Donnerstag, 31. März 2016

Lesungsvideo "So kann man das nicht sehen"

Anlässlich der gerade erschienenen Rezension meines Buches in der Zeitschrift "Tangodanza" (Nr.2-2016) habe ich mein Lesungsvideo noch ein bissel aufpoliert und frisch bei Youtube eingestellt. 
  • Begleite mich lauschend ins Revier einer kleinstädtischen Kulturmafia.
  • Lass Dir eine Geschichte aus der Pflege mit einem Hasen (postosterkonform) vorlesen!
  • Erfahre in "Tangos Farm", wie heutzutage Alphatänzer hergestellt werden...
  • Staune, welche Katzen aus Säcken schlüpfen, wenn Piazzolla erklingt...
  • Du darfst auch meiner Oma nachwinken, als sie sich auf eine lange Reise begibt!
Viel Vergnügen!


Aus der Tangodanza-Rezension von Claudia Tiemann:

"Gewürzt mit Fantasie und gekleidet in höchst subjektive Bilder nimmt die Autorin den altlastigen Gespenstern ihrer Lebensgeschichte den Schrecken. Ob man(n) oder frau das genauso sehen kann, überlässt die Autorin dem geneigten Leser. Die Geschichten sind persönlich, doch in realen Situationen verankert, die uns allen vertraut sind - und sie sind sehr unterhaltsam."

zum Tangodanza Kiosko (ab sofort auch dort erhältlich)
oder - wie gehabt - hier:
http://www.tangofish.de/_so_kann_man_das_nicht_sehen.htm

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel
 




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Donnerstag, 24. März 2016

Seelentröster-Suppe

...oder: "Warum du lieber in den Fettaugen deiner Hühnersuppe nach "Erleuchtung" suchen solltest..."



Kennst du das?

Die Zeit rennt an dir vorbei wie eine hastige Assel auf Speed, markiert laut riechend ihr Revier mit immer neuen ToDos, Aufgaben, Erledigungen? (Versuch mal eine zu fotografieren, dann weißt du, was ich meine.)
Missionen, die auf keinen Fall aufgeschoben werden dürfen, prasseln vom Himmel.
Ein sausendes Tableau, flirrend vor Hektik, garniert mit schweißigen Händen , Herzklopfen und flacher Atmung?
Pfeilartige Anforderungen aus allen Richtungen, die krachend, spritzend im Pausenkaffee landen?
So viele Richtungen weisend, dass du vergisst, wo der Ausgang Richtung Ruhe ist?
Und die eigene Mitte?
Sogar beim Einschlafen, wenn sich eigentlich friedliche Lämmlein niedlich tummeln sollten, hetzen die Gedankenwiesel hurtig im Dauerlauf.

Das stört immens.
Und zwar in allen Situationen, wo du dich mit offenem Herzen auf jemanden einlassen möchtest: ob in der Pflege, beim Therapieren oder beim Tango.
Oder?
Mich schon.

Tangobenutzer, die in ihrem Kopf hektisch Energien verpuffen, mag "der Tango" gar nicht.
Dann bringst die Füß' nicht auf den Boden. Das wohlige Ganzkörper-Fließen in der Musik mit dem Partner funktioniert dann einfach nicht.
Blöd!

Der feine, "weiche" Blick, der dir im therapeutischen Wirken oder der Arbeit in der Pflege die Zwischentöne beleuchtet, schränkt sich tunnelartig ein.
Das spüren deine Patienten. Vielleicht ziehen sie sich misstrauisch zurück, und du kriegst an so einem Tag einfach keinen guten Kontakt.

Nicht mal die Entspannungsmethoden, die du sonst deinen gestressten Klienten empfiehlst, funktionieren!

Meine Rettung ist dann eine Hühnersuppe. 

 

Kein nahrungsmittelähnliches Produkt, sondern eine ehrliche, echte. Kochen und essen. Eine, die in ihren verschiedenen Stadien der Zubereitung bodenständige Gerüche verbreitet und simmernd-singend Nahrung für Leib und Seele verspricht. Und hält.

Dann wird die Seelentröster-Suppe zur Therapie: Manchmal koche ich sie auch für meine Patienten. Selbst wenn du sie über eine Magensonde verabreichst, scheint - neben den Inhaltsstoffen - die hineingekochte Liebe nährend zu wirken.
(Anmerkung zur Gabe über PEG oder Magensonde: Unbedingt vorher durch ein feines Sieb gießen und hinterher gut nachspülen, mit klarem Wasser oder Cola.)

Sauberes "Mise en place" ist zur geruhsamen Vorbereitung höchst wichtig:
So bleibt dir genug Zeit, dich am fröhlichen Schmurgeln und Simmern der Zutaten zu erfreuen.
Die Aufmerksamkeit dabei bindet dich im Hier und Jetzt. Mit ein bissel Glück findest du deine wiedergefundene Erleuchtung in den Fettaugen der Suppe gespiegelt. Der Erleuchtung ist es angeblich egal, wie du sie erlangst.

Und die Ruhe darf wieder in deinem Herzen wohnen. 

Probier's aus!
Wünsche guten Appetit!

