Mittwoch, 31. August 2016

Ballito-Bastelstube

Mit den Ballitos die Fußgewölbe massieren


Hast du schon mal einen Ikea-Schrank zusammengeschraubt?


Dann weißt du wahrscheinlich, dass es in diesem Fall absolut tödlich ist, sich einen Überblick verschaffen zu wollen. Der effektive "schwedische" Weg zum Möbelstück besteht in möglichst hirndumpfem Befolgen der Anleitung.

Fragst du "Warum ist das so?" und lässt deine rechte, die intuitive Hirnhälfte mitspielen, kommst du in Teufels Küche. Ein solcher Kauf bringt dir vielleicht eine neue Aufbewahrungsmöglichkeit in dein Leben, aber gewiss kein Verständnis für das Prinzip "So geht Schrank bauen" (oder gar Erleuchtung).


Ähnliches beobachte ich beim Tango und in der Medizin:


Wer beim Tango lediglich linkshirnig schritteorientiert vorgeht - im Sinne von "Jetzt den Fuß 30 cm in einem Winkel von soundsoviel Grad vor den anderen setzen, das Gewicht verlagern, während der Tanzpartner..." -  kann mit ganz viel Übung der angesagten Routine (=Schrittfolge) schon etwas Tangoähnliches entwickeln. Mit der Improvisation, also die gemeinsame Bewegung geschmeidig und flexibel in die Musik hineinzuweben, wird's allerdings schwierig.

Auch in der Medizin - speziell in der Pflege - wird der Ausführende mit "strukturprozessorientierten Vorgehensstandards" überschwemmt. So gestalten sich Vorgänge zwar messbar, blöd ist aber, dass die Menschen so verschieden sind und als Parameter wegfallen (müssen). Eine andere Möglichkeit ist, die Unterschiede einfach zu verneinen, jeden Heilkundeempfänger als  "gleich" anzunehmen. Da hinkt die Realität dann gehörig hinterher.

Das individuelle Eingehen auf den Patienten und seine speziellen Bedürfnisse sowie die Anpassung seines Heilungsweges wird so aus der Rechnung einfach hinausdividiert. Ein grundsätzliches Verständnis von Prinzipien und deren Wirkungen geht leider langsam verloren.


Wird bald jeder mögliche Handgriff (oder Tanzschritt) in einem Algorithmus erfasst werden? 


Zugegeben, manchmal sind ganz konkrete Anleitungen sinnvoll. Zum Beipiel in einer Notfallsituation, wenn Emotionen und die Betrachtung von Grundsätzlichem zu zeitraubend wären - oder wie in unserem Beispiel "Ikeaschrank" am Ziel vorbeiführten.



Verstehst du aber das Prinzip und die Wirkweise, kannst du "dein eigenes Ding bauen" und selbiges dynamisch-flexibel an deine Bedürfnisse sowie die Situation anpassen. 


Aus diesem Grund nenne ich dir in der "Ballito-Bastelstube" keine konkreten Grammangaben oder Ähnliches. Auch im E-Book "Die mobilisierende Fußmassage" stelle ich dir einzelne Module vor, die du nach Belieben zusammenfügen kannst.

Die Art der Massageball-Befüllung sowie die ungefähren Mengenangaben möchten lediglich Vorschläge sein. Verwende ruhig etwas anderes, was dir passender erscheint oder du in deinem Küchenschrank findest. Du darfst die Ballitos natürlich gerne umbennen ;)

Keine Hemmungen! Experimentiere! 
Der fast zu vernachlässigende Preis von Damenfeinsöckchen und des möglichen Inhalts der Ballitos rechtfertigt zahlreiche Versuche.

Das "Kostet-fast-nix"-Argument lege ich auch meinen Therapeuten-Kollegen an's Herz. So kannst du einfach und schnell für jeden Patienten sein eigenes Therapeutenspielzeug herstellen. Das ist hygienisch und persönlich.

Die Ballitos eignen sich auch ausgezeichnet zur Arbeit mit den Händen, z.B. für Greifübungen oder zur Handlagerung. Routinierten Bastelexperten - wie in Ergotherapiekreisen oft vertreten - fallen bestimmt noch zahlreiche Einsatzmöglichkeiten und bauliche Adaptionen ein.

Anmerkung nebenbei: Auch selbst entwickelte "Experimente" beim Tango kosten nix. Kein Blitz wird vom Himmel fahren, wenn du eine gelernte Schrittfolge einfach abwandelst!

