Donnerstag, 15. September 2016

Der Mann an sich ist kein Allheilmittel.

Über die Wirkung und Aufnahme von Führungs-Impulsen, die eigenen Grenzen und lebendig-aktives Folgen im Tango (und im Leben ;)


 

<image> tangofish Illustration über Führen und Folgen im Tango und im Leben
Du schaffst auch nicht mehr Nähe, wenn du deinen Rahmen verlässt.

Jetzt ist es schon wieder passiert:


An der Kasse des Supermarkts stellst du fest, dass außer den geplanten Zutaten für's Abendbrot (Käse, Tomaten, Brot) ein gutes Dutzend weitere lecker-verführerische Köstlichkeiten grinsen. Und Duschgel. Und Streichhölzer.

So wie letzte Woche im Baumarkt, als nicht nur die einzelne Glühbirne mitkommen wollte. Schwammtürme, Kabelbinder und das silberne Gaffatape kann man doch stets brauchen (!) - für was auch immer. Dein zweites Paar Tanzschuhe wirst du ohne Superspeziallederkleber auf keinen Fall endlich reparieren. Und das Scheibenwischer-Wischelwasser mit Mückenentfernungseffekt war auch schon lange nötig.

Die Werbefritzen und Super- respektive Baumarktplaner sind fies, berechnend, schlau - haben geschickt Handlungsimpulse platziert. Du hast sie angenommen, hast gekauft, bist artig gefolgt.
Versuch' nicht mir zu erzählen, du wärst immer immun gegen solche Verführungen. Die schmuggeln sich auf Schleichepfoten heimlich über Hintertüren ins Unterbewusstsein.

Auch unser Freund "Zufall" verkleidet sich gerne als Ingangsetzer unserer Aktivitäten:

  • Da erinnert dich auf einer Milonga Peter Kraus cortinaverkündend, dass Tante Gusti übermorgen Geburtstag hat. 
  • Der Spielplatzsand, der zwischen deinen Zehen knirscht, lässt dich deine Aloe-Pflanze umtopfen.
  • Nach dem Stau auf der Autobahn, verursacht durch einen üblen Unfall, formulierst du Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Testament.

Fast ständig reagieren wir auf Führungsimpulse - oder nenne sie Anregungen - von außen. Ob wir wollen oder nicht, ob bewusst oder unbewusst. Auch Männer. Männer beim Tango.


Auch beim Tango wird "der Mann an sich" geführt:  


von der Musik, den räumlichen Verhältnissen, dem "Duft der Frauen", von Heldenmissionen und vielleicht vom Ergebnis der Linsensuppe, das sich fröhlich in der linken Darmflexur tummelt.

Manche Herren geben sogar ganz offen zu, dass sie bewusst, mit genussgeblümeltem Vergnügen die bewegenden Ideen weiblicherseits als Anregung für die Gestaltung des nächsten Führungsimpulses nutzen!

Da kann ich mich als Teilzeitführende nur anschließen. Kommt gar nix zurück, fühlt es sich an, als würde man eine Billardkugel nach der anderen schlicht in einem schwarzen Loch versenken. Die Energie versackt einfach. Das strengt ganz schön an.

"Der Mann an sich" beim Tango ist kein Therapeutikum, das eine bestimmte Wirkung bei definierter Dosis zeigt. Er ist keine rosarote Glückspille, die dir deinen Tango für heute sicherstellt, sondern ein Mensch.


Reizaufnahme und Verarbeitung


Du bekommst doch als Folgende - als Begleiterin im Augenblick - so viel geschenkt! Vielleicht nicht genau das, was auf deinem Einkaufszettel steht. (Bei Wünschen, die über den Tango hinausgehen, wende dich vertrauensvoll an die gute Fee deines Vertrauens.) Öffne einfach testhalber dein Herz und schau, was da hineinglitzern könnte. Du wirst überrascht sein!

Was rührt dich an?
Was möchte deine Antwort darauf sein? 

Es zwingt dich ja keiner, alles aufzunehmen. Manchmal ist ein ungefiltertes Zuviel nicht verträglich. Zwei Tassen Kaffee am Morgen helfen wach zu werden. Eine ganze Kanne führt zum tachykarden Koffeinflash samt Bluthochdruck.


Vielleicht kommen die Führungsimpulse mit einem Übermaß körperlicher Kraft daher? 


Ich wiege nicht mal so viel wie ein Sack Zement, was manche Tänzer aber nicht davon abhält, mir einen Schwung zu übergeben, der eine Dampflok den Berg hinaufschieben könnte. Oder eine Kuh in den Handstand.

Macht aber nix, in solchen Situationen hilft es, sich einen Teil der Energie abzuzweigen. Den Rest kann man einfach durchlaufen lassen und wie ein Blitzableiter in den Boden schicken. Das funktioniert, wenn du selber gut stehst und vor allem locker bleibst. Wehrst du dich mit Verspannungen, tut's weh - abhängig vom Kraftvektor in der Schulter, im Knie, in der Hüfte...

Ein einigermaßen sensibler Tänzer wird dein Grundgewicht und mögliches Bewegungsausmaß nach und nach berücksichtigen und sanftere Impulse geben. Du hilfst ihm, wenn du ihm deine physischen Voraussetzungen körpersprachlich mitteilst! In harten Fällen muss die gute, alte Sprechsprache herhalten. Aber formuliere bitte lieb, Anschmerzungen sind in den meisten Fällen unabsichtlich im Eifer des Gefechts passiert.

Manchmal gelingt dieses entspannte Durchströmenlassen allerdings nicht. Ob das an deiner heute suboptimalen Entspannungsfähigkeit liegt oder an dem tauben Grobian - egal! Mach dir dann keine Vorwürfe! Denk nicht weiter drüber nach, das verspannt noch mehr. Verlasse für einen Moment das Östrogenkarma, Madame, beende diese Runde (wie ein Mann) schon vor der Cortina. Neue Chance - neues Glück!


Treffen dich zu starke Führungsimpulse, die in der Seele landen wollen?


Die einzige Chance, auf einen solchen Impuls aktiv-wissend zu reagieren, besteht darin, die eigenen Hintertüren in's Unterbewusste zu kennen und - wenn überhaupt - nur so weit zu öffnen, wie du das selber möchtest. Das besänftigt Ängste, die dein Gestell verkrampfen.

Es ist nur Tango! Keine Lebensgefahr! Einfach weiteratmen!

Und den Überschuss einfach wieder durchlaufen lassen: dasselbe Vorgehen wie oben beschrieben. Wenn du auch auf deinen seelischen Füßen gut stehst, gelingt dir das gewiss. Üben hilft.

Aber wenn keine der Strategien anschlägt, hör auf!

Schau genau!
Wenn etwas aussieht wie Sch..., sich anfühlt wie Sch... und riecht wie Sch.., dann hast du bestimmt keinen Schokoladenpudding mit Schlagobers vor dir.


Wie kann dein Antwortimpuls auf Führung nun aussehen?


Eine Antwort setzt Zuhören voraus.
Wenn beide gleichzeitig plappern, scheppert zwar die Luft, aber der Austausch - für mich das Spannendste am Tango - kommt zu kurz. Das Zuhören ein bissele mehr zu verinnerlichen und zu üben wäre für beide Fraktionen ein großer Vorteil.

  • Was erzählt dir dein Partner eigentlich? 
  • Welchen Tonfall wählt er heute? 
  • Welche Stimmungen schwirren dir entgegen?
  • Wie komplex ist sein Wortschatz gestrickt? 
  • Woher kommen die Impulse, die auf ihn einwirken? Auf einer gesteckt vollen Piste wird er dir vielleicht eher knackige Dreiwort-Sätze anbieten, anstatt konjunktivverschnörkelte Langwortpoesie im Mondenschein. 
  • Was, wieviel verträgt er, und in welcher Form? (Erfahrungsgemäß mehr, als du denkst!)

Mit offenem Herzen (angstarm) und ein wenig respektgewürzter Fantasie gelingt es dir sicher, dich aktiv situationsgeschmeidig am Gespräch zu beteiligen.
So entsteht echte Kommunikation!

Bitte lass ihn ausreden! Eine Antwort in vorauseilendem Gehorsam macht dich nicht zur besseren Folgerin! So bleibt dir Zeit, darauf zu achten, dass du dich selber bequem und vor allem sicher bewegst, ohne ihm den unkalkulierbaren Schwung eines Schritts oder Verzierungen hineinzuschrauben, die er nicht händeln will oder kann.

Möchte er aber jeden deiner Schritte ganz alleine planen, deine Gestaltungsmöglichkeiten auf Null beschränken, verweise ihn auf das große Angebot an Besen respektive Wischmops im nächsten Baumarkt. (Außer du stehst drauf ;)

Auch ein Gefühl für das zur Verfügung stehende Zeitfenster zu entwickeln ist günstig. Manchmal schmilzt selbiges von einer Sekunde auf die andere, wenn z.B. euer Weg plötzlich versperrt ist. Bleib locker! Mach es ihm leichter, indem du ihm nicht ins Wort fällst.

Du musst nicht auf alles antworten.
Du darfst auch mal schweigen.
Du darfst deine Antwort selbst und eigenverantwortlich gestalten!
Deine eigenen Ideen einbringen!
Ausschmücken! Anmalen!
Deine eigenen Worte verwenden!
Deinen Tonfall und Klangfarbe wählen!
Sogar die Richtung mitbestimmen.
In deiner Weise. 
Trau dich!