*********

Das Rezept für Seelentröster-Suppe:


  • vier Hähnchenschenkel
  • ein Bund Suppengrün (gelbe Rüben, Lauch, ein gutes Stück Sellerie, Pastinake/Petersilienwurzel)
  • eine Zwiebel
  • eine Knoblauchzehe
  • ein gutes Stück Ingwer (etwa daumengroß oder mehr)
  • ein Viertele trockener Weißwein
  • je ein halber Teelöffel:
    • Fenchelkörner
    • Senfkörner
    • Koriander
    • ein paar Wacholderbeeren
  • Salz und Pfeffer 
  • Grünkräuter nach Belieben (Petersilie, Basilikum, Thymian, ...)
  • Olivenöl
  • ca. zwei Liter Wasser 

Für die Ohren  kann ich Pablo Casals empfehlen als Nahrung.
Oder Curt Bois "Ich mache alles mit den Beinen". (Im Rezept verwende ich lieber "Beine" statt einem ganzen Vieh.)

Lieber Vegetarier: Ersetze die Fleischmenge einfach mit Gemüse deiner Wahl (z.B. Fenchel, Kichererbsen, Bohnen, ...)

Hähnchenschenkel waschen und mit Küchenpapier trockentupfen
auf einem Teller bereitlegen

die Arbeitsfläche sorgfältig abwischen

Gemüse und Ingwer klein schneiden, bereitstellen
(außer der Zwiebel und den Knoblauchzehen, die dürfen ganz hinein)

Öl erhitzen (nicht zu heiß, raucht sonst)
Hähnchenschenkel anbraten

Lauch dazu, gut rühren
das restliche Gemüse gruppenweise dazu

Es darf ruhig alles ein bissel anbräunen! (Braun, nicht schwarz!)

den Wein angießen
kurz köcheln lassen
schnuppern

ca. zwei Liter Wasser angießen
Salz und Gewürze dürfen nun auch hinein
auf kleiner Flamme eine Stunde köcheln lassen
zwischendurch rühren, probieren, dran riechen

abschmecken mit vielleicht noch ein bissel Salz und kleingeschnittenen Grünkräutern nach Geschmack.  (NICHT homöopathisch dosiert!)

Servieren!
klassisch mit Brot oder Nudeln.
... oder Maultaschen, Griesnockerl oder Brätstrudel...

Et voilà!
Schmeckt's?

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel





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Montag, 21. März 2016

Was fehlt ihm denn?



"Grüß Gott! Na, was fehlt ihm denn?"
Sie hebt den Transportkäfig auf den Behandlungsstuhl.

"Mei, ich weiß auch nicht. Er hängt nur noch in seinem Eckle rum. 
Zu gar nix kann ich ihn motivieren! 
Und wenn man was von ihm will, wird er garstig und beißt. 
Fressen tut er auch nur hier und da ein Bröckle, von dem was ich ihm hinstelle... Und den Rest kann ich dann wegschmeißen."

Vorsichtig versuche ich einen Blick  durch die Gittertür den Käfigs zu erhaschen. Ihr "Tango" kauert ganz hinten im Dunklen und knurrt.

"Ist es ein Führerle oder Folgerle?"

"Das weiß man nicht so genau. 
Ich hab ihn ja quasi gebraucht gekriegt. 
Ein Zuchtbuch oder Tätowierung hat er nicht. 
Er ist mir damals zugelaufen." 

Sie streift ihren mitgebrachten Gartenhandschuh über und greift in den Käfig hinein.
"Jetza kooomm, kooomm, Butzele... 
Die Frau will doch nur schauen, nur a bissele untersuchen.
Dass dir wieder gut geht.
Ja fein, Schatzele, fein. 
Geht doch!"

Sie stopft ihm ein Leckerli in die Schnauze. Trotzig mampfend lässt er sich sofort wieder auf seinen dicken Hintern fallen. Ich befürchte, er hat ein Häuflein prodziert.

"Können sie ihm nicht eine Medizin verschreiben? 
Oder akupunktieren? 
Geld spielt keine Rolle! 
Der soll wieder so sein, wie früher, so lustig!"

"Was geben Sie ihm denn so zum Fressen?"

"Nur bestes, ausgewähltes Futter! Von Tangoexperten empfohlen! 
Leicht verdaulich und kalorienarm! 
Das mit dem goldenen EdO-Siegel." 

"Industriell hergestelltes Futter enthält leider wenig Vitamine und Mineralstoffe. 
Grade jetzt im Frühling bräuchte er 'lebendige' frische Nahrung, die neben Bitterstoffen auch Ballaststoffe enthält, um vital zu bleiben."

"Aber dann kriegt er doch Blähungen! 
Und wo soll ich das frische Zeug denn herkriegen? 
Außerdem isser ja sooo heikel!"

"Seine Verdauung spielt sich mit der Zeit ein, wenn er sich wieder an gesunde Nahrung gewöhnt hat. Wir könnten ihn im Zuge der Nahrungsumstellung gleich entgiften, dann ging's fixer mit der Anpassung.
Probieren's doch einfach mal eine Milonga aus, die gemischte Nahrung bietet. 
Lassen Sie ihn an vielen verschiedenen Speisen schnuppern. 
Da sucht er sich dann schon genau das aus, was er braucht für seine Gesundheit: 
Das ist die sogenannte 'Nasendiät', sie wird erfahrungsgemäß bestens toleriert. 
Wissen's - egal ob Führele oder Folgerle - die sind hochintuitiv, und wenn sie nicht artgerecht gehalten werden, verfetten sie und werden träge."

