Freitag, 29. Juli 2016

Lust-Neider: 11 Tipps, wie du deinen Genuss minderst




Kennst du das?

Nach einer äußerst wohligen Mission - es muss gar nix Besonderes sein, Tango zum Beispiel - kommst du zufrieden schnurrend zur Türe herein, vielleicht ein fröhliches Liedlein pfeifend. Dein Blut durchströmt dich lebenslusttransportierend, verteilt lässig flirrende Leichtigkeit von den Zehen bis zum Scheitel. Im Bauch hat sich sanfte Seligkeit eingenistet.

Und da sitzt er am Tisch: DER LUST-NEIDER!
Seine Mundwinkel merkeln zentnerschwer ob deines unangemessenen Zustands. Und eh du dich versiehst, rollt er dir dein leuchtendes Goldstück aus der Aura.

Wie kannst du nur so EGOISTISCH sein!
Dir so eine geschmacklose Freiheit herausnehmen!

Es dir einfach gutgehen lassen?
Einfach tun, was dir guttut!

Neben dem "Lust-Neider" (maskulin) exisitiert natürlich auch eine weibliche Form - intern und extern. Wegen der besseren Schreib- und Lesbarkeit sowie des weniger komplexen Erscheinungsbilds erlaube ich mir im Text die männliche Schreibweise.

Wenn du nicht aufpasst, könnte es passieren, dass sich dieses Lebewesen ein "Besch" wachsen lässt und sich so zum aggressiveren Lust-Beschneider entwickelt.


Dein Leben zu genießen und die daraus folgende Gesundheit steht dir schließlich nicht zu!
Also, beherzige folgende Tipps!
Sonst beißt er.

11 Tipps für den Umgang mit einem Lust-Neider


Du musst wirklich hart an dir arbeiten - gerade, wenn du es schon gewöhnt bist, genüssliche Sternschnuppen in Herz und Frisur zu tragen.
Versuche unbedingt, die Umsetzung aller Ratschläge innerhalb von drei Wochen zu vollziehen. Das ist nicht schaffbar und wird dich ganz bequem runterziehen.

Alle Punkte steigern deine Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin. So steigerst du verlässlich eine entzündliche Grundsituation in deinem Körper, die als Auslöser für Gefäß- und verschiedene Autoimmunkrankheiten, Adipositas und Typ II-Diabetes gehandelt werden. Deine Grant-Reizschwelle wird sich senken, schlechte Laune sicherstellend.

Zur Verdeutlichung der Tipps nutze ich Tangosituationen. Ersetze als Nicht-TangotänzerIn einfach den Begriff "Tango" gegen deine egozentrische Lieblingsbeschäftigung.

1. Achte auf dein Äußeres.


Das sollte so schwer nicht sein:
Jeder beherbergt in seinem Kleiderschrank Stücke oder Fehlkäufe, die einen gewiss unvorteilhaft aussehen lassen. Ob es die Farbe ist, die deinen Teint fahl färbt und deine Augenringe betont, oder du lieber Teile wählst, die dich zu dick aussehen lassen, bleibt dir überlassen.

Im Notfall kannst du einfach dein T-Shirts, Hosen, etc. ganz lange im Trockner liegen lassen. Dann sehen sie aus, als hättest du darin geschlafen und betonen lässig deine lustlose Wurstigkeit. Flächengroßzügig verarbeiteter Baumwollripp in Weiß für drunter vermittelt hübsch matronige Unattraktivität.

Als günstig beim Tango hat sich zwickende Gewandung bewährt, die sicherstellt, dass du dich nicht zu ausdrucksvoll bewegst (siehe Tipp 8). Versetzte hierzu einfach den Bundknopf an Rock oder Hose und wähle deine Schuhe eine Nummer kleiner.

Wasche deine Haare in größeren Abständen. Verwende Shampoo, das dem Gegenteil deines Haartyps entspricht. Eine große Auswahl findest du in gut sortierten Drogerien.

Verwende deinen Kajalstift, um dir unlustvolle Gedanken auf dem Badezimmerspiegel zu notieren, ein Lippenstift eignet sich prima für Unterstreichungen. Im Gesicht hat Farbe fortan nichts mehr zu suchen.

Ersetze dein Parfüm durch Küchendunst. Der Duft von dort, wo du hingehörst, wird deinen hauseigenen Lust-Neider zufrieden stimmen und die Zahl der potentiellen Tanzpartner reduzieren.