Dann "folgst" du lebendig, aktiv und voller Genuss!
Dann tanzt ihr (oder was auch immer) zusammen


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel



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Mittwoch, 7. September 2016

Gastbeitrag von Christiane Bößel: Warum uns viel öfter alles „wurscht“ sein sollte

article image tangofish Mehr Gelassenheit durch Wurschtigkeit (Manuela Bößel)
Heute darf ich einen ganz besonderen Gast im Blog begrüßen: 
Christiane Bößel (Autorin) gibt uns die Ehre! Sie ist nicht nur meine leibliche Schwester, auch in ihrem früheren Beruf, der Krankenpflege, wurde sie so gerufen, bevor sie Literaturwissenschaft und Philosophie studierte. 

Sie beschreibt uns einen Weg, der uns vielleicht zu mehr Gelassenheit führen kann.

Familienähnlichkeiten werden - trotz aller Unterschiede - dem geneigten Leser nicht verborgen bleiben. Sie bittet um einen kleinen Hinweis zu ihrem Text: "Obacht, Satire!" Leider ist sie öfter mal von "achtsamen", zum Teil sogar "betroffenen!", wesentlich weniger bösartigen (?), "guten" Menschen umgeben, die ihren genintern sitzenden Schabernack nicht so gerne goutieren mögen. Oder können? Aber genau dafür stelle ich ihr mit Freude die Blogbühne zur Verfügung!

Viel Vergnügen!
Bühne frei für Christiane!

********************

Liebe Leser und Leserinnen des Im-Prinzip-Tango-Blogs,


ich gestehe – und ducke mich gleich ein bisschen: Ich tanze keinen Tango!
Auch nichts anderes. Das letzte Mal habe ich in der Küche getanzt, ganz alleine für mich, als im Radio ein Achtziger-Jahre-Disco-Lied gespielt wurde. Mein Kater wusste gar nicht, wie ihm geschah, und hat sich vor Schreck in den Schrank verzogen.
Eigentlich mag ich Tango nicht einmal besonders gerne.
Im Prinzip... gar nicht.
Besser gesagt, Tango ist mir völlig egal, also wurscht, wie man hier in Augschburg sagt. Ich beschäftige mich gar nicht damit.

Und wissen Sie, wieso?

Weil uns viel öfters alles wurscht sein sollte.

Wie Sie es auch nennen mögen: wurscht, schnuppe, pinke-panke, egal, am A... vorbeigehen, belanglos, einerlei, nebensächlich, gleich, irrelevant ... Ich könnte noch viel mehr Synonyme aufzählen, der deutsche Wortschatz bietet hier eine Unmenge an Möglichkeiten. Schon diese Fülle an Wörtern für ein und dasselbe zeigt, wie wichtig diese Wurschtigkeit ist – oder es sein sollte.

Warum aber sollte uns viel öfter alles wurscht sein?

Dafür gibt es eine ganze Menge Gründe. Die Prioritäten dürfen Sie sich dabei selbst heraussuchen.

1. Es spart wichtigen Speicherplatz im Gehirn und Zeit, die Sie für anderes nutzen können! 

Anstatt sich mit dem Leben anderer zu beschäftigen, füllen Sie den frei gewordenen Speicherplatz mit Ihren eigenen Probleme, Ideen, Gefühlen. Schert man sich erst einmal nicht mehr um fremde Themen, ist es erstaunlich, wie viel Platz und Zeit plötzlich für Kreativität und aufwändige Hobbies frei wird. Selbst zum Socken Bügeln haben Sie auf einmal wieder Kapazitäten. 

Wenn Sie Psychiater, Psychologe, Arzt, Heilpraktiker, Pfleger, Verkäufer oder Ähnliches sind, sollten Sie diesen Rat umso ernster nehmen, auch wenn es Ihr Job ist, sich mit den Sorgen anderer auseinanderzusetzen. Die Stuhlgang-Probleme Ihres Patienten mit nach Hause zu nehmen und mit Ihrem Partner beim gemütlichen Abendessen ausführlich zu diskutieren, könnte ein erstes Warnsignal sein, dass Sie es mit der Empathie übertreiben.

2. Es verringert den Stress und verlängert somit Ihr Leben! 

Wenn Sie sich nicht mehr so über andere aufregen, produzieren Sie weniger Adrenalin, bleibt Ihr Blutdruck in normalem Rahmen und Ihr Puls in Ruhe. Dies alles hilft bekanntlich, ein langes und entspanntes Leben zu führen. Wer will schon mit 40 ein Magengeschwür bekommen, weil er sich unnötig über seine Mitmenschen echauffiert? Oder, wie es Jugendliche gerne ausdrücken, „Chillen Sie Ihr Leben“, sonst kann bald niemand mehr zu Ihnen „Alder“ sagen (höchstens „Zombie“, wenn sie vor lauter Stress zu früh sterben, aber denen ist zumindest außer leckeren Gehirnen tatsächlich alles wurscht).

3. Still vor sich hin zu kichern ist viel besser und ästhetischer, als ein griesgrämiges Gesicht zu ziehen.


Vielleicht wirkt das auf andere erst einmal befremdlich, wenn Sie ständig wie ein Demenzkranker glucksen und lächeln. Doch sehen Sie sich einmal Videos oder Fotos vom Dalai Lama an. Wenn er nicht gerade tiefsinnige Weisheiten verbreitet oder Tibet befreit, kichert er eigentlich durchweg und ist sichtlich glücklich und zufrieden. Yoda würde übrigens auch lächeln, wenn er denn eine Mimik hätte.

Als erster Schritt sollte es Ihnen völlig wurscht sein, wie debil man dabei zuweilen aussieht, und man  tröste sich einfach damit, dass andere dabei genauso doof wirken (hierzu gibt es ein wunderbares Video über einen Vortrag von der legendären Vera F. Birkenbihl).

4. Es ist deutlich billiger als ...

Yoga-Kurse, Meditationsseminare, Baumumarmungskurse oder Drogen, die allesamt das gleiche Ziel haben, dabei aber noch dazu viel anstrengender oder illegal sind: die Wurschtigkeit.

5. Es ist gesünder als...

Medikamente wie Tavor oder Valium, die zwar extrem wurschtig machen, aber leider auch abhängig und dazu noch schwer zu beschaffen sind. (Außer Sie haben das Glück, über einen Hausarzt zu verfügen, dem auch alles wurscht ist und der Ihnen alles verschreibt, worum Sie ihn bitten.)

Leider schaffen wir es nicht immer, uns an diese Wurschtigkeit zu halten.


Wir beschäftigen uns viel zu sehr mit Dingen, die nichts mit uns zu tun haben, regen uns über Kleinigkeiten oder Großigkeiten auf (ja, ich weiß, dass es dieses Wort nicht gibt, aber es ist mir wurscht), die es nicht wert sind.
Warum? Weil wir Menschen sind und es in unserer Natur liegt, Urteile über andere zu fällen, damit wir uns besser, schöner, weiter oder anderweitig toller als andere fühlen.

Auch mir gelingt es natürlich nicht immer, dass mir alles wurscht ist – im Gegenteil. Oft wünsche ich mir, ein wenig mehr Dalai Lama und weniger Louis de Funès zu sein. Aber ich arbeite daran.

Doch kommen wir zurück auf das Beispiel „Tango“: 

Er ist mir, wie gesagt, einfach wurscht. So wurscht, wie es mir ist, ob Sie beim Lesen dieses Artikels einen Anzug oder einen karierten Pyjama tragen oder ob Sie in ausgeleierter Unterbumbel auf dem Sofa lümmeln. Vielleicht regen Sie sich auch gerade über diesen Text auf, finden ihn anmaßend, schrecklich, langweilig, wie auch immer.

Sehr gut! Und nun versuchen Sie, in sich zu gehen und sich zu sagen „Ist mir doch wurscht, dass die Tussi keinen Tango mag“, oder überlegen Sie sich einen eigenen Satz, der Ihre Wurschtigkeit ausdrückt.

Fangen Sie mit kleinen Wurschtigkeiten an.

„Mir wurscht, dass draußen schönes Wetter ist, ich bleibe trotzdem drin und schaue den ganzen Tag fern!“

Ausrufezeichen hinter Ihren Wurschtigkeiten sind dabei extrem wichtig! Ist Ihnen wurscht? Dann lassen Sie sie doch einfach weg! Ist mir doch wurscht!

„Mir wurscht, dass meine Jeans in den Neunzigern in Mode war, ich liebe sie trotzdem. Dass ich darin mittlerweile wie eine Presswurst aussehe – umso besser! Keine Wurst ist gern allein!“

„Mir wurscht, dass die Fettkruste am Schweinebraten ungesund ist, ich esse sie trotzdem, weil sie einfach lecker ist!“

Merken Sie, worauf ich hinaus will?

Vielleicht kennen Sie noch die „Positiv-Denken-Formeln“, die besagen, dass man alles, was passiert, positiv umformulieren kann. Und dass einem diese Strategie zu einer positiveren Lebenseinstellung verhilft.
Hm.

Probieren wir es an einem Beispiel: Ein Patient pinkelt Ihnen beim Mobilisieren auf die Schuhe. Statt sich aufzuregen, könnte man auch (ganz positiv bejahend, juhuu-jauchzend) jubilieren: „Schön, Herr M. kann wieder Wasser lassen.“  Oder, noch positiver: „Danke, Herr M, dass Sie mich an Ihren wiedererlangten Miktionsfähigkeiten teilhaben lassen. Jetzt habe ich keine kalten Füße mehr.“
Ja. Kann man. Muss man aber nicht. 

Ich bevorzuge die Wurstigkeit. Ohnehin wird Herr M. wegen seiner fortgeschrittenen Prostatavergrößerung bald überhaupt nicht mehr ohne Katheter pinkeln können. Lassen wir ihm doch die unkommentierte Freude, einer jungen Schwester die Schuhe bepinkelt zu haben. Zum Höhlenpinkeln reicht es ja leider nicht mehr.
Schuhe lassen sich außerdem reinigen, Ihr Seelenheil nicht.