Sie scheint skeptisch.
Ich prüfe derweil mit dem Stethoskop die Belüftung seiner Lungen. Als regelrecht kann ich sie nicht beurteilen, "Brummelschleim" hängt in den oberen Atemwegen. Die Atemfrequenz ist erhöht, sein Blutdruck ebenso. Nicht gut.

"Kommt er genug an die frische Luft? 
Wie oft führen Sie ihn denn Gassi?"

"So alle zwei bis drei Wochen. Wenn eine Milonga bei uns im Ort ist."

"Darf er sich da austoben, mit anderen 'Tangos' spielen?"

"Na ja, das Führele von meinem Mann sieht das gar nicht gern. 
Der schmollt mir dann tagelang."
Ob sie vom Ehegatten oder seinem Tango spricht, will ich nicht weiter klären.

"Ihr Tango sollt' sich schon ein wenig mehr bewegen. Schauen's ..."

Ich zeige auf Bleistiftvorderbeine, die fast in der Bauch-Brustkugel verschwinden.
"... seine Muskeln atrophieren, und..."
Sanft stelle ich ihn auf die Hinterbeine, beuge seine Oberkörper nach vorn.
"... bewegungseingeschränkt isser im Rumpfbereich auch schon. 
Die 'Tangos' entwickeln ganz schnell Kontrakturen, wenn man nicht aufpasst."
Sonst sind seine Gelenke zumindest passiv im physiologischen Rahmen beweglich.

"Ich schlage vor, für den Anfang mindestens einmal die Woche Tangogassi. 
Dafür gebe ich Ihnen ein paar Adressen. 
Und täglich daheim eine Stunde toben lassen zu Sexteto Milonguero oder Beltango. 
Irgendwas in der Art, wild und frisch sollt's sein. Dort finden's ein paar schmackhafte Zusammenstellungen.
Und lassen's ihn tanzen wie ER will, ohne Halsband!
Das steigert Appetit und Stimmung und senkt Blutdruck sowie Gewicht."

"Haben nicht wenigstens was, das ihn a bissele beruhigt? Dass er nimmer so garstig ist?"

"Sie möchten ihn doch 'so wie früher', oder? 
Lebenslustig! 
Und dass Sie wieder mehr Spaß haben miteinander?"

"Ja, schon..."

"Probieren Sie's einfach aus. 
Die Therapie 'Bewegung an der frischen Luft, was G'scheits zum Essen und ein gutes soziales Umfeld mit Liebe und Respekt' reichen im Moment, dass es ihm wieder besser geht. 
Das ist die Basis. 
Therapeutisch und diagnostisch nachlegen können wir immer noch, wenn das alles nix hilft."

Und die Moral von der Geschicht'?


Die "Geschicht'" beschreibt den Problemlösungsansatz in der Heilkundekategorie "Gesundheits- und Krankenpflege". Ganz bewusst verwende ich hier den Begriff Heilkunde.

Pflege kann mehr sein, ist oft viel mehr, als die Patienten "satt und sauber" zu halten.
Gute Pflege aktiviert dann automatisch die Selbstheilungskräfte des Kranken.
Sie kann heilen, im Sinne von "wieder ganz werden an Leib und Seele".

Sachkundiges Pflegen mit Respekt und ganz viel Liebe würde oft genügen als Therapie.

Unspektakulär im Ausdruck, aber hocheffektiv!

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel





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Freitag, 18. März 2016

Brennnessel-Zwerge



Vor ein paar Tagen hingen noch frostige Nebelschwaden bis zum Mittag über den Wiesen. Da schimmerte an manchen Stellen die Erde nass, wo zarte Sonnenstrahlen Schnee und Nebel schmelzen wollten.

Nix war's.
Kalt war's.
Und ich beleidigt: genug der winterlichen Stagnation.


Heute kehrt die Erde langsam zurück aus ihrem Winterschlaf:

Die Natur atmet tief ein vor dem ersten Sprießen und malt ein zartes Blau an den Himmel.

Brennnesselzwerge, geschmückt mit funkelnden Tropfen, recken sich frech, als wären sie Scheinriesen im Lummerland.

Mit den Weidenkätzchen sind die Bienen gekommen, Pollenallergien hintendrein. Was soll's? Schneuztuch in der Kitteltasch'!
Alles summt und vibriert voller Erwartung, sogar die Birke hört man rauschen, das Ohr am Stamm. Stethoskop ging auch.

Bald, bald, bald,...“ singen Gänseblümchen neben (oder trotz?) Schwanenhäufchen am See.
Derweil blinzeln die „Augenbrauen der Venus“ - Schafgarbeschösslinge - fedrig ins Licht.
Zart-herber Cabeceo des Bittergrünen?

Frisch und saftig schmeckt's!
Eine Wohltat, gell?

Dein Hirn lässt sich wieder ganz ohne Frostbeulengefahr lüften.
Draußen stinkts nach Odel und Neuanfang.

Pumpt dir der Frühling auch dieses GRÜN! (jawoll, mit Ausrufezeichen) in den Leib?
Diese Lebenskraft der Pflanzen, die in der chinesischen Medizin dem Holzelement zugeschrieben wird?  Die so voller Widersprüche scheint?

... die eigene Entwicklung durchsetzen

Auf der einen Seite entwickeln Gewächse ganz ausgefuchste Strategien, um das eigene Leben zu meistern:

Manche kämpfen mit Dornen um Platz zum Leben als messerschwingende Hotzenplotze.

