Freitag, 31. März 2017

Vorschläge zur Schwanzverlängerung

Wie du deine Attraktivität beim Tango erhöhen kannst


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Mal ganz ehrlich: Wer will das nicht? Mehr Anziehungskraft bedeutet schließlich schlicht mehr Tanzmöglichkeiten. Tango tanzen ist eine der Motivationen, warum wir eine Milonga besuchen. Meine auf jeden Fall. Eine "Schwanzverlängerung" kann sowohl den Damen helfen als auch den Herren der Schöpfung - und das in doppeltem Sinne!

Ladies...


Jawoll, Madame, alle Menschen besitzen einen - dieses rudimentäre Überbleibsel aus den Tiefen grauer Vorzeit. Inzwischen ist unser Schwanz, das Steißbein, evolutionär über die Jahrtausende geschrumpft, und weder sichtbar noch nutzen wir es bewusst.

Klein und geheim wohnt es am unteren Ende unserer Wirbelsäule. Du kannst es am werten Hinterteil unterhalb des Kreuzbeins an der Kimme gut tasten. Nur selten ruft es dir seine Existenz ins Gedächtnis, und nur wenn es gar nimmer anders geht, z.B. wenn du genau drauffällst.

Dabei gibt dein Gestell samt motorischer Steuerung sein Bestes, dass du eben nicht auf deinen Schwanz fällst. Droht ein Sturz, ob auf glattem Parkett oder beim Schlittschuhlaufen, lenken deine internen Helferlein deinen Körper automatisch so um, dass du irgendwie seitlich aufkommst: lieber das Radiusköpfchen im Eimer als das Steißbein. (Das klappt natürlich nicht, wenn du deine Füße auf einem Snowboard oder was auch immer festschnallst.)

Effektive Schwanzlenkung


Die Steuerungsmechanismen scheinen also auch heute noch zu funktionieren. Wie auch sonst? Das Steißbein dient vielen Muskeln als Ansatzstelle, die dich in aufrechter Balance halten - allen voran einigen Teilen des Beckenbodens. Drum schmerzt bei einer Steißbeinprellung das Husten und Lachen, weil der Beckenboden mitschwingt und dabei an seinen Andockstellen zieht.

Sogar die Augen und winzige Stellmuskeln ganz oben im Nacken ticken mit dem ehemaligen Schwanz im Takt. Auch wenn du es (noch) nicht spüren kannst, bewegt sich dein Steißbein eine Kleinigkeit nach links, sobald du nach links schaust, und vice versa.

Viele Tiere benutzen ihren Schwanz höchst geschickt zum Festhalten, Klettern oder um das Gleichgewicht zu halten. Die leichtfüßige Eleganz von Katzen zum Beispiel entsteht, weil unsere Tatzenschleicherin alle Teile ihres Bewegungsapparats harmonisch zusammenspielen lässt, nicht bewusst partiell ausbremst oder gar versucht sie zu kontrollieren. Wie sie sich nach einigen Stunden Tangounterricht allerdings bewegen würde, lasse ich lieber offen...

Die Software zur Schwanzbenutzung ist bei uns Menschen (auch uns Tangotänzern!) noch vorhanden. Möglichst störungsresistete Balance bildet die Basis für gute Technik - die Folgen sind Eleganz und Anmut der Bewegungen, erklärte Ziele aller Tangofraktionen.

Wieso sollten wir diese eh schon eingebauten Bewegungsmuster dann nicht nutzen? Nur weil der Schwanz als solcher nicht mehr sichtbar ist? Aber DA ist er!

So geht's


Um die alte, höchst effektive Motion-Software doch zu nutzen, verlängere in der Vorstellung einfach deinen Schwanz! Fühle sein Gewicht. Beobachte, wie sich deine Haltung von den Füßen bis zum Scheitel verändert, wenn du ihn einziehst, stolz nach oben reckst, ob er beim Gehen mitschwingt oder eher stabilisierend auf die Körperlinie wirkt wie bei unserer Katze. Vielleicht ändert sich sogar deine Stimmung. Spiele mit den Möglichkeiten.

Und dann trag ihn auf der Tanzfläche!
Entspannt, aufrecht, stolz und schön, Madame!
Eine begehrte, attraktive Tanguera, jawoll! 

Das hast du dann davon: eine bessere Technik, mehr Eleganz, schönere Tangos, mehr Tänze.


(Natürlich habe ich diese g'spinnerte Idee selber ausprobiert und bin immer noch fasziniert, wie schnell und effektiv die Schwanzverlängerung funktioniert.)


... and Gentlemen!