Früher, ganz früher hasste ich das Tanzen nicht
. War sogar mal im Ballett. Das ist lange her und nur eine übrig gebliebene, von Mama selbst genähte Hasenmütze zeugt davon, dass ich tatsächlich meinen eher unsportlichen Körper zu Musik bewegt habe. Angeblich war ich nicht einmal schlecht. Heute sind meine regelmäßigen Bauch-Beine-Po-Übungen zur 6-Euro-Fitness-DVD das Höchste der sportlichen Gefühle, zu denen ich mich aufraffen kann.
Und es ist mir wurscht.

Ob ich in der Disco getanzt habe? Wenn ich denn mal dort war, ja. Das geschah nicht besonders oft, denn Discos mag ich ähnlich gerne wie Tango. Sie erinnern sich? Die Antwort ist: gar nicht. Und wenn doch, habe ich getanzt, wie man eben in den Neunzigern getanzt hat: den Kopf zu Boden gerichtet, zwei Schritte vor, zwei Schritte zurück, immer darauf bedacht, einen coolen Gesichtsausdruck zu bewahren. Oder man hat sich vermeintlich ekstatisch bewegt, was meist aber eher aussah wie ein betrunkener, debiler Schmetterling ... oder eher noch wie eine Raupe, die versucht, sich elegant in die Lüfte zu heben und von Blume zu Blume zu schweben.
Nichts also im Vergleich zu der Leidenschaft, die der Tango mit sich bringt. Die Eleganz und (trotz der überhaupt nicht ruhigen Musik) Ruhe, die die Tänzer und Tänzerinnen ausstrahlen. Meditativ glücklich, in sich gekehrt, sich ganz der Musik, ihren Rhythmen und Wirkungen hingebend. In solchen Momenten wünsche ich mir, ebenso vom Tanzen begeistert sein zu können wie Sie.
Doch, um konsequent zu bleiben, es ist mir wurscht.

Doch lesen Sie bitte trotzdem weiter und verachten mich nicht als tangophob.

Denn, wissen Sie was? Mir ist es völlig wurscht, ob Sie leidenschaftlich Tango tanzen. Ob Sie finnischen oder argentinischen Tango bevorzugen. Ob sie in den Tanzpausen rauchen, Wein trinken, Salzstangen knabbern, über die anderen Tänzer lästern oder den heißen Latino-Tanguero anschmachten. Ob Sie in Hose tanzen oder im Rock, mit Zopf oder Glatze.

Mir ist es auch völlig wurscht, was Sie arbeiten. Ob Sie Krankenschwester sind oder Altenpflegerin oder Lehrer oder Putzfrau oder Automechaniker oder Bäckereifachverkäuferin. Ob Sie bei Vollmond mit Mutter Erde ommen oder jede ihrer Bananen im Supermarkt einzeln in Tüten einpacken.
Das ist mir alles wurscht.

Nein, ich bin kein herzloser Mensch, den andere nicht interessieren. Ich interessiere mich sogar sehr für andere. Ich lasse sie nur leben, wie sie wollen, und respektiere sie als das, was sie sind.
Ja, wir alle sind umgeben von skurrilen Menschen, geraten ständig in Situationen, die in Romanen unrealistisch wirken würden, kommen uns vor, als seien wir der einzig Normale unter lauter Aliens. Na und? Ist doch wurscht! Dann bin ich eben komisch!

„Wurschtigkeit“ ist kein Zeichen von Ignoranz oder Egotum oder übersteigertem Selbstbewusstsein, nach dem Motto „Alles Dilettanten außer mir“. Sondern eine Lebenseinstellung, die es Ihnen leichter macht.

Es heißt auch nicht, dass Sie alles unreflektiert hinnehmen müssen, dass Sie sich nie mehr aufregen, nicht über die Schrulligkeiten anderer Leute schmunzeln dürfen oder es doof finden, wenn der SUV-Fahrer auf einem Behindertenparkplatz parkt, weil das Auto zu breit für die normalen Parzellen ist. Dem ist es nämlich einfach wurscht, ob den Platz vielleicht ein echter Behinderter dringend benötigt.

Ich zum Beispiel habe den Spleen, in jeder Stadt und überall, wo es Bimmelbahn gibt, damit zu fahren: Olympiapark München, Lignano, Colmar, Zadar, Wiener Prater ... von der Bimmelbahn sieht die Welt noch einmal viel schöner aus. Viele lachen darüber, was mir (Sie ahnen es schon) wurscht ist.

Übrigens ist es mir auch wurscht, obwohl ich Vegetarier bin (sorry, als Germanist musste dieser schlechte Sprachwitz wohl oder übel kommen).

Tun Sie, was Sie wollen, und lassen Sie mehr Wurschtigkeit in Ihr Leben! 

Sie werden es sich selbst danken.

Und wenn Ihnen dieser Artikel,
nachdem Sie ihn gelesen haben,
völlig wurscht ist,
dann herzlichen Glückwunsch!

Mir wurscht!

********************************
 Dankeschön! Auch wenn es in diesem Leben mit dem Tango wohl nix mehr wird...

Wenn du mehr von Christiane lesen möchtest, besuche sie im Internet und such' dir eines ihrer Bücher aus!


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel



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Mittwoch, 31. August 2016

Ballito-Bastelstube

Mit den Ballitos die Fußgewölbe massieren


Hast du schon mal einen Ikea-Schrank zusammengeschraubt?


Dann weißt du wahrscheinlich, dass es in diesem Fall absolut tödlich ist, sich einen Überblick verschaffen zu wollen. Der effektive "schwedische" Weg zum Möbelstück besteht in möglichst hirndumpfem Befolgen der Anleitung.

Fragst du "Warum ist das so?" und lässt deine rechte, die intuitive Hirnhälfte mitspielen, kommst du in Teufels Küche. Ein solcher Kauf bringt dir vielleicht eine neue Aufbewahrungsmöglichkeit in dein Leben, aber gewiss kein Verständnis für das Prinzip "So geht Schrank bauen" (oder gar Erleuchtung).


Ähnliches beobachte ich beim Tango und in der Medizin:


Wer beim Tango lediglich linkshirnig schritteorientiert vorgeht - im Sinne von "Jetzt den Fuß 30 cm in einem Winkel von soundsoviel Grad vor den anderen setzen, das Gewicht verlagern, während der Tanzpartner..." -  kann mit ganz viel Übung der angesagten Routine (=Schrittfolge) schon etwas Tangoähnliches entwickeln. Mit der Improvisation, also die gemeinsame Bewegung geschmeidig und flexibel in die Musik hineinzuweben, wird's allerdings schwierig.

Auch in der Medizin - speziell in der Pflege - wird der Ausführende mit "strukturprozessorientierten Vorgehensstandards" überschwemmt. So gestalten sich Vorgänge zwar messbar, blöd ist aber, dass die Menschen so verschieden sind und als Parameter wegfallen (müssen). Eine andere Möglichkeit ist, die Unterschiede einfach zu verneinen, jeden Heilkundeempfänger als  "gleich" anzunehmen. Da hinkt die Realität dann gehörig hinterher.

Das individuelle Eingehen auf den Patienten und seine speziellen Bedürfnisse sowie die Anpassung seines Heilungsweges wird so aus der Rechnung einfach hinausdividiert. Ein grundsätzliches Verständnis von Prinzipien und deren Wirkungen geht leider langsam verloren.


Wird bald jeder mögliche Handgriff (oder Tanzschritt) in einem Algorithmus erfasst werden? 


Zugegeben, manchmal sind ganz konkrete Anleitungen sinnvoll. Zum Beipiel in einer Notfallsituation, wenn Emotionen und die Betrachtung von Grundsätzlichem zu zeitraubend wären - oder wie in unserem Beispiel "Ikeaschrank" am Ziel vorbeiführten.



Verstehst du aber das Prinzip und die Wirkweise, kannst du "dein eigenes Ding bauen" und selbiges dynamisch-flexibel an deine Bedürfnisse sowie die Situation anpassen. 


Aus diesem Grund nenne ich dir in der "Ballito-Bastelstube" keine konkreten Grammangaben oder Ähnliches. Auch im E-Book "Die mobilisierende Fußmassage" stelle ich dir einzelne Module vor, die du nach Belieben zusammenfügen kannst.

Die Art der Massageball-Befüllung sowie die ungefähren Mengenangaben möchten lediglich Vorschläge sein. Verwende ruhig etwas anderes, was dir passender erscheint oder du in deinem Küchenschrank findest. Du darfst die Ballitos natürlich gerne umbennen ;)

Keine Hemmungen! Experimentiere! 
Der fast zu vernachlässigende Preis von Damenfeinsöckchen und des möglichen Inhalts der Ballitos rechtfertigt zahlreiche Versuche.

Das "Kostet-fast-nix"-Argument lege ich auch meinen Therapeuten-Kollegen an's Herz. So kannst du einfach und schnell für jeden Patienten sein eigenes Therapeutenspielzeug herstellen. Das ist hygienisch und persönlich.

Die Ballitos eignen sich auch ausgezeichnet zur Arbeit mit den Händen, z.B. für Greifübungen oder zur Handlagerung. Routinierten Bastelexperten - wie in Ergotherapiekreisen oft vertreten - fallen bestimmt noch zahlreiche Einsatzmöglichkeiten und bauliche Adaptionen ein.

Anmerkung nebenbei: Auch selbst entwickelte "Experimente" beim Tango kosten nix. Kein Blitz wird vom Himmel fahren, wenn du eine gelernte Schrittfolge einfach abwandelst!

Welche Verwendungsmöglichkeiten fallen dir neben der Fußverwöhnidee noch ein?


Et voilà: 

die "Ballito-Bastelstube" aus der * tangofish * Schatzkiste.

