Samstag, 27. August 2016

E-Book: Die mobilisierende Fußmassage aus der * tangofish * Schatzkiste

Illustration aus "Die mobilisierende Fußmassage"


Eigentlich...
... ja, eigentlich wollte ich nur "mal schnell" ein kleines Skript zum Video "Einen Tango lang die Füße verwöhnen" für dich bereitstellen.

Schmerzende Füße scheinen immer häufiger zum Problem zu werden, egal, ob dein Geläuf tanz- oder arbeitsbelastet jammert.

Dabei genügen nur wenige Minuten, um die Pfoten wieder friedlich zu stimmen! Die mobilisierende Fußmassage aus der * tangofish * Schatzkiste ist geschwind durchgeführt. Im Video darfst du vorkosten:


Die Belohnungen sind mehr Freude beim Tanzen und eine bessere Balance. Schneller, da entspannter, wirst du wahrscheinlich auch.

Auch in der Pflege schätze ich dieses feine Werkzeug und nutze es gerne und oft: z.B. als wohlige Verwöhnung, zur Spitzfuß- und Sturzprophylaxe etc.

Aber wie's halt so ist mit hochinteressanten Themen, führt ein wissenswerter Aspekt zum nächsten.

Entstanden ist nun eine ausführliche, illustrierte Anleitung, gewürzt mit Erfahrungen und - wie ich finde - hoch spannenden Hintergrundinfos (z.B. zur Anatomie im Fuß): ein 65-seitiges PDF (A4).


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


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Freitag, 19. August 2016

Gerhard Riedl: Hohe Rösser nach Wahl


Ganz ehrlich, manchmal befällt mich die Sorge, dass sich in meine Sicht der Dinge eine gewisse Betriebsblindheit einschleicht - vor allem im heilkundlichen Bereich. Da fungiere ich ja als "Anbieter" von Gesundheitsleistungen. "Kunde" bin ich Gott sei Dank äußerst selten und wenn, ist mir klar, wie ich die Mechanismen im Medizinbetrieb diplomatisch nutzen kann.

Deswegen bin ich immer wieder dankbar, meine Wahrnehmungswerkzeuge an der Realität eines Medizin-Users polieren und austarieren zu dürfen. Einfach mal schauen, ob ich richtig liege mit dem, was Patienten fühlen und brauchen. Denn sie werden nur, wenn sie mit ihrem Anbieter medizinischer Leistungen "Glück haben", gefragt. 
So habe ich zum Äußersten gegriffen und den Patienten GEFRAGT! 

Im Gastbeitrag schildert uns Bloggerkollege Gerhard Riedl seine erfrischend subjektive Patienten(!)sicht auf innermedizinische Hahnenkämpfe.
Viel Vergnügen und Bühne frei!

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Hohe Rösser nach Wahl


Die Bloggerkollegin und Heilpraktikerin Manuela Bößel schafft es immer wieder, mein Weltbild zu erschüttern! Die Arroganz und den Standesdünkel vieler Ärzte kenne ich seit meiner Jugendzeit, als ich einmal wegen einer kritischen Bemerkung aus der Praxis eines Orthopäden flog.

Seit einigen Jahren bin ich eher ein Anhänger dessen, was man „Alternativmedizin“ nennt: Natürlich überzeugt mich längst nicht jeder esoterische Schmus, und bei einem Beinbruch würde ich einen Unfallchirurgen und nicht einen Bachblüten-Therapeuten aufsuchen – ganz klar.

Aber auch, wenn’s manchmal nur der Placebo-Effekt sein mag: Immerhin zeichnen sich doch die Heilpraktiker durch Toleranz, ganzheitliches Denken und Fähigkeit zur Selbstkritik aus. Oder?

Doch es ist wie auch sonst oft im Leben:
Wenn man glücklich bleiben will, sollte man nicht so genau hinsehen…

Vor gut zwei Monaten veröffentlichte Manuela Bößel auf ihrem Blog eine Rezension des Buches „Unheilpraktiker“ von Anousch Mueller:
Sie war (wie ich) der Meinung, das Werk enthalte zwar durchaus richtige Kritik an unseriösen Heilsversprechungen mancher nichtärztlicher Behandler, werde aber den komplementärmedizinischen Möglichkeiten gerade an der Schnittstelle Schulmedizin und Pflege nicht gerecht. Ferner messe die Autorin oft mit zweierlei Maß zugunsten der Ärzte. Das müsste doch, so meine Erwartung, in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Heilpraktiker“, bei der Manuela Mitglied ist, auf Interesse und Zustimmung stoßen.

Im Gegentum! Mit so einem Zeug, so beschied man, als sie dort einen Link auf ihren Artikel postete, wolle man sich nicht befassen, das wäre zuviel der Ehre. Ein Heilpraktikerkollege formulierte es so: „Das ist so dermaßen endlos und sinnbefreit totdiskutiert worden, dass das nur noch langweilt. (…) Alles andere rutscht mir geschlossen am Gesäß vorbei und es sollen die diskutieren, die endlos Zeit, keinen Spaß am Leben oder neidzerfressen sind. Mir ist das zu albern.“

Und der dortige Administrator, welcher sich stets bei Themen mit ideologischer Bedeutung einmischt, meinte: „Die Frage, wie es mit dem Heilpraktiker-Beruf ‚weiter geht‘, ist so alt, wie der Beruf auch. Immer wieder totgeschrieben - in neuem Glanz auferstanden. Es gibt aktuell so viele Heilpraktiker (und auch Praxen), wie nie zuvor. Warum soll man eine Frage beantworten, die sich nur stellt, wenn man Ängste schüren will? Liebe Manuela, ich weiß nicht, ob und wieviel HP-Kongresse Du bis dato besucht hast. Diese Frage wird immer wieder beantwortet - es macht keinen Sinn über ‚ungelegte Eier‘ sich aufzuregen oder zu diskutieren. Meine Meinung: Es soll alles so bleiben, wie es ist (kleine Veränderungen ausgenommen), unsere Grundlage in rechtlicher Hinsicht ist stabil und nicht in Gefahr.“

Na ja, das immer noch geltende Heilpraktikergesetz stammt aus der Hitlerzeit, spricht nicht gerade gegen Reformbedarf… aber gut, wie dem auch sei: Diesen mauernden Tonfall überkommener Standesvertretungen jedenfalls kannte ich bislang nur von den studierten Medizinern! Grund genug, mich in dieser immerhin fast 2000 Mitglieder starken Heilpraktiker-Gruppe ein wenig umzusehen: Da gibt es viele fachlich fundierte Diskussionen – aber gleichzeitig bestieg mich der Verdacht, es sei bei dieser Klientel nicht ratsam, allzu laut für Impfungen zu plädieren, an Globuli zu zweifeln oder die Notwendigkeit der Schulmedizin zu betonen…

Also lieber auf der sicheren Seite bleiben mit Entgiften, Ausleiten, Immunsystem stärken und – ach ja, natürlich Darmsanierung!

Probeweise stellte ich eine Besprechung zum „Unheilpraktiker-Buch“ bei „Amazon“ ein, die sich an den Argumenten Manuela Bößels orientierte. Ergebnis: „hilfreichste Rezension“ (17 pro, 3 contra) mit 161 Kommentaren! Scheint also doch etwas Diskussionsbedarf zu geben…

Heftig wurde es in der „Heilpraktiker-Gruppe“ auf Facebook vor drei Tagen, als sich eine Kollegin dort mit deutlicher Kritik verabschiedete: „sorry... bin sehr enttäuscht von dieser Gruppe... hatte mir vorgestellt hier etwas lernen zu könne... Erfahrungsaustausch und nicht Leute die hauptsächlich.. in eigener Sache.. unterwegs sind und dann Leute, die sehr Wirklichkeitsfremd sind.. sind DAS die Heilpraktiker die ich als Therapeuten haben möchte?? NEIN ... never... ich habe eben eine Gruppe eröffnet in der bitte nur ernsthaft interessierte HPs Zugang haben sollen... also ein WIRKLICHER Erfahrungsaustausch... nicht die Schulmedizin verdammen sondern ein Zusammenspiel möchten.. nur so geht es..jeder muss seine Grenzen kennen oder kennenlernen... wer also einen kurzen Abriss seiner Vita erzählt kann gerne... bei Interesse ... in die Gruppe ... HEILPRAKTIKER...IMMER IM LERNMODUS ... kommen... sorry Herr Haferanke... aber diese Gruppe bringt mir absolut nichts... schade..“

Nun weiß ich nichts zur (sicherlich vorhandenen) Vorgeschichte, und den Tonfall muss man nicht mögen. Die Reaktionen in der Gruppe allerdings gaben mir noch mehr zu denken. Einige Kostproben:

  • „Ach Gott, wie ich solche theatralische Abgänge liebe.“
  • „Jetzt habe ich aber mal herzlich gelacht.“
  • „Die versuchte Abwerbung der Mitglieder*innen hier empfinde ich allerdings als sehr unsportlich!“
  • „Naja, physiognomisch widerspricht sie sich zumindest nicht. Wenigstens etwas.“
  •  „Uuuuh! Das konnte ich nicht so ausdrücken, habs mir aber auch gedacht. Wieder was gelernt.“
  •  „manche ticken halt anders..auch nicht schlimm. - find ich“
  •  „Nö, nicht schlimm nur schade.“
  •  „Aus Therapeutensicht ein Symptom“
  • „gibt Verstopfung wenn man nicht loslässt,- aber das weist du selber“

Kleinliche stilistische Bedenken fanden keinen großen Widerhall:
  • „Ehrlich gesagt...mir gefällt die Häme, mit der hier einige die Kollegin ‚verabschieden‘ überhaupt nicht!“
  • „Mir auch nicht, aber ihr Ross ist schon verdammt hoch. Deshalb hält sich mein Mitleid und Initiative hier in Grenzen.“

Klar, das könnte man alles noch als Geplänkel sehen (wenn auch mit deutlich analer Ausrichtung). Und mit dem Besteigen von Zossen ist man offenbar generell gut vertraut… Richtig schlimm wurde es für mich jedoch, als man einen Screenshot von der Website der kritischen Kollegin veröffentlichte, welcher dartun sollte, sie habe maximal vier Jahre Berufserfahrung als Heilpraktikerin. Dabei schnitt man aber folgende Angaben weg:

„1977 Examen Krankenschwester in (…)
1981 Examen Fachschwester Anästhesie-und Intensivmedizin in (…)
1989-1991 Krankenhaus (…) und Haut-und Allergieklinik (…)“