Ganz ehrlich, mein Herr, die altbekannte Variante des Themas - die mit der dreistelligen PS-Zahl und Raubkatze am Kühler - wirkt auf einer Milonga gar nicht. Auch die perfekte, kurszertifizierte Cabeceo-Ausführung verliert immens an Wirkung, wenn du eine Stunde vorher der Wunschtanguera die Türe ins Gesicht fallen hast lassen und den einzigen Stuhl in der Garderobe besetzt gehalten hast. Emanzipiert und höflich wie sie ist, wird sie sich die Schuh dann halt im Stehen an die Füße gepfriemelt haben.

Erzähl ihr nicht, wie toll du bist! 

Sie ist ja nicht blind und taub. Erzähl ihr NICHT von dir, von deinen Tanzkünsten, deiner Reise nach BA und vor allem nicht, wie Tango getanzt wird. Auch ihre Fehler und Defizite sind Themaverfehlungen. Trotzdem bleibt sie meistens höflich, deswegen unterbricht sie dich nicht.

Erzähle ihr lieber, wie toll sie ist. Mit oder ohne Worte.
Tanze dann genau auf diese Weise mit ihr.
Das ist marketingtechnisch zielführender.

Frauen lassen bei Kontaktaufnahme das "Wer darf der Bestimmer sein" einfach weg und gehen gleich "an die Arbeit". Spar dir also das unter Männern übliche Gedöns und tanz einfach.


Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau!


Sie - und nur sie allein - ist beim Tango deine Königin des Augenblicks.
Besonderes Obacht, wenn du mit deiner Lebensgefährtin/Ehefrau zur Milonga kommst: Die anderen Damen checken ganz genau ab, wie du mit der umgehst. Und ziehen ihre Schlüsse.

Hast du eine Traum-Tango-Runde hinter dir, behalte es für dich. Auf keinen Fall einer anderen Dame - vor allem deiner Begleiterin - den gerade erlebten Hochgenuss schildern! Der Kenner genießt und schweigt.

Frauen können viel mehr als oft angenommen wird: Bohrmaschine bedienen, Steuererklärung machen, Komposthaufen umsetzen, sich anziehen etc. Trotzdem mögen sie es, wenn du ihnen in den Mantel hilfst.

Wann hast du einer Tänzerin das letzte Mal ein Kompliment gemacht? Mit Worten oder nonverbal? (Ja, das geht!) Irgendwas Positives muss sie ja an sich haben, wenn du mit ihr tanzen möchtest, oder?
Komplimente sind in unseren Breiten verpönt, nutzt du sie doch, bildet das ein Alleinstellungsmerkmal. Aber vergiss auswendiggelernte Sprüche ganz schnell wieder. Komplimente wirken nur, wenn sie authentisch sind - die einzige Motivation für die Verteilung darf nur "der Spaß an der Freude" sein. Sonst nix.


Fazit: 


Neben feinen tänzerischer Fähigkeiten (Optimierung siehe oben) ist "Gentleman werden" (oder besser sein) die beste attraktivitätssteigernde Maßnahme (Schwanzverlängerung) für den Tanguero von Welt.

Setzt allerdings Übung im echten Leben voraus, aber die Tankwartin freundlich anlächeln oder deiner Kollegin die Tür aufhalten tut ja nicht weh, oder?

Echte Kavaliere alter Schule, routinierte Könner findest du auf jeder fast Milonga. Beobachte und lerne!
Viel Vergnügen!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel
P.S. Und wer hier was anderes erwartet hat:
Honni soit qui mal y pense.;)





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Montag, 27. März 2017

Das Maß aller Dinge

Frühlingselegie und Kuchenrezept


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Frühlingselfe
Wann wird aus Erholen Faulenzen -
aus Fleiß die G'schaftlhuberei, die workaholige?
Wieviel Sofa-Krimi-Eigenbröteln ist erlaubt?
Die Waschmaschine läuft ja nebenher.
Vielleicht spazieren? Schönes Wetter.
Frühling ruft! Jawoll! Bewegen!
Will ich?
Die Amsel zwitschert fröhlich.
Hirn erst träge, dann ganz leer.
Fühlt sich gut an. Heut' ist Sonntag Nachmittag.
Geht schon. Oder doch nicht?
Darf ich?
Echt?
Was ist das richtige Maß?

Wann wird aus Versorgen Verwöhnen -
aus Abgrenzen Gleichgültigkeit?
Aus Kümmern um das Kind die Glucke -
aus "das Kind die eigenen Fehler machen lassen"
die Rabenmutterrobe?
Muss ich mich kümmern? Wer denn sonst!
Schau, das Kind, das kann das schon...
Echt? Kontrolle, immer, ständig -
eh nicht drin, wenn ehrlich bist.
Geh zum Tango! Kind ist gut versorgt.
Darf ich?
Echt?
Was ist das richtige Maß?