2. Verstecke jeglichen Ausdruck von Genuss. 


Übe vor dem Spiegel verkehrt herum zu lächeln. Stell dir vor, in deinen Mundwinkeln hingen kleine Gewichte. Es könnte sein, dass du dabei lachen musst. Aber gib nicht auf! Bei konsequentem Training wird sich deine Laune zuverlässig depravieren - innen und sichtbar im Außen.

Falls du dir das Vor-dich-hin-singen einfach nicht abgewöhnen kannst, benutze bearbeitete Tangotexte. Eine lustfreie Version von "Malena" findest du hier. Ausdrucken und auswendig lernen!


3. Arbeite an deinen Schuldgefühlen.

 

Achte auf das kleinste Anklingen von schlechtem Gewissen, Schuld und Scham in Herz und Hirn. Benenne es, arbeite es sorgfältig wortreich aus. Ein Tagebuch kann dir hierbei helfen.

Verwebe den Begriff "Egoismus" fest in deinen Gedankenschleifen. So bleibt diese Gefühlsgruppe sicher verankert und du kannst sie bei Bedarf schnell abrufen.

Bleibe bei diesen Emotionen während der gesamten Milonga. Das sichert verkrampftes Tanzen und verhindert beschwingten Genuss, den du sonst vielleicht mit nach Hause gebracht hättest!


4. Definiere deinen Milongabesuch neu.


Tango hat wirklich nichts, gar nichts mit Spaß zu tun! 
Argumentiere mit körperlichem Funktionserhalt und Depressionsprophylaxe. Mit einer echten Depression und schwerer Antriebslosigkeit bist du für den Lust-Neider nicht zu gebrauchen.

Die Seniorengymnastikgruppe turnt an Terminen, die für dich nicht in Frage kommen. Alleine spazieren oder joggen gehen ist heutzutage viel zu gefährlich! Da bleibt nur die Traditions-Milonga in deinem  Heimatort. Gut, dass dort nur unaufgeregte Musik gespielt wird. Vielleicht hast du Glück und findest hier einen Tangolehrer, der Fortschritte dein Tanzen betreffend erfolgreich verhindert.


5. Lege eine grübelige Sorgenliste und Sorgenschachtel an.


Wenn du meinst, nicht genug Sorgen zu haben, weit gefehlt!
Du musst nur suchen. Gewöhne dir an, vor dem Einschlafen deinen grübelig-bangen Befürchtungen eine Bühne zu geben. Lade deine Kümmernisse ein. Im Zwielicht des nahenden Unbewussten spitzeln sie gerne so weit hervor, dass du sie packen und notieren kannst, um sie tagsüber gebührend zu pflegen.

Visualisiere regelmäßig deine Misserfolge in bunten Bildern und spüre den zughörigen Emotionen gründlich nach.

Hilfreich ist auch eine "Sorgenschachtel". Sammle hier die Dinge, die Gefühle an schlimme Zeiten konservieren. Gerüche wirken besonders gut, da sie den Verstand umgehen und direkt im Unterbewussten triggern. Stöbere in dieser Schachtel immer dann, wenn sich Lebenslust ankündigt.


6. Halte deine ToDo-Liste so lang wie möglich.


Stelle  sicher, dass am Ende des Tages mindestens drei Priorität 1- Punkte auf deiner Aufgabenliste unerledigt bleiben. (Alle Aufgaben bekommen das Prädikat "höchst wichtig" = 1) Du kannst diese drei einfach öfters verwenden, indem du sie auf den jeweils nächsten Tag überträgst.

Erledige mindestens drei Dinge auf einmal. Dabei geht auf jeden Fall etwas schief, was dir ganz einfach deinen Eustress in Dysstress updated.



7. Achte auf deine Ernährung.


Iss möglichst konfektionierte, nahrungsmittelähnliche Produkte. Die schmecken übel und enthalten kaum Nährstoffe. Wenn deine Oma ein solches als "nicht essbar" einstufen würde, liegst du mit deiner Wahl schon ziemlich gut! Enthält das Zeugs auch noch Transfette, bist du auf dem besten Weg.

Kohlehydrate führst du am besten in Form von Süßigkeiten und Weißmehl zu, das hält deinen Blutzuckerspiegel unstabil und sorgt so ganz bequem für Stimmungs- und Konzentrationsabstürze.