 

 


Wünsche fröhliche Bastelung!

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel

P.S. Tausend Dank an die Musikerinnen vom Duo Tango Varieté (Karin Law Robinson-Riedl und Bettina Kollmannsberger) für die "Filmmusik"! Die beiden Damen sind für musikalische Einsätze buchbar.



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Samstag, 27. August 2016

E-Book: Die mobilisierende Fußmassage aus der * tangofish * Schatzkiste

Illustration aus "Die mobilisierende Fußmassage"


Eigentlich...
... ja, eigentlich wollte ich nur "mal schnell" ein kleines Skript zum Video "Einen Tango lang die Füße verwöhnen" für dich bereitstellen.

Schmerzende Füße scheinen immer häufiger zum Problem zu werden, egal, ob dein Geläuf tanz- oder arbeitsbelastet jammert.

Dabei genügen nur wenige Minuten, um die Pfoten wieder friedlich zu stimmen! Die mobilisierende Fußmassage aus der * tangofish * Schatzkiste ist geschwind durchgeführt. Im Video darfst du vorkosten:


Die Belohnungen sind mehr Freude beim Tanzen und eine bessere Balance. Schneller, da entspannter, wirst du wahrscheinlich auch.

Auch in der Pflege schätze ich dieses feine Werkzeug und nutze es gerne und oft: z.B. als wohlige Verwöhnung, zur Spitzfuß- und Sturzprophylaxe etc.

Aber wie's halt so ist mit hochinteressanten Themen, führt ein wissenswerter Aspekt zum nächsten.

Entstanden ist nun eine ausführliche, illustrierte Anleitung, gewürzt mit Erfahrungen und - wie ich finde - hoch spannenden Hintergrundinfos (z.B. zur Anatomie im Fuß): ein 65-seitiges PDF (A4).


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel

Nachtrag am 29. August:
Eine Besprechung des E-Books findest du hier.
Danke an den Autor!



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Freitag, 19. August 2016

Gerhard Riedl: Hohe Rösser nach Wahl

<article image> Heilpraktiker und Arzt aus Patientensicht

Ganz ehrlich, manchmal befällt mich die Sorge, dass sich in meine Sicht der Dinge eine gewisse Betriebsblindheit einschleicht - vor allem im heilkundlichen Bereich. Da fungiere ich ja als "Anbieter" von Gesundheitsleistungen. "Kunde" bin ich Gott sei Dank äußerst selten und wenn, ist mir klar, wie ich die Mechanismen im Medizinbetrieb diplomatisch nutzen kann.

Deswegen bin ich immer wieder dankbar, meine Wahrnehmungswerkzeuge an der Realität eines Medizin-Users polieren und austarieren zu dürfen. Einfach mal schauen, ob ich richtig liege mit dem, was Patienten fühlen und brauchen. Denn sie werden nur, wenn sie mit ihrem Anbieter medizinischer Leistungen "Glück haben", gefragt. 
So habe ich zum Äußersten gegriffen und den Patienten GEFRAGT! 

Im Gastbeitrag schildert uns Bloggerkollege Gerhard Riedl seine erfrischend subjektive Patienten(!)sicht auf innermedizinische Hahnenkämpfe.
Viel Vergnügen und Bühne frei!

***************************

Hohe Rösser nach Wahl


Die Bloggerkollegin und Heilpraktikerin Manuela Bößel schafft es immer wieder, mein Weltbild zu erschüttern! Die Arroganz und den Standesdünkel vieler Ärzte kenne ich seit meiner Jugendzeit, als ich einmal wegen einer kritischen Bemerkung aus der Praxis eines Orthopäden flog.

Seit einigen Jahren bin ich eher ein Anhänger dessen, was man „Alternativmedizin“ nennt: Natürlich überzeugt mich längst nicht jeder esoterische Schmus, und bei einem Beinbruch würde ich einen Unfallchirurgen und nicht einen Bachblüten-Therapeuten aufsuchen – ganz klar.

Aber auch, wenn’s manchmal nur der Placebo-Effekt sein mag: Immerhin zeichnen sich doch die Heilpraktiker durch Toleranz, ganzheitliches Denken und Fähigkeit zur Selbstkritik aus. Oder?

Doch es ist wie auch sonst oft im Leben:
Wenn man glücklich bleiben will, sollte man nicht so genau hinsehen…

Vor gut zwei Monaten veröffentlichte Manuela Bößel auf ihrem Blog eine Rezension des Buches „Unheilpraktiker“ von Anousch Mueller:
Sie war (wie ich) der Meinung, das Werk enthalte zwar durchaus richtige Kritik an unseriösen Heilsversprechungen mancher nichtärztlicher Behandler, werde aber den komplementärmedizinischen Möglichkeiten gerade an der Schnittstelle Schulmedizin und Pflege nicht gerecht. Ferner messe die Autorin oft mit zweierlei Maß zugunsten der Ärzte. Das müsste doch, so meine Erwartung, in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Heilpraktiker“, bei der Manuela Mitglied ist, auf Interesse und Zustimmung stoßen.

Im Gegentum! Mit so einem Zeug, so beschied man, als sie dort einen Link auf ihren Artikel postete, wolle man sich nicht befassen, das wäre zuviel der Ehre. Ein Heilpraktikerkollege formulierte es so: „Das ist so dermaßen endlos und sinnbefreit totdiskutiert worden, dass das nur noch langweilt. (…) Alles andere rutscht mir geschlossen am Gesäß vorbei und es sollen die diskutieren, die endlos Zeit, keinen Spaß am Leben oder neidzerfressen sind. Mir ist das zu albern.“

Und der dortige Administrator, welcher sich stets bei Themen mit ideologischer Bedeutung einmischt, meinte: „Die Frage, wie es mit dem Heilpraktiker-Beruf ‚weiter geht‘, ist so alt, wie der Beruf auch. Immer wieder totgeschrieben - in neuem Glanz auferstanden. Es gibt aktuell so viele Heilpraktiker (und auch Praxen), wie nie zuvor. Warum soll man eine Frage beantworten, die sich nur stellt, wenn man Ängste schüren will? Liebe Manuela, ich weiß nicht, ob und wieviel HP-Kongresse Du bis dato besucht hast. Diese Frage wird immer wieder beantwortet - es macht keinen Sinn über ‚ungelegte Eier‘ sich aufzuregen oder zu diskutieren. Meine Meinung: Es soll alles so bleiben, wie es ist (kleine Veränderungen ausgenommen), unsere Grundlage in rechtlicher Hinsicht ist stabil und nicht in Gefahr.“

Na ja, das immer noch geltende Heilpraktikergesetz stammt aus der Hitlerzeit, spricht nicht gerade gegen Reformbedarf… aber gut, wie dem auch sei: Diesen mauernden Tonfall überkommener Standesvertretungen jedenfalls kannte ich bislang nur von den studierten Medizinern! Grund genug, mich in dieser immerhin fast 2000 Mitglieder starken Heilpraktiker-Gruppe ein wenig umzusehen: Da gibt es viele fachlich fundierte Diskussionen – aber gleichzeitig bestieg mich der Verdacht, es sei bei dieser Klientel nicht ratsam, allzu laut für Impfungen zu plädieren, an Globuli zu zweifeln oder die Notwendigkeit der Schulmedizin zu betonen…

Also lieber auf der sicheren Seite bleiben mit Entgiften, Ausleiten, Immunsystem stärken und – ach ja, natürlich Darmsanierung!

Probeweise stellte ich eine Besprechung zum „Unheilpraktiker-Buch“ bei „Amazon“ ein, die sich an den Argumenten Manuela Bößels orientierte. Ergebnis: „hilfreichste Rezension“ (17 pro, 3 contra) mit 161 Kommentaren! Scheint also doch etwas Diskussionsbedarf zu geben…

Heftig wurde es in der „Heilpraktiker-Gruppe“ auf Facebook vor drei Tagen, als sich eine Kollegin dort mit deutlicher Kritik verabschiedete: „sorry... bin sehr enttäuscht von dieser Gruppe... hatte mir vorgestellt hier etwas lernen zu könne... Erfahrungsaustausch und nicht Leute die hauptsächlich.. in eigener Sache.. unterwegs sind und dann Leute, die sehr Wirklichkeitsfremd sind.. sind DAS die Heilpraktiker die ich als Therapeuten haben möchte?? NEIN ... never... ich habe eben eine Gruppe eröffnet in der bitte nur ernsthaft interessierte HPs Zugang haben sollen... also ein WIRKLICHER Erfahrungsaustausch... nicht die Schulmedizin verdammen sondern ein Zusammenspiel möchten.. nur so geht es..jeder muss seine Grenzen kennen oder kennenlernen... wer also einen kurzen Abriss seiner Vita erzählt kann gerne... bei Interesse ... in die Gruppe ... HEILPRAKTIKER...IMMER IM LERNMODUS ... kommen... sorry Herr Haferanke... aber diese Gruppe bringt mir absolut nichts... schade..“

Nun weiß ich nichts zur (sicherlich vorhandenen) Vorgeschichte, und den Tonfall muss man nicht mögen. Die Reaktionen in der Gruppe allerdings gaben mir noch mehr zu denken. Einige Kostproben:

  • „Ach Gott, wie ich solche theatralische Abgänge liebe.“
  • „Jetzt habe ich aber mal herzlich gelacht.“
  • „Die versuchte Abwerbung der Mitglieder*innen hier empfinde ich allerdings als sehr unsportlich!“
  • „Naja, physiognomisch widerspricht sie sich zumindest nicht. Wenigstens etwas.“
  •  „Uuuuh! Das konnte ich nicht so ausdrücken, habs mir aber auch gedacht. Wieder was gelernt.“
  •  „manche ticken halt anders..auch nicht schlimm. - find ich“
  •  „Nö, nicht schlimm nur schade.“
  •  „Aus Therapeutensicht ein Symptom“
  • „gibt Verstopfung wenn man nicht loslässt,- aber das weist du selber“