Oder pieksen Dir ein wenig Gift in die Haut, gerade genug, um dich an achtsamen Umgang zu erinnern. Es juckt und beißt, das nächste Mal bist vorsichtiger. Ärger oder Therapie?

Andere drängen sich in Ritzen, pappen sich rücksichtslos an. Wenn du schon einmal Efeu abgezupft hast, weißt du, was ich meine.

Wenn es sein muss, bohren sich Wurzeln weit in die Tiefe oder Schösslinge sogar durch Asphalt.
Gewaltig. Mächtig. Aggressiv?

Stört ein Hindernis das Fortschreiten der Pflanzen-Entwicklung, kümmern sich unsere grünen Freunde nicht um vorgeschriebene "Tanzrichtungen" oder gar Codigos, sondern ändern die Wuchsrichtung.

Natürlich und selbstverständlich.
Das ist naheliegend, effektiv. 
Einfach?
Ja!
Wenn du weißt, wohin du möchtest.
Und warum.

Sind unsere grünen Freunde egoistisch?


Gelassene Gutmütigkeit

Pflanzen schaffen es, einigermaßen friedlich im Verbund zu leben.
Leben und leben lassen?

Schau dir einen Wald an: Bäume, Flechten, Pilze, Moose, diverse Kräuter, was weiß ich noch alles.

Trotz (oder wegen?) aller Konkurenz scheint den Angehörigen der Grün-Fraktion klar zu sein, dass jede individuelle Form Teil eines größeren Entwurfs ist.

Mehr noch: Jeder nutzt sein maximales Potenzial an Kreativität, um die Gemeinschaft weiter zu bringen.

"Wandernde Pflanzengesellschaften" meistern so lange Reisen, ohne Gamsbart am Hut, GPS oder Goretexstiefel. (Auch wenn sie in meiner Vorstellung immer ein fohes Liedlein pfeifend unterwegs sind. Im Gleichschritt.)

Sie agieren im Bewusstsein, dass die sogenannte "Selbstdarstellung" lebensnotwendig für die Gruppe ist!

Die "anderen" können sich darauf be-ziehen und Nutzen daraus ziehen.

Das eigene Wohlbefinden bleibt garantiert, wenn es die anderen einschließt.

Wieder einfach und effektiv.
Natürlich und selbstverständlich.
(Allerdings nur, wenn du in der richtigen Gruppe wohnst.)

Gemeinschaft und eigene Lebensziele in Balance

Beneidenswert.
Bist du dir und "den anderen" immer "grün"?
Ich nicht.

Vielleicht hilft's, am Frühling zu lecken?
Am GRÜN?
Brennnesselbutter auf Brot kosten?
Gänseblümchen naschen?
Die Fensterläden am wintermüden Verstand öffnen, Sonne einfangend?
Pläne auf die Leine hängen, lüften, aussortieren und in die Tat umsetzen?
Den Pflanzen die Konzeptidee klauen?

Wer weiß?
Schauen wir mal, was der Brennnesselzwerg uns flüstert.

Wünsche einen wohligen Frühlingsanfang!  

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel





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Montag, 14. März 2016

Arschengel? Engelarsch?



"Friede, Friede, Friede deinem Herzen und deiner Seele!" säuselt der Engel.

Sollt' er zumindest laut Stellenbeschreibung.

Aber nein, nix war's: In einer Minute bist du noch so stolz auf deine reflektierte Gelassenheit, an der du so hart gearbeitet hast, und in der nächsten pfeift dir der geflügelte Rauschgoldbruder eine Kleinigkeit vor den Latz, dass du hyperventilierend und auf niederste Instinkte reduziert zurückbleibst.

Warum ist das so in der Pflege?


In den letzten Jahren hatte ich die Ehre, einige Dutzend Pflegekollegen in verschiedenen Versorgungen einzuarbeiten.
(Erlaube mir aus Gründen der Schreibfaulheit, einen Genderdisclaimer einzufügen und schreibe hinfort von der Pflegeperson und dem Patienten - egal, ob männlich oder weiblich - als "er".)

In der Mehrzahl hochqualifizierte, gestandene Menschen, die weit mehr Berufserfahrung als ich vorweisen konnten. Oft durfte ich beobachten, wie das Verhältnis "Pfleger / Patient" kippte. Dann wurde von beiden Seiten (!) fröhlich schikaniert, getratzt, manipuliert, intrigiert. Das schien mir einfach unerklärlich, da der Patient ja in einem hohen Maße abhängig vom diensthabenden Pflegepersonal ist, vor allem, wenn Vollbeatmung das Leben erhält.

In Folge sank zwangsläufig die Konzentration dieser Kollegen bei der Arbeit. Fehler - zum Teil echt fiese - häuften sich: Wasser auf die Mühlen "Der ist untragbar, weil inkompetent", im Anschluss (vielleicht aus Scham?) und abhängig vom Temperament "Flucht" in Form von Kündigung oder "Kampf".

Mit Unterstützung der Kavallerie (sprich PDL und/oder Casemanagern, von seiten des Patienten die Angehörigen) wurden drohend verbale Messer geschwungen, die eher den allgemeinen Adrenalinpegel fütterten als zu einer Lösung beizutragen.

Letztendlich verließ uns der jeweilige Kollege. Mir blieb, die Wogen zu glätten. Ich mag schließlich in Ruhe arbeiten, und vegetativ ausgeglichen geht es dem Patienten an Leib und Seele einfach besser.