Als Manuela Bößel dies monierte, musste sie sich vom Administrator der Seite (wieder mal) belehren lassen: „Da steht lediglich, welche Ausbildungen sie durchlaufen hat. Das hat mit dem Beruf der Heilpraktikerin nicht so viel zu tun. Ich war lange Jahre Beisitzer bei Überprüfungen. Da waren es gerade die medizinisch Vorgebildeten, die sich als etwas Besseres aufführten und häufig durch die Prüfung rauschten.“

Manuelas Nachfrage: „Medizin hat mit unserem Beruf nicht viel zu tun?“ führte zum Ziehen der Reißleine. „Warum verstehst du immer das Falsche? Es hat keinen Sinn diesen Disput weiter fortzuführen. Schönen Abend noch“

Das sind dann die Momente, in denen ich nicht nur ärgerlich, sondern richtig böse werde: Eine mehrjährige Ausbildung zur examinierten Fachkrankenschwester und die Arbeit mit lebensgefährlich erkrankten Menschen auf der Intensivstation trägt also weniger zur alternativ-medizinischen Berufserfahrung bei als das Verordnen von Globuli in der lauschigen Naturheilpraxis? Wahrscheinlich hat der Mann recht, allerdings nicht so, wie er meint…

Die dann aber dringend zur Berufsausübung erforderliche Spaßfreiheit wurde deutlich, als man zwischendurch in Gruppenstärke über den Mediziner und Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen herfiel. Der hatte es gewagt, zusammen mit seinem Kollegen Vince Ebert das Video zweier Nachwuchskünstler zu empfehlen:




Wieder trat wegen der standespolitischen Bedeutung der Administrator ins Scheinwerferlicht: „Hirschhausen und Ebert, zwei Spaßmacher mit Minderwertigkeitsgefühlen. Nicht wirklich ernst zu nehmen. Ich wette 1000 Euro, dass keiner von beiden eine schriftliche Heilpraktiker Überprüfung bestehen würde.“ Nun gut, wäre bei Letzterem, da studierter Physiker, auch ein wenig berufsfremd…

Dass Hirschhausen öfters seine Ärztekollegen veralbert, ginge ja noch – aber was er nun den Heilpraktikern ins Stammbuch schreibt, ist skandalös: „Wusstet Ihr, dass man Heilpraktiker werden kann ohne ein Praktikum? Die Prüfung testet nur theoretische Grundlagen, so als ob man den Führerschein bekommt, aber keine einzige Fahrstunde vorweisen muss. Das birgt gewisse Risiken. Und für den Straßenverkehr ist deshalb auch eine praktische Prüfung vorgeschrieben. Aber bei unserer Gesundheit kommt es ja nicht so drauf an, ob jemand der spritzen, einrenken und behandeln kann, das auch kann, oder? Klar gibt es auch jede Menge gute Heilpraktiker - die erkennt man unter anderem an ihrem Humor.“

Das ganze Elend offenbart sich in der Antwort einer Heilpraktikerin hierauf:
„Was hat denn der Humor mit der beruflichen Kompetenz als HP zu tun?“
Oh doch, geehrte Dame, ich bin sogar der Überzeugung, dass Humor zur Berufskompetenz vom lieben Gott zählt, da er auf die Kateridee kam, den Menschen zu erschaffen. Und alle, welche an diesem herumdoktern, benötigen ihn umso dringender: Lachen heilt – und bewahrt einen davor, die Selbstkritik ganz aufzugeben!

Und ja, ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn Leute (ob Heilpraktiker, Ärzte oder Sprechstundenhilfen), die mir irgendwelche Gerätschaften in den Körper einführen, nachweisen müssten, dass sie dies gelernt haben und auch können!

Zusammenfassend wird mir jetzt erst klar, welches Glück ich mit meinen bisherigen Heilpraktikerinnen hatte, die ihre Zeit nicht mit standespolitischem Getue vergeuden, sondern sich lieber auf ihre Patienten konzentrieren – immer im Bewusstsein, dass die liebe Konkurrenz auch Heilungserfolge erzielt – warum auch immer.

Der Rest darf von mir aus gerne die unterschiedlich lackierten, aber die gleichen Äpfel produzierenden hohen Rösser der jeweiligen Berufsvertretung besteigen und der Abendröte entgegentraben, bevor es endgültig finster wird. Hauptsache, sie machen sich weg von meinem Bett…

Fazit: Heilkunde ist auch nur eine andere Form von Tango!
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Dankeschön an Gerhard Riedl!
Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


Nachtrag um 16.22 Uhr:
Dass ich mir mit der Veröffentlichung dieses Artikels einen Wurstgürtel um die Hüften gebunden hab', um mit einem Hechtsprung ins Krokodilbecken zu hüpfen, war mir klar. Aber so eine resolut-geschwinde Reaktion überrascht mich dann doch. Obwohl ich den Artikel in besagter Facebookgruppe nicht zu teilen wagte, folgte umgehend der kommentarlose Rausschmiss.
Adiós muchachos!

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Freitag, 12. August 2016

Pablos spiritueller Tango-Urlaub und seine Folgen

mein Freund Pablo


01. August 2016

Irgendwo auf einer pittoresken Insel im Mittelmeer brennt die Sonne heiß am stahlblauen Himmel.  Grillen umzirpen den Duft des wilden Salbeis am Straßenrand. Sieben Ziegen stehen im Geäst des Olivenbaums gegenüber von Pablos Terrasse. Sein Schweiß tropft schwer in augustglühende Zeitlupe. Wenn Pablo die Augen schließt, explodieren Orangetöne auf seiner Netzhaut. Eine ORANGE-farbene Manifestation der Erleuchtung?

Oder doch nicht? Kann einem - in erleuchtetem Zustand (!) - das Geschnatter der norddeutschen Mit-Retreaterinnen auf der Nachbarterrasse so auf den Sack gehen? (Anmerkung der Autorin: Pardon, Pablos Wortwahl)

Mein alter Tango-Kumpanerito gönnt sich ein "holistisches Retreat", seiner Sucht folgend natürlich mit dem Zusatz "Tango". Untergebracht in einem "jugoslawisch" renovierten Bauernhaus ("shared accomodation, traditional old stone house, self-catering"), den Stundenplan ("schedule") vollgestopft mit hochspirituellen Tätigkeiten ("watercoloured tango-meditation" etc.), möchte er seine Seele wieder auf Spur bringen.

Ein wenig glücklicher werden, ja - vielleicht sogar ein bissel Erleuchtung finden.

Ganz billig ist der Spaß nicht. Sein chronisch laues Budget erlaubt lediglich die Teilnahme mit Selbstversorgung im Matratzenlager. Eigenartigerweise ist das preiswerteste Nahrungsmittel im einzigen zu Fuß erreichbaren Lädchen die gelbe Rübe. Wie daheim. Macht nix, ist gesund. Sollte eher ORANGE Rübe heißen, so orange wie der Sonnenuntergang, den er erschöpft vom Tagwerk, nur am Rande wahrnimmt.

Aber die tägliche Sprechstunde beim "Meister" ist inklusive ("all you can ask"), was unser Pablo selbstverständlich schamlos ausnutzt. Täglich mindestens dreimal fragt er ihn, wie Erleuchtung zu erlangen sei. Jetzt weiß er verdammt viel über Selbstfindung, Kränkung und Vergebung, das Leid der inneren Kinder, den Buddha in ihm (für Westeuropäer eingekocht), das Universum und die Liebe und all das - zumindest theoretisch.

Pablo aquarelliert meditierend den Flow in der Tangokommunikation, arbeitet hart an seiner Erdung, sendet achtsame Energie vom Zentrum in die Extremitäten und versucht, die Gesänge der Galaxie zu hören. Zum Baden im Meer oder gar Faulenzen bleibt da keine Zeit.


12. August 2016

Madame Rosalie (Pablos Mama) hat uns eingeladen zum Kaffeetrinken. Pablo wischt 287 Urlaubsfotos über das Display seines Smartphones. Wirklich erholt wirkt er nicht. Seinen Ausführungen über die Fortschritte der Awareness-Einübung in der alltäglichen Routine sowie Korrigierung der Work-life-balance kann ich nicht ganz folgen. Sorgfältig picke ich mit angefeuchtetem Zeigefinger Kuchenbrösel von der Tischdecke. Rosalie streichelt ihren fetten Kater.

"Machen wir was zu essen? Ich hab Hunger!"

Sie führt uns in die Küche und öffnet den Kühlschrank. "Viel ist nicht mehr da, aber das reicht, um was Feines zu zaubern." Sie hält uns ein Bündel Karotten unter die Nase. Aus dem Fach, in dem sie sonst Schokolade versteckt, holt sie eine Zitrone. Außen schon ein wenig hart, aber Rosalie versichert, die hätte noch viel Saft, so wie Lotti Huber.

Pablo darf die Rüben schälen, ich schleife das Messer, schneide alles klein und werfe es in den bereitgestellten Kochtopf, in dem schon Salzwasser vor sich hin brodelt. Während das Gemüse weichkocht, röstet Rosalie Brotstücke in einer Pfanne.

Wir plaudern über die Liebe und das Leben und all das. Pablo gießt von den Rüben soviel Kochwasser ab, bis sie gerade noch bedeckt sind; meine Brille beschlägt. Er malt mir Sichtlöcher hinein und grinst. Dann püriert er die orangen Brocken mit Rosalies altem Zauberstab.

Ich füge nach und nach Karottensaft und einen gehäuften Teelöffel Kurkuma dazu. Das gibt dem Leben Würze! Pablo macht die Arme lang, als Rosalie ihm von hinten ihre orangefarbene Schürze umbindet: "Obacht, sonst darfst meine Küche streichen!" Sie würzt unser Werk mit Limettensaft, einem guten Esslöffel Kokosöl und Pfeffer.

Tief orange wie der Sonnenuntergang auf Pablos Urlaubsfotos leuchtet die Suppe uns aus den Tellern entgegen - Seelen und Bäuche wärmend.

... und die Erleuchtung?

Die hat unser Freund nicht gefunden. Madame Rosalie hat ihn in die Küche geschickt - zum Aufräumen. Und zum Kompost. Dafür durfte er den Rest der Suppe eingetuppert mit nach Hause nehmen. Sein Lieblingsbuch aus Klein-Pablo-Zeiten auch: "Oh wie schön ist Panama"


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


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Quellen / mehr zu diesem Thema:
http://www.tangoyoga.net/tango-at-our-holistic-retreat
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Donnerstag, 4. August 2016

So könnt's funktionieren mit der Haltung im Paar



Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


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Freitag, 29. Juli 2016

Lust-Neider: 11 Tipps, wie du deinen Genuss minderst




Kennst du das?

