Samstag, 21. Oktober 2017

Die gute, alte "Sexismus am Arbeitsplatz"-Debatte

eine subjektive Stellungsnahme mit ohne Hashtag#metoo


<article image> blogpost tangofish



Wieder ein neuer Artikel zum alten Thema, und ich frage mich ganz ehrlich und irritiert, warum sich die Empörung nur sauber reflektiert in meinem Hirn zeigt statt auch mein Herz aufzuwühlen wie bei anderen Ungerechtigkeitsthemen. Dass den Damen auf so mancher Milonga regelrecht verboten wird, einen Tänzer aufzufordern zum Beispiel – da geh ich innerlich an die Decke, Blutdruck und Atemfrequenz steigen, Muskeln spannen sich kampfbereit. Höre ich die Schilderungen und Forderungen aus dem genannten Artikel, stellt sich bei mir nur ein emotional gleichgültiges „Ja mei, kommt halt drauf an...“ ein, obwohl ich versuche, adäquaten Zorn hervorzupumpen. Und das gibt mir schon zu denken. Ich bin doch so emanzipiert...

Mein Großhirn stimmt den Thesen durchaus zu: 

Ja, es ist zum Kotzen, dass Frauen schlechter bezahlt werden. Ja, es ist zum Kotzen, dass Frauen schlechtere Aufstiegschancen haben.


Das kann aber viele verschiedene Gründe haben. Undifferenzierte Globalbetrachtungen bringen nicht weiter.

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist ein toller Spruch, allerdings in manchen Branchen (wie der Pflege etwa) ein Hohn, da dort eh fast nur Frauen arbeiten. Die Bezahlung im Sozialsektor ist unterirdisch. Der Grund, warum Männer in diesen Bereichen nicht mitspielen? Oder würde auf sozialen Arbeitsfeldern eine Männerquote helfen? Irgendjemand muss doch diese Arbeit am Menschen leisten! Können wir – Männer und Frauen – das nicht gemeinsam tun und einigermaßen annehmbar verdienen? Ansonsten hilft nur Branchenwechsel.

Heute wird uns Frauen zwar lang und breit das Märchen von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorgelogen, das aber nur sehr, sehr wenige PrivilegiertInnen mit entsprechend geldigem Background im echten Leben umsetzen können. Das ist wie mit dem Prinzen auf dem Schimmel...
Der Rest findet sich in der hübschen, logischen, gewohnt-normalen Folge: Daheim bleiben bei den Kindern bedeutet konkret weniger Jahre im Beruf, um Erfahrung und Kompetenzen zu sammeln, was natürlich die Karriere- samt Verdienstmöglichkeiten beschneidet. Während die Männer beruflich reifend und frei von „kindlichem Ballast“ an ihnen vorbeiziehen und aufsteigen. Dazu müssen die Herren der Schöpfung nicht mal besonders ehrgeizig sein, sie sind halt einfach DA! In der Firma.

Die Frauen gehen, solange der Nachwuchs klein ist, oft in Teilzeit. Nicht freiwillig, sondern weil sie müssen. Irgendjemand muss sich ja um die Kinder kümmern. Soweit ich das im Bekanntenkreis beobachte, sind es eben nur in Ausnahmefällen auch die Väter.  (Dafür werden sie als Superhelden gefeiert, aber das ist ein anderes Thema.) Ist Teilzeit in der bisherigen Firma nicht möglich, bleiben oft nur schlecht bezahlte Aushilfsjobs, die im Lebenslauf auch nicht gerade karriereförderlich daherkommen. Aber zumindest ein bissel Kohle bringen. Vom Elend vieler Alleinerziehender will ich gar nicht erst anfangen. Oder von den Rentenansprüchen...

Ich erlebe immer wieder, dass Frauen nicht mal ihre Arbeitsverträge durchlesen, bevor sie unterschreiben, geschweige denn einen Überblick über ihre und die familiären Finanzen haben. Dazu fehlt oft die Traute, hart zu verhandeln, als wäre die Forderung nach einer gerechten Entlohnung etwas Unanständiges.