Welche Verwendungsmöglichkeiten fallen dir neben der Fußverwöhnidee noch ein?


Et voilà: 

die "Ballito-Bastelstube" aus der * tangofish * Schatzkiste.

 

 


Wünsche fröhliche Bastelung!

Herzliche Grüße,
Manuela Bößel

P.S. Tausend Dank an die Musikerinnen vom Duo Tango Varieté (Karin Law Robinson-Riedl und Bettina Kollmannsberger) für die "Filmmusik"! Die beiden Damen sind für musikalische Einsätze buchbar.





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Samstag, 27. August 2016

E-Book: Die mobilisierende Fußmassage aus der * tangofish * Schatzkiste

Illustration aus "Die mobilisierende Fußmassage"


Eigentlich...
... ja, eigentlich wollte ich nur "mal schnell" ein kleines Skript zum Video "Einen Tango lang die Füße verwöhnen" für dich bereitstellen.

Schmerzende Füße scheinen immer häufiger zum Problem zu werden, egal, ob dein Geläuf tanz- oder arbeitsbelastet jammert.

Dabei genügen nur wenige Minuten, um die Pfoten wieder friedlich zu stimmen! Die mobilisierende Fußmassage aus der * tangofish * Schatzkiste ist geschwind durchgeführt. Im Video darfst du vorkosten:


Die Belohnungen sind mehr Freude beim Tanzen und eine bessere Balance. Schneller, da entspannter, wirst du wahrscheinlich auch.

Auch in der Pflege schätze ich dieses feine Werkzeug und nutze es gerne und oft: z.B. als wohlige Verwöhnung, zur Spitzfuß- und Sturzprophylaxe etc.

Aber wie's halt so ist mit hochinteressanten Themen, führt ein wissenswerter Aspekt zum nächsten.

Entstanden ist nun eine ausführliche, illustrierte Anleitung, gewürzt mit Erfahrungen und - wie ich finde - hoch spannenden Hintergrundinfos (z.B. zur Anatomie im Fuß): ein 65-seitiges PDF (A4).


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel

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Freitag, 19. August 2016

Gerhard Riedl: Hohe Rösser nach Wahl

<article image> Heilpraktiker und Arzt aus Patientensicht

Ganz ehrlich, manchmal befällt mich die Sorge, dass sich in meine Sicht der Dinge eine gewisse Betriebsblindheit einschleicht - vor allem im heilkundlichen Bereich. Da fungiere ich ja als "Anbieter" von Gesundheitsleistungen. "Kunde" bin ich Gott sei Dank äußerst selten und wenn, ist mir klar, wie ich die Mechanismen im Medizinbetrieb diplomatisch nutzen kann.

Deswegen bin ich immer wieder dankbar, meine Wahrnehmungswerkzeuge an der Realität eines Medizin-Users polieren und austarieren zu dürfen. Einfach mal schauen, ob ich richtig liege mit dem, was Patienten fühlen und brauchen. Denn sie werden nur, wenn sie mit ihrem Anbieter medizinischer Leistungen "Glück haben", gefragt. 
So habe ich zum Äußersten gegriffen und den Patienten GEFRAGT! 

Im Gastbeitrag schildert uns Bloggerkollege Gerhard Riedl seine erfrischend subjektive Patienten(!)sicht auf innermedizinische Hahnenkämpfe.
Viel Vergnügen und Bühne frei!

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Hohe Rösser nach Wahl


Die Bloggerkollegin und Heilpraktikerin Manuela Bößel schafft es immer wieder, mein Weltbild zu erschüttern! Die Arroganz und den Standesdünkel vieler Ärzte kenne ich seit meiner Jugendzeit, als ich einmal wegen einer kritischen Bemerkung aus der Praxis eines Orthopäden flog.

Seit einigen Jahren bin ich eher ein Anhänger dessen, was man „Alternativmedizin“ nennt: Natürlich überzeugt mich längst nicht jeder esoterische Schmus, und bei einem Beinbruch würde ich einen Unfallchirurgen und nicht einen Bachblüten-Therapeuten aufsuchen – ganz klar.

Aber auch, wenn’s manchmal nur der Placebo-Effekt sein mag: Immerhin zeichnen sich doch die Heilpraktiker durch Toleranz, ganzheitliches Denken und Fähigkeit zur Selbstkritik aus. Oder?