Nach einer äußerst wohligen Mission - es muss gar nix Besonderes sein, Tango zum Beispiel - kommst du zufrieden schnurrend zur Türe herein, vielleicht ein fröhliches Liedlein pfeifend. Dein Blut durchströmt dich lebenslusttransportierend, verteilt lässig flirrende Leichtigkeit von den Zehen bis zum Scheitel. Im Bauch hat sich sanfte Seligkeit eingenistet.

Und da sitzt er am Tisch: DER LUST-NEIDER!
Seine Mundwinkel merkeln zentnerschwer ob deines unangemessenen Zustands. Und eh du dich versiehst, rollt er dir dein leuchtendes Goldstück aus der Aura.

Wie kannst du nur so EGOISTISCH sein!
Dir so eine geschmacklose Freiheit herausnehmen!

Es dir einfach gutgehen lassen?
Einfach tun, was dir guttut!

Neben dem "Lust-Neider" (maskulin) exisitiert natürlich auch eine weibliche Form - intern und extern. Wegen der besseren Schreib- und Lesbarkeit sowie des weniger komplexen Erscheinungsbilds erlaube ich mir im Text die männliche Schreibweise.

Wenn du nicht aufpasst, könnte es passieren, dass sich dieses Lebewesen ein "Besch" wachsen lässt und sich so zum aggressiveren Lust-Beschneider entwickelt.


Dein Leben zu genießen und die daraus folgende Gesundheit steht dir schließlich nicht zu!
Also, beherzige folgende Tipps!
Sonst beißt er.

11 Tipps für den Umgang mit einem Lust-Neider


Du musst wirklich hart an dir arbeiten - gerade, wenn du es schon gewöhnt bist, genüssliche Sternschnuppen in Herz und Frisur zu tragen.
Versuche unbedingt, die Umsetzung aller Ratschläge innerhalb von drei Wochen zu vollziehen. Das ist nicht schaffbar und wird dich ganz bequem runterziehen.

Alle Punkte steigern deine Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin. So steigerst du verlässlich eine entzündliche Grundsituation in deinem Körper, die als Auslöser für Gefäß- und verschiedene Autoimmunkrankheiten, Adipositas und Typ II-Diabetes gehandelt werden. Deine Grant-Reizschwelle wird sich senken, schlechte Laune sicherstellend.

Zur Verdeutlichung der Tipps nutze ich Tangosituationen. Ersetze als Nicht-TangotänzerIn einfach den Begriff "Tango" gegen deine egozentrische Lieblingsbeschäftigung.

1. Achte auf dein Äußeres.


Das sollte so schwer nicht sein:
Jeder beherbergt in seinem Kleiderschrank Stücke oder Fehlkäufe, die einen gewiss unvorteilhaft aussehen lassen. Ob es die Farbe ist, die deinen Teint fahl färbt und deine Augenringe betont, oder du lieber Teile wählst, die dich zu dick aussehen lassen, bleibt dir überlassen.

Im Notfall kannst du einfach dein T-Shirts, Hosen, etc. ganz lange im Trockner liegen lassen. Dann sehen sie aus, als hättest du darin geschlafen und betonen lässig deine lustlose Wurstigkeit. Flächengroßzügig verarbeiteter Baumwollripp in Weiß für drunter vermittelt hübsch matronige Unattraktivität.

Als günstig beim Tango hat sich zwickende Gewandung bewährt, die sicherstellt, dass du dich nicht zu ausdrucksvoll bewegst (siehe Tipp 8). Versetzte hierzu einfach den Bundknopf an Rock oder Hose und wähle deine Schuhe eine Nummer kleiner.

Wasche deine Haare in größeren Abständen. Verwende Shampoo, das dem Gegenteil deines Haartyps entspricht. Eine große Auswahl findest du in gut sortierten Drogerien.

Verwende deinen Kajalstift, um dir unlustvolle Gedanken auf dem Badezimmerspiegel zu notieren, ein Lippenstift eignet sich prima für Unterstreichungen. Im Gesicht hat Farbe fortan nichts mehr zu suchen.

Ersetze dein Parfüm durch Küchendunst. Der Duft von dort, wo du hingehörst, wird deinen hauseigenen Lust-Neider zufrieden stimmen und die Zahl der potentiellen Tanzpartner reduzieren.


2. Verstecke jeglichen Ausdruck von Genuss. 


Übe vor dem Spiegel verkehrt herum zu lächeln. Stell dir vor, in deinen Mundwinkeln hingen kleine Gewichte. Es könnte sein, dass du dabei lachen musst. Aber gib nicht auf! Bei konsequentem Training wird sich deine Laune zuverlässig depravieren - innen und sichtbar im Außen.

Falls du dir das Vor-dich-hin-singen einfach nicht abgewöhnen kannst, benutze bearbeitete Tangotexte. Eine lustfreie Version von "Malena" findest du hier. Ausdrucken und auswendig lernen!


3. Arbeite an deinen Schuldgefühlen.

 

Achte auf das kleinste Anklingen von schlechtem Gewissen, Schuld und Scham in Herz und Hirn. Benenne es, arbeite es sorgfältig wortreich aus. Ein Tagebuch kann dir hierbei helfen.

Verwebe den Begriff "Egoismus" fest in deinen Gedankenschleifen. So bleibt diese Gefühlsgruppe sicher verankert und du kannst sie bei Bedarf schnell abrufen.

Bleibe bei diesen Emotionen während der gesamten Milonga. Das sichert verkrampftes Tanzen und verhindert beschwingten Genuss, den du sonst vielleicht mit nach Hause gebracht hättest!


4. Definiere deinen Milongabesuch neu.


Tango hat wirklich nichts, gar nichts mit Spaß zu tun! 
Argumentiere mit körperlichem Funktionserhalt und Depressionsprophylaxe. Mit einer echten Depression und schwerer Antriebslosigkeit bist du für den Lust-Neider nicht zu gebrauchen.

Die Seniorengymnastikgruppe turnt an Terminen, die für dich nicht in Frage kommen. Alleine spazieren oder joggen gehen ist heutzutage viel zu gefährlich! Da bleibt nur die Traditions-Milonga in deinem  Heimatort. Gut, dass dort nur unaufgeregte Musik gespielt wird. Vielleicht hast du Glück und findest hier einen Tangolehrer, der Fortschritte dein Tanzen betreffend erfolgreich verhindert.


5. Lege eine grübelige Sorgenliste und Sorgenschachtel an.


Wenn du meinst, nicht genug Sorgen zu haben, weit gefehlt!
Du musst nur suchen. Gewöhne dir an, vor dem Einschlafen deinen grübelig-bangen Befürchtungen eine Bühne zu geben. Lade deine Kümmernisse ein. Im Zwielicht des nahenden Unbewussten spitzeln sie gerne so weit hervor, dass du sie packen und notieren kannst, um sie tagsüber gebührend zu pflegen.

Visualisiere regelmäßig deine Misserfolge in bunten Bildern und spüre den zughörigen Emotionen gründlich nach.

Hilfreich ist auch eine "Sorgenschachtel". Sammle hier die Dinge, die Gefühle an schlimme Zeiten konservieren. Gerüche wirken besonders gut, da sie den Verstand umgehen und direkt im Unterbewussten triggern. Stöbere in dieser Schachtel immer dann, wenn sich Lebenslust ankündigt.


6. Halte deine ToDo-Liste so lang wie möglich.


Stelle  sicher, dass am Ende des Tages mindestens drei Priorität 1- Punkte auf deiner Aufgabenliste unerledigt bleiben. (Alle Aufgaben bekommen das Prädikat "höchst wichtig" = 1) Du kannst diese drei einfach öfters verwenden, indem du sie auf den jeweils nächsten Tag überträgst.

Erledige mindestens drei Dinge auf einmal. Dabei geht auf jeden Fall etwas schief, was dir ganz einfach deinen Eustress in Dysstress updated.



7. Achte auf deine Ernährung.


Iss möglichst konfektionierte, nahrungsmittelähnliche Produkte. Die schmecken übel und enthalten kaum Nährstoffe. Wenn deine Oma ein solches als "nicht essbar" einstufen würde, liegst du mit deiner Wahl schon ziemlich gut! Enthält das Zeugs auch noch Transfette, bist du auf dem besten Weg.

Kohlehydrate führst du am besten in Form von Süßigkeiten und Weißmehl zu, das hält deinen Blutzuckerspiegel unstabil und sorgt so ganz bequem für Stimmungs- und Konzentrationsabstürze.

Frische Früchte und Gemüse mit ihren Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen sollten tabu sein, ebenso wie Öle mit hohem Omega-3-Fettsäureanteil. Dein Immunsystem wird es dir mit wiederkehrenden Erkältungen oder sogar einer kleinen Autoimmungeschichte danken.

Lege die Hauptmahlzeit des Tages auf spätabends, kurz bevor du ins Bett gehst. Das hält dich lange genug wach, um an deiner Sorgenliste zu arbeiten. Die Blähungen mit Bauchgrummeln am Folgetag kannst du als Argument verwenden, den Tango auszulassen.


8. Verschlanke deinen Schlaf.


Schlafe weniger als 6 Stunden. Schau dir vor dem Niederlegen regelmäßig schlimme Nachrichten, Filme etc. an. Das erhöht den körpereigenen Stress. Deinem Gehirn und seinem unterbewussten Keller ist es egal, ob du selber in der Situation steckst, solange du das Gesehene mit Emotionen auflädst. Das steigert deine Stresshormone und füttert die Kreativität, um deine Sorgenliste zu befüllen.

Bleibe bis zum bitteren Ende auf der Tangoveranstaltung. Müheloses Desillusionieren wird sehr einfach möglich, wenn du den Saal und die anderen Tangomenschen bei Putzlicht betrachtest. Und die Restnacht schenkt dir wenig genug Ruhezeit bis zum Weckerklingeln. Besonders, wenn du brav deine Grübel-Routine vor dem Einschlafen erledigst.


9. Bewege dich so wenig wie möglich.

Stundenlanges Stillsitzen hast du ja wahrscheinlich in der Schule gelernt. Also hör auf zu zappeln! Stelle alles bereit, was du brauchst, vorher in Griffnähe bereit. So musst du nicht immer wieder aufstehen. Achte auf eine geringe Flüssigkeitszufuhr, um die Toilettengänge zu reduzieren.

Dass du den Aufzug statt Treppe und Auto statt Fahrrad benutzt, versteht sich von selber.