Frische Früchte und Gemüse mit ihren Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen sollten tabu sein, ebenso wie Öle mit hohem Omega-3-Fettsäureanteil. Dein Immunsystem wird es dir mit wiederkehrenden Erkältungen oder sogar einer kleinen Autoimmungeschichte danken.

Lege die Hauptmahlzeit des Tages auf spätabends, kurz bevor du ins Bett gehst. Das hält dich lange genug wach, um an deiner Sorgenliste zu arbeiten. Die Blähungen mit Bauchgrummeln am Folgetag kannst du als Argument verwenden, den Tango auszulassen.


8. Verschlanke deinen Schlaf.


Schlafe weniger als 6 Stunden. Schau dir vor dem Niederlegen regelmäßig schlimme Nachrichten, Filme etc. an. Das erhöht den körpereigenen Stress. Deinem Gehirn und seinem unterbewussten Keller ist es egal, ob du selber in der Situation steckst, solange du das Gesehene mit Emotionen auflädst. Das steigert deine Stresshormone und füttert die Kreativität, um deine Sorgenliste zu befüllen.

Bleibe bis zum bitteren Ende auf der Tangoveranstaltung. Müheloses Desillusionieren wird sehr einfach möglich, wenn du den Saal und die anderen Tangomenschen bei Putzlicht betrachtest. Und die Restnacht schenkt dir wenig genug Ruhezeit bis zum Weckerklingeln. Besonders, wenn du brav deine Grübel-Routine vor dem Einschlafen erledigst.


9. Bewege dich so wenig wie möglich.

Stundenlanges Stillsitzen hast du ja wahrscheinlich in der Schule gelernt. Also hör auf zu zappeln! Stelle alles bereit, was du brauchst, vorher in Griffnähe bereit. So musst du nicht immer wieder aufstehen. Achte auf eine geringe Flüssigkeitszufuhr, um die Toilettengänge zu reduzieren.

Dass du den Aufzug statt Treppe und Auto statt Fahrrad benutzt, versteht sich von selber.

Wähle eine Tangoveranstaltung, bei der auf Códigos Wert gelegt wird. Die Freiheit von exibitionistischen Gefühlsausbrüchen sowie umarmungsfokussiertes langsames Agieren in der Ronda halten dich von der ungezügelten, unangebrachten Bewegungsversuchung fern. Entscheide dich für Tangounterricht, bei dem dein Lehrer möglichst viel Unterrichtszeit mit Sprechen belegt. So bleibt weniger Zeit zum Tanzen. Vielleicht kannst du im Unterricht auch deine Defizite gewinnbringend verabeiten und pflegen.

Obacht! Eine langweilige Milonga ist kein Garant für Lustbegrenzung! Ich habe gehört, dass es Tänzer geben soll, die gerade im gemächlichen, unaufgeregtem traditionellem Tango stehmeditierend ihre Glückseligkeit finden sollen. Die Symptome des Genießens äußern sich hier nur sehr subtil oder gar nicht. Gehörst du zu diesem Personenkreis, achte ganz besonders auf kleinste Anzeichen aufkommender Wonne. Bekämpfe diese schon im Ansatz! Wechsle gegebenenfalls zu einer Neolonga oder finde eine vegane Gruppe chronisch weltschmerzpushender Gutmenschen.

Bleibe passiv! Als Geführte kannst du getrost auf eigenen Ausdruck beim Tanzen verzichten. Lehne dich an deinen Partner und vermittle nachdrücklich, dass du umfällst, wenn er dich nicht hält. Überlasse ihm jegliche Interpretation der Musik. Das geht dich nichts an. Versuche mit all deiner Kraft, dich wie ein lebloses Tanzgerät zu fühlen - nicht wie eine schöne Frau, selbstbewusst und elegant. So ein Unsinn! Das erhöht die Spannung und verholzt deine Bewegungen in Leib und Seele. Dann hat die Lust keine Chance mehr.




