten!


* Glücklich sein!


Inzwischen - man lese und staune - kommen sogar die Schulmediziner drauf:

Ein in zufriedener Grundstimmung schwingendes System bleibt eher gesund! Ein liebevolles soziales Umfeld unterstützt diesen Prozess sehr. Diese medizinische Fachrichtung nennt sich Psycho-Neuroimmunologie.

Also gönne dir Glücksmomente! 
So oft wie möglich!

Ein prima hochwissenschaftlich evidenzbasiertes Argument, heute doch noch zum Tangotanzen zu entwischen, obwohl deine Familie krank darniederliegt. Mit Männerschnupfen.

Für Non-Tangoistas erschließen sich bestimmt andere Möglichkeiten, die entsprechende Dosis wohligen Krankheitsprophylaxe-Glücks zu schnupfen.

Umgib dich mit Menschen, die dich mögen. 
Einfach, weil du bist, wie du bist.


* Und wenn es dich doch erwischt hat?


Dann gelten die Maßnahmen erst recht:
  • Ausruhen!
  • Warm halten!
  • Keimkonzentration verdünnen!
  • Viel trinken!
  • Schleimhäute feucht halten!
  • Langsam tun!
  • Für glückliche Gefühle sorgen!

Ohne diese Basics können selbst die besten Medikamente nicht wirken. Schleimlöser (Expektorantien) - egal ob Acetylcystein oder Kräuterzubereitungen aus Thymian, Efeu, Umckaloabo, oder was auch immer, brauchen genug Flüssigkeit im Körpersystem.

Unterstützend könntest du inhalieren: mit einem Ultraschall-Vernebler der neuen Generation, den IH50 von Beurer zum Beispiel, das Modell kenne ich aus der ambulanten Pflege.
Die alte Methode "heißes Wasser in Schüssel - Handtuch über'm Kopf - rote Birne" kann da nicht mithalten.

Und vor allem AUSRUHEN! Dein Immunsystem soll arbeiten. Du nicht.

Ich verbiete dir hiermit, dich über im Erkältungsfall eingeschränktes Funktionieren zu ärgern. Genieße lieber die Zeit, mal auf dem Sofa abzuhängen, mit einem guten Buch oder sogar vor dem Fernseher!

Verwöhn dich selbst! Gerade jetzt!
Das hast du verdient.

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel
(... while eating my own dog food ;)







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Donnerstag, 19. Januar 2017

"Mein Leben als Schiffskater" - Gastbeitrag von Peter Ripota

Wieso geht man ausgerechnet zum Tango? 



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Sein Leben als Schiffskater

Erfahrungsgemäß ist es ein schier unmögliches Unterfangen, Non-Tangoistas diese ganz besondere, beihnah magnetische Anziehung verständlich zu machen, die der Tango argentino auf uns „aficionados“ ausübt. 

Und selbst unsere tangoverrückten Kollegen können dir (und sich) die Tiefe dieses Verlangens oft nur schwer erklären. Enthusiastisch werden gerne als Tatmotive genannt:


Die Musik!
Die Freiheit der Improvisation!
Das so intensive Erleben des Augenblicks - umarmt und umarmend!
In Zauberreichen schwebend alle - wirklich alle - Emotionen ein- und ausatmend! Hossa!


Trotz aller sichtbaren Begeisterung bekommst du hilflose, dürre Worte geliefert, die nur an einem kleinen Teilaspekt kratzen können: Pressemeldungen vom Großhirn.

Was genau bewirkt die Faszination für Tango argentino denn nun wirklich? 


Bei wem? Und warum?
Braucht man, um Tango zu lieben, eine eigenartige Persönlichkeitsstruktur? Falls ja, welche?
Ist es hilfreich, ein bissel zu spinnen? Falls ja, wie? Spinne ich ein bissel, weil ich Tango tanze oder tanze ich Tango, weil ich ein bissel spinne?
Warum tu ich mir das immer wieder an? Körbe? Sitzenbleiben? Tangokrisen? Stochern in fadem Schrammel? Weite Anfahrt, Parkplatzsuche, Großstadtarroganz?
Warum geht man ein andermal nach einer Milonga so vor Glück bebend nach Hause - tangosatt - obwohl man in der Musik schwimmend das gesamte Spektrum der Gefühle durchmisst - Blut und Schweiß und Tränen? Die Liebe und das Leben und all das - die volle Dosis, konzentriert in ein paar Tänzen? 

Oder bilde ich mir das alles nur ein? Sind wir Freaks? Wenn ja - welcher Art? Oder ist Tango einfach nur Tango? Träumen wir? Oder was? Fragen über Fragen...

Um den Antworten ein wenig näher zu kommen, hilft es vielleicht, einem „Milonguero viejo“ zu lauschen. Nach unendlichen Strapazen, therapiedurchgemühlt, hat er seinen ureigenen Grund gefunden, warum er ausgerechnet Tango tanzen muss. 


So ist es mir eine große Ehre und seefrische Freude, dir Peter Ripotas Geschichte „Mein Leben als Schiffskater“ präsentieren zu dürfen. 

 
Dieser Artikel  erscheint zeitgleich in Peter Ripotas „Notizen aus dem schwarzen Loch“:

http://ya0m.r.bh.d.sendibt3.com/33i6anw17fl.html

Bühne frei, ahoi und viel Vergnügen!




Mein Leben als Schiffskater

Nachdem keine Therapie funktioniert hatte, um mich von meinen diversen seelischen Leiden zu befreien; nachdem ich vergeblich Verhaltens-, Gruppen-, Gesprächs-, Psycho-, Logo- und Magnetfeld-Therapie versucht hatte, riet mir meine Therapeutin zur Erforschung meines früheren Lebens. Und siehe da: Durch diese Erkenntnisse ließen sich die Seltsamkeiten meiner jetzigen Existenz endlich erklären!

Was mich schon immer wunderte: Ich liebte alles, was mit dem Meer zu tun hat, von Hans Albers über Freddy Quinn bis zu argentinischen Tangos, die zwar nicht vom Meer, wohl aber von viel Sehnsucht nach der Heimat (jenseits des Meeres) handeln. Dabei gibt es in meiner Heimat kein Meer, keine Seemänner, und getanzt wird Walzer, nicht Tango. Doch bei aller Liebe zum Meer: Wasser in größerer Menge finde ich furchtbar. Schon in einer Badewanne mittleren Ausmaßes habe ich Angst vorm Ertrinken. Aber Kreuzfahrten liebe ich, da kann ich stundenlang aufs Meer starren. Doch Reingehen ist nicht meine Sache.

Die Gründe dafür wurden mir klar, als ich mein Leben als Schiffskater neu erlebte, auf irgendeinem Piratenschiff, wobei der Unterschied zu normalen Frachtschiffen nicht so klar war - und mich auch wenig interessierte. Das Leben als Schiffskater ist etwas anders als die meisten glauben. Meine Hauptaufgabe war laut Anstellungsvertrag (ja, wir Katzen hatten damals noch Rechte, ganz ohne Gewerkschaft!) das Jagen und Vernichten von Ratten, die überall auf dem Schiff herumliefen. Aber das tat ich nicht. Die Menschen haben so komische Vorstellungen von der "Natur", bei der es angeblich nur ums Überleben des Besseren geht und jeder jeden frisst, sofern dazu fähig. Kompletter Unsinn, den sich ein magenkranker Engländer mit viel Bart und wenig Haaren ausgedacht hat. Ich hab mich, wie alle Schiffskatzen, mit den Ratten gut verständigt. Ich ließ sie in Ruhe, sie ließen mich in Ruhe. Sie kriegten von mir gelegentlich was zum Fressen, das mir nicht schmeckte (z.B. dieser widerlich versalzene Speck), und sie waren froh, wenn ich ab und zu ihre Bevölkerung (nach ihren Wünschen) ein wenig dezimierte. Ansonsten kamen wir gut miteinander aus. Sie versteckten sich bei Inspektionen, ich warnte sie davor. Denn was die Menschen vorhatten, wusste ich immer. Wir Katzen können zwar nicht verstehen, was die Menschen über ihre seltsamen Laute einander mitteilen - aber ihre Gefühle, ihre echten Wünsche und Intentionen kennen wir sehr wohl.