Kleinliche stilistische Bedenken fanden keinen großen Widerhall:
  • „Ehrlich gesagt...mir gefällt die Häme, mit der hier einige die Kollegin ‚verabschieden‘ überhaupt nicht!“
  • „Mir auch nicht, aber ihr Ross ist schon verdammt hoch. Deshalb hält sich mein Mitleid und Initiative hier in Grenzen.“

Klar, das könnte man alles noch als Geplänkel sehen (wenn auch mit deutlich analer Ausrichtung). Und mit dem Besteigen von Zossen ist man offenbar generell gut vertraut… Richtig schlimm wurde es für mich jedoch, als man einen Screenshot von der Website der kritischen Kollegin veröffentlichte, welcher dartun sollte, sie habe maximal vier Jahre Berufserfahrung als Heilpraktikerin. Dabei schnitt man aber folgende Angaben weg:

„1977 Examen Krankenschwester in (…)
1981 Examen Fachschwester Anästhesie-und Intensivmedizin in (…)
1989-1991 Krankenhaus (…) und Haut-und Allergieklinik (…)“

Als Manuela Bößel dies monierte, musste sie sich vom Administrator der Seite (wieder mal) belehren lassen: „Da steht lediglich, welche Ausbildungen sie durchlaufen hat. Das hat mit dem Beruf der Heilpraktikerin nicht so viel zu tun. Ich war lange Jahre Beisitzer bei Überprüfungen. Da waren es gerade die medizinisch Vorgebildeten, die sich als etwas Besseres aufführten und häufig durch die Prüfung rauschten.“

Manuelas Nachfrage: „Medizin hat mit unserem Beruf nicht viel zu tun?“ führte zum Ziehen der Reißleine. „Warum verstehst du immer das Falsche? Es hat keinen Sinn diesen Disput weiter fortzuführen. Schönen Abend noch“

Das sind dann die Momente, in denen ich nicht nur ärgerlich, sondern richtig böse werde: Eine mehrjährige Ausbildung zur examinierten Fachkrankenschwester und die Arbeit mit lebensgefährlich erkrankten Menschen auf der Intensivstation trägt also weniger zur alternativ-medizinischen Berufserfahrung bei als das Verordnen von Globuli in der lauschigen Naturheilpraxis? Wahrscheinlich hat der Mann recht, allerdings nicht so, wie er meint…

Die dann aber dringend zur Berufsausübung erforderliche Spaßfreiheit wurde deutlich, als man zwischendurch in Gruppenstärke über den Mediziner und Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen herfiel. Der hatte es gewagt, zusammen mit seinem Kollegen Vince Ebert das Video zweier Nachwuchskünstler zu empfehlen:




Wieder trat wegen der standespolitischen Bedeutung der Administrator ins Scheinwerferlicht: „Hirschhausen und Ebert, zwei Spaßmacher mit Minderwertigkeitsgefühlen. Nicht wirklich ernst zu nehmen. Ich wette 1000 Euro, dass keiner von beiden eine schriftliche Heilpraktiker Überprüfung bestehen würde.“ Nun gut, wäre bei Letzterem, da studierter Physiker, auch ein wenig berufsfremd…

Dass Hirschhausen öfters seine Ärztekollegen veralbert, ginge ja noch – aber was er nun den Heilpraktikern ins Stammbuch schreibt, ist skandalös: „Wusstet Ihr, dass man Heilpraktiker werden kann ohne ein Praktikum? Die Prüfung testet nur theoretische Grundlagen, so als ob man den Führerschein bekommt, aber keine einzige Fahrstunde vorweisen muss. Das birgt gewisse Risiken. Und für den Straßenverkehr ist deshalb auch eine praktische Prüfung vorgeschrieben. Aber bei unserer Gesundheit kommt es ja nicht so drauf an, ob jemand der spritzen, einrenken und behandeln kann, das auch kann, oder? Klar gibt es auch jede Menge gute Heilpraktiker - die erkennt man unter anderem an ihrem Humor.“

Das ganze Elend offenbart sich in der Antwort einer Heilpraktikerin hierauf:
„Was hat denn der Humor mit der beruflichen Kompetenz als HP zu tun?“
Oh doch, geehrte Dame, ich bin sogar der Überzeugung, dass Humor zur Berufskompetenz vom lieben Gott zählt, da er auf die Kateridee kam, den Menschen zu erschaffen. Und alle, welche an diesem herumdoktern, benötigen ihn umso dringender: Lachen heilt – und bewahrt einen davor, die Selbstkritik ganz aufzugeben!

Und ja, ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn Leute (ob Heilpraktiker, Ärzte oder Sprechstundenhilfen), die mir irgendwelche Gerätschaften in den Körper einführen, nachweisen müssten, dass sie dies gelernt haben und auch können!

Zusammenfassend wird mir jetzt erst klar, welches Glück ich mit meinen bisherigen Heilpraktikerinnen hatte, die ihre Zeit nicht mit standespolitischem Getue vergeuden, sondern sich lieber auf ihre Patienten konzentrieren – immer im Bewusstsein, dass die liebe Konkurrenz auch Heilungserfolge erzielt – warum auch immer.

Der Rest darf von mir aus gerne die unterschiedlich lackierten, aber die gleichen Äpfel produzierenden hohen Rösser der jeweiligen Berufsvertretung besteigen und der Abendröte entgegentraben, bevor es endgültig finster wird. Hauptsache, sie machen sich weg von meinem Bett…

Fazit: Heilkunde ist auch nur eine andere Form von Tango!
*******************************

Dankeschön an Gerhard Riedl!
Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


Nachtrag um 16.22 Uhr:
Dass ich mir mit der Veröffentlichung dieses Artikels einen Wurstgürtel um die Hüften gebunden hab', um mit einem Hechtsprung ins Krokodilbecken zu hüpfen, war mir klar. Aber so eine resolut-geschwinde Reaktion überrascht mich dann doch. Obwohl ich den Artikel in besagter Facebookgruppe nicht zu teilen wagte, folgte umgehend der kommentarlose Rausschmiss.
Adiós muchachos!
 


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Freitag, 12. August 2016

Pablos spiritueller Tango-Urlaub und seine Folgen

mein Freund Pablo


01. August 2016

Irgendwo auf einer pittoresken Insel im Mittelmeer brennt die Sonne heiß am stahlblauen Himmel.  Grillen umzirpen den Duft des wilden Salbeis am Straßenrand. Sieben Ziegen stehen im Geäst des Olivenbaums gegenüber von Pablos Terrasse. Sein Schweiß tropft schwer in augustglühende Zeitlupe. Wenn Pablo die Augen schließt, explodieren Orangetöne auf seiner Netzhaut. Eine ORANGE-farbene Manifestation der Erleuchtung?

Oder doch nicht? Kann einem - in erleuchtetem Zustand (!) - das Geschnatter der norddeutschen Mit-Retreaterinnen auf der Nachbarterrasse so auf den Sack gehen? (Anmerkung der Autorin: Pardon, Pablos Wortwahl)

Mein alter Tango-Kumpanerito gönnt sich ein "holistisches Retreat", seiner Sucht folgend natürlich mit dem Zusatz "Tango". Untergebracht in einem "jugoslawisch" renovierten Bauernhaus ("shared accomodation, traditional old stone house, self-catering"), den Stundenplan ("schedule") vollgestopft mit hochspirituellen Tätigkeiten ("watercoloured tango-meditation" etc.), möchte er seine Seele wieder auf Spur bringen.

Ein wenig glücklicher werden, ja - vielleicht sogar ein bissel Erleuchtung finden.

Ganz billig ist der Spaß nicht. Sein chronisch laues Budget erlaubt lediglich die Teilnahme mit Selbstversorgung im Matratzenlager. Eigenartigerweise ist das preiswerteste Nahrungsmittel im einzigen zu Fuß erreichbaren Lädchen die gelbe Rübe. Wie daheim. Macht nix, ist gesund. Sollte eher ORANGE Rübe heißen, so orange wie der Sonnenuntergang, den er erschöpft vom Tagwerk, nur am Rande wahrnimmt.

Aber die tägliche Sprechstunde beim "Meister" ist inklusive ("all you can ask"), was unser Pablo selbstverständlich schamlos ausnutzt. Täglich mindestens dreimal fragt er ihn, wie Erleuchtung zu erlangen sei. Jetzt weiß er verdammt viel über Selbstfindung, Kränkung und Vergebung, das Leid der inneren Kinder, den Buddha in ihm (für Westeuropäer eingekocht), das Universum und die Liebe und all das - zumindest theoretisch.

Pablo aquarelliert meditierend den Flow in der Tangokommunikation, arbeitet hart an seiner Erdung, sendet achtsame Energie vom Zentrum in die Extremitäten und versucht, die Gesänge der Galaxie zu hören. Zum Baden im Meer oder gar Faulenzen bleibt da keine Zeit.


12. August 2016

Madame Rosalie (Pablos Mama) hat uns eingeladen zum Kaffeetrinken. Pablo wischt 287 Urlaubsfotos über das Display seines Smartphones. Wirklich erholt wirkt er nicht. Seinen Ausführungen über die Fortschritte der Awareness-Einübung in der alltäglichen Routine sowie Korrigierung der Work-life-balance kann ich nicht ganz folgen. Sorgfältig picke ich mit angefeuchtetem Zeigefinger Kuchenbrösel von der Tischdecke. Rosalie streichelt ihren fetten Kater.

"Machen wir was zu essen? Ich hab Hunger!"