Wähle eine Tangoveranstaltung, bei der auf Códigos Wert gelegt wird. Die Freiheit von exibitionistischen Gefühlsausbrüchen sowie umarmungsfokussiertes langsames Agieren in der Ronda halten dich von der ungezügelten, unangebrachten Bewegungsversuchung fern. Entscheide dich für Tangounterricht, bei dem dein Lehrer möglichst viel Unterrichtszeit mit Sprechen belegt. So bleibt weniger Zeit zum Tanzen. Vielleicht kannst du im Unterricht auch deine Defizite gewinnbringend verabeiten und pflegen.

Obacht! Eine langweilige Milonga ist kein Garant für Lustbegrenzung! Ich habe gehört, dass es Tänzer geben soll, die gerade im gemächlichen, unaufgeregtem traditionellem Tango stehmeditierend ihre Glückseligkeit finden sollen. Die Symptome des Genießens äußern sich hier nur sehr subtil oder gar nicht. Gehörst du zu diesem Personenkreis, achte ganz besonders auf kleinste Anzeichen aufkommender Wonne. Bekämpfe diese schon im Ansatz! Wechsle gegebenenfalls zu einer Neolonga oder finde eine vegane Gruppe chronisch weltschmerzpushender Gutmenschen.

Bleibe passiv! Als Geführte kannst du getrost auf eigenen Ausdruck beim Tanzen verzichten. Lehne dich an deinen Partner und vermittle nachdrücklich, dass du umfällst, wenn er dich nicht hält. Überlasse ihm jegliche Interpretation der Musik. Das geht dich nichts an. Versuche mit all deiner Kraft, dich wie ein lebloses Tanzgerät zu fühlen - nicht wie eine schöne Frau, selbstbewusst und elegant. So ein Unsinn! Das erhöht die Spannung und verholzt deine Bewegungen in Leib und Seele. Dann hat die Lust keine Chance mehr.




10. Isoliere dich von deinem sozialen Netzwerk oder such dir ein Umfeld, dass dich runterzieht.


Lass den Kontakt zu alten Freunden, die dich so nehmen wie du bist, einschlafen. Auch von wohlwollende Menschen, die dich vielleicht sogar unterstützen, sollst du dich fernhalten. Das Gefühl von Dankbarkeit oder liebevolle Gedanken können Warnzeichen sein! Auch das Lachen beim Tango! Höre und handle! Halte dich fern von solchen Personen, vor allem, wenn sie versuchen dich von deinen Egoismusdefinitionen abzubringen, und dich zu lustvollen Aktionen ermuntern!

Achte lieber auf regelmäßigen Kontakt zu Personen, die dich und dein Tun in Frage stellen. Gerne werden sie dir immer wieder deine egositischen Fehler und Versäumnisse reflektieren. Das hilft, um deine Schuldgefühle quietschlebendig zu halten.


11. Übe erotische Enthaltsamkeit.



Eine begehrenswerte Person zu sein, kannst du schon mit den Tipps zum Äußeren nahezu gegen Null laufen lassen. Allerdings müssen auch die inneren Deblockierungen bearbeitet werden. Nutze Affirmationen wie "Gott (oder wer auch immer), wandle mich zu einem grauen Schatten, nimm dein Licht von mir, auf dass ich mich als Neutrum fühle".

Aufgepasst! Schon das Aufhalten der Türe durch einen Gentleman kann Erotik vermitteln. Tür aufmachen kannst du doch selber! Von konkretem Sex mit Anfassen, allein oder zu zweit, wird dringendst abgeraten! Selbst Zärtlichkeiten oder Kuscheln - und wenn es nur deine Hauskatze ist - lassen deinen Oxytocinspiegel gefährlich ansteigen. Die Folge: Du fühlst dich unangemessen egoistisch wohl.

Der Tango muss heute nicht mehr zwangsläufig sinnlich oder gar erotisch daherkommen, und die Tänzer sowie Tänzerinnen schon gar nicht! Probiere einfach verschiedene Milongas aus - die Wahrscheinlichkeit, ein nonsinnliches Ambiente zu finden, ist inzwischen deutlich höher als früher.
Verändere deine Mirada vom Flirtblick zum Starren. Flüchte vor anzüglichen Cabeceoversuchen aufs Klo (wo du dich mit Verkehrtrum-Lächeln wieder in die richtige Stimmung versetzen kannst).

Setze beim Tanzen und bei erotischen Missionen konsequent den Ratschlag zur Passivität um. So vermeidest du das Prickeln recht einfach.



Falls du die 11 Tipps nicht beherzigst und umsetzt...


wirst du zwangsläufig mehr Lust und Genuß in dein Leben lassen. Deine Stresshormone (z.B. Cortisol und Adrenalin) werden sich fürchterlich reduzieren, was innere Entzündungsvorgänge abflauen lässt. Dann hast du's wesentlich schwerer, Typ II-Diabetiker zu werden, eine Autoimmungeschichte zu entwickeln oder deine Gefäße zu verstopfen. Dein Immunsystem wird effektiver arbeiten, ewige wiederkehrende Schnupfenschleifen adé! Vielleicht nimmst du sogar ab! Deine Stimmung wird sich automatisch heben.

Wenn es dir auch noch leichter fällt, deine Gedanken zu klären, konzentriert sowie effektiv zu werkeln oder besser zu schlafen...
Vielleicht kommt dir dann die Idee, den Lust-Neider zu ignorieren oder gar aus deinem Leben zu entfernen.
Nicht auszudenken!

Wo soll das nur hinführen?


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel

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Dienstag, 19. Juli 2016

Ein bissel mehr auf den Boden, bitte...

... im Tango heutzutage.

... und drei bodenständige Ansätze, um den Blutdruck zu senken...




Früher, in ganz alten Zeiten, anno dazumal, war der Tango bodenständig. Im wörtlichsten Sinne. Straßenpflaster statt Schwingbodenparkett. Die Menschen damals tanzten ihn mit ihrem wahrscheinlich einzigen Paar Schuhe, aber glücklich und voller Lebenslust trotz - oder gerade wegen - so schwieriger Lebensumstände, wie wir sie uns heute nur noch ansatzweise vorstellen können.  Sie fütterten ihn mit ihren Leidenschaften, und Musiker aus verschiedensten Ländern schneiderten ihm sein verrücktes, kunterbuntes Gewand.

Einfach so!
Einfach nur tanzen!

Ohne an kompliziert formulierte Befindlichkeitsschwurbeleien in Fremdsprache zu denken oder den Tango philosophisch betrachtend zu überhöhen, wie es heute gern und oft praktiziert wird.

Einfach nur Tango tanzen
und in der restlichen Zeit
das Leben meistern.

Mir ist schon klar, dass man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann. Rückblicke neigen zur romantischen Verklärtheit. Der Alltag für die Tangotänzer damals war gewiss nicht einfach, und du bist bestimmt genauso glücklich wie ich über ein eigenes Klo in der Wohnung, fließendes Wasser aus der Leitung in Trinkqualität, kostenlose Schulbildung und gesunde Nahrungsmittel in Hülle und Fülle.

Die Idee der Einfachheit

ist es wert,  finde ich, im Heute wieder mehr gepflegt zu werden: im Tango und in der Heilkunde.

Als schönes Beispiel dient (mal wieder ;) der hohe Blutdruck, das böse Schreckgespenst...
Wieviele Menschen jenseits der Sechzig kennst du, die keine Blutdrucksenker schlucken, oder wenigstens als "essentielle Hypertoniker" geführt werden? Es geht schon los bei der Feststellung.

 

Fehlerquellen beim Messen: 

So simpel kommst du vielleicht zu deinem Bluthochdruck:
 
Geh einfach zu einem Arzt, von dem du ein Untersuchungsergebnis erhalten sollst, z.B. ob dein Fleck ein Muttermal war oder ein Melanom sein könnt', und lass dir den Blutdruck messen.

Erledigt das der Herr Doktor selber, dann bedenke, dass der untere Wert (der diastolische) mit dem Alter des Arztes steigt. Notiert werden soll der Wert, wenn beim Ablassen der Luft aus der Manschette nichts mehr zu hören ist - nicht der letzte oft zarte Ton. Das wird bei nachlassendem Gehör schwierig. Der "Notationsfehler" ist aber auch bei jüngeren beliebt, die es nicht besser wissen.

Dass Spargelamazonen wie ich die gleiche Manschette umgelegt bekommen wie der Sumoringer, der vorher dran war, kenne ich seit meiner Ausbildungszeit. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn die daraus resultierenden Fehler einfach mit berechnet würden: Verwendest du eine Normalmanschette, bringt schon ein 30 cm dicker Arm 10 mm systolisch und 15 mm diastolisch mehr auf der Skala. Ist der Arm noch umfangreicher, kannst du auch bis zu saftigen 30 mm mehr gemessen bekommen als tatsächlich vorhanden sind! Auch eine zu locker angelegte Manschette oder Sprechen während der Messung verfälschen die Werte Richtung oben.

Die Langzeitmessung zeigt wahrscheinlich ziemlich verlässlich ein paar Spitzenwerte - es sei denn, dein Leben ist wirklich schrecklich langweilig. Zur Melanom-Frage gesellt sich die Aufregung um den Hochdruck. Außerdem bist du vielleicht schon "alt genug" oder nimmst schon seit ein paar Jahren Betablocker oder ähnliches. Vor der Verordnung damals wurden natürlich sämtliche sonstige Auslöser wie Nieren etc. gecheckt mit Ergebnis: Man weiß nix genaues, Blutdruck ist halt hoch, also essentiell. Dann bekommst du den Stempel "chronisch essentielle Hypertonie" nicht mehr so leicht von der Hacke und aus der Akte, auch wenn sich die vor einigen Jahren belastende Lebenssituation zum Guten gewendet hat.

Ein dauerhaft zu hoher Druck ist ungesund, kein Zweifel. Aber dieser sollt' schon vorher ordentlich nachgewiesen sein. Das einfach scheinende Blutdruckmessen ist eine Methode, die Können erfordert: Sauber messen lassen über einen längeren Zeitraum, von jemanden, der sein Handwerk beherrscht.

Dazu braucht der- oder diejenige ein handtaschenkompatibles Gerät, am besten ein stromunabhängiges (da weniger fehleranfällig) und saubere Ohrwatscheln: kostengünstig, einfach und geschwind durchzuführen.

Das muss die Basis vor der Therapie sein!
Ganz einfach!

Der heutige Tango bräuchte ebenso eine klare Diagnosestellung, ob er denn wirklich krankt, und eine Therapie mit Códigos etc. überhaupt nötig ist. Ich befürchte, mancherorts will man es lieber nicht so genau wissen. Der Tango, den ich vorgestern getroffen habe, schien mir pumperlg'sund.


Exakt gemessen. Zu hoch. Und was jetzt?