Frauen scheinen meiner Erfahrung nach dazu zu neigen, den Geldwert ihrer Leistungen wesentlich niedriger einzuschätzen als Männer das tun. Willst du günstiger heilpraktisch oder sonstwie therapeutisch behandelt werden, geh zu einer Frau.

Manche meiner Geschlechtsgenossinen wollen zwar so viel wie die Männer verdienen, sich aber nicht dafür anstrengen. Aber a bissele Biss braucht's halt schon. Vielleicht doch mal fortbilden, umziehen, pendeln, (kinderlos) eine 40-Stunden Woche in Kauf nehmen, hm?

Und manchmal gibt es halt keinen anderen Grund für die Höhe der Entlohnung als das Geschlecht des Arbeitnehmers. Und das geht gar nicht! Hier lohnt es sich wirklich zu kämpfen.


Die Abwertung von Frauen im Beruf


Auch wenn mich meine Geschlechtsgenossinnen gleich teeren und federn werden, muss ich's loswerden: Manchmal seid ihr selber schuld, wenn euch keiner ernst nimmt! 

Mit Häschenblick und Fieselstimmchen einen Antrag vor versammelter Männerhorde durchzubringen ist illusorisch! Sagt ihr im Beruf auch (wie im Tango, wenn ihr aufgefordert werdet): „Ich bin fei noch Anfängerin. Willst du dir das wirklich antun?“
Oder die Damen, die sofort reflexartig „Jawoll“ nicken und umsetzen, nur weil ein Mann das angeschafft hat? Weil Männer sind ja so gescheit. Da wird der Plan – und sei er noch so bescheuert – vor den Kolleginnen verteidigt, durchgekämpft mit sieben Messern wie vom Räuber Hotzenplotz. Blut wird fließen, aber ich schwöre – nicht das des männlichen Vollpfostens.
Der ständige Rechtfertigungsdrang ist auch nicht gerade förderlich, wenn man ernst genommen werden möchte. Deinen Chef interessiert es nicht, ob deine Katze Diabetes hat oder im Kindergarten das Kürbisfest ansteht. Und den männlichen Kollegen lieferst du mit solchen Aussagen eine Steilvorlage für „Frauen können's halt nicht besser, so emotional, wie die sind.“

Ist euch bewusst, welche Kultur ihr da pflegt?
Die Frauen, die einfach nur professionell ihre Arbeit tun möchten, leiden unter euren Verhaltensweisen! HIER wäre weibliche Loyalität angebracht.

Sexuelle Anzüglichkeiten


Wenn ihr aufgebrezelt im Miniröckelein stöckelbeschuht am Kollegentisch vorbeiwackelt, müsst ihr halt mit anzüglichen Kommentaren rechnen. Das ändert sich nie, alte Krankenschwesternerfahrung. Sogar wenn einer nimmer selber bieseln – geschweige denn stehen – kann, probiert er's. Und Schwesternkittel sind nun wirklich nicht der Erotik letzter Schluss. Wohl wissend zwar, dass (wahrscheinlich?) nix geht, aber sportlich gesehen will Mann wohl in Übung bleiben. Wofür ist mir zwar nicht klar, aber das ist halt so ein Männerding. In der Konstellation „knuspriger Pfleger – betagte Dame“ konnte ich nie Vernaschungsversuche beobachten. (Außer, es wurden bestimmte Narkosemittel verabreicht. Dann könnte es passieren, dass Madame im Rauschzustand den Krankenbruder rollig anschnurrt.)

Gegen sexuell gefärbte anzügliche Übergriffe hilft nur – egal ob in Minirock, Pflegekittel oder Blaumann – ganz direkt gutmenschsprechfrei kontern. Möglichst in Zwei-Wort-Sätzen wie „Pfoten weg!“ Dann sind die Kerle im ersten Moment ein wenig verstört, aber selten beleidigt.


Wenn aber Macht und Sex zusammenspielen, 


kommen wir  in höchst problematische Zonen. Das lässt sich nicht mehr mit einfachen Sprüchlein abwenden. Trotzdem frage ich mich, ob sich der Prozess nicht schon im Vorfeld angedeutet haben könnte? Etwa so, wie wenn eine Frau eine Beziehung mit einem routinierter Verzupfer (Seitenspringer) eingeht und meint, sie könne ihn ändern: „Bei mir wird er treu sein“  – mit rosaroten Herzerln in den Pupillen.