Sie führt uns in die Küche und öffnet den Kühlschrank. "Viel ist nicht mehr da, aber das reicht, um was Feines zu zaubern." Sie hält uns ein Bündel Karotten unter die Nase. Aus dem Fach, in dem sie sonst Schokolade versteckt, holt sie eine Zitrone. Außen schon ein wenig hart, aber Rosalie versichert, die hätte noch viel Saft, so wie Lotti Huber.

Pablo darf die Rüben schälen, ich schleife das Messer, schneide alles klein und werfe es in den bereitgestellten Kochtopf, in dem schon Salzwasser vor sich hin brodelt. Während das Gemüse weichkocht, röstet Rosalie Brotstücke in einer Pfanne.

Wir plaudern über die Liebe und das Leben und all das. Pablo gießt von den Rüben soviel Kochwasser ab, bis sie gerade noch bedeckt sind; meine Brille beschlägt. Er malt mir Sichtlöcher hinein und grinst. Dann püriert er die orangen Brocken mit Rosalies altem Zauberstab.

Ich füge nach und nach Karottensaft und einen gehäuften Teelöffel Kurkuma dazu. Das gibt dem Leben Würze! Pablo macht die Arme lang, als Rosalie ihm von hinten ihre orangefarbene Schürze umbindet: "Obacht, sonst darfst meine Küche streichen!" Sie würzt unser Werk mit Limettensaft, einem guten Esslöffel Kokosöl und Pfeffer.

Tief orange wie der Sonnenuntergang auf Pablos Urlaubsfotos leuchtet die Suppe uns aus den Tellern entgegen - Seelen und Bäuche wärmend.

... und die Erleuchtung?

Die hat unser Freund nicht gefunden. Madame Rosalie hat ihn in die Küche geschickt - zum Aufräumen. Und zum Kompost. Dafür durfte er den Rest der Suppe eingetuppert mit nach Hause nehmen. Sein Lieblingsbuch aus Klein-Pablo-Zeiten auch: "Oh wie schön ist Panama"


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel



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Quellen: http://www.tangoyoga.net/tango-at-our-holistic-retreat


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Donnerstag, 4. August 2016

So könnt's funktionieren mit der Haltung im Paar


<article image> abrazo tango argentino

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel



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Freitag, 29. Juli 2016

Lust-Neider: 11 Tipps, wie du deinen Genuss minderst




Kennst du das?

Nach einer äußerst wohligen Mission - es muss gar nix Besonderes sein, Tango zum Beispiel - kommst du zufrieden schnurrend zur Türe herein, vielleicht ein fröhliches Liedlein pfeifend. Dein Blut durchströmt dich lebenslusttransportierend, verteilt lässig flirrende Leichtigkeit von den Zehen bis zum Scheitel. Im Bauch hat sich sanfte Seligkeit eingenistet.

Und da sitzt er am Tisch: DER LUST-NEIDER!
Seine Mundwinkel merkeln zentnerschwer ob deines unangemessenen Zustands. Und eh du dich versiehst, rollt er dir dein leuchtendes Goldstück aus der Aura.

Wie kannst du nur so EGOISTISCH sein!
Dir so eine geschmacklose Freiheit herausnehmen!

Es dir einfach gutgehen lassen?
Einfach tun, was dir guttut!

Neben dem "Lust-Neider" (maskulin) exisitiert natürlich auch eine weibliche Form - intern und extern. Wegen der besseren Schreib- und Lesbarkeit sowie des weniger komplexen Erscheinungsbilds erlaube ich mir im Text die männliche Schreibweise.

Wenn du nicht aufpasst, könnte es passieren, dass sich dieses Lebewesen ein "Besch" wachsen lässt und sich so zum aggressiveren Lust-Beschneider entwickelt.


Dein Leben zu genießen und die daraus folgende Gesundheit steht dir schließlich nicht zu!
Also, beherzige folgende Tipps!
Sonst beißt er.

11 Tipps für den Umgang mit einem Lust-Neider


Du musst wirklich hart an dir arbeiten - gerade, wenn du es schon gewöhnt bist, genüssliche Sternschnuppen in Herz und Frisur zu tragen.
Versuche unbedingt, die Umsetzung aller Ratschläge innerhalb von drei Wochen zu vollziehen. Das ist nicht schaffbar und wird dich ganz bequem runterziehen.

Alle Punkte steigern deine Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin. So steigerst du verlässlich eine entzündliche Grundsituation in deinem Körper, die als Auslöser für Gefäß- und verschiedene Autoimmunkrankheiten, Adipositas und Typ II-Diabetes gehandelt werden. Deine Grant-Reizschwelle wird sich senken, schlechte Laune sicherstellend.

Zur Verdeutlichung der Tipps nutze ich Tangosituationen. Ersetze als Nicht-TangotänzerIn einfach den Begriff "Tango" gegen deine egozentrische Lieblingsbeschäftigung.

1. Achte auf dein Äußeres.


Das sollte so schwer nicht sein:
Jeder beherbergt in seinem Kleiderschrank Stücke oder Fehlkäufe, die einen gewiss unvorteilhaft aussehen lassen. Ob es die Farbe ist, die deinen Teint fahl färbt und deine Augenringe betont, oder du lieber Teile wählst, die dich zu dick aussehen lassen, bleibt dir überlassen.

Im Notfall kannst du einfach dein T-Shirts, Hosen, etc. ganz lange im Trockner liegen lassen. Dann sehen sie aus, als hättest du darin geschlafen und betonen lässig deine lustlose Wurstigkeit. Flächengroßzügig verarbeiteter Baumwollripp in Weiß für drunter vermittelt hübsch matronige Unattraktivität.

Als günstig beim Tango hat sich zwickende Gewandung bewährt, die sicherstellt, dass du dich nicht zu ausdrucksvoll bewegst (siehe Tipp 8). Versetzte hierzu einfach den Bundknopf an Rock oder Hose und wähle deine Schuhe eine Nummer kleiner.

Wasche deine Haare in größeren Abständen. Verwende Shampoo, das dem Gegenteil deines Haartyps entspricht. Eine große Auswahl findest du in gut sortierten Drogerien.

Verwende deinen Kajalstift, um dir unlustvolle Gedanken auf dem Badezimmerspiegel zu notieren, ein Lippenstift eignet sich prima für Unterstreichungen. Im Gesicht hat Farbe fortan nichts mehr zu suchen.

Ersetze dein Parfüm durch Küchendunst. Der Duft von dort, wo du hingehörst, wird deinen hauseigenen Lust-Neider zufrieden stimmen und die Zahl der potentiellen Tanzpartner reduzieren.


2. Verstecke jeglichen Ausdruck von Genuss. 


Übe vor dem Spiegel verkehrt herum zu lächeln. Stell dir vor, in deinen Mundwinkeln hingen kleine Gewichte. Es könnte sein, dass du dabei lachen musst. Aber gib nicht auf! Bei konsequentem Training wird sich deine Laune zuverlässig depravieren - innen und sichtbar im Außen.

Falls du dir das Vor-dich-hin-singen einfach nicht abgewöhnen kannst, benutze bearbeitete Tangotexte. Eine lustfreie Version von "Malena" findest du hier. Ausdrucken und auswendig lernen!


3. Arbeite an deinen Schuldgefühlen.

 

Achte auf das kleinste Anklingen von schlechtem Gewissen, Schuld und Scham in Herz und Hirn. Benenne es, arbeite es sorgfältig wortreich aus. Ein Tagebuch kann dir hierbei helfen.

Verwebe den Begriff "Egoismus" fest in deinen Gedankenschleifen. So bleibt diese Gefühlsgruppe sicher verankert und du kannst sie bei Bedarf schnell abrufen.

Bleibe bei diesen Emotionen während der gesamten Milonga. Das sichert verkrampftes Tanzen und verhindert beschwingten Genuss, den du sonst vielleicht mit nach Hause gebracht hättest!


4. Definiere deinen Milongabesuch neu.


Tango hat wirklich nichts, gar nichts mit Spaß zu tun! 
Argumentiere mit körperlichem Funktionserhalt und Depressionsprophylaxe. Mit einer echten Depression und schwerer Antriebslosigkeit bist du für den Lust-Neider nicht zu gebrauchen.

Die Seniorengymnastikgruppe turnt an Terminen, die für dich nicht in Frage kommen. Alleine spazieren oder joggen gehen ist heutzutage viel zu gefährlich! Da bleibt nur die Traditions-Milonga in deinem  Heimatort. Gut, dass dort nur unaufgeregte Musik gespielt wird. Vielleicht hast du Glück und findest hier einen Tangolehrer, der Fortschritte dein Tanzen betreffend erfolgreich verhindert.


5. Lege eine grübelige Sorgenliste und Sorgenschachtel an.


Wenn du meinst, nicht genug Sorgen zu haben, weit gefehlt!
Du musst nur suchen. Gewöhne dir an, vor dem Einschlafen deinen grübelig-bangen Befürchtungen eine Bühne zu geben. Lade deine Kümmernisse ein. Im Zwielicht des nahenden Unbewussten spitzeln sie gerne so weit hervor, dass du sie packen und notieren kannst, um sie tagsüber gebührend zu pflegen.

Visualisiere regelmäßig deine Misserfolge in bunten Bildern und spüre den zughörigen Emotionen gründlich nach.

Hilfreich ist auch eine "Sorgenschachtel". Sammle hier die Dinge, die Gefühle an schlimme Zeiten konservieren. Gerüche wirken besonders gut, da sie den Verstand umgehen und direkt im Unterbewussten triggern. Stöbere in dieser Schachtel immer dann, wenn sich Lebenslust ankündigt.