Wann wird aus Vorsicht Misstrauen?
Aus Angst zum Schutz ein eingesperrtes Leben?
Wer spricht denn da? Der Bauch? Das Hirn?
Vernunft, Erfahrung, Vorurteil?
Intuition oder Interpretation?
Sag feig!
Braucht's das Risiko? Wenn ja, wieviel?
Was geht? Soviel! Freilich! Wenn dich traust!
Was soll denn schon passieren?
Soll oder kann?
Oder doch lieber den Spatz braten, statt dem Täuble?
Raus mir dir! Geh auf die Jagd! Probier's halt aus!
Aber zieh dir fei ein Unterhemd an
und geh nicht mit fremden Männern mit,
ruft Oma hinterher.
Mach ich, Oma. Taschenmesser eingesteckt.
Nocheinmal erwischt's mich nicht, die Bagage, die lumpige.
Was ist das richtige Maß?

Wann wird aus Einlassen Selbstverlust?
Aus dem Lösen und Lassen Alleinsamkeit?
Bei mir sein UND bei dir sein?
Geht schon, sagt der Tango. Wie denn sonst?
Fühl halt. Glaub's halt endlich, zefix!
Lass den alten Schmarren sein.
Dann wär' wieder Platz.
Kein Loch.
So einfach könnt' das Leben sein.
Was ist das richtige Maß?

Wenn ich das nur wüsste...

Drum verwende ich die Frage nach dem richtigen Maß heut' lieber beim Kuchenbacken. Bei meinem Lieblingsrezept ist das richtige Maß nämlich ein bodenständiger, einfacher Joghurtbecher: das Backen macht den Kopf frei und den Bauch zufrieden. Ganz kommod ohne Abwiegen und sonstige Pritscheleien.

Erfahrungsgemäß stellen sich spätestens, wenn der Kuchen im Ofen anfängt zu duften, doch noch ein paar Antworten ein.

Intuition und Interpretation dürfen auch mitspielen: Passe die Zutaten einfach deinen momentanen Gelüsten und deinen Bordmitteln an. Et voilà! Bühne frei für den

Becherkuchen der Mäßigkeit!

Ofen vorheizen, ca. 180 Grad

1 Becher Joghurt (nackig)
in eine Rührschüssel füllen.
Becher auswaschen und gut abtrocknen.

1 Becher Zucker
zum Joghurt
Brauner Zucker schmeckt fein, weißer geht auch. KEIN Stevia. Schmeckt nicht. Ist aber erlaubt, wenn du drauf bestehst.

3 Becher Mehl
zum Joghurt und Zucker
Ich mag den Kuchen gerne mit Dinkelmehl. Oder du nimmst Weißmehl, oder streckst mit Kastanienmehl oder Kakao, ganz wie du magst.

1 Becher Öl
zum Joghurt, Zucker, Mehl
Sonnenblumenöl, Nussöle,... irgendein gutes Öl(-gemisch) halt, das dir schmeckt.

3 Eier
3 Teelöffel Backpulver
zum Teig

Dann darfst du dem Kuchen noch eigene Konfektionierungsideen schenken:
Gewürze (Zimt, Vanille, Kardamom, Muskat, Zitronenschale, ...)
Weinbeerle, Raspelnüsse, geschredderte Schokonikoläuse o.ä. nach Belieben

Alles gut durchquirlen, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Falls er noch nicht schwer ziehend von den Mixerfüßen fällt, gib noch ein bissel Mehl dazu.

Kuchenform - am besten ein Kasten - fetten, semmelbebröseln, oder einfach mit Backpapier ausschlagen. Teig hineinfüllen.

Ab in den Ofen! Für ca. 50 Minuten.
Piekse gegen Backende mit einem Holzstäbchen hinein:
wenn nix mehr kleben bleibt, ist er fertig.

Auf einem Gitter abkühlen lassen.

Puderzucker darf auch drauf oder Glasur, wenn magst.

Lass dir schmecken!
Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel






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Sonntag, 19. März 2017

Die wahren Unterschiede zwischen Männer und Frauen - Gastbeitrag von Peter Ripota


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WIE JETZT?