In der klassischen Kombination „Chef und abhängig Angestellte“ sind die Chancen gewaltig, dass die Frau verliert: Ansehen, Geld, Arbeitsplatz, Karrierechancen... Vom Schaden am Selbstbild ganz zu schweigen, der zusätzlich von Frauen-Vorwürfen „Sie hat es doch provoziert“ genährt wird. Und jetzt werde ich doch richtig grantig: Denn egal, ob sie hätte ahnen können, worauf sie sich einlässt oder nicht, solche feudalherrschaftlichen Verhaltensweisen sind echt das Letzte. Und es gibt inzwischen genug Männer, die diese krassen Spitzen ebenso verurteilen.

Dagegen können wir nur gemeinsam anstinken – Männer UND Frauen. Und vielleicht sind die Männer dann eher bereit, selber was im Kleinen, im persönlichen Umfeld – beruflich und privat – zu Gunsten der Frauen zu ändern. Denn genau dort im Fußvolk, in der „normalen“ Umgangskultur zwischen uns allen, ist der gesellschaftliche Nährboden für solche grauslichen Einzel(?)-Auswüchse. Das gilt auch für das Miteinander im Tango!

Interessant dazu die männliche bzw. "Jungs-" Sichtweise, siehe hier: http://www.jetzt.de/maedchenfrage/jungs-was-macht-der-hashtag-metoo-mit-euch


Fazit:


Wenn wir gesellschaftlich die Stellung der Frauen verbessern wollen, müssen sich meiner Meinung nach alle bewegen. Und da die Männer momentan verständlicherweise etwas weniger motiviert sind, manche ihrer Privilegien aufzugeben, dürfen wir sie ein bissel nerven, niedrig dosiert mit Retardwirkung über einen langen Zeitraum. Darin sind wir doch routiniert. Aber besser auf den Geist gehen mit ernst zu nehmendem (erwachsenem) Verhalten, wohldosiertem Gendersprech und sachlichem, auf genau den Mann, mit dem wir es gerade zu tun haben, zugeschnittenen Inhalten statt Gejammer.

Wie siehst du das?

Herzliche Grüße und bis bald,
Manuela Bößel

P.S. Aus männlicher Sicht auf das Thema schreiben gerade meine Blogger-Kollege Peter Ripota:
http://ya0m.r.bh.d.sendibt3.com/33jgwvw17fl.html

und Gerhard Riedl: http://milongafuehrer.blogspot.de/2017/10/haschmich-tags.html








Um diesen Artikel geht es (Jeanette Gusko am 19.10.2017 auf Xing)
https://www.xing.com/news/klartext/wie-oft-mussen-wir-frauen-noch-offentlich-aufschreien-2171

* Möchtest du das Bild oder diesen Text verwenden?

* Mehr lesen? Hier entlang zu Manuela Bößels Büchern

Kommentare:

  1. Zu deinem "Fazit": welche Privilegien haben wir Männer denn? Nenn mal ein paar ...

    Zum Thema allgemein möchte ich einfach mal auf den Blog von Arne Hoffmann hinweisen: http://genderama.blogspot.de/

    Ansonsten: Danke dafür, dass endlich mal jemand auch von den Frauen die Übernahme der Verantwortung für sich selber fordert. Das geschieht im Feminismus nämlich sonst nicht, da heissts nur "ach wir Frauen sind alle Opfer, und alle Männer sind ausschliesslich die Täter und schuld an jeglicher Misere auf dieser Welt (insbesondere wenn der Mann noch weiß und heterosexuell ist)" (Und wehe, eine Frau fühlt sich ausnahmsweise mal selber nicht als Opfer ...).

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    1. "Nenn mal ein paar" - ich finde es schon ein Privileg, überhaupt eine solche Frage stellen zu können.

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  2. Hm, nur weil ich ein Mann bin, habe ich das Privileg, einem Autoren, der aus meiner Sicht unfundierte Behauptungen von sich gibt, die sinngemässe Frage "welche Begründungen hast du?" zu stellen? Echt jetzt???