6. Halte deine ToDo-Liste so lang wie möglich.


Stelle  sicher, dass am Ende des Tages mindestens drei Priorität 1- Punkte auf deiner Aufgabenliste unerledigt bleiben. (Alle Aufgaben bekommen das Prädikat "höchst wichtig" = 1) Du kannst diese drei einfach öfters verwenden, indem du sie auf den jeweils nächsten Tag überträgst.

Erledige mindestens drei Dinge auf einmal. Dabei geht auf jeden Fall etwas schief, was dir ganz einfach deinen Eustress in Dysstress updated.



7. Achte auf deine Ernährung.


Iss möglichst konfektionierte, nahrungsmittelähnliche Produkte. Die schmecken übel und enthalten kaum Nährstoffe. Wenn deine Oma ein solches als "nicht essbar" einstufen würde, liegst du mit deiner Wahl schon ziemlich gut! Enthält das Zeugs auch noch Transfette, bist du auf dem besten Weg.

Kohlehydrate führst du am besten in Form von Süßigkeiten und Weißmehl zu, das hält deinen Blutzuckerspiegel unstabil und sorgt so ganz bequem für Stimmungs- und Konzentrationsabstürze.

Frische Früchte und Gemüse mit ihren Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen sollten tabu sein, ebenso wie Öle mit hohem Omega-3-Fettsäureanteil. Dein Immunsystem wird es dir mit wiederkehrenden Erkältungen oder sogar einer kleinen Autoimmungeschichte danken.

Lege die Hauptmahlzeit des Tages auf spätabends, kurz bevor du ins Bett gehst. Das hält dich lange genug wach, um an deiner Sorgenliste zu arbeiten. Die Blähungen mit Bauchgrummeln am Folgetag kannst du als Argument verwenden, den Tango auszulassen.


8. Verschlanke deinen Schlaf.


Schlafe weniger als 6 Stunden. Schau dir vor dem Niederlegen regelmäßig schlimme Nachrichten, Filme etc. an. Das erhöht den körpereigenen Stress. Deinem Gehirn und seinem unterbewussten Keller ist es egal, ob du selber in der Situation steckst, solange du das Gesehene mit Emotionen auflädst. Das steigert deine Stresshormone und füttert die Kreativität, um deine Sorgenliste zu befüllen.

Bleibe bis zum bitteren Ende auf der Tangoveranstaltung. Müheloses Desillusionieren wird sehr einfach möglich, wenn du den Saal und die anderen Tangomenschen bei Putzlicht betrachtest. Und die Restnacht schenkt dir wenig genug Ruhezeit bis zum Weckerklingeln. Besonders, wenn du brav deine Grübel-Routine vor dem Einschlafen erledigst.


9. Bewege dich so wenig wie möglich.

Stundenlanges Stillsitzen hast du ja wahrscheinlich in der Schule gelernt. Also hör auf zu zappeln! Stelle alles bereit, was du brauchst, vorher in Griffnähe bereit. So musst du nicht immer wieder aufstehen. Achte auf eine geringe Flüssigkeitszufuhr, um die Toilettengänge zu reduzieren.

Dass du den Aufzug statt Treppe und Auto statt Fahrrad benutzt, versteht sich von selber.

Wähle eine Tangoveranstaltung, bei der auf Códigos Wert gelegt wird. Die Freiheit von exibitionistischen Gefühlsausbrüchen sowie umarmungsfokussiertes langsames Agieren in der Ronda halten dich von der ungezügelten, unangebrachten Bewegungsversuchung fern. Entscheide dich für Tangounterricht, bei dem dein Lehrer möglichst viel Unterrichtszeit mit Sprechen belegt. So bleibt weniger Zeit zum Tanzen. Vielleicht kannst du im Unterricht auch deine Defizite gewinnbringend verabeiten und pflegen.

Obacht! Eine langweilige Milonga ist kein Garant für Lustbegrenzung! Ich habe gehört, dass es Tänzer geben soll, die gerade im gemächlichen, unaufgeregtem traditionellem Tango stehmeditierend ihre Glückseligkeit finden sollen. Die Symptome des Genießens äußern sich hier nur sehr subtil oder gar nicht. Gehörst du zu diesem Personenkreis, achte ganz besonders auf kleinste Anzeichen aufkommender Wonne. Bekämpfe diese schon im Ansatz! Wechsle gegebenenfalls zu einer Neolonga oder finde eine vegane Gruppe chronisch weltschmerzpushender Gutmenschen.

Bleibe passiv! Als Geführte kannst du getrost auf eigenen Ausdruck beim Tanzen verzichten. Lehne dich an deinen Partner und vermittle nachdrücklich, dass du umfällst, wenn er dich nicht hält. Überlasse ihm jegliche Interpretation der Musik. Das geht dich nichts an. Versuche mit all deiner Kraft, dich wie ein lebloses Tanzgerät zu fühlen - nicht wie eine schöne Frau, selbstbewusst und elegant. So ein Unsinn! Das erhöht die Spannung und verholzt deine Bewegungen in Leib und Seele. Dann hat die Lust keine Chance mehr.




10. Isoliere dich von deinem sozialen Netzwerk oder such dir ein Umfeld, dass dich runterzieht.


Lass den Kontakt zu alten Freunden, die dich so nehmen wie du bist, einschlafen. Auch von wohlwollende Menschen, die dich vielleicht sogar unterstützen, sollst du dich fernhalten. Das Gefühl von Dankbarkeit oder liebevolle Gedanken können Warnzeichen sein! Auch das Lachen beim Tango! Höre und handle! Halte dich fern von solchen Personen, vor allem, wenn sie versuchen dich von deinen Egoismusdefinitionen abzubringen, und dich zu lustvollen Aktionen ermuntern!

Achte lieber auf regelmäßigen Kontakt zu Personen, die dich und dein Tun in Frage stellen. Gerne werden sie dir immer wieder deine egositischen Fehler und Versäumnisse reflektieren. Das hilft, um deine Schuldgefühle quietschlebendig zu halten.


11. Übe erotische Enthaltsamkeit.



Eine begehrenswerte Person zu sein, kannst du schon mit den Tipps zum Äußeren nahezu gegen Null laufen lassen. Allerdings müssen auch die inneren Deblockierungen bearbeitet werden. Nutze Affirmationen wie "Gott (oder wer auch immer), wandle mich zu einem grauen Schatten, nimm dein Licht von mir, auf dass ich mich als Neutrum fühle".

Aufgepasst! Schon das Aufhalten der Türe durch einen Gentleman kann Erotik vermitteln. Tür aufmachen kannst du doch selber! Von konkretem Sex mit Anfassen, allein oder zu zweit, wird dringendst abgeraten! Selbst Zärtlichkeiten oder Kuscheln - und wenn es nur deine Hauskatze ist - lassen deinen Oxytocinspiegel gefährlich ansteigen. Die Folge: Du fühlst dich unangemessen egoistisch wohl.

Der Tango muss heute nicht mehr zwangsläufig sinnlich oder gar erotisch daherkommen, und die Tänzer sowie Tänzerinnen schon gar nicht! Probiere einfach verschiedene Milongas aus - die Wahrscheinlichkeit, ein nonsinnliches Ambiente zu finden, ist inzwischen deutlich höher als früher.
Verändere deine Mirada vom Flirtblick zum Starren. Flüchte vor anzüglichen Cabeceoversuchen aufs Klo (wo du dich mit Verkehrtrum-Lächeln wieder in die richtige Stimmung versetzen kannst).

Setze beim Tanzen und bei erotischen Missionen konsequent den Ratschlag zur Passivität um. So vermeidest du das Prickeln recht einfach.



Falls du die 11 Tipps nicht beherzigst und umsetzt...


wirst du zwangsläufig mehr Lust und Genuß in dein Leben lassen. Deine Stresshormone (z.B. Cortisol und Adrenalin) werden sich fürchterlich reduzieren, was innere Entzündungsvorgänge abflauen lässt. Dann hast du's wesentlich schwerer, Typ II-Diabetiker zu werden, eine Autoimmungeschichte zu entwickeln oder deine Gefäße zu verstopfen. Dein Immunsystem wird effektiver arbeiten, ewige wiederkehrende Schnupfenschleifen adé! Vielleicht nimmst du sogar ab! Deine Stimmung wird sich automatisch heben.

Wenn es dir auch noch leichter fällt, deine Gedanken zu klären, konzentriert sowie effektiv zu werkeln oder besser zu schlafen...
Vielleicht kommt dir dann die Idee, den Lust-Neider zu ignorieren oder gar aus deinem Leben zu entfernen.
Nicht auszudenken!

Wo soll das nur hinführen?


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel



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Dienstag, 19. Juli 2016

Ein bissel mehr auf den Boden, bitte...

... im Tango heutzutage.

... und drei bodenständige Ansätze, um den Blutdruck zu senken...




Früher, in ganz alten Zeiten, anno dazumal, war der Tango bodenständig. Im wörtlichsten Sinne. Straßenpflaster statt Schwingbodenparkett. Die Menschen damals tanzten ihn mit ihrem wahrscheinlich einzigen Paar Schuhe, aber glücklich und voller Lebenslust trotz - oder gerade wegen - so schwieriger Lebensumstände, wie wir sie uns heute nur noch ansatzweise vorstellen können.  Sie fütterten ihn mit ihren Leidenschaften, und Musiker aus verschiedensten Ländern schneiderten ihm sein verrücktes, kunterbuntes Gewand.

Einfach so!
Einfach nur tanzen!

Ohne an kompliziert formulierte Befindlichkeitsschwurbeleien in Fremdsprache zu denken oder den Tango philosophisch betrachtend zu überhöhen, wie es heute gern und oft praktiziert wird.

Einfach nur Tango tanzen
und in der restlichen Zeit
das Leben meistern.