10. Isoliere dich von deinem sozialen Netzwerk oder such dir ein Umfeld, dass dich runterzieht.


Lass den Kontakt zu alten Freunden, die dich so nehmen wie du bist, einschlafen. Auch von wohlwollende Menschen, die dich vielleicht sogar unterstützen, sollst du dich fernhalten. Das Gefühl von Dankbarkeit oder liebevolle Gedanken können Warnzeichen sein! Auch das Lachen beim Tango! Höre und handle! Halte dich fern von solchen Personen, vor allem, wenn sie versuchen dich von deinen Egoismusdefinitionen abzubringen, und dich zu lustvollen Aktionen ermuntern!

Achte lieber auf regelmäßigen Kontakt zu Personen, die dich und dein Tun in Frage stellen. Gerne werden sie dir immer wieder deine egositischen Fehler und Versäumnisse reflektieren. Das hilft, um deine Schuldgefühle quietschlebendig zu halten.


11. Übe erotische Enthaltsamkeit.



Eine begehrenswerte Person zu sein, kannst du schon mit den Tipps zum Äußeren nahezu gegen Null laufen lassen. Allerdings müssen auch die inneren Deblockierungen bearbeitet werden. Nutze Affirmationen wie "Gott (oder wer auch immer), wandle mich zu einem grauen Schatten, nimm dein Licht von mir, auf dass ich mich als Neutrum fühle".

Aufgepasst! Schon das Aufhalten der Türe durch einen Gentleman kann Erotik vermitteln. Tür aufmachen kannst du doch selber! Von konkretem Sex mit Anfassen, allein oder zu zweit, wird dringendst abgeraten! Selbst Zärtlichkeiten oder Kuscheln - und wenn es nur deine Hauskatze ist - lassen deinen Oxytocinspiegel gefährlich ansteigen. Die Folge: Du fühlst dich unangemessen egoistisch wohl.

Der Tango muss heute nicht mehr zwangsläufig sinnlich oder gar erotisch daherkommen, und die Tänzer sowie Tänzerinnen schon gar nicht! Probiere einfach verschiedene Milongas aus - die Wahrscheinlichkeit, ein nonsinnliches Ambiente zu finden, ist inzwischen deutlich höher als früher.
Verändere deine Mirada vom Flirtblick zum Starren. Flüchte vor anzüglichen Cabeceoversuchen aufs Klo (wo du dich mit Verkehrtrum-Lächeln wieder in die richtige Stimmung versetzen kannst).

Setze beim Tanzen und bei erotischen Missionen konsequent den Ratschlag zur Passivität um. So vermeidest du das Prickeln recht einfach.



Falls du die 11 Tipps nicht beherzigst und umsetzt...


wirst du zwangsläufig mehr Lust und Genuß in dein Leben lassen. Deine Stresshormone (z.B. Cortisol und Adrenalin) werden sich fürchterlich reduzieren, was innere Entzündungsvorgänge abflauen lässt. Dann hast du's wesentlich schwerer, Typ II-Diabetiker zu werden, eine Autoimmungeschichte zu entwickeln oder deine Gefäße zu verstopfen. Dein Immunsystem wird effektiver arbeiten, ewige wiederkehrende Schnupfenschleifen adé! Vielleicht nimmst du sogar ab! Deine Stimmung wird sich automatisch heben.

Wenn es dir auch noch leichter fällt, deine Gedanken zu klären, konzentriert sowie effektiv zu werkeln oder besser zu schlafen...
Vielleicht kommt dir dann die Idee, den Lust-Neider zu ignorieren oder gar aus deinem Leben zu entfernen.
Nicht auszudenken!

Wo soll das nur hinführen?


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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Dienstag, 19. Juli 2016

Ein bissel mehr auf den Boden, bitte...

... im Tango heutzutage.

... und drei bodenständige Ansätze, um den Blutdruck zu senken...




Früher, in ganz alten Zeiten, anno dazumal, war der Tango bodenständig. Im wörtlichsten Sinne. Straßenpflaster statt Schwingbodenparkett. Die Menschen damals tanzten ihn mit ihrem wahrscheinlich einzigen Paar Schuhe, aber glücklich und voller Lebenslust trotz - oder gerade wegen - so schwieriger Lebensumstände, wie wir sie uns heute nur noch ansatzweise vorstellen können.  Sie fütterten ihn mit ihren Leidenschaften, und Musiker aus verschiedensten Ländern schneiderten ihm sein verrücktes, kunterbuntes Gewand.

Einfach so!
Einfach nur tanzen!