Als wohlerzogener Kater nahm ich regelmäßig an den Mahlzeiten in der Offiziersmesse teil. Pünktlich eine Viertelstunde vor Beginn des Essens saß ich auf meinem Platz neben dem Kapitän, dann machte ich meine Runde und holte mir von jedem, was mir zustand. Manche Matrosen waren so verfressen, dass sie alles in sich hineinstopften, und dabei fiel ihnen so viel aus ihren Mäulern, dass ich die Sachen nur zusammenwischen musste. Einer redete ununterbrochen, bis ich ihm mal während seiner Elaborate mit meiner Pfote was aus dem Mund holte, zum allgemeinen Gelächter der anderen.
Doch das Üble auf dem Schiff war das Wasser. Wenn es regnete, das ging ja noch. Ich verkroch mich unter eine Plane und schleckte dann mein Fell trocken, bis mein Magen voller Haare war. Aber wenn Sturm aufkam, gischteten die Wellen über das Deck, und es gab keine Flucht vor ihnen. Das Salz kriegte ich nicht mehr aus den Haaren, ich klebte und roch nach Pökelfisch. Widerlich. Dafür spielte Hein, der Künstler, mit seiner Donald-Duck-Mütze und den Pluderärmeln, am Abend auf seinem Schifferklavier (er nannte es "Concertina") melancholische Stücke, von denen er behauptete, es wären Tangos, und er hätte sie in Buenos Aires aufgeschnappt. Die anderen tanzten dazu. Naja, Tango war's wohl keiner, mehr ein Sirtaki, oder ein schottischer Reigentanz, aber egal. Die Musik hat mich fasziniert, ich tanzte mit, natürlich auf meine Art - geschmeidig, elegant und musikalisch, eben katzenhaft.

So führte ich ein erfülltes Leben, bekam meine Schmuse-Einheiten von den Männern, durfte im Bett des Kapitäns schlafen (wenn ich ihm vorher eine tote Ratte überreichte, sozusagen als Gastgeschenk), blieb in den Häfen an Deck (an Land gab's Leute, die Katzen aßen - Barbaren!), und alles wäre gut gegangen, hätten meine Mannen nicht eines Tages ein anderes Schiff gekapert. Sie nahmen die Mannschaft gefangen und entsorgten sie später im Meer (wir hatten zu wenig zum Essen für all die hungrigen Mäuler). Nur die eine Frau, die sich als Matrose getarnt hatte, die behielt der Kapitän, aus erzieherischen Gründen, wie er sagte. Was er damit meinte, sagte er nicht; vermutlich brachte er ihr die Grundlagen einer erfolgreichen Navigation bei. Das Problem war nur ihr Anhängsel, ihre Muschi. Ich meine ihre Katze, ein verzogener Fratz, verwöhnt, verweichlicht, durchtrieben und arrogant. Ich wollte, wie es meine Art ist, mit ihr Freundschaft schließen, aber sie ließ mich abblitzen. Schlimmer noch: Sie schaffte es irgendwie durch falschen Charme, meine Stelle beim Kapitän und bei den Matrosen einzunehmen. Ich wurde zum Nichts. Ein von mir angezettelter Aufstand meiner Rattenfreunde gegen sie lief ins Leere, denn sie flüchtete in die Kabine des Kapitäns und verriet den Haufen Langschwänze an den ersten Offizier, der mit den armen Vierbeinern kurzen Prozess machte, soweit er ihrer habhaft wurde. Ich verzog mich in den finstersten Winkel des Schiffs, wo es nach Faulwasser, Stinkefisch und Schimmelholz roch. Das war kein Leben.

So beschloss ich, trotz aller Gefahren, mit meinen Rattenfreunden das Schiff zu verlassen. Da war eh nichts mehr zu holen. Im nächsten Hafen (keine Ahnung, wo) marschierte ich von Deck, markierte zum letzten Mal den Landungssteg und machte mich auf die Suche nach - wonach? Die anderen Katzen im Hafenviertel dieser verkommenen Stadt (war das Buenos Aires?) schreckten mich ab, sie waren verwahrlost, verhungert, ungebildet und voll roher Scherze. Allein gefiel's mir aber auch nicht, doch die Katze meiner Träume fand ich trotz intensiver Suche nicht. Ich fühlte mich wie in den Texten dieser Tangos, verraten, verlassen, verfemt, und in meiner Verzweiflung tröstet ich mich mit dem Gedanken: Vielleicht findest du sie ja im nächsten Leben...


Gut, dass er wohl gestorben ist.
Drum tanzt er wieder - heute!


Vielen Dank an Peter Ripota!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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Montag, 9. Januar 2017

Pflege-Sprechblasen aus der Teppichetage

Beliebte, häufig verwendete Textbausteine bettferner Mitarbeiter in der Alten- und Krankenpflege - höchst subjektiv gewertet, kommentiert und mit möglichen Antworten garniert!



image article pflege



Kennst du das?
Du bist zu einer Zeit aufgestanden, als der Mond noch sein Nachtlichtlein fröhlich zur Erde geschickt hat. Hast dein Auto aus dem Schnee gegraben, bist vielleicht mit anderen Frühschichtlern feiertags im Stau gestanden, um die kranke Kollegin zu vertreten. Eigentlich hättest du frei...
In deiner Freizeit recherchierst du medizinische Hintergründe oder weitere pflegerische Maßnahmen, um die Qualität zu optimieren.
Die Arbeit an der Front muss ja erledigt werden: Dein(e) Patient(en) kann man nicht in die Garage schieben und das Tor schließen. The show must go on!

Der Tag läuft soweit ohne Probleme, der Patient ist nicht nur fachgerecht, sondern sogar prima versorgt: Er fühlt sich wohl an Leib und Seele, kein Dekubitus, keine Kontrakturen, keine Infektionen etc. Deinen Kollegen und dir gefällt die Arbeit am Bett. Ihr seid richtig gut darin, habt diverse Fobis, Erfahrung und Fachwissen.

Bis sich ein eigenartiger KONTAKT ergibt - eine Begegnung mit der dritten Art - ob Personaler, Pflegedienstleitung oder ähnliches, ist dabei egal. Die Berufsbezeichnung leuchtet firmenabhängig in englisch oder deutsch auf den hübschen Visitenkärtchen. Die Herrschaften greifen alle in dieselbe Kiste mit wohlformulierten Textbausteinen. Die können sie auswendig hersagen und, wie im Kommunikationsseminar gelernt, mit Betroffenheitsmimik(ry) verbrämen. Manchmal bringen sie - falls sie sich zu einem Ausflug in die Wildnis entschließen - auch Glasmurmeln für die Eingeborenen mit. Oder Kulis oder Bonbons oder so.

Da sich die abgesetzen Wortkonstrukte aus dem operativen Part der Pflege unabhängig von der genauen Stellenbeschreibung gleichen, verzichte ich auf genaue Zuordnung der jeweiligen Berufsgruppe.

Et voilà!

"Machen Sie viele Überstunden? Oh, das tut uns leid. Sie brauchen hier noch mindestens eine Vollkraft! Wir geben das weiter an die Geschäftsleitung!"