Zum Einstieg in die Therapie (oder Ausstieg aus der bestehenden) bieten sich meiner Erfahrung nach drei einfache Maßnahmen an.

Die Nebenwirkung bei der Kombination der drei Ansätze ist zu verkraften: Du wirst dich insgesamt wohler fühlen - leichter - physisch und psychisch. Falls du medikamentenpflichtig bist, kannst du vielleicht nach einiger Zeit die Dosis reduzieren oder die Blutdrucksenker ganz absetzen. (Bitte nur in Absprache mit dem Heilkundler deines Vertrauens, unter Kontrolle!)

1. Gut essen - abwechslungsreich mit viel Sonne

Iss möglichst wenig konfektionierte Nahrung oder gar nahrungsmittelähnliche Produkte (Fertigpizza etc.). Lieber Frisches, viel Gemüse - das nicht roh sein muss. Versuche den Wurstanteil gering zu halten. Fisch ist günstiger oder eine kleine (weniger als ein Pfund, meine Herrn) Portion gutes (!) Fleisch. Mit Verlaub - tote Tiere, die vorher wenigstens ein schönes Leben haben durften, schmecken besser.

Nicht kochen können ist keine Ausrede! Ob du dir von Jamie Oliver internettisch oder Schuhbeck live im Kochkurs helfen lässt, bleibt dir überlassen. Hier findest du als Anregung eine feine Auswahl von köstlichen Spezialmahlzeiten, die helfen können, deinen Blutdruck mittelfristig zu senken: http://www.ndr.de/ratgeber/kochen/rezepte/rezeptdb230.html

Rote Bete-Saft enthält einen Wirkstoff, der die Gefäße erweitert und auf diese Weise mithelfen kann, den Blutdruck zu senken. Das enthaltene Nitrat wird mit dem Speichel zu Nitrit abgebaut. Also lange genug im Mund verweilen lassen ;) Geschmacklich mag dieser Saft nicht der Burner sein, schädigt dafür aber weder deine Leber noch die Nieren. Empfohlen wird ein halber Liter täglich.

Mit frischen Kräutern, Gewürzen und hochwertigen Ölen lässt sich Gemüse sogar für hartnäckige Fleischitarier zufriedenstellend zubereiten. Nebenbei wirken manche Zugaben wie Medizin. Aber dazu wird ein eigener Blogbeitrag fällig ;)

Beim Tango bevorzuge ich den Unkonfektionierten, den Hausgemachten, den mit einzeln herausschmeckbaren Stimmungen und den duftenden Gewürzen, die mein Tanzpartner und ich heute hinmischen möchten. Abwechslungsreich und frisch. Das nährt die Seele.


2. Aderlass und Ausmisten

Klingt archaisch nach Doktor Eisenbarth, kann aber auch helfen, den Blutdruck langfristig und nachhaltig zu senken. In einer Studie der Berliner Charité zeigte sich, dass bei einigen Patienten, die alle drei Monate Blut spendeten (die "moderne" Form des Aderlasses, macht weniger Sauerei) sich der Blutdruck senkte. Teilweise konnte die Medikamentendosis reduziert oder ganz abgesetzt werden.

Vermutlich bilden sich nach der Blutspende neue Erythrozyten. Diese seien elastischer und schlüpfen wohl geschmeidiger durch's Gefäßsystem. So wäre weniger Druck nötig, um das Blut durch den Körper zu pumpen.

... und das Rote Kreuz kann seine Lager füllen.


Altes, Starres, nicht mehr Verwertbares loszuwerden tut uns und auch dem Tango gut. Die Seele und Beziehungen entrümpeln, entsorgen oder schlucken, verdauen, den Rest... na, du weißt schon. Dann hat das aktuelle Leben genug Platz.

Wenn also wieder ein Milongagast den gemischt auflegenden Tango-DJ drohend unter Druck setzt: "Wenn jetzt dann keinen richtigen Tango auflegst, geh ich fei!", wünsche ich mir einen Milonga-Aderlass: Soll der Bitterdrops halt gehen! Die Verbleibenden, der Tango und seine Tänzer, können dann leichter fließen... Standardtreue Deckeldosen für saure Gutsis gibt's genug.



3. Bewegen... zuerst innen, dann außen

Ganz tief drinnen wohnt bei den meisten Menschen der innere Schweinehund. Manche geben ihm sogar einen Namen: "Horst" oder so. Bewegen will der sich nicht! Weder mental noch körperlich.

Aber irgendeine Tätigkeit findet sich immer, die unser "Horst" nicht als "Bäh-Sport" erkennt.
Die Bilanz muss stimmen, die Formel dazu kommt ganz einfach daher:
"Direkt spürbare Lebenslust" minus "Aufraffen und Durchführen der Aktion" ist gleich schweinehundumgehende Wohlfühl-Tätigkeit.

Sei kreativ, probiere aus, bilanziere!

Dann wird deine Bewegung - welche auch immer - nicht mehr lästig, sondern notwendig. Du wirst sie brauchen, wie einen guten Freund, und nicht mehr aus deinem Leben lassen wollen.

Die Nebenwirkungen sind dir wahrscheinlich eh klar: Gewichtsabnahme und bessere Stimmung.

Wir sind geschaffen, um uns zu bewegen - mit Leib und Seele.

Mit Träumen und g'spinnerten Ideen im Gepäck
an's andere Ende der Welt ausgewandert...
Hart gearbeitet,
getanzt wie der Lump' am Stecken.

Hätten das die Tangoproletarier zu Urzeiten nicht gemacht,
einfach so,
hätten sie nicht überlebt.
Und der Tango wäre gar nicht erst entstanden.
Dank' euch, ihr mutigen Leut', in den Himmel hinauf!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


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Quellen / mehr zu diesem Thema:
http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Bluthochdruck-Wie-gezielte-Ernaehrung-hilft,bluthochdruck142.html
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Mittwoch, 6. Juli 2016

Der Geschmack von Tomaten



Eine Liebeserklärung


Komm, wir spazieren ein wenig durch den Garten:
den SOMMER! schmecken...

Blütenduftende Hochzeitsgewänder
streicheln nackte Haut.
Verliebte Versprechen fliegen durch die Luft.
Zeit, vom Vogelgezwitscher und
den letzten Walderdbeeren zu naschen.

Die Blüten der Ringelblume haben sich
früh am Morgen schon geöffnet:
Die Luft sirrt, erzählt von süßer Hitze und Feuer.
Thymian spitzt die Ohren und zaubert uralte
Geschichten von Sonne, Liebe und Mut herbei.
Das Leben feiert sich selbst: Schwitzend tanzt es,
lustberauscht, in zwingendem Rhythmus.

Tomatenstöcke verteilen ihren kantig strengen
Nachtschattenduft auf der Terrasse -
grüne, bald sonnenleuchtende Kostbarkeiten bildend,
die diesen sirrend-lebendigen Irrsinn in sich bergen.
Bereit zum wohligen Verzehr.
Nicht umsonst nennen sie sich Paradeiser.

... die ersten Tomaten des Sommers!

 

Welche Sorte magst du am liebsten?



Den Klassiker: 
Kugelrund und und knallerot? Etwa so groß wie der Kreis, wenn sich die Spitzen von Daumen und Mittelfinger berühren? Noch sonnenwarm, direkt abgepflückt vom Strauch?
Die Fuchsbandwurmgefahr einfach mal ausnahmsweise ignorierend?
In saubere Achtel geschnitten, mit Salz und Pfeffer auf einem Brotzeitbrettle angerichtet?

Die Winzlinge:
Gelb, rot, orange oder ganz dunkel kommen sie daher. Quietschbunt murmelig laden sie dich ein, im Vorbeigehen zu naschen - einfach süß in Geschmack und Auftreten. Manchmal überraschen fruchtig erfrischende Säurekicks oder erdige Anklänge den Gaumen.

Die Fleischtomate und das Ochsenherz:
Die Sumoringerfraktion! Ein bissel zurückhaltend im Geschmack, dafür groß und fett wie der Kopf einer dicken Katze bieten sie genug Material für feine Saucen oder Raum für Füllungen. In meiner Kindheit, als vegane Ideen die Küchen noch nicht erreicht hatten, ließen sich die Dickwänste gerne mit Fleischsalat füllen.

Die Eiertomate:
Unsere italienischen Freunde lassen sich aufgrund ihrer Form so schön in gleichmäßige Scheiben schneiden und mit Basilikum, Olivenöl und Balsamico als bildhübsche Caprese präsentieren.

Für die finsteren Monate bewahren sie uns ihr flirrendes Sommeraroma im Dosen-Winterquartier. Oder konzentriert auf's Wesentliche als Tomatenmark.

Genug gekostet. Es gibt so viele verschiedene, die können wir hier nicht alle probieren.


Der Geschmack von Tomaten?


Kannst du mir jetzt nach unserer Verkostung konkret sagen, was genau den Geschmack ausmacht, den "Tomate" an's Großhirn meldet? Leider habe ich das - trotz aufwändiger, langjähriger Recherche - noch nicht herausfinden können.

Ähnlich geht es mir, wenn ich versuche, den Geschmack von "Tango" zu definieren.

Schwer zu fassen, diese Nachtschattengewächse...

So sehr sich die Geschmäcker der verschiedenen Sorten auch unterscheiden - sogar die der einzelnen Früchte - noch niemals in meinem ganzen Leben habe ich eine Tomate rufen hören, sie wäre die einzig echte, die einzig wahre!

Trotzdem versucht die transatlantische Ketchup-Convention quasi verfassungsgebend ihr penetrant einseitiges Geschmackserleben zu konsolidieren: z.B. als eingetütelte Beigabe zu Fastfood. Auf dass ein jeder die Seele des Sommers mit den Produkten weltweiter Handelskonzerne in Verbindung bringe. 

Auch im Tango versucht einer der Anführer die naturgegebene Vielfalt mit aggressiver Schreibe totzuschlagen: "Tango Voice II: Das Grauen kehrt zurück" Angriff der Killertomate?

Aber wie bei der Herzraten-Variabilität erzeugt Gleichförmigkeit eher Gefahr: Die Lebendigkeit eines Systems nimmt ab, bis es schließlich stillsteht. Dann ist es tot.

Vielleicht sollte Herr Tangovoice regelmäßig mehr echte Tomaten verspeisen: Das enthaltene Lycopin soll helfen, das Schlaganfallrisiko zu vermindern und den Blutdruckdruck zu senken.