Im letzten Artikel ging es um die Gefahren des Eigenhirngebrauchs. Bist du mutig? Dann erklimmen wir das nächste Level, wo's noch gefährlicher wird. Obacht also! Könnte weltbildverkratzend wirken.
Peter Ripota kredenzt uns heute seine Gedanken über:  

Die wahren Unterschiede zwischen Männern und Frauen


Tagtäglich bestätigt es unsere Erfahrung, und die Wissenschaft fügt ihre diesbezüglichen Forschungsergebnisse beinahe monatlich hinzu: Es gibt angeborene Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Diese sind naturgegeben, allen feministischen Bemühungen zum Trotz, weil, die Männer haben im Hirn und auch sonstwo, was die Frauen nicht haben und weswegen diese die Männer zutiefst beneiden: Testosteron. Das macht den Mann zum echten Mann, schon vor der Geburt, und erst recht danach. Und hier sind die Beweise, durch zahlreiche Arbeiten von Psychologen, Soziologen, Anthropologen, Evolutionsbiologen, Archäologen und Theologen erhärtet:

- In der Steinzeit jagten Männer gefährliche Tiere (z.B. Mammuts), während die Frauen in den Höhlen ängstlich die Kinder hüteten, ein paar Wurzeln sammelten und sehnlichst auf die Rückkehr ihrer starken Beschützer warteten.

- Frauen sind von Natur aus monogam, wegen des hohen Aufwands der Kindererziehung, während jeder Mann jederzeit 100 Frauen beglücken und ebensoviele Nachkommen produzieren könnte (multipliziert mit einem testosteronabhängigen "Männlichkeitsfaktor"). Männer sind also von Natur aus polygam oder einfach nur "poly".

- Männer neigen zu höherem Risiko, beispielsweise im Sport und bei Bankgeschäften, während Frauen da lieber vorsichtig sind.

- Frauen können besser kommunizieren, weil bei ihnen der Balken, also der Nerven-Verbindungsstrang zwischen den Hirnhälften, dicker ist.

- Jungs wählen aus einem Haufen Spielzeug automatisch und instinktsicher Autos, Kräne, Eisenbahnen und Waffen, während die Mädels sich sofort Puppen, Schnuller, Wiegen und Diamanten grabschen.

- Männer spielen Fußball, Frauen tanzen. Das Umgekehrte verstößt gegen Naturgesetze.

- Männer sind verstandesbetont (und deswegen natürlich auch intelligenter als Frauen), Frauen leben in und von Gefühlen.

- Männer sind von Natur aus aggressiv, daher führen sie Kriege. Frauen sind von Natur aus nachgiebig, daher spinnen sie Wolle.

- Männer suchen sich ihre Frauen aus, Frauen sagen dann "ja", wenn er männlich genug ist, was zum Beispiel bedeutet, dass er einen BMW fährt oder einen Porsche, aber keinen Toyota Lieferwagen.
Usw. In mehreren höchst amüsanten und instruktiven Büchern hat die Australische Professorin für Geschichte und Philosophie der Wissenschaft, Cordelia Fine, diese Mythen unter die Lupe genommen und Stück für Stück zerfetzt. Siehe z.B. "Testosterone Rex: Unmaking the Myths of our Gendered Minds"
https://www.amazon.de/Testosterone-Rex-Unmaking-Myths-Gendered/dp/1785781618/ref=sr_1_3?s=books-intl-de&ie=UTF8&qid=1489009353&sr=1-3&keywords=cordelia+fine

Was sie sagte (und was ich aus anderen Publikationen oder aus persönlicher Erfahrung kenne), will ich hier kurz zusammenfassen. Gehen wir die einzelnen Punkte durch:

Das fröhliche Steinzeitleben

Im viktorianischen Zeitalter bildete sich der Mythos von den "Mammutjägern" heraus. Einige neuere, aber wenig bekannte Ausgrabungen haben im Steinboden in der Nähe von Höhlen feine Strichmuster gezeigt. Sie werden als Abdrücke von Netzen gedeutet, und diese Deutung stellt unsere Vorstellungen vom Steinzeitleben auf den Kopf: Frauen nutzten Netze zum Fangen von Kleinsäugern (Kaninchen, Eichhörnchen, Mäuse), lieferten also die täglich Nahrung, während die Männer irgendwo herumlungerten, sich langweilten und sich dann tolle Jagdgeschichten ausdachten, die ihnen zu Hause keiner glaubte.

Ein Mann kriegt hundert Frauen. 

Von wegen! In der Steinzeit waren Frauen etwa vier Jahre lang unfruchtbar, weil sie in dieser Zeit ihre Kinder säugten. Danach gab es ein kleines "Zeitfenster", selbst ein Kind zu zeugen, und schon waren die Frauen wieder schwanger. Doch selbst dieses Zeitfenster reichte meistens nicht, denn die Konkurrenz war groß, und der Stärkste setzte sich keineswegs durch, eher der Vertrauteste. Woraus dann die Monogamie entstand, bei der ein Mann viel mehr Möglichkeiten hatte, Nachkommen zu zeugen. (Außer, er hieß Dschingis Khan. Doch das ist eine andere Geschichte.).