Dieser Teppichetagenbewohner weiß ganz genau, wie es um die Personalsituation steht. Die Geschäftsleitung auch - es liegen ja schon einige Überlastungsanzeigen vor. Vor einigen Jahren hast du solche Aussagen naiv-hoffnungsvoll ernst genommen, Ideen entwickelt, Vorschläge gemacht, die potenziellen Gründe diskutiert. Passiert ist wenig bis gar nichts. So sparst du deine Puste, verschwendest maximal ein "Ja!" zum Thema Überstunden und ein "Tun Sie das!" zur Informationsweitergabe. Lieber regelmäßig Briefe an die Geschäftsleitung mit der Bitte um Gehaltserhöhung schicken. Ein meist mehr Erfolg versprechendes Vorgehen.

An eine neue Bewerberin: "Wir machen Ihnen einen schönen Vertrag!"

Dazu kann ich nur sagen: Bevor du unterschreibst...
1. Lies den Vertrag!
2. Lies den Vertrag!
3. Lies den Vertrag!

Kläre den Bruttostundenlohn, die Zuschläge,die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Entlohnung im Urlaub und die Zahl der Urlaubstage.

Bei ambulanter Intensivpflege außerdem: Was wird sein, wenn dein Patient ins Krankenhaus muss oder stirbt? Spesen? Übernachtungskosten?

Verlasse dich nicht auf mündliche Versprechungen: Im Ernstfall sind diese unmöglich nachzuweisen. Werden die Punkte nicht schriftlich fixiert, unterschreibe einfach nicht! Die Firma braucht dich dringend. Ich gehe davon aus, dass deine Forderungen nicht unzumutbar sind. Kommt man dir nicht entgegen (schriftlich), gibt es genug andere personalmangelige Pflegeanbieter, bei denen du unter passenderen Bedingungen arbeiten kannst.

Zur Bewerberin: "Natürlich können Sie Ihre Dienste frei gestalten! Natürlich können Sie nur im Nachtdienst arbeiten!"

Nein, kannst du nicht.
Die Dienstplangestaltung liegt in der Verantwortung der Teamleitungen, mit welchen Teppichetagler sich in der Regel nicht absprechen. Die Chefinnen an der Front müssen sich schließlich neben den Neuankömmlingen auch mit den schon vorhandenen Mitarbeitern und deren Verpflichtungen  arrangieren.

Also sprich zuerst - bevor du den Vertrag unterschreibst - mit der Teamleitung und kläre, ob du den Anforderungen für besagte Stelle wenigstens teilweise entsprechen kannst und/oder willst. Fast immer findet sich ein Kompromiss. Teamleiterinnen sind erfahrungsgemäß offen und ehrlich, was die Arbeitsbelastung betrifft.

Den bestehenden Teams ist es meistens lieber, ein frühes, klares "Nein, geht nicht" zu hören, als neue Kollegen zuerst sorgfältig einzuarbeiten, auf Entlastung zu hoffen und dann im letzten Moment doch wieder einspringen zu müssen, wenn der/die Neue enttäuscht entschwindet.

Zur Teamleitung nach dem Bewerbungsgespräch mit Wunschdienstplanversprechen: "Man muss gute Pflegekräfte doch halten!"

Ja! Alles andere wäre ungeschickt, wenn nicht sogar dumm, will man eine Versorgung/Station am Laufen halten. Zur Gruppe der "guten Pflegekräfte" gehören allerdings auch diejenigen, die seit Monaten unter immenser Überstundenbelastung den Laden schmeißen. DIE sind es wert, gehalten zu werden. Sie haben ihre Motivation ja schon bewiesen. Die Neue (noch) nicht.
 
"Wir bemühen uns nach Kräften, die vakante Stelle zu besetzen."

Hübsche, sehr oft verwendete, höchst beliebte Floskel. Nimm sie einfach als solche. Lächle wissend, nicke - wenn's geht - demütig.

Frage auf keinen Fall nach: Du wirst weder herausfinden, wer mit "wir" gemeint ist, noch welche konkreten Maßnahmen eingeleitet wurden. Das geht dich doch nix an! Du bist doch nur eine kleine Krankenschwester oder ein doofer Altenpfleger! Das machen doch Marketingspezialisten! Und das Recruiting-Assessment! Dein Wissen um die örtliche Mentalität, verwendete Medien in der Zielgruppe, Bedingungen bei anderen Pflegeunternehmen ist doch irrelevant!

"Hier in der Gegend ist die Konkurrenz an Pflegeanbietern enorm! Da bekommt man ganz schlecht Personal!"

Streiche gedanklich "hier in der Gegend". Es gibt überall Pflege-Firmen, die höhere Stundenlöhne zahlen. Dafür wird dort an Zuschlägen gespart, oder wo auch immer.
Der Markt sowie die ortsüblichen Löhne sind den Damen und Herrn von droben genauestens bekannt. Trotzdem wäre es für deine Gehaltsverhandlungen sinnvoll, den ortsüblichen Tarif einer Putzfrau zu kennen.

"Natürlich bekommen Sie einen Springer!"

Reinrassige Beschwichtigungsrhetorik! Ihr beide wisst doch ganz genau, dass keine Springer zur Verfügung stehen. Kurzfristig schon gar nicht. Springen wirst am Ende schon du selber oder eine deiner Kolleginnen, zähneknirschend. Habt es ja bisher auch gemacht. Geht doch! Wieso sollte da Handlungsbedarf bestehen?
Rechne einfach damit, dass der Springer im letzten Moment abspringt. Das erspart dir Frust.
Deine Erfahrungswerte bezüglich abgesprungener Springer werden rhetorisch absaufen. Schreib lieber einen Brief an die Geschäftsleitung mit der Bitte um Gehaltserhöhung.

"Wir bemühen uns nach Kräften, bei Ausfällen zeitnah für einen Ersatz zu sorgen." 

In der ambulanten Intensivpflege bedeutet das: Nimm dir immer soviel zu essen mit, dass es gegebenenfalls auch für zwei Dienste am Stück reicht. Auch die beste Personaldisponentin kann keinen Ersatz aus dem Hut ziehen nach dem alten Zauberer-Motto: "Wenn du was aus dem Ärmel holen willst, musst du zuerst was reintun!"

"Sie können doch Ihre Kollegen nicht im Stich lassen!"

"Ach, keine Oma? Kein Ehemann? Da müssen Sie schon einen Plan B haben! Einen 9-Jährigen kann man doch schon mal nachts alleine lassen, er schläft doch eh. Nein? Dann bringen Sie Ihr Kind doch einfach mit..." 

Wer lässt hier wen im Stich?
Du deine Kollegen oder dein Arbeitgeber dich?
Es ist nicht dein Job, für eine ausreichende Personaldecke zu sorgen. Dafür werden andere bezahlt (Marketingabteilung, Personaler etc.).

Wen musst du im Stich lassen? Dich selber? Essen, schlafen, Zahnarzttermin? Dein Kind? Etwa dein eigenes Geschäft? Weswegen du nur Teilzeit arbeitest?

Natürlich hält das Team zusammen. Oft genug ist jeder schon eingesprungen, wenn's brennt. Aber es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen Kollegialität und Leibeigenschaft!
Kündigung schreiben hilft nur bedingt: In den anderen Firmen läuft es ähnlich. Aber vielleicht kannst du so eine Lohnerhöhung anbahnen.

"Dann müssen Sie den neuen Kollegen halt sorgfältiger einarbeiten!"

Erkläre dem Teppichüberflieger den Unterschied zwischen "Ausbildung" und "Einarbeitung". Soll der neue Kollege eigenverantwortllich arbeiten, muss zumindest eine Chance bestehen, dass er das auch schafft. Äußere deine Bedenken sachlich und nachdrücklich, bestehe gegebenenfalls auf Versetzung des Mitarbeiters - zum Wohle des Teams und deines/deiner Patienten. Nicht alle Neueinsteiger (können) wissen, worauf sie sich einlassen.

"Die Aufbewahrung für die Tablettenschächtelchen ist staubig.
Die neuen Vorgaben vom MDK sind eben so.
Ziele in der Pflegeplanung müssen genau terminiert werden usw."