Eine mögliche Erklärung?


Vor ein paar Tagen wurde mir der schöne Begriff "Arschengel" zugespielt. Dankeschön!

Der Coach/Seminarleiter/Autor diverser Selbsthilfebücher, Robert Betz, hat ihn wohl erfunden:

"Hiermit bezeichne ich einen Menschen, der von unserem Verstand verurteilt wird, z.B. als Idiot, Verrückter, Blödmann, Drecksack, Arschloch oder eben als 'Arsch' und mit Eigenschaftswörtern belegt wird wie 'unmöglich, unverschämt, schlimm, fürchterlich, schrecklich, egoistisch, rücksichtslos, etc.'. Ich behaupte, dieser Mensch ist Ihnen in Wahrheit als Engel geschickt. Sie brauchen diese Menschen geradezu, um Ihren eigenen Frieden zu finden mit sich selbst."
(So steht es im Klappentext seines Audio-Books "Frieden mit meinen "Arsch-Engeln": Verstrickte und verstrittene Beziehungen verstehen und verwandeln. Ich distanziere mich ausdrücklich von seinen sonstigen Theorien.)

So wie ich es verstehe, meint er damit Personen, die deine grausligsten, ungeliebten Persönlichkeitsanteile spiegelnd ans Licht zerren, damit du sie endlich siehst, annimmst und bearbeitest, um innere Balance zu finden.

Aha.
Das wäre eine mögliche Erklärung für den oben geschilderten Mechanismus.
Aber warum komme ausgerechnet ich mit den schwierigsten Patienten klar?
So ganz in Ruh' und gelassen?
Ich lasse mich auf den Patienten wirklich ein, bin oft äußerst sperrig im Umgang, da hätt' mir doch mal ein "Arschengel" im Flügelnachthemd begegnen müssen?

Sucht man sich seine "Arschengel" selber? 

Und wenn ja, wo?
Wo suchst du deine?

Ich treffe auf diese Herrschaften eher im privaten Umfeld.
Vielleicht bedeckt meine Berufskleidung mögliche Andockstellen, oder ich hatte einfach Glück.

Blöd, wenn ich gleichzeitig - quasi a bissele zweigeteilt - meine Reptilienhirn-Reaktion ganz pragmatisch studieren kann. Beobachten funktioniert, aber die Kontrolle über adrenalingepushtes "Totstellen, Flucht oder Kampf" kann dann schon mal (fast) unmöglich scheinen.

Das Großhirn haut derweil hektisch eine Presseerklärung nach der anderen raus. "Rationale" Inhalte, die glasklar (?) beweisen (!), dass der andere Schuld ist an meiner Reaktion.
Ich mag mein Großhirn - du hast deines bestimmt auch gern - aber in solchen Situationen würde ich gerne die "Fraktion vom limbischen System" des Plenarsaales verweisen.

Im Privaten, gerade in der eigenen Familie, kommen ein Haufen Aspekte zusammen, total unsortiert und chaotisch. Mit Ruh' im Herzen einen klaren Gedanken fassen wird echt schwierig, wenn einer die Arschenengelmütze auf dem Kopf hat.

Wieviel leichter ist es doch beim Tango! 

Kennst du diese oder ähnliche Szenen?

  • Einer fordert dich auf, zerrt dich völlig musiksensibel-fern übers Parkett? So ein Grobian! Und genießt den Tanz auch noch? Wie kann er nur! Ich schleiche anschließend stinksauer auf meinen Platz zurück, während er - ein kleines Liedlein trällernd - sich an die nächste ranmacht, um sie zu "quälen". Unverschämtheit!
  • Ein schöner Tango mit einem Wildfremden, wirklich außergewöhlich, fast magisch. Er geleitet mich - Kavalier alter Schule - zurück an den Tisch. Dann zückt er sein Handy mit den Worten: "Wann treffen wir uns zum Trainieren? Gib mir deine Nummer!" Spontane Entzauberung, was bildet der sich eigentlich ein? Bin ich sein Trainingsgerät oder was? Könnt er mich BITTE vielleicht mal fragen, ob ich MÖCHTE? Du arroganter Vollpfosten, du blöder!
(Dir fallen bestimmt noch viele andere Beispiele ein.)

Du findest auf einer Milonga eine klare, saubere Versuchsanordnung, zuverlässig wiederholbare Gegebenheiten. Sehr praktisch, um im ersten Schritt den Arschengel als solchen zu identifizieren.

Eine gleiche oder zumindest sehr ähnliche Szene wird dir höchstwahrscheinlich wieder begegnen: Verifizieren der Botschaft wird in der Wiederholung ganz einfach möglich. Du kannst in Ruhe beobachten und dann entscheiden, ob bzw. wann du Zeit und Muße hast, die Botschaft zu bearbeiten.

Und wenn's beim Tango klappt, schaffst du es mit einem bissele Transfervermögen, die Vorgehensweise und Versuchsergebnisse ins Private und/oder Berufliche zu übertragen.

Bin selber noch am Üben. Allein das Zeitfenster zwischen "Identifizierung" und  "Bearbeitung" zu dehnen, im Herzen ruhig und im Hirn klar werden, bevor ich reagiere(n muss),empfinde ich als sehr erleichternd.