Ohne an kompliziert formulierte Befindlichkeitsschwurbeleien in Fremdsprache zu denken oder den Tango philosophisch betrachtend zu überhöhen, wie es heute gern und oft praktiziert wird.

Einfach nur Tango tanzen
und in der restlichen Zeit
das Leben meistern.

Mir ist schon klar, dass man das Rad der Zeit nicht zurückdrehen kann. Rückblicke neigen zur romantischen Verklärtheit. Der Alltag für die Tangotänzer damals war gewiss nicht einfach, und du bist bestimmt genauso glücklich wie ich über ein eigenes Klo in der Wohnung, fließendes Wasser aus der Leitung in Trinkqualität, kostenlose Schulbildung und gesunde Nahrungsmittel in Hülle und Fülle.

Die Idee der Einfachheit

ist es wert,  finde ich, im Heute wieder mehr gepflegt zu werden: im Tango und in der Heilkunde.

Als schönes Beispiel dient (mal wieder ;) der hohe Blutdruck, das böse Schreckgespenst...
Wieviele Menschen jenseits der Sechzig kennst du, die keine Blutdrucksenker schlucken, oder wenigstens als "essentielle Hypertoniker" geführt werden? Es geht schon los bei der Feststellung.

 

Fehlerquellen beim Messen: 

So simpel kommst du vielleicht zu deinem Bluthochdruck:
 
Geh einfach zu einem Arzt, von dem du ein Untersuchungsergebnis erhalten sollst, z.B. ob dein Fleck ein Muttermal war oder ein Melanom sein könnt', und lass dir den Blutdruck messen.

Erledigt das der Herr Doktor selber, dann bedenke, dass der untere Wert (der diastolische) mit dem Alter des Arztes steigt. Notiert werden soll der Wert, wenn beim Ablassen der Luft aus der Manschette nichts mehr zu hören ist - nicht der letzte oft zarte Ton. Das wird bei nachlassendem Gehör schwierig. Der "Notationsfehler" ist aber auch bei jüngeren beliebt, die es nicht besser wissen.

Dass Spargelamazonen wie ich die gleiche Manschette umgelegt bekommen wie der Sumoringer, der vorher dran war, kenne ich seit meiner Ausbildungszeit. Das wäre an sich nicht so schlimm, wenn die daraus resultierenden Fehler einfach mit berechnet würden: Verwendest du eine Normalmanschette, bringt schon ein 30 cm dicker Arm 10 mm systolisch und 15 mm diastolisch mehr auf der Skala. Ist der Arm noch umfangreicher, kannst du auch bis zu saftigen 30 mm mehr gemessen bekommen als tatsächlich vorhanden sind! Auch eine zu locker angelegte Manschette oder Sprechen während der Messung verfälschen die Werte Richtung oben.

Die Langzeitmessung zeigt wahrscheinlich ziemlich verlässlich ein paar Spitzenwerte - es sei denn, dein Leben ist wirklich schrecklich langweilig. Zur Melanom-Frage gesellt sich die Aufregung um den Hochdruck. Außerdem bist du vielleicht schon "alt genug" oder nimmst schon seit ein paar Jahren Betablocker oder ähnliches. Vor der Verordnung damals wurden natürlich sämtliche sonstige Auslöser wie Nieren etc. gecheckt mit Ergebnis: Man weiß nix genaues, Blutdruck ist halt hoch, also essentiell. Dann bekommst du den Stempel "chronisch essentielle Hypertonie" nicht mehr so leicht von der Hacke und aus der Akte, auch wenn sich die vor einigen Jahren belastende Lebenssituation zum Guten gewendet hat.

Ein dauerhaft zu hoher Druck ist ungesund, kein Zweifel. Aber dieser sollt' schon vorher ordentlich nachgewiesen sein. Das einfach scheinende Blutdruckmessen ist eine Methode, die Können erfordert: Sauber messen lassen über einen längeren Zeitraum, von jemanden, der sein Handwerk beherrscht.

Dazu braucht der- oder diejenige ein handtaschenkompatibles Gerät, am besten ein stromunabhängiges (da weniger fehleranfällig) und saubere Ohrwatscheln: kostengünstig, einfach und geschwind durchzuführen.

Das muss die Basis vor der Therapie sein!
Ganz einfach!