Nicken, lächeln, Debatte vermeiden. Einfach so machen.
Auch PDLs haben ihre Aufgaben. Und für kleine Machtdemonstrationen an der Front eigenen sich solche Ansagen hervorragend. Also nicken (wenn möglich demütig) und die Anforderungen halt umsetzen. Du musst keinen Sinn darin sehen. Der PDL verlässt den Ort des Geschehens sicher bald - frohgemut - und du kannst wieder in Ruhe arbeiten.
Dann folgt zuverlässig ein Fleißbildchen und der Textbaustein: "Wir wollen doch alle eine gute Bewertung."

An den Patienten: "Wir müssen schon kontrollieren, dass die Schwestern nicht Ihre Tabletten essen!"

Würde mein Automechaniker verkünden, er müsse kontrollieren, dass seine Angestellten keine Schrauben aus meinem Auto klauen, würde ich die Werkstatt wechseln. Was für ein Laden ist das dann?


"In den jetzigen Zeiten wird alles zum Pfleger ausgebildet, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Deswegen muss firmenseitig ein Recruiting Assessment vorgeschaltet werden, um die schlimmsten Bewerber vorab auszufiltern."

Klingt ohne Insiderwissen nachvollziehbar - auch ein hübsches Beispiel für Worthülsen, die an der Realität vorbeirollen wie ein Dornbusch in der Wüste. Die Teppichetageler wissen ganz genau, wo die hochqualifizierten Pflegekräfte sind: gut bezahlt angestellt oder freiberuflich. Entsprechende Anreize zum Wechsel können leider nicht geboten werden (siehe nächste Sprechblase), so dass eine Filterung vorab entfiele. Diskussion zwecklos, da bedingungslos von der Geschäftsführung eingenordet.

"Man kann die Pflege aus einem humanitären oder kaufmännischen Blickwinkel betrachten!"

Sozialromantik ist ein feines Hobby. Leider akzeptieren weder mein Vermieter noch der Discounter meines Vertrauens Idealismus als Zahlungsmittel. Auch "Pflegeleuten am Bett" darf man zutrauen, ihre erbrachten Leistungen unter kaufmännischen Gesichtspunkten zu betrachten.

"Die Krankenkassen zahlen immer weniger!"

Würden mit dem Verkauf von pflegerischen Leistungen nicht die Kassen klingeln, hätten dann nicht schon mehr Firmeninhaber die Branche gewechselt? Ich habe gehört, Pferdewetten wären einträglich.


"Der Mensch ist Mittelpunkt!" 
Mein persönlicher Favorit.


Der Mensch ist Mittel. Punkt!


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel






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Mittwoch, 28. Dezember 2016

Weihnachtsglitzern! Kinderaugen!

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen?

image blog tangofish weihnachtsglitzern







20.12.
Plätzchen backen, Stau umfahren. Hat der Wertstoffhof noch auf? Kind, jetzt mach noch deine Hausaufgaben! Wird Amazon noch liefern? Hast das Silber schon geputzt? Geschenke kaufen - auch die eigenen. Die Milonga lass ich lieber aus. Christbaum kaufen, bio sowieso. Wer holt die Omi eigentlich? Weihnachtsglitzern, Kinderaugen. Elefanten bringt das Christkind nicht. Schreib deine Wünsche sauber auf.

23.12.
Das kann das Christkind doch nicht lesen! An Schwägerin durch's Telefon: Nein, die Spielkonsole kriegt er nicht! Wann und wo sollen wir bei wem dann sein? Reicht das Klopapier die Feiertage? Reicht die Zeit, daheim, allein? Zum Duschen, packen, Sternderl falten? Karten schreiben, Weihnachtswünsche. Wie, die Gans vegan?

24.12. 
Dein Schwager kann die Knödel essen, sind ganz ohne totes Tier. Hemden bügeln, Kleidchen suchen. Hohe Schuhe für die Nacht. Das Babyfon wirst du nicht brauchen, Zucker putscht die Kinder gründlich. Wer holt die Omi denn nun ab?

Pfoten weg, das ist zerbrechlich! Bindest jetzt den Christbaum auf? Keine Kerzen, lieber Lämpchen. Gemischter Chor im Radio. 87 Knödel fertig. Weihnachtsglitzern, Kinderaugen. Dafür ist die ganze Show! Holst du bitte die Geschenke? Dunkel wird's. Pflock deine Neffen richtig an. Ihre Mutter nimmt ein Bad. Nein, der Engel will nicht Katze reiten.

Klingeling! Erst wird gesungen! 2. Strophe? Kein Problem. Mund bewegen, artig schauen. Weihnachtglitzern, Kinderaugen. Zappeln, essen, Ranzen voll. Gelächter und Geschichten, alle schon so oft gehört. Knistern, staunen: Oh, wie schön! Das haben wir uns echt gewünscht! Höflich lügen, Müll getrennt. Die Kinder schießen wie Raketen. Menschen plaudern, Sherry schimmert. Der Christbaum steht noch. Baby plärrt. Verhungert es? So schmal, die Kleine. Hat gewiss nicht genug Milch.

Katze frisst die Essensreste. Wäschekörbe sind gepackt. Geschenketauschmission erfolgreich! Wer holt die Omi denn nun ab? Kinderaugen, Weihnachtsglitzer. Schlafen ist auf spät verlegt. Ja, ich fahr', hab nix getrunken. Spielkonsole noch verboten. Süße Träume? Krisenmanagement.

25.12.
Ja, es wird geduscht! Du stinkst, mein Kleiner, mit Verlaub. Was sollen deine Tantchen denken? Schuhe putzen, Hemd aufbügeln. Schmuckgeschenk von gestern angelegt. Karten schreiben: Glückwunsch, Friede, guten Rutsch. Menschen treffen, kaum bekannt. Genügt verwandt? Augenringe überschminkt.

Klingeling! Erst wird gesungen! 2. Strophe? Kein Problem. Mund bewegen, artig schauen. Weihnachtglitzern, Kinderaugen. Zappeln, essen, Ranzen voll. Gelächter und Geschichten, alle schon so oft gehört. Knistern, staunen: Oh, wie schön! Das haben wir uns echt gewünscht! Höflich lügen, bissel streiten, Müll getrennt. Die Kinder schießen wieder wie Raketen. Menschen plaudern, Sherry schimmert. Der Christbaum steht noch. Baby plärrt. Zu kalt? Zu heiß? Die Windel voll? Tantchen schuckelt, Bruder kotzt.

Packen, Kinder sammeln. Post-Kotz-Wäschewechsel. War erwartet. Weiter. Auf geht's. Nächstes Event. Weihnachtsaugen, Kinderglitzern. Wer holt die Omi denn nun ab?

Klingeling! Da capo. Nicht (!) al fine.

Daheim. Geschenke raus. Weihnachtsgrüße pöppen rein. So friedlich soll Weihnachten sein? Ach, die Omi bleibt daheim?

26.12.
Geht heut Hose? Schick genug? Omi und Mischpoke warten! Kinder, kommt! Die nächste Gans. Hat Omi WLAN? Keine Ahnung. Die Spielkonsole bleibt zu Haus. Kannst Karten mit den Tantchen spielen. Tanken nicht vergessen. Heimlich rauchen. Nachbarn winken. Friedliche Weihnachten! Wo denn bloß? Menschen plaudern. Glühwein schimmert. Zungen schwer. Themen gehen aus. Weihnachtskinder, Augenglitzern. Kinder streiten. Neffe gewinnt: Elefant vom Christkind. Raufen, Krisenmanagement. Kinder lüften. Baby plärrt.

Klingeling! Da capo. Bald geschafft!

Packen, Kinder sammeln. Destrudo an der Gans ausleben. Die Tupperschüssel mit dem Rest. Weihnachtsoptimierung für die Kinder. Für wen denn sonst der ganze Zirkus? Erinnerung, die bleibt? Wem? Kuss für Menschen, die ich fast nicht kenn'. Sind die verwandt? Tanken doch vergessen. Ja, ich fahr. Morgen nochmal treffen? Sind doch selten da! Dankbarkeit am Weihnachtsabend?