Und die Frauen? Sie wollen die besten Gene, diese werden durch Samenzellen transportiert. Wer die liefert, ist nicht so wichtig. Deswegen sammeln zahlreiche Weibchen der unterschiedlichsten Tierarten, von Insekten bis Primaten, die Samenzellen diverser Männchen, um sie dann bei Bedarf einzusetzen. In diesem Sinn: Aus rein ökologisch-biologischen Gründen sind Männer von Natur aus monogam, Frauen aber poly!  Im übrigen: Im gesamten Tierreich herrscht Damenwahl - die Männer bewerben sich, die Damen aber wählen aus. Und die Männer als Beschützer? Die Gruppe bot Schutz genug, ein einzelner Mann war da uninteressant.

Die risikobereiten Männer. 

Frauen gehen bedeutend höhere Risiken ein als es Männer jemals könnten. Es beginnt mit der "natürlichen Bestimmung der Frau", also mit Schwangerschaft und Geburt. Früher starben die Frauen massenhaft im Kindbett, und selbst heute noch sind die finanziellen Risiken von Müttern wesentlich höher als die von Vätern. Das Armutsrisiko ist in Deutschland für alleinerziehende Mütter am größten. Männer bleiben/blieben im Beruf und suchen sich nach der Trennung eine andere Frau. Und was gefährliche Sportarten betrifft: Da haben die Frauen ganz schön aufgeholt, seitdem sie an solchen Aktivitäten teilzunehmen dürfen.

Der Balken. 

Der existiert im Hirn der (meist männlichen) Forscher. Die Auswertung aller möglichen Untersuchungen dazu hat ergeben: Der Balken ist bei Männern und Frauen gleich dick. Wenn Männer also weniger kommunizieren, können sie sich nicht auf zu dünne Nervenstränge ausreden. Sie sind einfach zu faul oder zu feig.

Geschlechtsspezifisches Spielzeug, geschlechtsspezifische Tätigkeiten. 

Was sich die sogenannte "Wissenschaft" bei solchen Untersuchungen leistet, grenzt an bodenlose Dummheit oder bewussten Betrug. Schickt man Jungs und Mädels (also Kinder) in einen Raum mit wahllos verstreutem Spielzeug, geschieht tatsächlich das, was die Psychologen beschreiben. Aber nicht etwa, weil Jungs eine natürliche Zuneigung zu Waffen und Mädchen eine solche zu Windeln haben, sondern aus einem ganz anderen Grund, den man sofort erkennt, wenn man sich einen Film über dieses Experiment ansieht: Die Kinder sind erst mal verwirrt, bis einer anfängt. Dann stürzen sich alle Buben auf das Spielzeug ihres Anführers, denn sie sind durch die Gesellschaft so programmiert (indoktriniert, gehirngewaschen), dass sie "männliches" Spielzeug wählen müssen, sonst werden sie als Schwächlinge aus der Gruppe ausgeschlossen. Bei Mädchen dürfte es ähnlich sein.

Dieses Verhalten setzt sich später fort: Mädchen werden in der Schule wegen ihrer mathematischen Begabung gemobbt und Jungen wegen ihrer tänzerischen Begabung gehänselt und als Schwulis abgetan. Offenbar herrscht in unserer Kultur - zumindest in Deutschland - die Gleichsetzung: Mathematik = verstandesmäßig, also ohne Gefühle, und eine Frau, die sich auch nur für so etwas interessiert, muss gefühlskalt sein. Dann ist sie keine richtige Frau. Und: Tanz = gefühlsmäßig, also unmännlich, und ein Mann, der sich für so was interessiert, muss naturgemäß schwul sein. Dann ist er kein richtiger Mann. Die Kultur sorgt dafür, dass diese Mythen bewahrt bleiben. Die Eltern geben sie an ihre Kinder weiter; wenn nicht, sorgt die Gruppe dafür, dass sich die Mitschüler mythenkonform verhalten. Siehe dazu:

Ungeliebte Talente: http://newsletter.peter-ripota.de/newsletter/3736.htm

Und:
Warum Männer nicht tanzen: http://newsletter.peter-ripota.de/newsletter/4043.htm

Intelligenz. 