Der heutige Tango bräuchte ebenso eine klare Diagnosestellung, ob er denn wirklich krankt, und eine Therapie mit Códigos etc. überhaupt nötig ist. Ich befürchte, mancherorts will man es lieber nicht so genau wissen. Der Tango, den ich vorgestern getroffen habe, schien mir pumperlg'sund.


Exakt gemessen. Zu hoch. Und was jetzt?

Zum Einstieg in die Therapie (oder Ausstieg aus der bestehenden) bieten sich meiner Erfahrung nach drei einfache Maßnahmen an.

Die Nebenwirkung bei der Kombination der drei Ansätze ist zu verkraften: Du wirst dich insgesamt wohler fühlen - leichter - physisch und psychisch. Falls du medikamentenpflichtig bist, kannst du vielleicht nach einiger Zeit die Dosis reduzieren oder die Blutdrucksenker ganz absetzen. (Bitte nur in Absprache mit dem Heilkundler deines Vertrauens, unter Kontrolle!)

1. Gut essen - abwechslungsreich mit viel Sonne

Iss möglichst wenig konfektionierte Nahrung oder gar nahrungsmittelähnliche Produkte (Fertigpizza etc.). Lieber Frisches, viel Gemüse - das nicht roh sein muss. Versuche den Wurstanteil gering zu halten. Fisch ist günstiger oder eine kleine (weniger als ein Pfund, meine Herrn) Portion gutes (!) Fleisch. Mit Verlaub - tote Tiere, die vorher wenigstens ein schönes Leben haben durften, schmecken besser.

Nicht kochen können ist keine Ausrede! Ob du dir von Jamie Oliver internettisch oder Schuhbeck live im Kochkurs helfen lässt, bleibt dir überlassen. Hier findest du als Anregung eine feine Auswahl von köstlichen Spezialmahlzeiten, die helfen können, deinen Blutdruck mittelfristig zu senken: http://www.ndr.de/ratgeber/kochen/rezepte/rezeptdb230.html

Rote Bete-Saft enthält einen Wirkstoff, der die Gefäße erweitert und auf diese Weise mithelfen kann, den Blutdruck zu senken. Das enthaltene Nitrat wird mit dem Speichel zu Nitrit abgebaut. Also lange genug im Mund verweilen lassen ;) Geschmacklich mag dieser Saft nicht der Burner sein, schädigt dafür aber weder deine Leber noch die Nieren. Empfohlen wird ein halber Liter täglich.

Mit frischen Kräutern, Gewürzen und hochwertigen Ölen lässt sich Gemüse sogar für hartnäckige Fleischitarier zufriedenstellend zubereiten. Nebenbei wirken manche Zugaben wie Medizin. Aber dazu wird ein eigener Blogbeitrag fällig ;)

Beim Tango bevorzuge ich den Unkonfektionierten, den Hausgemachten, den mit einzeln herausschmeckbaren Stimmungen und den duftenden Gewürzen, die mein Tanzpartner und ich heute hinmischen möchten. Abwechslungsreich und frisch. Das nährt die Seele.


2. Aderlass und Ausmisten

Klingt archaisch nach Doktor Eisenbarth, kann aber auch helfen, den Blutdruck langfristig und nachhaltig zu senken. In einer Studie der Berliner Charité zeigte sich, dass bei einigen Patienten, die alle drei Monate Blut spendeten (die "moderne" Form des Aderlasses, macht weniger Sauerei) sich der Blutdruck senkte. Teilweise konnte die Medikamentendosis reduziert oder ganz abgesetzt werden.

Vermutlich bilden sich nach der Blutspende neue Erythrozyten. Diese seien elastischer und schlüpfen wohl geschmeidiger durch's Gefäßsystem. So wäre weniger Druck nötig, um das Blut durch den Körper zu pumpen.

... und das Rote Kreuz kann seine Lager füllen.


Altes, Starres, nicht mehr Verwertbares loszuwerden tut uns und auch dem Tango gut. Die Seele und Beziehungen entrümpeln, entsorgen oder schlucken, verdauen, den Rest... na, du weißt schon. Dann hat das aktuelle Leben genug Platz.

Wenn also wieder ein Milongagast den gemischt auflegenden Tango-DJ drohend unter Druck setzt: "Wenn jetzt dann keinen richtigen Tango auflegst, geh ich fei!", wünsche ich mir einen Milonga-Aderlass: Soll der Bitterdrops halt gehen! Die Verbleibenden, der Tango und seine Tänzer, können dann leichter fließen... Standardtreue Deckeldosen für saure Gutsis gibt's genug.