***
Irgendwann hat's mir gereicht.

Warum nicht daheim bleiben an Weihnachten?
Ganz in Ruhe? Optimierungsfrei?
Einfach essen. Das, was schmeckt.
Mit Menschen, die man wirklich gern hat -
auch wenn grad nicht Weihnachten ist.
Einfach gemütlich, vollkommen programmfrei zusammensitzen?
Und nur solange, wie man möchte?
Ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Und in der restlichen Zeit feiertagsblümeln?
Zeit nehmen, um den Gedankenarbeitsspeicher Cache zu leeren?
Sich einfach mal gepflegt langweilen!
Gegebenenfalls zusammen mit den Kindern. 
Kerzen beim Abbrennen zuschauen.
Warum keinen Krimi an Heilig Abend?
Kein Problem mit Internet.
Im Gammelpulli auf der Couch.
Oder Teppich zusammenrollen, Tango tanzen.
Und es fährt kein göttlicher Blitz vom Himmel herab.

Verweigerung bringt Sippenstrafe?

Ja und? Mord und Prügel sind verboten.
Das würde strafrechtlich verfolgt.
Dafür darf ich in einigen Sandkästen nicht mehr mitspielen.
Und das ist gut so.

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel






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Mittwoch, 14. Dezember 2016

Pablo will im Himmel sein

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"Bist du schon mal aus dem Himmel herausgefallen?"
Aha. Pablo arbeitet mal wieder an seiner Selbstoptimierung. Um Zeit für eine Antwort zu schinden, bücke ich mich hinter das Sofa, wo die Weihnachtspyramide in ihrer alten Schachtel auf Aufbau wartet.

"Wie meinst du das: 'aus dem Himmel gefallen'?",
frage ich ihn, diverse Holzmännchen und Schäflein in den Händen. Ich stelle sie in Staureihe auf den Couchtisch. Der Mohr kippt immer wieder um - zu viel alter Pattex unter seinen nicht vorhandenen Füßen.

"Zack Bumm! Halt aus dem Himmel heraus auf die Erde. Plumps! Padauz! Aufgeschlagen im Dreck."

Es scheint ihm ernst zu sein. So überlege ich sorgfältig, komme aber zu keinem Ergebnis. Das würde ja voraussetzen, dass ich wüsste, wo der Himmel ist. Ich weiß es definitiv nicht!

"Muss man nicht tot sein, um in den Himmel zu kommen?"
Mit meinem alten Taschenmesser befreie ich die Figürchen eines nach dem anderen von Klebstoffkrusten. Pablo steckt derweil die Propellerflügel vorsichtig in die Achse.

"Nicht zwingend!"
Mit einem Propellerflügel wedelnd markiert er analog seine Aussage. 

"Reicht ein bissele tot?" 
Ich nehme ihm den Rotor ab und korrigiere die Kippung der Hubschrauberflügel. Sonst läuft die weihnachtsmodellige Ronda rückwärts. Und die Heiligen Drei Könige kommen nie an. Das wär' blöd.

"Der Himmel ist doch nicht nur für Leichen konzipiert! Manche Leute sind schon die ganze Zeit drin. Ich zum Beispiel. Wenn man eh schon im Himmel ist, muss man nicht mehr hinein."
Wenn ich nicht aufpasse, mampft er mir alle Kokosmakronen weg.

"Aber du sitzt doch hier bei mir und schraubst Weihnachtsdeko zusammen!"
Platz auf dem Tisch schaffen simulieren! Kokosmakronen erfolgreich evakuiert! Prima - dafür fummelt er halb eingetrockneten Leim zu kleinen Kügelchen, die er an den Rand seiner Teetasse pappt.

"Ja, schon, aber quasi feinstofflich auch im Himmel. Der ist ja überall."
Er versucht heimlich seine mit Holzleimschmodder verschmierten Finger an meinem Lieblingsgeschirrtuch abzuwischen. Ich reiche ihm wortlos einen alten Lumpen hinüber, den er dann artig benutzt.

"Außerdem arbeite ich ständig an meiner spirituellen Entwicklung! Mit Mentaltechniken und so. Weißt schon: 'New Behaviour Generator', Meditation, Achtsamkeit, 'gewaltfreie Kommunikation im Tango leicht gemacht', 'ausgefuXte Visualisierungen für mehr Selbstbewusstsein (bewusst mit X!)', das Erleuchtungsseminar im Sommer ...  übe alle Techniken, um 'in die Kraft zu kommen' - in den Himmel halt. Und vor allem, um dort zu bleiben!"
Das Display seines Smartphones wird mittels Leimlumpenwischung nicht unbedingt sauberer.

"Bist so lieb und schiebst mir grobstofflich den Leimtopf rüber?"
Josef stürzt auf Maria. Ihn klebe ich als Erstes wieder an seinen Platz auf der mittleren Etage.

"Also bist nicht tot, aber trotzdem im Himmel? Klingt nach einem Haufen Arbeit..."
Ich muss mir unbedingt einen Kniff überlegen: Ich kann Josef auf keinen Fall so lange stützen, bis der Leim abgebunden hat. Pattex hab ich nicht im Haus, und der Baumarkt hat schon zu.

"Ja, isses! Weil wenn jemand merkt, dass ich noch kein Meister bin, fliege ich stante pede raus."
 
Knetmasse! Das isses! Kleine Würste zu einem Ring gewickelt sollten als Stütze funktionieren.

"Und wer hat für eine fristlose Himmelskündigung die Entscheidungsbefugnis?"

Pablo lässt die Schäfchen die Bremer Stadmusikanten darstellen. Ohne Hilfsmittel.
Okay, dann klebe ich sie halt erst zum Schluss an ihren Plätzen fest. Schon irgendwie süß, wie sie ihre streichholzdünnen Beinchen fast artistisch in die Luft recken.

"Die anderen Meister natürlich! Manchmal binden sie einen, den sie der Nichtmeisterschaft verdächtigen, zur Warnung an ein Bungeeseil und lassen ihn auf und ab pöppen. Kannst dir das vorstellen?"

"Bist du sicher, dass du vom 'Himmel' sprichst? In den von dir beschriebenen Sphären scheint mir ein rechtes Lumpenpack zu hausen."
Dem Engel fehlt Goldfarbe am linken Flügel. Statt mit Lack - der mir zu lange zum Trocknen brauchen würde - bessere ich die Stelle mit silbernem Fasermaler aus. Sieht man nicht bei Kerzenschein. Wie meine paar grauen Haare und Falten um die Augen.

"Wurde Amateurismus zweifelsfrei nachgewiesen, schubsen sie einen aus dem Himmel hinaus! Dann Plumps, padauz, Landung im Dreck!"
Pablo trifft den Schafturm gestikulierend mit dem kleinen Finger. Wir klauben die Tiere vorsichtig vom schokoladenbraunen Hochfloorteppich. Heuer schenke ich den Schäflein Bobbelfüße aus weißer Knete. Bis Weihnachten werden sie schon halten.

"Warum gibst dich überhaupt mit einem solchen G'schwerl ab? Das soll 'himmlisch' sein?"
Ganz sachte setze ich die Achse mit den verschiedenen Leveln auf den Drehpunkt. Himmelwärts hält der Propeller die fragile Geschichte zusammen. Hoffentlich sind die Knetmassewürste nicht zu schwer.

Der Antrieb fehlt noch: 4 KS (Kerzenstärken). Ich drücke Pablo die Streichholzschachtel in die Hand. Er zündet sich eine Zigarette an.

"Pablo! Da unten brauchen wir Feuer!"
Zähneknirschend verbiete ich mir die Frage, ob Weihnachtskonstrukte kleine Höllenfeuer eingebaut haben dürfen.