Doch es ist wie auch sonst oft im Leben:
Wenn man glücklich bleiben will, sollte man nicht so genau hinsehen…

Vor gut zwei Monaten veröffentlichte Manuela Bößel auf ihrem Blog eine Rezension des Buches „Unheilpraktiker“ von Anousch Mueller:
Sie war (wie ich) der Meinung, das Werk enthalte zwar durchaus richtige Kritik an unseriösen Heilsversprechungen mancher nichtärztlicher Behandler, werde aber den komplementärmedizinischen Möglichkeiten gerade an der Schnittstelle Schulmedizin und Pflege nicht gerecht. Ferner messe die Autorin oft mit zweierlei Maß zugunsten der Ärzte. Das müsste doch, so meine Erwartung, in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Heilpraktiker“, bei der Manuela Mitglied ist, auf Interesse und Zustimmung stoßen.

Im Gegentum! Mit so einem Zeug, so beschied man, als sie dort einen Link auf ihren Artikel postete, wolle man sich nicht befassen, das wäre zuviel der Ehre. Ein Heilpraktikerkollege formulierte es so: „Das ist so dermaßen endlos und sinnbefreit totdiskutiert worden, dass das nur noch langweilt. (…) Alles andere rutscht mir geschlossen am Gesäß vorbei und es sollen die diskutieren, die endlos Zeit, keinen Spaß am Leben oder neidzerfressen sind. Mir ist das zu albern.“

Und der dortige Administrator, welcher sich stets bei Themen mit ideologischer Bedeutung einmischt, meinte: „Die Frage, wie es mit dem Heilpraktiker-Beruf ‚weiter geht‘, ist so alt, wie der Beruf auch. Immer wieder totgeschrieben - in neuem Glanz auferstanden. Es gibt aktuell so viele Heilpraktiker (und auch Praxen), wie nie zuvor. Warum soll man eine Frage beantworten, die sich nur stellt, wenn man Ängste schüren will? Liebe Manuela, ich weiß nicht, ob und wieviel HP-Kongresse Du bis dato besucht hast. Diese Frage wird immer wieder beantwortet - es macht keinen Sinn über ‚ungelegte Eier‘ sich aufzuregen oder zu diskutieren. Meine Meinung: Es soll alles so bleiben, wie es ist (kleine Veränderungen ausgenommen), unsere Grundlage in rechtlicher Hinsicht ist stabil und nicht in Gefahr.“

Na ja, das immer noch geltende Heilpraktikergesetz stammt aus der Hitlerzeit, spricht nicht gerade gegen Reformbedarf… aber gut, wie dem auch sei: Diesen mauernden Tonfall überkommener Standesvertretungen jedenfalls kannte ich bislang nur von den studierten Medizinern! Grund genug, mich in dieser immerhin fast 2000 Mitglieder starken Heilpraktiker-Gruppe ein wenig umzusehen: Da gibt es viele fachlich fundierte Diskussionen – aber gleichzeitig bestieg mich der Verdacht, es sei bei dieser Klientel nicht ratsam, allzu laut für Impfungen zu plädieren, an Globuli zu zweifeln oder die Notwendigkeit der Schulmedizin zu betonen…

Also lieber auf der sicheren Seite bleiben mit Entgiften, Ausleiten, Immunsystem stärken und – ach ja, natürlich Darmsanierung!

Probeweise stellte ich eine Besprechung zum „Unheilpraktiker-Buch“ bei „Amazon“ ein, die sich an den Argumenten Manuela Bößels orientierte. Ergebnis: „hilfreichste Rezension“ (17 pro, 3 contra) mit 161 Kommentaren! Scheint also doch etwas Diskussionsbedarf zu geben…

Heftig wurde es in der „Heilpraktiker-Gruppe“ auf Facebook vor drei Tagen, als sich eine Kollegin dort mit deutlicher Kritik verabschiedete: „sorry... bin sehr enttäuscht von dieser Gruppe... hatte mir vorgestellt hier etwas lernen zu könne... Erfahrungsaustausch und nicht Leute die hauptsächlich.. in eigener Sache.. unterwegs sind und dann Leute, die sehr Wirklichkeitsfremd sind.. sind DAS die Heilpraktiker die ich als Therapeuten haben möchte?? NEIN ... never... ich habe eben eine Gruppe eröffnet in der bitte nur ernsthaft interessierte HPs Zugang haben sollen... also ein WIRKLICHER Erfahrungsaustausch... nicht die Schulmedizin verdammen sondern ein Zusammenspiel möchten.. nur so geht es..jeder muss seine Grenzen kennen oder kennenlernen... wer also einen kurzen Abriss seiner Vita erzählt kann gerne... bei Interesse ... in die Gruppe ... HEILPRAKTIKER...IMMER IM LERNMODUS ... kommen... sorry Herr Haferanke... aber diese Gruppe bringt mir absolut nichts... schade..“