3. Bewegen... zuerst innen, dann außen

Ganz tief drinnen wohnt bei den meisten Menschen der innere Schweinehund. Manche geben ihm sogar einen Namen: "Horst" oder so. Bewegen will der sich nicht! Weder mental noch körperlich.

Aber irgendeine Tätigkeit findet sich immer, die unser "Horst" nicht als "Bäh-Sport" erkennt.
Die Bilanz muss stimmen, die Formel dazu kommt ganz einfach daher:
"Direkt spürbare Lebenslust" minus "Aufraffen und Durchführen der Aktion" ist gleich schweinehundumgehende Wohlfühl-Tätigkeit.

Sei kreativ, probiere aus, bilanziere!

Dann wird deine Bewegung - welche auch immer - nicht mehr lästig, sondern notwendig. Du wirst sie brauchen, wie einen guten Freund, und nicht mehr aus deinem Leben lassen wollen.

Die Nebenwirkungen sind dir wahrscheinlich eh klar: Gewichtsabnahme und bessere Stimmung.

Wir sind geschaffen, um uns zu bewegen - mit Leib und Seele.

Mit Träumen und g'spinnerten Ideen im Gepäck
an's andere Ende der Welt ausgewandert...
Hart gearbeitet,
getanzt wie der Lump' am Stecken.

Hätten das die Tangoproletarier zu Urzeiten nicht gemacht,
einfach so,
hätten sie nicht überlebt.
Und der Tango wäre gar nicht erst entstanden.
Dank' euch, ihr mutigen Leut', in den Himmel hinauf!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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Mittwoch, 6. Juli 2016

Der Geschmack von Tomaten



Eine Liebeserklärung


Komm, wir spazieren ein wenig durch den Garten:
den SOMMER! schmecken...

Blütenduftende Hochzeitsgewänder
streicheln nackte Haut.
Verliebte Versprechen fliegen durch die Luft.
Zeit, vom Vogelgezwitscher und
den letzten Walderdbeeren zu naschen.

Die Blüten der Ringelblume haben sich
früh am Morgen schon geöffnet:
Die Luft sirrt, erzählt von süßer Hitze und Feuer.
Thymian spitzt die Ohren und zaubert uralte
Geschichten von Sonne, Liebe und Mut herbei.
Das Leben feiert sich selbst: Schwitzend tanzt es,
lustberauscht, in zwingendem Rhythmus.

Tomatenstöcke verteilen ihren kantig strengen
Nachtschattenduft auf der Terrasse -
grüne, bald sonnenleuchtende Kostbarkeiten bildend,
die diesen sirrend-lebendigen Irrsinn in sich bergen.
Bereit zum wohligen Verzehr.
Nicht umsonst nennen sie sich Paradeiser.

... die ersten Tomaten des Sommers!

 

Welche Sorte magst du am liebsten?



Den Klassiker: 
Kugelrund und und knallerot? Etwa so groß wie der Kreis, wenn sich die Spitzen von Daumen und Mittelfinger berühren? Noch sonnenwarm, direkt abgepflückt vom Strauch?
Die Fuchsbandwurmgefahr einfach mal ausnahmsweise ignorierend?
In saubere Achtel geschnitten, mit Salz und Pfeffer auf einem Brotzeitbrettle angerichtet?

Die Winzlinge:
Gelb, rot, orange oder ganz dunkel kommen sie daher. Quietschbunt murmelig laden sie dich ein, im Vorbeigehen zu naschen - einfach süß in Geschmack und Auftreten. Manchmal überraschen fruchtig erfrischende Säurekicks oder erdige Anklänge den Gaumen.

Die Fleischtomate und das Ochsenherz:
Die Sumoringerfraktion! Ein bissel zurückhaltend im Geschmack, dafür groß und fett wie der Kopf einer dicken Katze bieten sie genug Material für feine Saucen oder Raum für Füllungen. In meiner Kindheit, als vegane Ideen die Küchen noch nicht erreicht hatten, ließen sich die Dickwänste gerne mit Fleischsalat füllen.

Die Eiertomate:
Unsere italienischen Freunde lassen sich aufgrund ihrer Form so schön in gleichmäßige Scheiben schneiden und mit Basilikum, Olivenöl und Balsamico als bildhübsche Caprese präsentieren.