Dann werden wieder Aufmerksamkeits-Ressourcen  frei, um auch die anderen Engel zu wahrzunehmen, die dein verborgen-vergessenes "Bestes in den hinteren Geheimlagerhallen" zum Vorschein bringen: Die deinen "Engelarsch" (dein Gutes, in welcher Erscheinungsform auch immer) lieben und leuchten lassen.

Wer ist dein aktueller "Arschengel"?
Und:
Wer lässt deinen "Engelarsch", dein "Gutes", leuchten?

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel





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Sonntag, 13. März 2016

Buch: "So kann man das nicht sehen - Ansichten eines Augentiers"

illustrierte Erzählungen

(Text und Illustrationen: Manuela Bößel) 



In diesem Buch kredenze ich dir illustrierte, höchst private Geschichten vom Tango, aus der Krankenpflege und der Künstlerei.

Wie dies alles die persönliche Wahrnehmung und in Folge die Einstellung zum Positiven ändern kann, erfährst du beim Lesen. (Jep, ein therapeutisch wertvoller Ansatz ;)

Ob und welchen gemeinsamen Nenner es bei dieser eigenartigen Mélange geben könnte, darfst du selber herausfinden. Eine Lösung garantiere ich dir nicht - Staunen, Spannung und Vergnügen jedoch allemal!

Probier' aus, ob man das so sehen kann!

* JETZT BUCH / E-BOOK  BESTELLEN! (Amazon)

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Wünsche spannende Veränderungen der Sichtweisen.
Mit herzlichen Grüßen,
Manuela




Freitag, 11. März 2016

Bewegungsbilder: das Meer


Kennst du das?

Am Strand spazieren, das Meer rauscht, Möwengeschrei, Salz in der Luft, Sand zwischen den Zehen?
Und dann schwappt dir eine Welle um die Fußknöchel.
Sanft und sehr nachdrücklich umschmeichelt sie dich, ihr Impuls fließt glasklar in eine Richtung.

Abhängig von deinem Eigengewicht sowie deiner Kraft und der Wucht der Welle schaffst du es, stehen zu bleiben. Oder sie wirft dich einfach um. (Macht auch nix, heut' tummeln wir uns am Sandstrand. Die Sonne scheint, und es ist zu warm für kalte Füße.)

Vielleicht magst du dich einfach mitnehmen lassen von ihrer Dynamik?
Dich mitbewegen lassen? Ihre Kraft nutzen?

Diese Idee in Kopf und Gefühl hat mir schon sehr oft geholfen  bei der Pflege "schwerer Fälle". Dann stelle ich mir zum Beispiel vor, die Brandung würde den Patienten im Bett zur Seite drehen. Ich muss nur noch ein wenig "anschubsen".

Das funktioniert erstaunlicherweise auch, wenn ich meinem Patienten nichts davon erzähle.

Anscheinend kommt es hauptsächlich auf die eigene innere Ausrichtung an: Packe ich "mein Meer" fort in eine dunkle Gedankenschublade, wird mein Patient wieder schwer wie "zwei Sack'l Zement", oder auch mal drei. Anfangs habe ich gedacht, ich spinne, ich würde mir den Effekt nur einbilden. Einige hundert Versuche später weiß ich immer noch nicht, warum, aber dass es geht.

Ist dein Patient offen für solche kleinen Verrücktheiten und geniesst es (wenigstens in der Vorstellung) in der Brandung zu liegen, kannst du den Effekt sogar vermehren. Ich habe erlebt, wie angetriggerte Phantasie Ressourcen des Kranken zum Vorschein bringt, mit denen niemand (mehr) gerechnet hat.

Vor allem, wenn er gerne am Meer war. Wo genau, ob Bora Bora oder Norwegen, lässt sich leicht herausfinden. Ein so ausgeschmücktes Bewegungsbild schenkt neben der Erleichterung deiner Arbeit dem Patienten schöne Gefühle. Sich einfach mal "gut fühlen", und sei es "nur im Kopfkino", ist gut für's Immunsystem und hebt die Stimmung.

Ahoi!

...auf zum nächsten Hafen: dem Tango

Auch hier ist "mein Meer" daheim. Die Wellen kommen und gehen, mal zart-leise, mal aggressiv, umschnörkeln beim Zurückfließen die Knöchel. Manchmal stinken sie nach altem Fisch.

Fragst du das Meer...
  • Wo es herkommt? 
  • Von wo es wieviel Kraft mitbringt? 
  • Warum es heute genau solche Wellen produziert?
  • Wo es das gelernt hat? 
  • Ob es das darf?
Würde es antworten? Was würde dir eine Erklärung bringen? Würdest du verstehen?

Das Meer IST.

Reicht doch, oder?

In der Brandung geborgen, spielt Tangomusik dir Impulse ins Gemüt, die sich um deine Achse wickeln und in deine Beine flimmern. Manchmal funkeln sie sogar in den Augen wie Sterne in der Nacht im finsteren Spiegel der Wasseroberfläche.

Wer führt?

Wer schiebt an, wer geht mit?
Wer ist die Welle und wer der/die Getragene?

Woher kommt der Impuls?
Aus meinem Tanzpartner? Oder gibt er mir eine Inspiration weiter, die durch ihn hindurchfließt?
Aus mir? Oder reagiere ich auf seine Bewegungsinitiative?

Kämpft man gegen den Flow, geht man unter, bekommt Salzwasser in die Gosch'n und muss schauen, dass man nicht wegtreibt. Hustenanfälle mit salzigem Auswurf fördern die Attraktivität auch nicht unbedingt.