Nun weiß ich nichts zur (sicherlich vorhandenen) Vorgeschichte, und den Tonfall muss man nicht mögen. Die Reaktionen in der Gruppe allerdings gaben mir noch mehr zu denken. Einige Kostproben:

  • „Ach Gott, wie ich solche theatralische Abgänge liebe.“
  • „Jetzt habe ich aber mal herzlich gelacht.“
  • „Die versuchte Abwerbung der Mitglieder*innen hier empfinde ich allerdings als sehr unsportlich!“
  • „Naja, physiognomisch widerspricht sie sich zumindest nicht. Wenigstens etwas.“
  •  „Uuuuh! Das konnte ich nicht so ausdrücken, habs mir aber auch gedacht. Wieder was gelernt.“
  •  „manche ticken halt anders..auch nicht schlimm. - find ich“
  •  „Nö, nicht schlimm nur schade.“
  •  „Aus Therapeutensicht ein Symptom“
  • „gibt Verstopfung wenn man nicht loslässt,- aber das weist du selber“

Kleinliche stilistische Bedenken fanden keinen großen Widerhall:
  • „Ehrlich gesagt...mir gefällt die Häme, mit der hier einige die Kollegin ‚verabschieden‘ überhaupt nicht!“
  • „Mir auch nicht, aber ihr Ross ist schon verdammt hoch. Deshalb hält sich mein Mitleid und Initiative hier in Grenzen.“

Klar, das könnte man alles noch als Geplänkel sehen (wenn auch mit deutlich analer Ausrichtung). Und mit dem Besteigen von Zossen ist man offenbar generell gut vertraut… Richtig schlimm wurde es für mich jedoch, als man einen Screenshot von der Website der kritischen Kollegin veröffentlichte, welcher dartun sollte, sie habe maximal vier Jahre Berufserfahrung als Heilpraktikerin. Dabei schnitt man aber folgende Angaben weg:

„1977 Examen Krankenschwester in (…)
1981 Examen Fachschwester Anästhesie-und Intensivmedizin in (…)
1989-1991 Krankenhaus (…) und Haut-und Allergieklinik (…)“

Als Manuela Bößel dies monierte, musste sie sich vom Administrator der Seite (wieder mal) belehren lassen: „Da steht lediglich, welche Ausbildungen sie durchlaufen hat. Das hat mit dem Beruf der Heilpraktikerin nicht so viel zu tun. Ich war lange Jahre Beisitzer bei Überprüfungen. Da waren es gerade die medizinisch Vorgebildeten, die sich als etwas Besseres aufführten und häufig durch die Prüfung rauschten.“

Manuelas Nachfrage: „Medizin hat mit unserem Beruf nicht viel zu tun?“ führte zum Ziehen der Reißleine. „Warum verstehst du immer das Falsche? Es hat keinen Sinn diesen Disput weiter fortzuführen. Schönen Abend noch“

Das sind dann die Momente, in denen ich nicht nur ärgerlich, sondern richtig böse werde: Eine mehrjährige Ausbildung zur examinierten Fachkrankenschwester und die Arbeit mit lebensgefährlich erkrankten Menschen auf der Intensivstation trägt also weniger zur alternativ-medizinischen Berufserfahrung bei als das Verordnen von Globuli in der lauschigen Naturheilpraxis? Wahrscheinlich hat der Mann recht, allerdings nicht so, wie er meint…

Die dann aber dringend zur Berufsausübung erforderliche Spaßfreiheit wurde deutlich, als man zwischendurch in Gruppenstärke über den Mediziner und Kabarettisten Dr. Eckart von Hirschhausen herfiel. Der hatte es gewagt, zusammen mit seinem Kollegen Vince Ebert das Video zweier Nachwuchskünstler zu empfehlen:




Wieder trat wegen der standespolitischen Bedeutung der Administrator ins Scheinwerferlicht: „Hirschhausen und Ebert, zwei Spaßmacher mit Minderwertigkeitsgefühlen. Nicht wirklich ernst zu nehmen. Ich wette 1000 Euro, dass keiner von beiden eine schriftliche Heilpraktiker Überprüfung bestehen würde.“ Nun gut, wäre bei Letzterem, da studierter Physiker, auch ein wenig berufsfremd…

Dass Hirschhausen öfters seine Ärztekollegen veralbert, ginge ja noch – aber was er nun den Heilpraktikern ins Stammbuch schreibt, ist skandalös: „Wusstet Ihr, dass man Heilpraktiker werden kann ohne ein Praktikum? Die Prüfung testet nur theoretische Grundlagen, so als ob man den Führerschein bekommt, aber keine einzige Fahrstunde vorweisen muss. Das birgt gewisse Risiken. Und für den Straßenverkehr ist deshalb auch eine praktische Prüfung vorgeschrieben. Aber bei unserer Gesundheit kommt es ja nicht so drauf an, ob jemand der spritzen, einrenken und behandeln kann, das auch kann, oder? Klar gibt es auch jede Menge gute Heilpraktiker - die erkennt man unter anderem an ihrem Humor.“

Das ganze Elend offenbart sich in der Antwort einer Heilpraktikerin hierauf:
„Was hat denn der Humor mit der beruflichen Kompetenz als HP zu tun?“
Oh doch, geehrte Dame, ich bin sogar der Überzeugung, dass Humor zur Berufskompetenz vom lieben Gott zählt, da er auf die Kateridee kam, den Menschen zu erschaffen. Und alle, welche an diesem herumdoktern, benötigen ihn umso dringender: Lachen heilt – und bewahrt einen davor, die Selbstkritik ganz aufzugeben!

Und ja, ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn Leute (ob Heilpraktiker, Ärzte oder Sprechstundenhilfen), die mir irgendwelche Gerätschaften in den Körper einführen, nachweisen müssten, dass sie dies gelernt haben und auch können!

Zusammenfassend wird mir jetzt erst klar, welches Glück ich mit meinen bisherigen Heilpraktikerinnen hatte, die ihre Zeit nicht mit standespolitischem Getue vergeuden, sondern sich lieber auf ihre Patienten konzentrieren – immer im Bewusstsein, dass die liebe Konkurrenz auch Heilungserfolge erzielt – warum auch immer.

Der Rest darf von mir aus gerne die unterschiedlich lackierten, aber die gleichen Äpfel produzierenden hohen Rösser der jeweiligen Berufsvertretung besteigen und der Abendröte entgegentraben, bevor es endgültig finster wird. Hauptsache, sie machen sich weg von meinem Bett…

Fazit: Heilkunde ist auch nur eine andere Form von Tango!
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Dankeschön an Gerhard Riedl!
Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel


Nachtrag um 16.22 Uhr:
Dass ich mir mit der Veröffentlichung dieses Artikels einen Wurstgürtel um die Hüften gebunden hab', um mit einem Hechtsprung ins Krokodilbecken zu hüpfen, war mir klar. Aber so eine resolut-geschwinde Reaktion überrascht mich dann doch. Obwohl ich den Artikel in besagter Facebookgruppe nicht zu teilen wagte, folgte umgehend der kommentarlose Rausschmiss.
Adiós muchachos!
 




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Freitag, 12. August 2016

Pablos spiritueller Tango-Urlaub und seine Folgen

mein Freund Pablo


01. August 2016

Irgendwo auf einer pittoresken Insel im Mittelmeer brennt die Sonne heiß am stahlblauen Himmel.  Grillen umzirpen den Duft des wilden Salbeis am Straßenrand. Sieben Ziegen stehen im Geäst des Olivenbaums gegenüber von Pablos Terrasse. Sein Schweiß tropft schwer in augustglühende Zeitlupe. Wenn Pablo die Augen schließt, explodieren Orangetöne auf seiner Netzhaut. Eine ORANGE-farbene Manifestation der Erleuchtung?

Oder doch nicht? Kann einem - in erleuchtetem Zustand (!) - das Geschnatter der norddeutschen Mit-Retreaterinnen auf der Nachbarterrasse so auf den Sack gehen? (Anmerkung der Autorin: Pardon, Pablos Wortwahl)

Mein alter Tango-Kumpanerito gönnt sich ein "holistisches Retreat", seiner Sucht folgend natürlich mit dem Zusatz "Tango". Untergebracht in einem "jugoslawisch" renovierten Bauernhaus ("shared accomodation, traditional old stone house, self-catering"), den Stundenplan ("schedule") vollgestopft mit hochspirituellen Tätigkeiten ("watercoloured tango-meditation" etc.), möchte er seine Seele wieder auf Spur bringen.