Für die finsteren Monate bewahren sie uns ihr flirrendes Sommeraroma im Dosen-Winterquartier. Oder konzentriert auf's Wesentliche als Tomatenmark.

Genug gekostet. Es gibt so viele verschiedene, die können wir hier nicht alle probieren.


Der Geschmack von Tomaten?


Kannst du mir jetzt nach unserer Verkostung konkret sagen, was genau den Geschmack ausmacht, den "Tomate" an's Großhirn meldet? Leider habe ich das - trotz aufwändiger, langjähriger Recherche - noch nicht herausfinden können.

Ähnlich geht es mir, wenn ich versuche, den Geschmack von "Tango" zu definieren.

Schwer zu fassen, diese Nachtschattengewächse...

So sehr sich die Geschmäcker der verschiedenen Sorten auch unterscheiden - sogar die der einzelnen Früchte - noch niemals in meinem ganzen Leben habe ich eine Tomate rufen hören, sie wäre die einzig echte, die einzig wahre!

Trotzdem versucht die transatlantische Ketchup-Convention quasi verfassungsgebend ihr penetrant einseitiges Geschmackserleben zu konsolidieren: z.B. als eingetütelte Beigabe zu Fastfood. Auf dass ein jeder die Seele des Sommers mit den Produkten weltweiter Handelskonzerne in Verbindung bringe. 

Auch im Tango versucht einer der Anführer die naturgegebene Vielfalt mit aggressiver Schreibe totzuschlagen: "Tango Voice II: Das Grauen kehrt zurück" Angriff der Killertomate?

Aber wie bei der Herzraten-Variabilität erzeugt Gleichförmigkeit eher Gefahr: Die Lebendigkeit eines Systems nimmt ab, bis es schließlich stillsteht. Dann ist es tot.

Vielleicht sollte Herr Tangovoice regelmäßig mehr echte Tomaten verspeisen: Das enthaltene Lycopin soll helfen, das Schlaganfallrisiko zu vermindern und den Blutdruckdruck zu senken.

Da der Wirkstoff gekocht besser vom Körper verwertbar ist, schenke ich dir (und dem cholerischen Tangosektierer) mein unargentinisches Rezept für die

"Schwiegermutter-Beeindrucker-Tomatensauce".


ergibt ca. 1 Liter (den Rest einfrieren für neblige Zeiten, erhellt Pasta und Gemüt)

ca. 1 kg Tomaten deiner Wahl (Dosentomaten gehen auch)
Olivenöl
2 Knoblauchzehen
1 dicke Zwiebel
1/2 Apfel 
... alles kleingeschnitten

1 winzige Prise Zimt
1 Prise Kreuzkümmel
1 Prise Fenchelkörner
1 Glas Wein (süß oder trocken, weiß oder rot, wie's beliebt)

1 "türkische" Portion Petersilie
   (d.h. VIEL, mindestens eine gute Handvoll)

1 Esslöffel frische Kräuter (der Anführer: Thymian! Dazu vielleicht Basilikum, Oregano, ... was da ist und mit hinein möchte).


Die klein geschnittenen Zwiebeln im Öl anschwitzen, bis sie dir gelb aus der Pfanne entgegenduften. Die Apfelstückchen dazu geben, rühren, bis sie zerfallen. Mit dem Zimt, Fenchel und Kreuzkümmel würzen. Jetzt unbedingt die aufsteigenden Düfte genießen!

Den Knoblauch kurz mit anrösten. Obacht, wirklich nur kurz, er wird sonst bitter. Mit dem Wein die Röststoffe loskochen.
Dann die Tomaten mit hineinschütten und solange köcheln lassen, bis sich die Zutaten geschmacklich verbunden haben.
Grünkräuter dazu. Vom Herd nehmen.
Wenn du möchtest, pürieren.
 
Vor dem Servieren evtl. noch jeweils einen Schuss Wein und Olivenöl unterrühren und ab auf die Nudeln!

Lass dir schmecken!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel




Quellen / mehr zu diesem Thema:
http://www.carstens-stiftung.de/artikel/nur-fuer-tomatenfreunde.html
http://www.welt.de/gesundheit/article109711719/Tomaten-senken-Schlaganfallrisiko-drastisch.html
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