"Schön, wie die Bienenwachskerzen duften...",
meint er. Alle viere hat er angezündet, ohne sich die Pfoten zu verbrennen.Respekt!

Ich schalte das elektrische Licht aus. Er wechselt für bessere Sicht auf die Weihnachtspyramide neben mich auf's Sofa. Laible krümelnd und Tee trinkend betrachten wir stolz unser Werk, das beginnt, sich ganz langsam zu drehen.

"Da herunten ist doch auch nicht schlecht. Ich bin gern hier auf der Erde."
Die letzte Kokosmakrone knirscht zwischen meinen Backenzähnen. An der Zimmerdecke tanzt der Propellerschatten. Alles ist stille und friedlich.

"Bist ja auch kein MEISTER. Drum kannst auch nicht vom Himmel fallen."
Kein Schnurrbartzucken. Kein Grinsen. Keine Gänsefüßchen. 
Pablo filmt mit seinem Smartphone die Weihnachtspyramide. Dann lädt er meine schöne Besinnlichkeit hoch in seine Facebookgruppe.


Manchmal verfluche ich diese in Verstandesschatten gepflanzten Sprüche. Die wachsen dann gut gedüngt hinein in die Weltsicht, bis kein Erdenlichtlein mehr durchkommt.
Erhellen? Alternative Sichtweise? Neuinterpretation?
Schwierig! Aber möglich.

Derweil kriegt Pablo einen Sturzhelm von mir zu Weihnachten.

Und eine große Portion selbstgebackene Kokosmakronen.

****

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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Dienstag, 6. Dezember 2016

"Haben Sie auch Placebo?" - Gastbeitrag von Gerhard Riedl

Der "Patient an sich" ist auch ein Mensch.

 
image article im prinzip tango haben sie auch placebo
Renitenter (?) Patienten-Krampus Gerhard Riedl mit rotem Mäschle (nikolauskompatibel)

Heute kommen wir zu der interessanten, quasi auf den Kopf gestellten Frage: Können Pflegende, Therapeuten oder Ärzte auch selbst "Energievampire" sein? 

Meiner Erfahrung nach durchaus - allerdings meist ohne dass ihnen dieser Vorgang bewusst ist. Die dem Patienten abgelutschte Lebenskraft wird dann zwar lobenswert nicht zur Auffüllung der eigenen genutzt, was den Prozess aber nicht besser macht.

Der Weißkittel-Bluthochdruck ist dir bestimmt ein Begriff. Die Intensiv-Fachkrankenschwester, die am liebsten Komapatienten versorgt - mit selbigen muss sie nicht reden - sitzt in dieser Schublade. Die Heilpraktikerkollegin mit gebelltem Befehl "Loslassen!!", während sie dir ihre bestimmt tolle Spezialmassage in einem eiskalten Raum zuteil werden lässt, mag (oder kann) ebenso nur einen kleinen Teilaspekt ihrer Patientin erkennen. 

Wenn Kampf und Flucht auf der Agenda stehen - in eher sympatikuslastigen Situationen - haben Leib und Seele schlicht keine Zeit und Aufmerksamkeit frei, um das Immunsystem hochzufahren, die Durchblutung und Ernährung im sogenannten kranken Bereich zu verbessern, zur Ruhe zu kommen und gesund zu werden. Egal, ob der Säbelzahntiger dahergaloppiert, das Pflegepersonal dich hektisch akkord-abarbeitet oder der Mediziner sorgenvolle Brummellaute während einer Untersuchung von sich gibt.

"Heilung" bzw. "Linderung des Leidens" geschieht nicht nur meiner Erfahrung nach wesentlich besser in einem friedlichen Umfeld, die dem Patienten die Umschaltung Richtung Parasympatikus gestattet. Hier wird im Moment fleißig geforscht, und ich hoffe, dass die Studienergebnisse in nicht allzu langer Zeit auch auch das medizinische Fußvolk an der Patientenfront erreichen. Rühmliche Ausnahmen gibt es ja bereits.

Vielleicht sollte uns "Medizindienstleistern" jeglicher Couleur dieser Punkt eher zu denken geben als die ständigen Streitfragen, wer denn nun als Spinner einzuordnen wäre, geschweige denn, wer recht hat?

Hören wir unseren Patienten doch einfach mal zu! 

Die wissen nämlich oft ganz genau, was sie brauchen und was nicht, sind gescheiter als wir uns anmaßen, zu meinen.

Deswegen freue ich mich, einen Gastbeitrag des geschätzten Bloggerkollegen und renitenten (?) Patienten-Krampus Gerhard Riedl kredenzen zu dürfen, der aus der Sicht des "Users" das Thema beleuchtet. Wegen Nikolaus mit einem roten Mäschle.
Bühne frei!
 
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Haben Sie auch Placebo?


Neulich unterzog ich mich – wie jedes Jahr – einem Gesundheitscheck. Wenn man vor acht Jahren eine Krebsdiagnose erhalten hat, wird man doch etwas vorsichtiger und geht nicht erst bei Beschwerden zum Arzt. Allerdings fühle ich mich in der Woche um diesen Termin herum stets saumäßig.

Es ist sicherlich jedes Mal aufregend, auf die Ergebnisse zu warten. Die Hauptursache aber ist eine andere: Technisch bin ich bestimmt in besten Händen – ein positives Verhältnis zu dem Mediziner hat sich jedoch nicht entwickelt, im Gegenteil. Dabei gäbe es Gründe hierfür: Immerhin gelte ich nach schulmedizinischen Standard als „geheilt“ – das damals diagnostizierte Non Hodgkin-Lymphom hat sich nach Chemotherapie und Antikörperbehandlung bislang ohne Rezidiv verabschiedet.

Wäre dies nicht ein Anlass, mir irgendwann einmal zu sagen, das hätte ich gut gemacht, mir eventuell sogar zu diesem Erfolg zu gratulieren? (So wie meine Heilpraktikerinnen, von denen ich das öfter höre!) Offenbar nicht. Kuriert haben mich ja die Onkologen, nicht ich selbst! Das letzte Mal fragte der Arzt mich, in meiner dönerdicken Krankenakte blätternd: „Hatten Sie damals auch eine Chemotherapie?“ Ich leide sonst nicht an mangelnder Schlagfertigkeit, doch diesmal blieb mir die fällige Antwort im Halse stecken: „Nö, natürlich nicht, ich hab das mit Aprikosenkernen weggekriegt!“

In Wahrheit waren die zwölf Sitzungen Chemo und das sonstige Klinikprogramm nicht vergnügungssteuerpflichtig – ich habe mich dennoch dem Regime der Schulmedizin unterworfen und es ohne größere Schrammen überstanden. Allerdings holte ich mir weitere Hilfe: Eine Tangofreundin, welche damals gerade ihre Überprüfung als Heilpraktikerin bestand, kümmerte sich intensiv um mich, ebenso ein von ihr empfohlener Arzt, der auf Naturheilkunde spezialisiert war – meine Ehefrau nicht zu vergessen.

Das Wichtigste aber: Irgendwie war mir klar, dass ich nicht am „Lymphdrüsenkrebs“ sterben würde – fragen Sie mich nicht, warum! Und ich war vom Erfolg aller Therapien überzeugt und beschloss gleichzeitig, der Krankheit in meinem Leben nicht mehr Raum zu lassen als nötig. Daher ging ich weiter zum Tanzen und gab Zaubervorstellungen, oft im Anschluss an die Chemositzung im Krankenhaus – auch wenn das bei meiner sicher nicht zaghaften Heilpraktikerin leichte Panikanfälle auslöste. Dennoch ermutigte mich mein näheres Umfeld stets darin, an mich und meine Heilung zu glauben.