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    1. Unfundiert? Gugschduda:

      https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2014/Gleichstellung/statement_Gleichstellungg_2014.pdf?__blob=publicationFile

      https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/BlickpunktFraueninDeutschland1021211039014.pdf?__blob=publicationFile

      In diesen Veröffentlichungen des Bundesamts für Statistik geht es um die Benachteiligung einer Bevölkerungsgruppe, was der anderen Vorteile, sprich Privilegien, verschafft.

      Herzliche Grüße,
      Manu

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    2. Hi Manu,

      sind wir uns hier einig, dass eine "Privilegierung" nur dann vorliegt, wenn Unterschiede (also eine Vorzugsbehandlung) durch Diskriminierung entstehen, aber dass nicht alle Unterschiede durch Diskriminierung entstehen (sondern z.B aufgrund unterschiedlicher Interessen)?

      Ich hab mal deinen ersten Link angefangen zu lesen. Der destatis-Präsident führt hier viele Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf, scheint mir aber sehr bemüht, nirgends eine Diskriminierung als Ursache zu behaupten (beim Rest-Gender-Pay-Gap von 7% Seite 13 oben schreibt er sogar explizit hin, dass man da schlicht nicht wissen kann, ob hier Diskriminierung vorliegt, weil Daten fehlen). D.h. man müsste bei jedem einzelnen Punkt diskutieren, ob da Diskriminierung/Privileg vorliegen (und wenn ja: Privileg für Männer oder für Frauen, die kürzere Lebenserwartung der Männer zB ist ja mMn definitiv kein Privileg der Männer, aber vielleicht eins der Frauen?)

      Bist du zu einer Diskussion bereit? Dann würd ich meine Stellungnahmen zu allen Punkten (nachdem ich deinen zweiten Link auch gelesen hab) mal aufschreiben und dir zukommen lassen.

      Ciao, Robert

      PS: ursprünglich hatte ich bei "Privilegien der Männer" an was gedacht, wovon jeder Mann vom Obdachlosen bis zum Vorstandsvorsitzenden profitiert nur aufgrund dass er ein Mann ist. So ein "Privileg" kenne ich keines (und gibts ja wohl auch nicht) ... Das war natürlich etwas zu kurz gedacht.

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    3. Lieber Robert,

      eine Privilegierung der einen KANN durch Benachteiligung der anderen Gruppe verursacht werden.

      Manche Bevorzugungen sind aber schlicht evolutionär beim Obdachlosen bis zum Vorstandsvorsitzenden eingebaut, ohne dass irgendjemand etwas dafür kann: Oder hast du noch nie beim Wandern oder so einfach mal schnell an einen Baum gepinkelt? Als Söhnemutter wusste ich dieses "Privileg" sehr zu schätzen. Darum geht es mir im Artikel aber nicht.

      Meine Lebenserfahrung zeigt mir einfach gewisse Tendenzen, die ich mir erlaube mittels "prima facie" zu werten - auch wenn "prima faeces" manchmal treffender wäre. Und darüber zu schreiben.

      Du kannst deine Stellungsnahme gerne hier einstellen. Sie wird für einige Leser bestimmt interessant sein.

      Beste Grüße,
      Manuela

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    4. Liebe Manu,

      "Meine Lebenserfahrung zeigt mir einfach gewisse Tendenzen"
      Mir meine eben auch, und meine Lebenserfahrung und was ich sonst so mitbekomme steht im ziemlich krassen Widerspruch zu dem was öffentlich propagiert wird a la "die Männer sind alle soo privilegiert und Frauen benachteiligt ..." ;-)
      (und darum reagiere ich ja auch so "verschnupft", wenn wieder mal irgendwo das Klagelied von der ach so unterdrückten und benachteiligten Frau angestimmt wird)

      Ok, du kriegst (nicht sofort, in ein paar Tagen) meine Stellungnahme per Email. Kannst dir ja dann überlegen, ob du diese veröffentlichen willst ;-)

      Ciao, Robert

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  3. Heute erreichte mich Roberts Stellungsnahme wie angekündigt per Mail. Dankeschön!