Da der Wirkstoff gekocht besser vom Körper verwertbar ist, schenke ich dir (und dem cholerischen Tangosektierer) mein unargentinisches Rezept für die

"Schwiegermutter-Beeindrucker-Tomatensauce".


ergibt ca. 1 Liter (den Rest einfrieren für neblige Zeiten, erhellt Pasta und Gemüt)

ca. 1 kg Tomaten deiner Wahl (Dosentomaten gehen auch)
Olivenöl
2 Knoblauchzehen
1 dicke Zwiebel
1/2 Apfel 
... alles kleingeschnitten

1 winzige Prise Zimt
1 Prise Kreuzkümmel
1 Prise Fenchelkörner
1 Glas Wein (süß oder trocken, weiß oder rot, wie's beliebt)

1 "türkische" Portion Petersilie
   (d.h. VIEL, mindestens eine gute Handvoll)

1 Esslöffel frische Kräuter (der Anführer: Thymian! Dazu vielleicht Basilikum, Oregano, ... was da ist und mit hinein möchte).


Die klein geschnittenen Zwiebeln im Öl anschwitzen, bis sie dir gelb aus der Pfanne entgegenduften. Die Apfelstückchen dazu geben, rühren, bis sie zerfallen. Mit dem Zimt, Fenchel und Kreuzkümmel würzen. Jetzt unbedingt die aufsteigenden Düfte genießen!

Den Knoblauch kurz mit anrösten. Obacht, wirklich nur kurz, er wird sonst bitter. Mit dem Wein die Röststoffe loskochen.
Dann die Tomaten mit hineinschütten und solange köcheln lassen, bis sich die Zutaten geschmacklich verbunden haben.
Grünkräuter dazu. Vom Herd nehmen.
Wenn du möchtest, pürieren.
 
Vor dem Servieren evtl. noch jeweils einen Schuss Wein und Olivenöl unterrühren und ab auf die Nudeln!

Lass dir schmecken!




Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


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Quellen / mehr zu diesem Thema:
http://www.carstens-stiftung.de/artikel/nur-fuer-tomatenfreunde.html
http://www.welt.de/gesundheit/article109711719/Tomaten-senken-Schlaganfallrisiko-drastisch.html
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Dienstag, 28. Juni 2016

Herz, bist du zu sprechen?



"Soll man sein Herz bestürmen: 'Herz, sprich lauter!',
da es auf einmal leise mit uns spricht?"

fragt Dr. Erich Kästner in seiner "Lyrischen Hausapotheke".

Ich sage: JA!
Unbedingt, das ist gesund und kann deinen Blutdruck senken.
Als weitere feine Nebeneffekte kann ich dir eine bessere Immunabwehr, mehr Gelassenheit und Energie für die Anforderungen des Alltags nennen. Auch dein Schlaf wird sich sehr wahrscheinlich verbessern.

... und im Tango eröffenen sich mit offen sprechendem Herzen ganz neue Dimensionen!

Wie? Häh?
Kommt jetzt wieder so ein komischer Esoquatsch aus der Heilpraktiker-Ecke? 

Liebes Großhirn

nein, sei beruhigt.
Es liegen saubere, hochwissenschaftliche Studien vor.

Lange Zeit glaubte man, du würdest die körpereigene Pumpmaschine steuern. Dass das Herz wie eine kleine Neuronalkonkurrenz - und dazu eigenständig - agieren kann, mag dir unbequem erscheinen, erfüllt aber durchaus seinen Zweck.
Gefühle kommen immer als Körperempfindungen daher. Du dagegen wohnst ganz oben, bist in der Lage, diese zu bewerten, zu interpretieren und Handlungsempfehlungen herauszugeben.

Aber fühlen kannst du nicht. Deswegen klappt's auch nicht mit dem Tangotanzen.

Das Herz dagegen, eingebettet mitten im Gefühlsgeschehen weiter unten, schon. Ganz direkt nimmt es Veränderungen wahr und ist in der Lage - ohne Rücksprache mit dir als Steuerungszentrale - seine eigene Funktion zu regulieren. Das geschieht über herzeigene Hormone und Andockstellen für systemische Botenstoffe wie z.B. Adrenalin oder Oxytocin.

Manchmal scheint es dann, als könnte es in die Zukunft sehen, da es Veränderungen viel schneller spürt als du dort droben. Es ist in der Lage, dir wertvolle Einschätzungen liefern und dich wohl mehr beeinflussen, als du dachtest.

Wenn Herz und Hirn miteinander sprechen, geht es dem Herz-Hirn-Besitzer gut.


Das Herz kann sogar wie du lernen, auf bestimmte Erfahrungen ähnlich zu reagieren. So wirkt es nicht nur selbstbezogen, sondern beeinflusst auch dich, liebes Großhirn, und in der Schleife das komplette System: den ganzen Menschen! Im guten Sinne sowie umgekehrt: seine ungünstigen Verhaltensweisen (Herz-Chaos) sind beeinflussbar. Dein Herz kann sich die Kohärenz (wieder) zu eigen machen.


Das Herz mag gerne flexibel und harmonisch arbeiten. 

Es möchte auf anregende Reize - positive wie negative - schnell reagieren und Hinweise wie "Jetzt ist alles gut. Runterfahren!" genauso geschwind verarbeiten.
Das Intervall zwischen den Herzschlägen variiert deswegen ständig. So passt es sich den Erfordernissen an. Ist das Herz gesund, wechseln sich kurze und lange Herzschläge harmonisch wellenförmig ab: "Noch ein bissel mehr... noch ein bissel mehr .... jetzt passt's.... ein bissel weniger... ein bissel weniger... ein bissel weniger... jetzt passt's... bleiben... ein bissel mehr... ein bissel mehr... " Diese achtsame Feineinstellung nennt man Kohärenz (Zusammenhang). In Folge wird von einer hohen Herzratenvariabilität gesprochen.

Ungünstig ist der Zustand, der als Chaos bezeichnet wird. Dabei wechseln sich die Schlaglängen rüde ab: ein paar ganz schnelle, dann gleichsofort ein paar laaangsaame, was statt einer wohligen Welle ein zackiges Bild zeichnen würde. Das strengt an.

Hetzen wir uns recht gestresst durchs Leben, ohne ab und zu runterzufahren, verfällt das Herz in den Chaosmodus. Wir trainieren dem Herzen damit seine Variabilität regelrecht ab. Ganz gefährlich wird es, wenn es gar nicht mehr reagiert: bei einer platt-stillstehenden Herzratenvariabilität wird es sehr möglich, dass es einfach stehenbleibt.

Im welligen Fluss der Herzratenvariabilität kann es sich aber viel besser und energiesparender an Veränderungen anpassen!

Und schon auf kleinste Gefühlsschwankungen reagieren, die im gesamten System wirken. Darf es das nicht, haben es einige Störungen leichter, sich einzunisten, z.B. Bluthochdruck, funktionelle Herzbeschwerden, Angstattacken. Dem Immunsystem tut eine eingeschränkte Anpassung auch nicht gut.

Übung: Das Herz in Balance bringen


Ich zeige dir - ein wenig angepasst - eine Mental-Übung, die das Heart-Math-Institute in Kalifornien entwickelt und erforscht hat.

Dabei ist es nicht so wichtig, die Pulsfrequenz zu senken, sondern Kohärenz zu erzeugen, eine wohlige Welle im Auf und Ab zu zeichnen.

Dann ist das Herz in Balance.

Dann wär' es wieder laut, damit man es versteht. 
Dann riefe es, bis man ihm folgen müsste.
Und schämt sich nicht zu rufen.
Es will das Schönste haben. Manchmal ruft es "Nein!".
Man kann den Mächten, die das Herz erschufen, von Herzen dankbar sein.
(frei nach Erich Kästner)

Los geht's, lieber Hirnbesitzer!
  1. Halt inne, und beobachte deine Gefühle.

  2. Besinne dich und benenne, was dich im Moment bedrückt.
  3. Lege eine Hand auf dein Herz.
  4. Konzentriere dich fühlend auf diesen Bereich.
    Stell dir vor, du würdest durch dein Herz atmen.
    Beobachte dein Herz dabei wie ein Kind, das friedlich spielt.
  5. Hol dir aus deiner inneren Schatzkiste jemanden, der dir das Gefühl bedingungsloser Liebe und Wertschätzung entgegenbringt. Egal, ob Kind, (Tanz-)Partner, Katze, ...
    Oder eine Situation, in der du glücklich und ganz bei dir warst.
    (Tipp: Sammle solche Szenen!)
  6. Bleibe mindestens 15 Sekunden in diesem wohligen Gefühl und spüre, wie es sich ausbreitet.
Natürlich stellen sich dauerhafte Erfolge nicht von jetzt auf gleich ein. Aber wenn du eine Zeitlang konsequent dreimal täglich übst, wirst du merken, wie du dein Herz immer schneller in Kohärenz bringst. Adrenalin- und Cortisolspiegel balancieren sich aus. Mittelfristig füllen sich deine Speicher, deine Lebenslust steigt.

Auch dein vielleicht zu hoher Blutdruck könnte sich verträglichen Gefilden niederlassen, bevor du medikamentenpflichtig wirst oder die Wirkung der Blutdrucksenker unterstützen. (siehe Betablocker - Adiós corazón?)

Welche Sprache sprechen Herzen? 

Obacht, jetzt zum Abschluss wird's wissenschaftlich ein bissele fragwürdig. Aber vielleicht magst du's einfach als schönes Bild benutzen. Mir hat's beim Tangotanzen schon oft geholfen:

Das elektromagnetische Feld des Herzens sei das größte im menschlichen Körper. Messen könne man es meterweit. So wirke es auf die Hirnwellen der Mitmenschen, um sich mit ihnen zu synchronisieren. Eine elektromagnetische, unkomplizierte Sprache, die in archaischen Zeiten bestimmt manches Überleben sicherte und heute den Tango lebendig schimmern lässt.


HERZliche Grüße, bis bald!
Manuela Bößel

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Quellen / mehr zu diesem Thema:
https://www.heartmath.org/research/research-library/clinical/coherence-nonpharmacological-modality-for-lowering-blood-pressure-in-hypertensive-patients/
https://www.heartmath.org/resources/heartmath-tools/
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Freitag, 17. Juni 2016

Betablocker - Adiós corazón?



Stell dir vor...

... du stehst im Bad, kämmst dir zufriedengearbeitet den Feierabend ins Haar. Die üblichen Restaurierungsmaßnahmen waren weniger aufwändig als sonst, weil im Schimmer deines vorfreudigen Lächelns die Falten in Gesicht und Kleidung abflauen. Die chinesische Glückskatze winkt, obwohl ihre Batterien eigentlich leer sind.

Ein fröhliches Liedlein pfeifend schnappst du dir deinen Tanzschuhbeutel, springst übermütig wie die Geiß im Frühling die Stiege hinab und machst dich auf den Weg zur Milonga.