Der deutsche Neurophysiologe Paul Julius Möbius (1853 - 1907) ist der Nachwelt in Erinnerung durch sein Machwerk "Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes" (1900). Darin zeigte er: Frauen haben im Durchschnitt kleinere Gehirne als Männer (was stimmt), folglich sind sie dümmer. Später kam jemand auf die Idee, die Gehirngröße zur Körpergröße in Bezug zu setzen. Ergebnis: Frauen haben, relativ gesehen, größere Gehirne als Männer. Woraus die Forscher folgerten: Frauen sind immer noch dümmer als Männer! Denn sie brauchen zur gleichen Denkleistung größere Gehirne. Das ist die Logik der Wissenschaft! Und gerade hab ich auf Facebook gelesen:
"Frauen sind schwächer, sie sind kleiner und sie sind weniger intelligent", sagte der polnische EU-Abgeordnete Januz Korwin-Mikke. Natürlich müssten sie daher weniger verdienen als Männer, findet der Mann. Na bitte, der Mann kennt seine Wissenschaft.

Siehe dazu:  
Sind Mädchen intelligenter als Jungs? http://newsletter.peter-ripota.de/newsletter/4238.htm

Kriege. 

Warum die Menschheit Kriege führt, ist immer noch ungeklärt und bedarf einer eigenen Untersuchung. Jedenfalls hat Kriegsführung nichts mit der "Natur" des Menschen zu tun. "Natürlich" ist der Krieg nicht, denn es gibt zahlreiche Kulturen, die friedlich waren oder sind. Die sogenannte "Industal-Zivilisation" lebte tausend Jahre ohne Krieg, und zahlreiche "primitive" (nicht zivilisatorische) Völker kennen keine kriegerischen Auseinandersetzungen.

An dem allen soll das Hormon Testosteron schuld sein. Dabei sind männliche und weibliche Hormone bei Männern und Frauen vorhanden, zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen Mengen, je nachdem, ob sie gebraucht werden oder nicht. Es ist immer praktisch, etwas oder jemand die Schuld an allem zu geben, dann braucht man sich nicht mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Merci, lieber Peter!
Herzliche Grüße und bis bald,

Manuela
(die Frau mit dem kleineren oder größeren Gehirn)





Dieser Artikel erscheint zeitgliech in Peter Ripotas "Notizen aus dem schwarzen Loch"
http://ya0m.r.bh.d.sendibt3.com/33iezjw17fl.html
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Freitag, 10. März 2017

Ist Selberdenken echt gefährlich?

Sicherheitshinweise zum Eigenhirngebrauch

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Fritz fischt in seinen Gedanken und findet einen toten Fisch.



Willst du nicht von einem Sattelschlepper überfahren werden, nutzt es nix, dessen Existenz einfach zu leugnen. Bist du dir der Gefahr bewusst, siehst du ihn und kannst rechtzeitig ausweichen. Oder den Fahrer zu einer Tasse Kaffee einladen. Du hast dann die Wahl.

Da ich dich ja immer wieder mutwillig anstifte, dir eine eigene Meinung zu bilden, will ich dir die Risiken nicht verschweigen. Für Jules Seelenfrieden ist es leider schon zu spät. Ich hoffe, sie konnte das Trauma verarbeiten.

Jule und die Gelbwurst
Wir schlendern durch den Supermarkt. Sohn Nr. 1 samt Kindergartenfreundin betrachten die Fischauslage. Jule, ein rothaariges Elflein, singt den aufgereihten Heringen ein Schlaflied, was Sohn Nr. 1 mit "Die sind fei total tot!" kommentiert. Tränlein kullern. "Lebendig würdest sie ja nicht essen wollen, oder?" Julchen mag eh keinen Fisch. Lieber Gelbwurst, die sei nicht tot. Bevor ich es verhindern kann, eröffnet mein aufgeklärtes Kind ihr die Verknüpfung von "Schwein, lebendig, mit Augen" und ihrer geliebten "Gelbwurst". Sie plärrt die nächsten drei Stunden wie am Spieß und ich bin froh, dass mich ihre Mutter nicht wegen Kindsmisshandlung anzeigt.


Gefahr Nr. 1: Du entdeckst Dinge und erkennst Zusammenhänge, die dir vielleicht gar nicht gefallen.

Ob das tote Tiere sind oder nach Jahrzehnten das wahre Gesicht hinter einer Maske, ist egal. Noch unangenehmer wird's, wenn die eigenen Sich-in-die-Tasche-Schwindeleien aus der Kitteltasche spähen, forsch in dein Blickfeld krabbeln und am liebgewonnenen Selbstbild kratzen. Da klemmt sich der kleine Nervenzusammenbruch schon mal an den Startblock. Und grinst.


Gefahr Nr. 2: Du wirst unbequem und lästig.