    Sie schildert exemplarisch eine (nicht DIE) Sichtweise, die mir manchmal mehr oder weniger getarnt aus den Reihen der Männer entgegenscheint - junge, moderne, "aufgeklärte(?)" eingeschlossen.

    Da seine Antwort sehr ausführlich ist, muss ich ihn portionsweise servieren. Bitteschön, Teil 1:

    "Hi Manu,

    es geht mir insbesondere um den Nebensatz hier: "Und da die Männer momentan verständlicherweise etwas weniger motiviert sind, manche ihrer Privilegien aufzugeben,"

    Welche besonderen Priviliegien haben wir Männer denn? (Ich sehe gerade umgekehrt, dass Frauen so viel mehr Priviliegien haben, die aber nie in die (öffentliche) Diskussion gelangen. Nur die Männer sollen "ihre Privilegien aufgeben". Aber das nur am Rande)

    Du hast mir auf meine Nachfrage die beiden Links

    https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2014/Gleichstellung/statement_Gleichstellungg_2014.pdf?__blob=publicationFile
    und
    https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/BlickpunktFraueninDeutschland1021211039014.pdf?__blob=publicationFile

    ohne weitere Erklärung gegeben, also schauen wir uns diese mal im Einzelnen an.

    Vorab:

    Wenn ich "apodiktisch" formuliere, dann meine ich trotzdem damit immer statistische Unterschiede.

    Ich gehe davon aus, dass Männer und Frauen tatsächlich unterschiedlich sind. Nicht unbedingt in ihren Fähigkeiten, insbesondere aber in ihren Interessen und ihrer Leistungsbereitschaft. Und dann gibt es m.W. noch den Effekt, dass bei der Verteilung einer Fähigkeit die dazugehörende Gauss'sche Glockenkurve bei Männern sehr viel breiter ist (was bewirkt, dass dann sowohl am unteren Ende wie auch am oberen Ende mehr Männer zu finden sind). Mit "Interessen" meine ich solche Sachen, dass sich z.B. viel mehr Männer für technische Dinge interessieren, Frauen viel mehr für sozialen Umgang mit Menschen. Dass Männer viel lieber in einer Wettbewerbssituation gegeneinander antreten, hat m.M.n. erhebliche Auswirkungen auf die Unterschiede in der "Leistungsbereitschaft".

    Der Hauptunterschied zwischen Männlein und Weiblein liegt allerdings in den Paarungsstrategien, u.a. wie müssen Frauen sein, dass sie von vielen Männern für attraktiv befunden werden, sodass sich diese bei ihr als Partner bewerben, wie müssen Männer sein, dass sie eine Frau "abkriegen, dass eine Frau "ja" zu ihnen sagt (schon diese unterschiedliche Wortwahl deutet die Unterschiede an ;-)).


    So, und jetzt zu deinem ersten Link "statement_Gleichstellungg_2014.pdf":
    Ich befürworte im übrigen die "Gleichberechtigung" und lehne deshalb jegliche "Gleichstellung" als Irrweg in eine autoritäre und totalitäre Gesellschaft ab.

    Gleich im ersten Absatz schreibt Hr. Egeler "Trotz gleicher Rechte unterscheidet sich der Alltag von Frauen und Männern in Deutschland weiterhin."
    Natürlich unterscheidet sich der, unsere Gesellschaft beruht(e) nämlich wesentlich auf einer Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen insb. bei der Kindererziehung. Ich persönlich finde nicht, dass das eine per se schlechte Lösung ist, und dass man Männer und Frauen gleich machen müsste.

    Dann führt er aus, dass Frauen älter als Männer werden. Das ist nun definitiv kein Privileg der Männer (die "Klosterstudien" legen ja nahe, dass bei gleicher Lebensweise die Lebenserwartung von Männern und Frauen fast gleich ist. Also kann man folgern dass Lebensweise und wohl auch die Anforderungen an Männer in unserer Gesellschaft doch um einiges härter sind, als die an die Frauen).

    Dann kommt, dass Frauen im Durchschnitt kleiner und leichter als Männer sind, und Männer eher übergewichtig. (Ich sehe hier jetzt keine Privilegien)."