Anekdote am Rande: Beihilfe und private Krankenversicherung bezahlten fast alle Therapien, sogar die komplementären – mit Ausnahme einer Behandlung, welche mir besonders gut tat: der Visualisierungen. Soviel zur Abrechnungs-Logik unseres Gesundheitssystems…

Wer hat mir nun zu wieviel Prozent geholfen: die Zytostatika und Antikörper, die Naturheilkunde, die Endorphine bei Zauberei und Tango, die Zuversicht meines Umfelds – oder doch ich mir selber?

Ich habe neulich (zusammen mit Manuela Bößel) eine Rezension des Buches von Anousch Mueller geschrieben: „Unheilpraktiker: Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen“. (Von den Lesern bei „Amazon“ erhielt diese Besprechung sehr viel Zustimmung und führte zu über 160 Kommentaren!)

Für die Autorin ist die Sache ganz einfach: „Eine optimale Arzneimittelstudie verläuft placebokontrolliert, doppelt verblindet und randomisiert.“  Also Placebo plus echtes Medikament halbe-halbe, keiner weiß, was er gerade gibt bzw. nimmt, alles und alle zufällig ausgewählt. Nach diesen Kriterien haben nur die schulmedizinischen Präparate geholfen: „Für die meisten paramedizinischen Therapien konnten bis heute keine Wirksamkeitsnachweise erbracht werden.“ (Ich lasse lieber die Grübelei darüber, welche Studien von wem finanziert werden, und wer die Fragen passend zu den Antworten formuliert…)

Okay, Akupunktur hilft vielleicht ein bisschen bei Migräne, Zuwendung sowie gar Berührung erhöhen den Serotoninspiegel und Heilpraktiker nehmen sich mehr Zeit, da sie kein Ferienhaus in Spanien finanzieren müssen – aber gegen Krebs wirkt das alles nicht. Bloßer Placeboeffekt!

Bloß? Als gelernter Naturwissenschaftler bin ich inzwischen der felsenfesten Überzeugung: Ohne Placeboeffekt wären die meisten Therapien nicht mal halb so wirksam – und dessen bedienen sich studierte Mediziner (wenn sie klug sind) ebenso wie Heilpraktiker! Wenn jemand vor Angst stirbt, helfen auch keine Pillen – und: Wer recht haben will, heilt. So einfach ist das!

Ich bin sicher, man wird dereinst die Zusammenhänge zwischen Psyche und körperlichen Abläufen (z.B. im Immunsystem) genauer erforscht haben. Aber dies ficht natürlich Autorinnen wie Anousch Mueller nicht an: „Es gibt weder das Qui noch Meridiane.“ Aha. Schön, wenn man das so genau weiß…

Warum falle ich dann jedes Mal nach einer Akupunkturbehandlung in einen erquicklichen, wohltuenden Schlaf wie nach einer großen Anstrengung? Wegen dem bisschen Piekserei? Aber klar, das sind natürlich nur „anekdotische Beweise“! (Nebenbei ist es mir auch wurscht, wie man welche Leitbahnen nennt!)

In ihrem Anti-Heilpraktiker-Werk wird Frau Mueller nicht müde, vor den unseriösen Heilungsversprechen sowie fragwürdigen, ja gefährlichen Methoden der alternativen Therapeuten zu warnen. Mein Vorschlag wäre dagegen, Patienten nicht für dümmer zu halten, als sie sind: Würde mir ein Heilpraktiker mit irgendwelchem esoterischen Schmus kommen oder mir gar von ärztlicher Behandlung abraten, wäre ich schneller aus der Praxis, als er eine Rechnung schreiben kann – umgekehrt aber auch: Als ein studierter Mediziner einmal – mit unverwandtem Blick auf den Computerbildschirm – bei mir den Leberschaden eines Patienten behandeln wollte, mit dem ich nur den Nachnamen gemeinsam hatte, suchte ich meine Heilung ebenfalls in der Flucht.

Was mir jedoch besonders an Nieren und Galle geht, ist das Geschwätz von der stets hundertprozentig „evidenzbasierten“ Schulmedizin: Ich hatte ja das Vergnügen, fast 60 Jahre lang ausschließlich mittels dieser therapiert zu werden. Ärzte erlebte ich in meiner Kinder- und Jugendzeit als Personen, welche nach einem misstrauischen sowie sorgenvollen Blick auf meine blasse Gestalt reihenweise Befunde abspulten (natürlich nur drei Minuten lang): Offenbar war bei mir gar nix in Ordnung – erst recht, als ich ab zirka fünf Jahren einen veritablen Wachstumsschub hinlegte. Der ärztliche Rat: Zurückstellung von der Einschulung, Befreiung vom Sport, Schonung allenthalben. Mit neun Jahren konnte ich noch keinen Purzelbaum und fing mir einschlägige Werturteile von Klassenkameraden und Sportlehrern ein (auch so eine Spezies, die alles ganz genau weiß)…

Heute bin ich davon überzeugt: Mir fehlte damals gar nichts außer Bewegung, frischer Luft und Medizinern, die mir halfen, an mich zu glauben. Meine Frage: Welche nachweisbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse brachten meine damaligen Ärzte dazu, so einen Schwachsinn zu labern? Die Wirkung solcher Therapien bestand lediglich aus dem Nocebo-Effekt psychischer Abwertung und sozialer Isolation!

Erst mit fast siebzehn fand ich ein Metier, welches in mir erstmals den Verdacht aufkeimen ließ, an mir könnte körperlich doch nicht alles falsch sein: das Tanzen. Damit habe ich mich im Laufe der Zeit selber „geheilt“. Eigentlich logisch, dass ich dann mit Ende fünfzig sogar dem Krebs davongetanzt bin…

Mit achtzehn befand allerdings die Ärzteschaft, ich sei immerhin gesund genug für den Wehrdienst, und war durchaus bereit, in der treffend so genannten „Sprechstunde“ darüber Vorträge (gerne über drei Minuten) zu halten. Auch an diesen medizinischen, sicherlich evidenzbasierten Rat hielt ich mich nicht.

Insofern befolge ich gerne die Empfehlung von Anousch Mueller:  „Krank sein heißt schließlich nicht, seinen Verstand an der Praxistür abgeben zu müssen.“ Im Unterschied zur ihr beziehe ich diese Aussage aber nicht nur auf Heilpraktiker-Pforten. Was ich an der Tür von Schulmedizinern allerdings zurücklasse, sind meine Emotionen. Ist besser so, denn der Herr Doktor kann damit eh nichts anfangen!

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Dankeschön! 
Der Patient ist also wirklich auch ein Mensch.   
q.e.d.
Echt!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel




Rezension und Diskussion zu "Unheilpraktiker" hier auf dem Blog
 
Gerhards Tango-Report: http://milongafuehrer.blogspot.de/

Peter Riptas Artikel zum Thema:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/3144/mein-wort-zum-sonntag-die-zukunft-des-heilens
und hier:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/12286/mein-wort-zum-sonntag-was-bedeutet-heilen
und hier:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/26447/mein-wort-zum-sonntag-was-ist-krankheit
und hier:
http://wize.life/themen/kategorie/gesundheit/artikel/27181/mein-wort-zum-sonntag-was-ist-krankheit-noch-mehr-definitionen

* Möchtest du das Bild oder diesen Text verwenden?

* Mehr lesen? Hier entlang zu Manuela Bößels Büchern

Sonntag, 27. November 2016

Vom Umgang mit Energievampiren

Was du gegen das Davonfließen deiner Lebensenergie tun kannst


<image>vom Umgang mit Energievampiren
Hausbuddha mit seiner "Universelle Energie bitte da hinein!"-Pudelmütze



Kennst du das?


Gestern warst du endlich mal wieder zu Besuch bei einer alten Freundin - eigentlich ein ganzer netter Nachmittag, mit Kaffee und selbst gebackenen Plätzchen, sogar mit interessanten Gesprächsthemen. Hast dir ihre Sorgen angehört, Göttergatten plus Blagen betreffend, Lösungsansätze besprochen.