Willst du diesen Aspekt einmal richtig auskosten, dann lies einen Vertrag und stelle Fragen, wenn du etwas nicht verstehst, fordere Erklärungen, BEVOR du unterschreibst! Funktioniert fein bei Finanzberatern oder beim Formularkrieg vor einem medizinischen Eingriff.

Erläuterungen kosten schließlich Zeit! Und Zeit ist Geld!
Das gehört zum Grundwissen der Finanzjongleure und Ärzte.


Gefahr Nr. 3: Eigenhirngebrauch erfordert Aufwand!

Nicht nur die Zeit, die Nerven (und das Geld) der anderen strapazierst du, wenn du dein Hirn nutzt - auch musst du investieren. Echt unbequem: recherchieren, Konzentration aufbringen, schwierige Sachverhalte verstehen, sammeln, abwägen und dann noch entscheiden! Zu deiner Wahl stehen, deine Meinung vertreten. Vielleicht sogar ins Handeln kommen? Puh!

Ziehst du das wirklich durch, hast du gute Chancen für arrogant und/oder unbelehrbar gehalten zu werden, ein Spinner halt. "Alles Idioten außer dir, oder?" Keiner wird dich mehr mögen. Wer will das schon? Du wirst für andere gefährlich! Echt! Simple Gründe:


Gefahr Nr. 4: Du entwickelst eine partielle Regelintoleranz

Sätze wie "Haben wir immer schon so gemacht!", "Alle sagen das!" oder die "wirklich genau und total authentische so wie in Buenos Aires"-Milonga beeindrucken dich nicht mehr. Wenn's bei diesen Begründungen bleibt. Vielleicht beschließt du sogar, ein paar Regeln gar nicht mehr zu befolgen - einfach, weil du keinen Sinn darin erkennen kannst. Und weil es aus deiner Sicht niemand anderem schadet.

Oder du stürzt in tiefste Verwirrung! Vielleicht willst du dich ja an eine bestimmte Norm halten, verstehst aber leider nicht, was man genau von dir möchte. Vorsicht Falle! Die genaue Definition des erwünschten Verhaltens kann oder will dir dein Gegenüber nicht geben. "Eheleute müssen halt Kompromisse schließen" bedeutet in manchen Familien, dass sich die Ehefrau den verschiedensten Launen ihres Göttergatten unterwirft oder seinen wechselnden Plänen bedingungslos folgt - wenn's sein muss im Zickzack. Ihre "Familienkompatibilität" wird so in eine nicht greifbare Schwammigkeit hineinversteckt. Die genaue Definition kann nicht gefunden werden, weil es keine Feststehende gibt! Da kann sich die Eigenhirnnutzerin noch so anstrengen! Keine Chance!

Der Stempel "Regelverletzer, zwanghaft" ist dir bald sicher! Ich verrate dir ein Geheimnis: Manche Menschen meinen, wenn du EINE Regel brichst und die andere "nur" in Frage stellst, musst du Anarchist sein und willst dich an überhaupt keine Normen oder Gesetze halten.

Und wer sich nicht an die Vorschriften hält, gefährdet die Horde.


Gefahr Nr. 5: Alleinsamkeit droht!

Regelverletzer sind für manche Gruppen nicht tragbar. Sie gefährden den Frieden und die Harmonie. Manchmal auch Machtpositionen. Die anderen Mitglieder könnten sich infizieren, nicht mehr integer sein, anfangen mit Nachfragen, Nachdenken! Wo soll das denn hinführen? Wie soll da die "korrekte Einordnung" (korrekte Einnordung?) sichergestellt werden?

Dann wird du als Selberdenkerin erst mal belehrt. Die Gruppe probiert, dich zu den richtigen Werten zurückzuführen. Gell? Sträubst du dich gar widerborstig, dich re-bekehren zu lassen, wird gerne ein externer Verursacher gesucht. Du bist ja nur eine Frau und finanziell oder sonstwie abhängig. Die Horde wird dann versuchen, dich zu isolieren: damit du den bösen Einflüsterungen entgehst. Dich im süßen Schoß der Gruppe wiegen, damit du dich wieder beruhigst und Ruhe gibst. Wehrst du dich immer noch - zu Recht, wie du meinst - schmeißen sie dich raus. Schweigen, Feierabend. Allein. Einsam.

Mit männlichen Eigenhirnnutzern gehen Rudel oft nicht so zimperlich um: kurz kämpfen - am besten blutig, unter der Gürtellinie, Sachvervalte irrelevant, dann Rausschmiss. Anschließend sattes Nachtreten, ein bissel namenlos, ein bissel unsichtbar, ein bissel schmutzig. Treffsicher? Im Namen der Horde, nur drauf auf den Nestbeschmutzer! Büßen soll er! In alle Ewigkeit! Allein. Einsam.