Wer führt nun?
Ich tanze beide Rollen.
Ob ich "führe" oder nicht, ich weiß es manchmal nicht (mehr).
Dann IST der Tango.
Musst ihn nur noch in die Hand nehmen, dran riechen, lecken und herzhaft abbeißen.

Köstlich!

Also, lass deine Schwimmflügelchen heut' daheim und stürz' dich in die Fluten!
Sonst versäumst vielleicht einen Genuss, den das Schicksal für dich reserviert hat.

... und Genuss ist schließlich gut fürs Immunsystem.

Bin gespannt auf deinen Reisebericht!

In diesem Sinne: liebe Palomas und Matrosen,


ein herzliches ...ohe!
Manuela Bößel 





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Mittwoch, 9. März 2016

Im Prinzip Tango


im-prinzip-tango


Was Tango und ausgerechnet Pflege gemeinsam haben?
Ich sehe schon deine hochgezogenen Augenbrauen vor mir:

„Wie kann man nur einen so schöhönen Tanz und schmutzige, schwere Arbeit vergleichen?“

Ganz einfach - indem man es tut!

Bist du bereit für unser Experiment?

Wollen wir probieren, wie sich Pflege anfühlt, wenn wir die Attribute „schmutzig“ und „schwer“ beiseitelegen?
Hab keine Angst vor Begriffen wie „anstrengend“, „anspruchsvoll“, „präsent“ oder „konzentriert“.

In beiden Bereichen verbessern wir die Qualität und steigern die Lust am Tun, indem wir Herz, Hirn und Hand gleichzeitig und -wertig nutzen:
  • Mit dem „Herzen“ lassen wir uns auf unser Gegenüber ein – und lassen es wieder aus.
  • Das „Hirn“ steht für Techniken, Methoden, Erfahrungen verknüpfen, Bewerten und Planung.
  • Die „Hand“ bildet unser Tun ab. 
Nur drüber nachdenken bringt gar nix, ganz in echt „einfach mal machen“ hilft uns in beiden Bereichen.


Ob Tango von der Arbeit lernt oder vice versa ist doch egal, oder?
Und weil Tango und Pflege höchst bodenständig sind, landen wir unverzüglich auf selbigem und beginnen die Betrachtung bei den Füßen:

High Heels vs. Gummi-Clogs

„Bist du nicht eitel?“, fragt mich eine Tangotänzerin. Ich binde mir die Schnürsenkel meiner halbhohen Sneakers (vernünftig, schwarz) mit Doppelknoten fest und grinse. „Doch, sehr sogar. Ich will TANZEN und DABEI gut aussehen.“

Ich habe keine Lust, dass irgendein DING meine Bewegungen einschränkt oder sogar unmöglich macht. Springen mit Stilettos ist gefährlich.

Einige Jahre und Blasenpflasterfamilienpackungen später weiß ich, dass frei bewegliche Zehen guten Stand, in Folge stabile Balance in Aktion ermöglichen.

Dürfen die Füße beim Gehen/Tanzen entspannt über die Zehen abrollen, ermöglichst du deinen Kniegelenken, den Bodenkontakt sanft abzufedern. Die Leisten öffnen sich, die Bewegung beginnt wohlig gefühlt schon in der Taille. So werden deine Schritte mühelos lang und geschmeidig. Die Hand deines Partners auf deinem Rücken spürt deine Schritte und muss nicht mehr auf die Füße gucken: eine feine Art, tänzerisch-körperlich zu kommunizieren. Hochsinnlich!

Lässt du deine Füße laut biomechanischer Stellenbeschreibung arbeiten, danken sie dir mit entspannter Leichtigkeit im ganzen Körper. Das hilft enorm bei Drehungen und versüßt dir sämtlichen Tangospielereien. Konkret für Aficionados im Tangosprech: Ochos, Boleos, Ganchos und sonstigen „...os“. So lässt es sich wohlig über die Fläche schweben.
Und das Lächeln glitzert nicht am Schuh, sondern aus den Augen.

So viel zu meiner „Eitelkeit“.


Die weiße Lederpantolette zieht ihr Näschen nach oben. „Aber ICH habe FERSENRIEMEN“ –
„...den deine Trägerin eh nie nach hinten klappt,“ mümmelt der hellblaue Gummi-Clog. „MICH kann man ABWASCHEN und DESINFIZIEREN.“ Theoretisch. Das rote Preisschild (2,99 €) leuchtet am seitlichen Rand. Die früher endemisch vorkommenden Birkenstöcker wurden nahezu vollständig von der Gummi-Clogs-Familie verdrängt. Sympathisch ist mir keiner davon.

Solche Schuhe fühlen sich an, als würde man mit Eimern an den Füßen durch die Gegend latschen. Cowboyartig breitbeinig, im Passgang – bereit zum Duell in der flirrenden Mittagssonne mit „dem Rückenschmerz“, dem allgegenwärtigen Begleiter Pflegender.

Diesen Zeitgenossen kann ich nicht leiden. Ich mag nicht leiden.
Beim Tangotanzen stört er auch immens.

Aber es gibt ein paar Möglichkeiten, ihm den Auftritt zu versauen:


Die Schuhe

 

Ganz bodenständig und einfach sind ein Paar Schuh', die deine Füße artgerecht arbeiten lassen und deine Bewegungen im ganzen Körper elegant-entspannt unterstützen.