TANZLUST (!) quillt aus jeder Pore respektive Knopfloch.

Dein Herz singt "Negra Marías" Rhythmus, während du an der Ampel auf grünes Licht wartest. Dem Nasenpopler im Nebenauto winkst du grinsend zum Abschied. Auf dich warten schließlich vielversprechendere Genüsse: Du freust dich unbandig auf die geliebte, sinnlich-bewegende Lebensfreude beim Tango!

In deinen Füßen kribbelt schon beim Schuhwechsel die Vorfreude.

Beim Betreten des Saals zerfällt allerdings ein Gutteil der Glitzersternlein in Blut und Gemüt, getroffen von fader Musik - ein Effekt, als würdest du ein ganzes Fläschchen Sab (Entschäumer gegen Blähungen) ins Hefeweizen kippen.

Wenige Paare schleichen derweil mäßig ambitioniert über's Parkett.

Du kostest mit dem freundlichen Herrn neben dir deinen ersten Tango an diesem Abend. Der Geschmack erinnert an den trüben Inhalt einer Limoflasche, die zu lange offen in der Sonne gestanden ist. Ein eher unerwünschter Kindheitsbackflash, der einen nicht zu vernachlässigenden Energieabfall zur Folge hat. Dein Tanzpartner hingegen schiebt dich schneckengleich, doch hochzufrieden: Seit der DJ "nimmer so aufregendes Zeugs spielt", käme er wieder öfter.
Einen Kommentar zur Zweideutigkeit seiner Aussage schluckst du tapfer hinunter. Nach drei Tangos bewegt sich dein Puls träge auf Schlafniveau. Positive Anregung (ja, positiver Stress!) geht anders.

Auch die etwas schnelleren Stücke, die der rentnerbeige DJ kredenzt, rühren dich kaum an. Für schwitzend-fröhliches Herumtollen auf der Piste hat auch dein folgender Tanzpartner - wie die anderen Gäste mit den merkelnden Mundwinkeln - kein Verständnis.

Bedrückend-bedrückt stehen die Herrschaften auf der Fläche spazieren, an diesem grauen Abend, betröpfelt von reizarmer Musike (sprich: "Muu-sii-kööö").

Parallel zur mitgebrachten Menge deiner Lebenslustenergie sinkt dein Blutdruck samt Pulsrate und deine Stimmung in Richtung depressiv.

Und wie war das mit dem sinnlich-erotischen Aspekt beim Tangotanzen gleich nochmal?
Lässt sich ja eigentlich nicht zur Gänze fortdiskutieren, wenn Mann und Frau sich umarmen, oder?
Posttango-Begehr? Oder gar "Libido"? Gibt's das?
Nein, gewiss nicht! Hier nicht.
Adiós corazón...

Erst daheim merkst du, dass dir schon ein bissel schwindelig ist vor Hunger: Dein Blutzuckerspiegel hockt nörgelnd im Keller. Also futterst du dich durch deinen Kühlschrank.
Ziehst du das eine Zeitlang durch, freut sich die Waage, dass du endlich auch die oberen Bereiche ihrer Skala benutzt.

Schlaf und süße Jugendträume  mögen dich heut' nicht besuchen, stattdessen interessiert keinen, ob du weinst...

Schluss jetzt!

Verlassen wir die Szenerie und schauen lieber von außen drauf:


Dynamische, kreative Ausdrucksformen vermisse ich beim Beobachten der Tänzer auf solchen Milongas oft ebenso wie diese unbezähmbare, herzensstimulierende Lebenslust, die der Tango für mich bedeutet.

Böse gefragt:
Sollen da etwa Herzen geschont werden? 

Weil ein zu hoher Herzens-(Aus-)Druck inzwischen gefährlich scheint? 


Schließlich wurden auch die Grenzwerte für den körperlich-medizinischen Blutdruck gesenkt. Für jeden Patienten - unabhängig von Alter, Vorgeschichte, der aktuellen Situation etc. - gilt nun 120/80 als "güldener Standard": Der Wert, der unbedingt zu erreichen ist, unabhängig davon, wie es dem Patienten damit geht.

Dann werden gerne, meist neben anderen blutdrucksenkenden Medikamenten, Betablocker verordnet.Die Wirkungsweise ähnelt der einer "herzschonenden Milonga" wie oben beschrieben.

Im Herzen sitzen "Empfangsantennen" der Nervenfraktion: sogenannte Beta 1-Rezeptoren.
Der Betablocker verhindert, dass die Bitte der Steuerungszentrale "Liebes Herz, bitte mehr pumpen, ich möcht' Tango tanzen und schwitzen und mich freuen" am Herzen ankommt.

Der Briefkasten ist zugepappt. So hängt das Herz desinteressiert wie ein Teenager im Sitzsack und mag nicht auf Leistungsanforderungen reagieren.

Der Blutdruck wird niedergedrückt, die periphere Durchblutung schwächer - Aktivität, Kreativität und Lebensfreude ebenso - und in Folge oft auch die Stimmung.

Bei Patienten mit pAVK (arterielle Durchblutungsstörung meist im Beinbereich) verringert sich die Wegstrecke, die sie noch bewältigen können - ein typisches "Encuentro-Syndrom"?

Andere Nebenwirkungen können Gewichtszunahme, Schlafstörungen samt Albträumen und verzögerte Symptome bei Unterzucker sein.

Im doppelten Wortsinn hemmt das Medikament nebenbei immer mal wieder die "Verkehrsfähigkeit".


Das Konzept ist also Schonung des Herzens durch weniger (An-)Reiz.  

 

Damit argumentieren auch die Verfechter der "unaufgeregten Milonga" und "verordnen" der Tangopoulation - unabhängig von Alter, Vorgeschichte, aktueller Situation etc. - die Schonung der Herzen.

Ob die Tänzer wollen oder nicht, alle würden am liebsten vorsorglich beschirmend-behütend mitbehandelt: laue Musik, artig langsam in der Ronda tanzen, unaufgeregt interpretieren, nicht sprechen beim Auffordern. Zuviel aufsteigender Tanzdruck wäre ungesund oder gar gefährlich!

Berücksichtigt man die in den letzten Jahren sinkenden Blutdruck-Grenzwerte, "müssen" (?) wohl immer mehr Herzen auf diese Weise beschützt werden. So wächst die Gruppe derer, die zu Patienten werden.

Was bin ich froh, dass sich wenigstens der Tanzdruck nicht anhand einer Skala messen lässt!

Eine allmähliche Absenkung des "güldenen Standards" in bewegungslose Gefilde wäre zu befürchten. Dann würd's ganz schön fad.

Herzliche Grüße von der "Beta-Bloggerin" und bis bald,
Manuela Bößel

P.S. Bevor du deine Blutdruckmedikamente absetzen oder ändern möchtest, sprich' unbedingt mit dem Arzt oder Heilpraktiker deines Vertrauens!


P.P.S. Eine herzschonende Milonga wie beschrieben ist KEIN adäquater Ersatz für eine schul- oder alternativmedizinische Bluthochdruckbehandlung! ;)


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Quellen / mehr zu diesem Thema:
https://de.sott.net/article/17520-Arzte-erhohen-Schwelle-fur-Blutdruck-Medikamente-und-warum-die-Grenzwerte-eines-normalen-Blutdrucks-nichts-mit-Wissenschaft-zu-tun-haben 
http://naturheilt.com/blog/blutdruck-und-seine-normwerte/
http://www.draloisdengg.at/bilder/pdf/Normwertetrick.pdf
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Freitag, 10. Juni 2016

"Unheilpraktiker" - Gedanken zum Buch und zum Heilpraktikerberuf


Anousch Mueller:  "Unheilpraktiker: Wie Heilpraktiker mit unserer Gesundheit spielen" (Riemann Verlag 2016,  224 Seiten, Taschenbuch oder E-Book)
Buchzitate sind kursiv markiert.

Die Autorin: 

geb. 1979, verheiratet, 1 Sohn, lebt in Berlin, Studium der Neueren Deutschen Literatur sowie Jüdischen Studien

Aufgrund eigener körperlicher Beschwerden, die schulmedizinisch nicht lösbar waren, suchte Anousch Müller Hilfe im naturheilkundlichen Bereich, in dem sie sich - zunächst - verstanden und aufgehoben fühlte. Wohl so gut versorgt, dass sie auch eine berufliche Alternative im Heilkundlerberuf sah und zwei Jahre lang eine Heilpraktikerschule besuchte.

Während dieser Zeit kamen ihr die ersten Zweifel, genährt von ihr eigenartig scheinenden Methoden, Weltanschauungen der Ausbilder und esoterischer Verbrämung der Inhalte. Das schürte wohl ihre Neugier, zu hinterfragen, "was es mit der Alternativmedizin auf sich hat". Die Veröffentlichungen von Kritikern dieser heilkundlichen Sparte wertete sie schließlich als glaubwürdiger als die Inhalte der Heilpraktiker-Schule. So nahm sie von ihrem Berufswunsch "Heilpraktikerin" Abstand, auch weil sie ein Kind und einen Buchvertrag für ihren Roman bekam. Ob und mit welchem Ergebnis sie die Prüfung absolvierte, wird nach meinem Kenntnisstand nicht erwähnt.

In der Schwangerschaft und anschließend als junge Mutter kamen die "Zweifelthemen" (Homöopathie, Impfangst, Esoterik) zurück. Daraus resultierte ihre endgültige Abkehr von der Naturheilkunde. Es folgte eine kritische Recherche der "Non-Schulmedizin". Nach einer Veröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung bekam sie das Angebot, ein Sachbuch über die "Abgründe der vermeintlichen sanften Medizin" zu schreiben.
(https://unheilpraktiker.de/autorin/)

Der Verlag

Interessanterweise finden sich in dessen Katalog auch folgende Bücher: "Zucker-Krankheit Alzheimer", "Veganize your life" von Renato Pichler und Rüdiger Dahlke sowie "Der Heilungscode der Natur", Taschenapotheke Naturheilkunde", "Die Botschaften unseres Körpers", "Der Darm-IQ", Bücher über Finger Qi-Gong, Heilsteine, Schüsslersalze. (http://www.randomhouse.de/Verlag/Riemann/8000.rhd "Naturheilkunde" im Suchfenster eingegeben)

Da drängt sich mir die Frage auf, ob die polarisierende Bearbeitung des Themas dem Verlag nicht vor allem hohe Verkaufszahlen verspricht? Sag einmal ganz laut nachmittags auf einem Spielplatz "Impfen!" und beobachte die Mütter! Dann weißt du, was ich meine. Was und wieviel in Frau Muellers Skript zu diesem Behufe vom Verlag hinein- oder hinauslektoriert wurde, würde mich interessieren.