Ein wenig glücklicher werden, ja - vielleicht sogar ein bissel Erleuchtung finden.

Ganz billig ist der Spaß nicht. Sein chronisch laues Budget erlaubt lediglich die Teilnahme mit Selbstversorgung im Matratzenlager. Eigenartigerweise ist das preiswerteste Nahrungsmittel im einzigen zu Fuß erreichbaren Lädchen die gelbe Rübe. Wie daheim. Macht nix, ist gesund. Sollte eher ORANGE Rübe heißen, so orange wie der Sonnenuntergang, den er erschöpft vom Tagwerk, nur am Rande wahrnimmt.

Aber die tägliche Sprechstunde beim "Meister" ist inklusive ("all you can ask"), was unser Pablo selbstverständlich schamlos ausnutzt. Täglich mindestens dreimal fragt er ihn, wie Erleuchtung zu erlangen sei. Jetzt weiß er verdammt viel über Selbstfindung, Kränkung und Vergebung, das Leid der inneren Kinder, den Buddha in ihm (für Westeuropäer eingekocht), das Universum und die Liebe und all das - zumindest theoretisch.

Pablo aquarelliert meditierend den Flow in der Tangokommunikation, arbeitet hart an seiner Erdung, sendet achtsame Energie vom Zentrum in die Extremitäten und versucht, die Gesänge der Galaxie zu hören. Zum Baden im Meer oder gar Faulenzen bleibt da keine Zeit.


12. August 2016

Madame Rosalie (Pablos Mama) hat uns eingeladen zum Kaffeetrinken. Pablo wischt 287 Urlaubsfotos über das Display seines Smartphones. Wirklich erholt wirkt er nicht. Seinen Ausführungen über die Fortschritte der Awareness-Einübung in der alltäglichen Routine sowie Korrigierung der Work-life-balance kann ich nicht ganz folgen. Sorgfältig picke ich mit angefeuchtetem Zeigefinger Kuchenbrösel von der Tischdecke. Rosalie streichelt ihren fetten Kater.

"Machen wir was zu essen? Ich hab Hunger!"

Sie führt uns in die Küche und öffnet den Kühlschrank. "Viel ist nicht mehr da, aber das reicht, um was Feines zu zaubern." Sie hält uns ein Bündel Karotten unter die Nase. Aus dem Fach, in dem sie sonst Schokolade versteckt, holt sie eine Zitrone. Außen schon ein wenig hart, aber Rosalie versichert, die hätte noch viel Saft, so wie Lotti Huber.

Pablo darf die Rüben schälen, ich schleife das Messer, schneide alles klein und werfe es in den bereitgestellten Kochtopf, in dem schon Salzwasser vor sich hin brodelt. Während das Gemüse weichkocht, röstet Rosalie Brotstücke in einer Pfanne.

Wir plaudern über die Liebe und das Leben und all das. Pablo gießt von den Rüben soviel Kochwasser ab, bis sie gerade noch bedeckt sind; meine Brille beschlägt. Er malt mir Sichtlöcher hinein und grinst. Dann püriert er die orangen Brocken mit Rosalies altem Zauberstab.

Ich füge nach und nach Karottensaft und einen gehäuften Teelöffel Kurkuma dazu. Das gibt dem Leben Würze! Pablo macht die Arme lang, als Rosalie ihm von hinten ihre orangefarbene Schürze umbindet: "Obacht, sonst darfst meine Küche streichen!" Sie würzt unser Werk mit Limettensaft, einem guten Esslöffel Kokosöl und Pfeffer.

Tief orange wie der Sonnenuntergang auf Pablos Urlaubsfotos leuchtet die Suppe uns aus den Tellern entgegen - Seelen und Bäuche wärmend.

... und die Erleuchtung?

Die hat unser Freund nicht gefunden. Madame Rosalie hat ihn in die Küche geschickt - zum Aufräumen. Und zum Kompost. Dafür durfte er den Rest der Suppe eingetuppert mit nach Hause nehmen. Sein Lieblingsbuch aus Klein-Pablo-Zeiten auch: "Oh wie schön ist Panama"


Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





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