Mein Vater – er war auch Pfleger – nannte seine liebevoll „Stationsschleicher“, erstanden im Italienurlaub: weich besohlte Herrenschnürer, „comme il faut“ – weiß, natürlich echtledern. Im Gesamtbild trotz Pflegerkittel eine schnieke Erscheinung, die so manches Diakonissenherz zum Leuchten brachte. (Aber das nur am Rande, mit der „Arbeitskleidung und ihrer Wirkung“ beschäftigen wir uns ein andermal.)

Ich trage in der Arbeit gerne schwarze Jazzschuhe aus weichem Leder mit durchgehender Gummisohle. In der ambulanten Intensivpflege wird Weiß nicht zwingend verlangt, was mir ganz recht ist: Schwarz „dreckelt“ weniger.

Füße entspannen


Versuche einmal, z.B. bei der Grundpflege ganz bewusst deine Füße zu beobachten:
  • Ziehst du die Zehen nach oben? 
  • Krallst du sie zusammen? 
  • Oder liegen sie locker-flockig im Schuh? 
  • Wo platzierst du das Gewicht, eher auf dem Ballen oder auf der Ferse? Am Außen- oder Innenrand? 
  • Was passiert weiter oben, in Knöcheln und Knien, wenn du guten, entspannten Bodenkontakt spürst? 
  • Lösen sich Spannungen in Beinen und Hüften? 
  • Spürst du, wie dich die langen Röhrenknochen tragen? 
  • Mit erstaunlich wenig Anstrengung?
Deine Füße sind deine Freunde. Die können das schon, wenn man sie lässt.
Erholen in „Teilpause“ samt Energiesparen.

So hast du bald mehr Reserven übrig – im Rest deines Körpers und am Feierabend.


Verwurzeln


Um (uns mit) Patienten in der Schwerkraft zu bewegen, brauchen wir entweder Muckis wie eine Superheld oder Hebel. Diese physikalische Tatsache erlaubt mir Fliegengewicht Menschen im Bett zu drehen, zu lagern etc., die doppelt so schwer daherkommen. In der ambulanten Intensivpflege bin ich nun mal allein mit meinem Klienten.

Die Füße im Boden zu verwurzeln, erlaubt dir, dein eigenes Körpergewicht optimal einzusetzen, wenn du Hebel nutzt. Dann geht alles viel leichter!


Pause


Die oben im Tangoabschnitt beschriebene Leichtigkeit beim fußabrollenden Gehen wirkt hier als entspannende Rückengymnastik. Ganz einfach dadurch, dass die so eingeleiteten Bein- und Beckenbewegungen leichte Drehungen im Brustwirbelbereich auslösen.

Ganz nebenbei vertieft sich die Atmung. Wir werden gelassener, stressresistenter. Ein guter Stand schenkt Balance für die Seele.

Energiesparen, Entspannen und Gymnastik einfach nur beim Gehen – oder für Pflegeleute „Eilen“ – ohne zusätzlichen Zeitaufwand am Feierabend ist doch fein?


Fazit


Highheels vs. Gummi-Clogs?
… and the winner is... ?
Na, das, was drinsteckt in den Schuhen!

Wer hätt's gedacht? Die Füße!

Auch wenn dir deine Füße so weit entfernt scheinen wie Timbuktu, lohnt es sich, ihnen zu lauschen. Dann flüstern sie dir, was sie brauchen und was sie alles können, wenn du sie lässt. (Obacht: „Glitziglänzi-Peeptoes“ oder das Plastikschuh-Preisargument kommen von oben aus dem HIRN!)

Dürfen deine Füße artgerecht gewandet arbeiten, profitiert dein ganzes System: Tango und/oder Pflegearbeit werden leichter, geschmeidiger und schenken (wieder?) Genuss an der Bewegung.


Probier's aus, viel Vergnügen! 

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel





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Einen Tango lang die Füße verwöhnen

Egal, ob du in der Pflege arbeitest oder dich beim Tango verausgabst (oder beides), das kennst du bestimmt: "wehe Hinterpfoten".

Deine Füße haben es doch verdient, ab und zu verwöhnt zu werden: Im Video zeige ich dir, wie du sie vor dem Tango aufwärmen und anschließend leicht-geschmeidig tanzen kannst. Auch deine Balance - z.B. bei Drehungen - verbessert sich zwangsläufig. Oder einfach nach einem anstrengenden Tag bzw. intensiver Milonga Spannungen abbauen.

Für Pflegende: Auch dein Patient wird schnurren, wenn du ihm/ihr die Füße durchbewegst. Neben der positiven Wirkung auf die Stimmung wird er/sie stabiler stehen, z.B. beim Transfer, und dir so die Arbeit erleichtern. Die mobilisierende Fußmassage ist ein feines Werkzeug zur Spitzfuß- und Sturzprophylaxe.

Sie dauert nicht lange, nämlich genau einen Tango lang, wohlig untermalt von meinen Lieblings-Tango-Musikerinnen des Duo Tango Varieté.

Bewege die Füße sanft und achtsam. Sie werden es dir danken.

Mit lieben Grüß' an deine Füß'!
Herzlichst, Manuela Bößel


Eine ausführliche, schrittweise und natürlich illustrierte Anleitung mit wertvollen Hintergrundinformationen findest du hier:
Die mobilisierende Fußmassage aus der *tangofish * Schatzkiste






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