Der Inhalt des Buchs

"Für viele Patienten sind Heilpraktiker die letzte Hoffnung – scheinen sie doch eine natürliche, ganzheitliche, menschlichere Medizin anzuwenden, die sich von der kalten „Apparatemedizin“ abgrenzt. Nur wenige wissen jedoch, worauf sie sich womöglich einlassen: Es gibt keine geregelte Ausbildung. Heilpraktiker-Anwärter werden mit irrationalen Theorien indoktriniert. Und während von medizinisch sinnvollen Behandlungen abgeraten wird, muss mancher Patient als Versuchskaninchen für heillose Praktiken herhalten. (...)"
So beginnt das Vorwort.

Die recht eigenartige Entstehungsgeschichte und den kargen Inhalt des Heilpraktikergesetzes schildert sie ausführlich. Hinweise auf andere Gesetze, die den Handlungsspielraum extrem einschränken, werden nur ganz leise angedeutet oder fehlen komplett (Durchführungsverordnung über die Vereinheitlichung im Gesundheitswesen, Infektionsschutzgesetz, Gesetz über den Verkehr mit Arzneimitteln, Gesetz über die Werbung auf dem Gebiet des Heilwesens, Betäubungsmittelgesetz, Hebammengesetz, Medizinproduktegesetz, Röntgenverordnung etc.).

Insgesamt bemängelt sie das Zulassungsverfahren: Es handele sich hierbei lediglich um eine Überprüfung, ob der zukünftige Heilpraktiker eine Gefährdung der Volksgesundheit darstelle. Abgefragt werde nur "Universitätsmedizin", aber kaum Kenntisse und Methoden der alternativen Heilkunde.
"Es ist den Gesundheitsämtern egal, welchen Humbug der künftige Heilpraktiker treibt, solange er in der Lage ist, bösartige, hochinfektiöse oder lebensbedrohliche Zustände zu erkennen." 
Diese Aussage kann ich nach meiner Erfahrung so nicht bestätigen. "Meine" Prüfungskommision hat sehr wohl  interessiert, was ich mit meinem "Schein" vorhabe. Die heilpraktischen Zukunftspläne beeinflussen - hier in Augsburg zumindest - die Entscheidung des Gesundheitsamts, ob zugelassen wird oder eben nicht.

Das folgende Kapitel befasst sich mit der Ausbildungssituation, die nicht klar geregelt ist und keiner Kontrolle unterliegt. Es handele sich hier nicht um eine Vorbereitung auf den Heilpraktikerberuf, sondern um die Vorbereitung zur Prüfung. Die Autorin merkt an, dass ein "Schulbesuch" nicht zwingend nötig sei, um sich zur Überprüfung anzumelden, die aus 60 Multiple Choice-Fragen und einem mündlichen Teil besteht.

Handwerkszeug, Techniken und Methoden sowie Erste Hilfe-Maßnahmen würden nicht überprüft: "Das ist fast so, als dürfe man Flugzeuge fliegen, nur weil man 'Motorflug kompakt' auswendig gelernt hat." Die Sorgfaltspflicht wird zwar erwähnt, "Doch wer kontrolliert das schon?"
Das ausgelutschte Beispiel vom erlaubnisgestützt-herzoperierenden Heilpraktikerlein muss (wieder einmal) herhalten. Wie er das ohne Betäubungsmittel und Antibiose anstellen will oder mit der Sorgfaltspflicht zur Deckung bringt, ist mir schleierhaft.

Heftig beklagt sich die Autorin über die ideologische "Einnordung" auf irrationale Gegenpositionen zur Schulmedizin in der von ihr besuchten Heilpraktikerschule. Ob dies wirklich einem generellen Trend entspricht, wurde wohl kaum recherchiert - ebensowenig wie die Literatur zum Selbststudium (meinen Bücherstapel als "externe Bewerberin" kennt sie zum Beispiel nicht...). Viele Heilpraktiker kommen aus medizinischen Berufen - dass diese anschließend nur noch mit der Wünschelrute unterwegs sind, darf bezweifelt werden. (Da ich komplett im Eigenstudium gelernt habe, fehlen mir Erfahrungen zum beschriebenen Corps-Geist. Deine Erlebnisse hierzu via Kommentar wären den Lesern und mir sicher sehr wertvoll.)

Nicht nur in diesem Fall wirft Anousch Müller mehr in einen Topf, als hineingehört - als Gegenargument zur Komplementärmedizin würde sie dies als "anekdotische Beweise" bezeichnen.

"Anekdotische Beweise" versus "evidenzbasierte Wirksamkeit" ist der rote Faden, an den die Autorin ihre Argumente klammert: Die Methode "Zuwendung" kommt da zum Beispiel ganz gut weg. Auch Berührungen sollen wohl nachweislich wohltun und der Heilung zuträglich sein. Was der gesunde Menschenverstand schon wusste, kommt tatsächlich - zum Teil noch in homöopathischen Dosen - in der Schulmedizin an! Wie schön, dass es hierzu Studien gibt!

Vielen anderen Verfahren - von TCM, Homöopathie, Orthomolekulare Medizin, Reiki über Atem- oder Neuraltherapie - wird jegliche Wirkung abgesprochen: Es handele sich dabei lediglich um den (evidenzbasierten!) Placeboeffekt! Darauf sollen die Heilpraktiker doch bitteschön den Patienten ausdrücklich hinweisen, damit dieser nicht die Katze im Sack kauft.

Wie sähe das dann konkret aus?  "Trinken Sie Fencheltee gegen ihre Blähungen. Studien sagen, er wirkt eh nicht, da müssen Sie sich schon auf die Placebowirkung verlassen!"?
Oder muss ich meinen beatmeten Patient darauf hinweisen, dass meine kruden Atemübungen und die Shiatsubehandlung nicht wirken können, da es wissenschaftlich belegt kein Chi gäbe? Dass seine Spastiken abnähmen und seine (gemessene!) erhöhte Sauerstoffsättigung nur aufgrund der Placebowirkung steige?

Ich befürchte, das ist meinem Patienten heut' wurscht. Hauptsache, es schnauft sich besser. Er ist schließlich keine breit angelegte, randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie, sondern ein Mensch. Und ich auch.

Nicht nur an dieser Stelle im Buch musste ich schmunzeln. Allzuviel praktischen Erfahrungshorizont im Medizinbetrieb und im Umgang mit "echten kranken Menschen" hat die Autorin wohl nicht. Nach meiner Erfahrung nutzt die Schulmedizin ihre ausgefeilte Dramaturgie ähnlich routiniert wie die katholische Kirche.

Da inzwischen auch einigen Ärzten klar zu werden scheint, dass Patienten zur "kleinen Konkurrenz" abzudriften drohen, werden gerne die nicht evidenzbasierten Behandlungsformen als IGeL-Leistungen angeboten.  (http://www.igel-monitor.de/igel_a_z.php) Klar, das ist nicht das Thema dieses Buchs, aber die Vorwürfe "Erfinden von Krankheiten" und des Verdienens an fraglichen Therapien (Geldgier), relativieren sich bei vergleichender Betrachtung. Ich kenne keinen Heilpraktikerkollegen, der einen Jaguar fährt.

Im Kapitel "Wie Heilpraktiker Patienten verführen" skizziert die Autorin kritisch die wohlige Atmosphäre einer Heilpraktikerpraxis, in der Zeit für den Patienten aufgewendet wird. "Und Heilpraktiker sind nicht nur gute Zuhörer, sondern auch talentierte Erzähler. Sie verstehen es, Anamnese und Untersuchung zu einem sinnlichen Erlebnis zu machen, das den Patienten interessiert und integriert..." 
Was daran so schlimm ist, wird leider nicht beantwortet und weist wieder auf  mangelnde Praxis im Umgang mit Patienten.

Mit welcher "Sprache", in welchem Denkmodell die Lösungsansätze vermittelt werden, sollte meiner Meinung nach den Heilpraktikern überlassen werden. Manchmal frage ich sogar einen Patienten, ob er lieber eine "chinesische" oder "muskelkettenbezogene" Interpretation seiner Beschwerden wünscht. 

"Zuwendung und Zuhören" scheinen sich für Ärzte als Zusatzleistung nicht zu rentieren. Sie werden im IGeL-Katalog nicht angegeben.

Fairerweise muss ich aber die zahlreichen Allgemeinärzte erwähnen, denen sehr wohl an einer guten Patientenversorgung (mit Gesprächen und Anfassen) gelegen ist, die aber dafür schlicht keine Zeit haben. Meiner Erfahrung nach sind gerade solche Mediziner froh, wenn diesen Bereich der Heilpraktiker abdecken kann - oder die Krankenschwester  - am besten beide in einer Person.

Seriöses und professionelles Auftreten hat mir in vielen Fällen ermöglicht, mit - statt gegen - den Hausarzt zu arbeiten. Sieht er die positiven Wirkungen meiner Methoden am Patienten, räumt das so manchen Zweifel aus. Von solch guten Kontakten und Kooperationen auf Augenhöhe profitieren die Patienten enorm.

Die Arbeit mit einem Patienten an den Basics zum Gesundwerden und Gesundbleiben (siehe Artikel "Was fehlt ihm denn"), ihm zu helfen, sein Leben zu ordnen, ihm medizinische Zusammenhänge erklären, ist - wenn überhaupt - nur in vereinzelten Privatarztpraxen möglich.

Diese Versorgungslücke besteht und kann nicht wegdiskutiert werden!

Die Pflege als klassische Schnittstelle zwischen Arzt und Patient böte eine gute Grundlage. Sie scheint mir momentan aber (noch) zu wenig selbstbewusst und in weisungsgebundenem Denken verhaftet.

Die Schulmedizin hat ihre Grenzen, die erkennbar werden, wenn man sich ausführlich mit ihr beschäftigt. Jenseits ihres Tellerrands liegen aber reichlich brauchbare Ansätze, die Patienten komplementär und vor allem verantwortungsvoll zu betreuen.

Hier sehe ich die Kernkompetenz und Zukunft der Heilpraktiker. 

Ich wünsche mir, dass die Frage, wer Recht hat, hintangestellt wird zugunsten:

Wie können WIR ALLE im Medizinbetrieb unsere Patienten gut versorgen?

Wär das was?


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


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Quellen / mehr zu diesem Thema:
https://www.amazon.de/Unheilpraktiker-Heilpraktiker-unserer-Gesundheit-spielen/dp/3570501957/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1465561889&sr=8-1&keywords=unheilpraktiker
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