Mir ist schon klar, dass man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann. Rückblicke neigen zur romantischen Verklärtheit. Der Alltag für die Tangotänzer damals war gewiss nicht einfach, und du bist bestimmt genauso glücklich wie ich über ein eigenes Klo in der Wohnung, fließendes Wasser aus der Leitung in Trinkqualität, kostenlose Schulbildung und gesunde Nahrungsmittel in Hülle und Fülle.

Die Idee der Einfachheit

ist es wert,  finde ich, im Heute wieder mehr gepflegt zu werden: im Tango und in der Heilkunde.

Als schönes Beispiel dient (mal wieder ;) der hohe Blutdruck, das böse Schreckgespenst...
Wieviele Menschen jenseits der Sechzig kennst du, die keine Blutdrucksenker schlucken, oder wenigstens als "essentielle Hypertoniker" geführt werden? Es geht schon los bei der Feststellung.

 

Fehlerquellen beim Messen: 

So simpel kommst du vielleicht zu deinem Bluthochdruck:
 
Geh einfach zu einem Arzt, von dem du ein Untersuchungsergebnis erhalten sollst, z.B. ob dein Fleck ein Muttermal war oder ein Melanom sein könnt', und lass dir den Blutdruck messen.

Erledigt das der Herr Doktor selber, dann bedenke, dass der untere Wert (der diastolische) mit dem Alter des Arztes steigt. Notiert werden soll der Wert, wenn beim Ablassen der Luft aus der Manschette nichts mehr zu hören ist - nicht der letzte oft zarte Ton. Das wird bei nachlassendem Gehör schwierig. Der "Notationsfehler" ist aber auch bei jüngeren beliebt, die es nicht besser wissen.

Dass Spargelamazonen wie ich die gleiche Manschette umgelegt bekommen wie der Sumoringer, der vorher dran war, kenne ich seit meiner Ausbildungszeit. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn die daraus resultierenden Fehler einfach mit berechnet würden: Verwendest du eine Normalmanschette, bringt schon ein 30 cm dicker Arm 10 mm systolisch und 15 mm diastolisch mehr auf der Skala. Ist der Arm noch umfangreicher, kannst du auch bis zu saftigen 30 mm mehr gemessen bekommen als tatsächlich vorhanden sind! Auch eine zu locker angelegte Manschette oder Sprechen während der Messung verfälschen die Werte Richtung oben.

Die Langzeitmessung zeigt wahrscheinlich ziemlich verlässlich ein paar Spitzenwerte - es sei denn, dein Leben ist wirklich schrecklich langweilig. Zur Melanom-Frage gesellt sich die Aufregung um den Hochdruck. Außerdem bist du vielleicht schon "alt genug" oder nimmst schon seit ein paar Jahren Betablocker oder ähnliches. Vor der Verordnung damals wurden natürlich sämtliche sonstige Auslöser wie Nieren etc. gecheckt mit Ergebnis: Man weiß nix genaues, Blutdruck ist halt hoch, also essentiell. Dann bekommst du den Stempel "chronisch essentielle Hypertonie" nicht mehr so leicht von der Hacke und aus der Akte, auch wenn sich die vor einigen Jahren belastende Lebenssituation zum Guten gewendet hat.

Ein dauerhaft zu hoher Druck ist ungesund, kein Zweifel. Aber dieser sollt' schon vorher ordentlich nachgewiesen sein. Das einfach scheinende Blutdruckmessen ist eine Methode, die Können erfordert: Sauber messen lassen über einen längeren Zeitraum, von jemanden, der sein Handwerk beherrscht.

Dazu braucht der- oder diejenige ein handtaschenkompatibles Gerät, am besten ein stromunabhängiges (da weniger fehleranfällig) und saubere Ohrwatscheln: kostengünstig, einfach und geschwind durchzuführen.

Das muss die Basis vor der Therapie sein!
Ganz einfach!

Der heutige Tango bräuchte ebenso eine klare Diagnosestellung, ob er denn wirklich krankt, und eine Therapie mit Códigos etc. überhaupt nötig ist. Ich befürchte, mancherorts will man es lieber nicht so genau wissen. Der Tango, den ich vorgestern getroffen habe, schien mir pumperlg'sund.


Exakt gemessen. Zu hoch. Und was jetzt?

Zum Einstieg in die Therapie (oder Ausstieg aus der bestehenden) bieten sich meiner Erfahrung nach drei einfache Maßnahmen an.

Die Nebenwirkung bei der Kombination der drei Ansätze ist zu verkraften: Du wirst dich insgesamt wohler fühlen - leichter - physisch und psychisch. Falls du medikamentenpflichtig bist, kannst du vielleicht nach einiger Zeit die Dosis reduzieren oder die Blutdrucksenker ganz absetzen. (Bitte nur in Absprache mit dem Heilkundler deines Vertrauens, unter Kontrolle!)

1. Gut essen - abwechslungsreich mit viel Sonne

Iss möglichst wenig konfektionierte Nahrung oder gar nahrungsmittelähnliche Produkte (Fertigpizza etc.). Lieber Frisches, viel Gemüse - das nicht roh sein muss. Versuche den Wurstanteil gering zu halten. Fisch ist günstiger oder eine kleine (weniger als ein Pfund, meine Herrn) Portion gutes (!) Fleisch. Mit Verlaub - tote Tiere, die vorher wenigstens ein schönes Leben haben durften, schmecken besser.

Nicht kochen können ist keine Ausrede! Ob du dir von Jamie Oliver internettisch oder Schuhbeck live im Kochkurs helfen lässt, bleibt dir überlassen. Hier findest du als Anregung eine feine Auswahl von köstlichen Spezialmahlzeiten, die helfen können, deinen Blutdruck mittelfristig zu senken: http://www.ndr.de/ratgeber/kochen/rezepte/rezeptdb230.html

Rote Bete-Saft enthält einen Wirkstoff, der die Gefäße erweitert und auf diese Weise mithelfen kann, den Blutdruck zu senken. Das enthaltene Nitrat wird mit dem Speichel zu Nitrit abgebaut. Also lange genug im Mund verweilen lassen ;) Geschmacklich mag dieser Saft nicht der Burner sein, schädigt dafür aber weder deine Leber noch die Nieren. Empfohlen wird ein halber Liter täglich.

Mit frischen Kräutern, Gewürzen und hochwertigen Ölen lässt sich Gemüse sogar für hartnäckige Fleischitarier zufriedenstellend zubereiten. Nebenbei wirken manche Zugaben wie Medizin. Aber dazu wird ein eigener Blogbeitrag fällig ;)

Beim Tango bevorzuge ich den Unkonfektionierten, den Hausgemachten, den mit einzeln herausschmeckbaren Stimmungen und den duftenden Gewürzen, die mein Tanzpartner und ich heute hinmischen möchten. Abwechslungsreich und frisch. Das nährt die Seele.


2. Aderlass und Ausmisten

Klingt archaisch nach Doktor Eisenbarth, kann aber auch helfen, den Blutdruck langfristig und nachhaltig zu senken. In einer Studie der Berliner Charité zeigte sich, dass bei einigen Patienten, die alle drei Monate Blut spendeten (die "moderne" Form des Aderlasses, macht weniger Sauerei) sich der Blutdruck senkte. Teilweise konnte die Medikamentendosis reduziert oder ganz abgesetzt werden.

Vermutlich bilden sich nach der Blutspende neue Erythrozyten. Diese seien elastischer und schlüpfen wohl geschmeidiger durch's Gefäßsystem. So wäre weniger Druck nötig, um das Blut durch den Körper zu pumpen.

... und das Rote Kreuz kann seine Lager füllen.


Altes, Starres, nicht mehr Verwertbares loszuwerden tut uns und auch dem Tango gut. Die Seele und Beziehungen entrümpeln, entsorgen oder schlucken, verdauen, den Rest... na, du weißt schon. Dann hat das aktuelle Leben genug Platz.

Wenn also wieder ein Milongagast den gemischt auflegenden Tango-DJ drohend unter Druck setzt: "Wenn jetzt dann keinen richtigen Tango auflegst, geh ich fei!", wünsche ich mir einen Milonga-Aderlass: Soll der Bitterdrops halt gehen! Die Verbleibenden, der Tango und seine Tänzer, können dann leichter fließen... Standardtreue Deckeldosen für saure Gutsis gibt's genug.



3. Bewegen... zuerst innen, dann außen

Ganz tief drinnen wohnt bei den meisten Menschen der innere Schweinehund. Manche geben ihm sogar einen Namen: "Horst" oder so. Bewegen will der sich nicht! Weder mental noch körperlich.

Aber irgendeine Tätigkeit findet sich immer, die unser "Horst" nicht als "Bäh-Sport" erkennt.
Die Bilanz muss stimmen, die Formel dazu kommt ganz einfach daher:
"Direkt spürbare Lebenslust" minus "Aufraffen und Durchführen der Aktion" ist gleich schweinehundumgehende Wohlfühl-Tätigkeit.

Sei kreativ, probiere aus, bilanziere!

Dann wird deine Bewegung - welche auch immer - nicht mehr lästig, sondern notwendig. Du wirst sie brauchen, wie einen guten Freund, und nicht mehr aus deinem Leben lassen wollen.

Die Nebenwirkungen sind dir wahrscheinlich eh klar: Gewichtsabnahme und bessere Stimmung.

Wir sind geschaffen, um uns zu bewegen - mit Leib und Seele.

Mit Träumen und g'spinnerten Ideen im Gepäck
an's andere Ende der Welt ausgewandert...
Hart gearbeitet,
getanzt wie der Lump' am Stecken.

Hätten das die Tangoproletarier zu Urzeiten nicht gemacht,
einfach so,
hätten sie nicht überlebt.
Und der Tango wäre gar nicht erst entstanden.
Dank' euch, ihr mutigen Leut', in den Himmel hinauf!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel



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