Ausreichende Sturheit vorausgesetzt, ist dir die Exgruppifizierung respektive Entfamilisierung sicher. Scheiterhaufen sind aus der Mode, außerdem illegal. Und geschiedene Frauen dürfen einen Führerschein haben, sogar arbeiten gehen. Ist das nicht cool?

Willst du allerdings als Mittvierziger(in) oder so deinen Lebensunterhalt - bereitgestellt von La Sagrada Família - lieber nicht gefährden, rate ich dringend vom Selberdenken ab!


Gefahr Nr. 6: Eigenhirngebrauch macht süchtig.

Hast du dich an regelmäßigen Gebrauch erst gewöhnt, wirst du die Selberdenkerei so schnell nicht mehr los. Du wirst dich nach den zwar dumpfen, aber gemütlichen Zeiten sehnen, als Gelbwurst sich aus dem Nichts an der Wurstheke materialisierte, du mit dem latinoesken Tangolehrer vom Postkarten-Buenos Aires träumtest und fest davon überzeugt warst, dass Gruppen (welcher Erscheinungsform auch immer) lediglich eine Ansammlung stets vernünftig agierender Erwachsener wären.

Dein aufgewecktes Hirn wird nach einer Dosissteigerung verlangen. Einiges, was dir bisher den Kick verschafft hat, wird dich vielleicht bald langweilen und nach anregenderem Zeugs Ausschau halten lassen. Eine neue Milonga finden? Mit gemischter, moderner Musik? Weit fort? Neue Gesprächspartner finden? Womöglich musst du nachts um drei noch beim Internetdealer deines Vertrauens neuen E-Book Stoff herunterladen. Oder mal Jazz hören! Oder eine Operette? Kostet Zeit und Geld! Manchmal sogar alte Freundschaften.


Fazit: 

Ja, Selberdenken IST gefährlich! 

Was soll das dann?

Wieso solltest du dir das antun?

Es gibt heute doch so viele Identitätsversatzteile, aus denen man sich ein Selbstbild samt zugehörigem Meinungs-Gedankenpaket zusammenbasteln kann. Ist doch ganz kommod?! Anders als früher, als jede wusste, wo er "hingepflanzt" war, wer was tun durfte und was nicht - als die Gesellschaft starr war. Informationen als Hirnfutter konnte man nicht einfach mal schnell von Tante Google liefern lassen oder bei Youtube lernen. War damals der Freiheitsdruck als Anreiz zum Eigenhirngebrauch und somit persönlicher Entwicklung größer? Was meinen die Damen und Herren der 68-er Fraktion denn dazu?

Ich will dir jetzt auch kein aufklärerisches Gedankengut hinlöffeln. (Das darfst du, wenn's beliebt, selber nachlesen. Gugschdu Wikipedia oder sonstwo.)

Es ist viel einfacher:

Belohnung Nr. 1: Du kommst authentisch daher.

Manche Zeitgenossen mögen das sehr: deine Einzigartigkeit. Die Folgen? Tiefe, reflektierte, auch kritische Gespräche. Von anderen Sichtweisen kosten. Gemeinsamkeiten finden. Oder Unterschiede. Oder beides, auch wenn's paradox wird. Respekt vor den (Hirn-)Leistungen anderer. Lernwille.

Ich schreibe bewusst nicht von Szenen oder Gruppen, sondern von Einzelnen. Diese Eigenbrötler und Eigenhirnnutzer haben nicht nur das EI gemeinsam.


Belohnung Nr. 2: Selberdenken macht Spaß!  

Hast du Freude am Tun - am Denken in unserem Fall - schüttet dein Hirn diverse interne glücklichstimmende Hormone aus. Der Dopaminkick, wenn ich was kapiert habe, ist wirklich was Feines. 

Und meiner Meinung nach das wichtigste PRO:

Belohnung Nr. 3: Du bist in der Lage, dein Leben selber zu bestimmen. 

Selbstwirksamkeit spüren! Bewusst leben! Manchmal wenigstens oder wenn's nötig ist. 
Nicht mehr gesteuert werden, sondern selber das Ruder in die Hand nehmen und den Kurs bestimmen. Das stimmt leicht und frei. Den Krawall aushalten lernen.
Wird nicht immer gelingen, aber immer öfter.

Probier's aus! Jetzt weißt du ja, worauf du dich einlässt und findest bestimmt noch weitere Belohnungen. Die darfst du uns gerne im Kommentar kredenzen!

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel





* ein weiterer Artikel zum Thema:
http://im-prinzip-tango.blogspot.de/2016/05/schwarz-und-wei-und-das-dazwischen.html

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