Aber nach den paar Stunden sinkst du ausgelaugt wie nach einem Marathonlauf auf dein Sofa, willst nix mehr sehen und hören, maximal einen „Tatort“ und das Schnurren deiner Katze. Komisch, das letzte Mal hat dich auch so erschöpft. Es ist doch schön, alte Freunde zu treffen! Das gehört sich so! Das hat gefälligst entspannend zu sein! Basta! „Also“, spricht dein interner Sozialkontakteverwalter, „stell dich nicht so an!“

Trotzdem will die amöbige Gefühlsqualität „ausgelutschter Kaugummi, von Kettenraupe überfahren“ nicht schwinden.

Versorgerinnen von Berufs wegen?


Du willst deine Arbeit als Krankenschwester oder Therapeutin bestens erledigen. Du bist in der glücklichen (?) Lage, eine Art „Energiefluss“ von dir zu deinem Schützling zu fühlen. Völlig unesoterisch, einfach pragmatisch spürbar perlt Lebenskraft via Handflächen und Fingerspitzen von dir zu ihm hinüber. Deinem Patienten geht es nicht so gut, dir schon. Du musst ihn doch stärken, das ist dein Job! Seine Lebensenergie in Fluss bringen! So spricht deine Berufsehre und dein Ehrgeiz. Dein Patient saugt regelrecht an dir. Dann geht es ihm sicht- und messbar besser. Das gehört sich doch so!

Blöd, dass du dich selber nach dem Kontakt schwächer fühlst. Mal mehr, mal weniger, ins Minus rutscht du immer. Das gefällt dir gar nicht, deswegen versuchst du dich mit verschiedensten Methoden vor einem Zuviel an Energieverlust zu schützen, arbeitest hart daran, deine Lebenskraft in deiner knappen Freizeit wieder irgendwie aufzufüllen. Trotz guter Nahrung für Leib und Seele, ausreichend Schlaf und allen Maßnahmen, die du deinen Patienten zur Entspannung empfiehlst, gelingt dies leider nur partiell. Wie bei einem alten Akku, der langsam, aber sicher an energetischer Inkontinenz leidet.


Beim Tangotanzen


Der Typ gestern hat wirklich schön getanzt. Ein wenig traurig hat er gewirkt. Während des zweiten Stückes flüsterte er dir ins Ohr, dass ihn seine Herzallerliebste verlassen hätte, und warum nicht alle Frauen so sein könnten wie du. So „hüüngebungsvoll". Tirili. Dann hat er sich in die Umarmung hinein geschmiegt, energiesaugend den Trost gesoffen, den du ihm selbstverständlich (?) übermittelt hast. Das gehört sich doch so! Nach den Tänzen mit ihm warst du plötzlich so müde, dass du sofort nach Hause gegangen bist. „Tatort“, Katzenschnurren, eine Tasse Tee auf dem Sofa. Ohne die gewohnte, tangoinduzierte Beschwingtheit in Herz und Schuhbeutel.


Energievampire und die Lust am Energieverteilen


Meiner Erfahrung nach gibt es sie wirklich, diese Energievampire. Bewusst oder unbewusst, mit oder ohne böse Absichten klinken sie sich ein und versuchen, einen Teil für sich abzuzwacken. Sie scheinen das als Nahrung zu benötigen.

Die Krux für den Angezapften besteht im momentanen Wohlgefühl, das der Energiefluss  auch beim Gebenden auslöst. Sonst würde man sich ja stante pede verweigern, automatisch die Grenzen dicht machen, oder? Liegt darin deine Motivation? Im Lustgewinn?


Lösungsansätze?


Manche meiner Bloggerkollegen raten bezüglich Umgang mit Energievampiren: „Überdenke und ändere deine Lebenssituation!“

Du hast also sorgfältig nachgedacht, hast Herz, Hirn und Bauch befragt. Bist in den Unterbewusstseinskeller hinabgestiegen, hast Altlasten begraben oder entsorgt. Aber bis auf unwesentliche, selbstverständlich schon umgesetzte Änderungsvorschläge hast du einfach keine Probleme mit deiner Lebenssituation. Mission für den kommenden, überblick- und änderbaren Zeitraum erledigt. Alles gut. Du bist zufrieden, wenn nicht sogar glücklich! Kann das sein?

Der nächste Tipp lautet meist: „gnadenloser Kontaktabbruch“.

Gut und schön, aber was tun, wenn der menschliche Staubsauger eine wirklich hilfsbedürftige Person ist, für die du Verantwortung trägst, ja tragen willst? Deine gesundheitlich angeschlagene Mutter? Dein Kind? Dein Patient an deiner Arbeitsstelle?

Vielleicht ist es ja auch so, dass du an einen lieben Menschen gerne und mit voller Absicht Energie weitergibst? Einfach, weil du es kannst? Dieses eigenartige Talent besitzt?

Du selber holst dir natürlich nur ganz selten, nur in Ausnahmefällen und nur ganz wenig Energie von anderen Menschen. Du weißt ja, wie das auszehren kann. Obwohl manche Zeitgenossen einen schier unerschöpflichen Vorrat zu besitzen scheinen. Wie machen die das nur?
 
Und so schwindet deine eigene Lebenskraft immer mehr dahin. Mittel- oder langfristig wirst du krank werden. Ob an Leib oder Seele, darfst du dir aussuchen. Manche chronischen Energieweitergeber verkürzen dadurch ihre vom Schicksal (oder wem auch immer) zugedachte Lebensdauer und sterben vor ihrer Zeit.

Eine unter Sozialberuflern (Pflegeleute, Lehrer, Mütter...) beliebte Vorgehensweise.
Schad‘ drum!


Warum wechselst du nicht einfach den Kanal?


Deine Lebenskraft gehört nur dir allein! 

Sonst niemandem! „Liebende“, hilfsbedürftige oder gar gierige Pfoten haben an deinem eigenen, internen Kraftspeicher nix zu suchen! Behalte deine Energie und nutze sie für dein Leben.

Es gibt doch genügend Energie rund um uns herum! 

Angeblich sogar im ganzen Universum. (Über die Erde hinaus bin ich allerdings noch nicht gekommen, so kann ich das nicht bestätigen.) Die Chinesen nennen sie „Chi“, die Japaner und Reikifraktion „Ki“, die Yogaistas in Indien und sonstwo "Prana", sogar Milton Trager spricht vom „Hook up“, was „Anschluss an die universelle Energie“ bedeutet - such‘s dir aus oder erfinde einen neuen Begriff.

Ich bin sicher, du kannst sie fühlen, diese Lebenskraft - weißt ganz genau, worüber ich schreibe.

Was man spürt, muss es doch geben, oder?
Was du spürst, kannst du auch „anzapfen“, weitergeben.

Und die eigene behalten.

Dann fließt die Energie durch dich hindurch - hinein in den Empfänger.

Der profitiert, darf soviel saugen, wie er will. Dass das nicht deine ist, merkt er nicht. Sie schmeckt ja nach dir, weil sie durch dich durch marschiert ist.

Und du hast im Nebeneffekt auch was davon: Es fühlt sich an, als würdest du dein eigenes Chi (oder welchen Namen auch immer du dafür wählst) waschend klären, auffüllen, anwärmen, nähren...

Zugegeben, diese Idee umzusetzen erfordert Übung. Vor allem, wenn man auf schwurbelesoterische Begrifflichkeiten so allergisch reagiert wie ich. Aber es lohnt sich. Versprochen!
(Deinen Tatort darfst du katzekraulend trotzdem noch angucken.)

Viel Vergnügen beim Ausprobieren!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





Mehr zum Thema von der "Tango-Fuß-Blogger-Kollegin" Birgit Faschinger-Reitsam:
http://www.draufgaengerin.de/hornhaut-nein-danke/
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