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  4. Teil 2 von Roberts Antwort:

    "Es folgt der Punkt, dass Frauen in der Schule besser sind, der Frauenanteil mit zunehmenden Qualifikationsniveau an Hochschulen aber kontinuierlich abnimmt.
    Man sieht, dass den Männern nichts geschenkt wird, nur deshalb weil sie Männer sind (sonst wären sie auch schon in der Schule besser). Andererseits gibt es zur These, dass hier Männer privilegiert seien, auch Gegenthesen: z.B. dass Frauen seltener bereit sind, die Entbehrungen einer Karriere als Wissenschaftler in Kauf zu nehmen. Oder auch (siehe oben meine "Glockenkurven"), dass es halt im Spitzenbereich mehr Männer gibt (wie es ja auch im "Trottelbereich" mehr Männer gibt ...). Guten Gewissens kann man ohne weitere Daten weder das eine noch das andere behaupten.
    Spezialförderungen (wie das angesprochene "Professorinnen-Programm") halt ich im Übrigen für deutliche Privilegien (hier: der Frauen!).

    Ab Seite 6 kommt er zum Punkt "Erwerbstätigkeit", wo die Anzahl der Frauen zwar steigt, Frauen aber immer noch hinter den Männern zurückliegen.
    Interessant auch seine Zahlen zur Teilzeit. Das mag jetzt nur ich sein, aber ich halte es nicht für ein Privileg, Vollzeit zu arbeiten (arbeiten zu müssen).
    Dass "Frauen-/Männertypische Berufswahl" weiterhin bestehen bleibt, dass also Frauen es sich leisten können, sich einen schlechter bezahlten Beruf nach individueller Neigung auszusuchen, funktioniert doch nur, weil im grossen Durchschnitt Männer die (ihre) Frauen mit ernähren. Wessen Privileg ist das?

    "Mütter seltener berufstätig als Väter": nun ja, allgemein dürfte das von den jeweiligen Paaren wirtschaftlich entschieden werden, d.h. der mit dem höheren Verdienst (meist der Mann) muss halt Vollzeit weiterarbeiten, und nach Möglichkeit durch Überstunden oder erhöhten Ehrgeiz finanzielle Lücken ausgleichen. Ich halte es für ein ausserordentliches Privileg der Mutter, sich ins Privatleben und die Kindererziehung zurückziehen, und den Mann zum Geld ranschaffen losschicken zu können.
    Negative Folge davon ist natürlich, dass im Falle von Trennungen halt das so weiterbehalten wird. Die Frau bleibt finanziell abhängig vom Mann und wird Alleinerzieherin, der Mann emotional abhängig von der Frau (damit er den Kontakt zu seinen Kindern halten kann).
    PS: bei nichtverheirateten Paaren hat der Mann rein gesetzlich kaum eine Chance, das Kind zu bekommen."

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  5. Teil 3 von Roberts Antwort:

    "Auf Seite 12 kommt er zum "Gender Pay Gap". Immerhin schreibt er auf Seite 13 deutlich: "Über den bereinigten Gender Pay Gap kann nicht das Maß für Diskriminierung abgeleitet werden, da in den statistischen Modellen nicht sämtliche theoretisch möglichen Faktoren berücksichtigt werden können, die einen Einfluss auf die Höhe der Bezahlung haben."
    Eine Entscheidung darüber, ob also hier eine Diskiminierung der Frauen und damit eine Privilegierung der Männer stattfindet, geben die Daten also schlicht nicht her, auch wenn immer wieder in diese Richtung geschrieen wird.

    Zum Thema "Armut und soziale Ausgrenzung" möchte ich nur anmerken, dass Hr. Egeler vergessen hat zu erwähnen, dass ca. 80% der Obdachlosen Männer sind. Die Altersarmut der Frauen halte ich für eine Folge früherer Berufswahl und von Entscheidungen zu Auszeiten und Arbeitszeiten (Vollzeit/Teilzeit) usw. Im Wesentlichen halt die Tendenz bei Frauen, sich auf Männer als Ernährer zu verlassen. Diese m.M.n. fatale Tendenz wird hoffentlich in Zukunft weniger.

    Auf den zweiten Link "Blickpunkt Frauen in Deutschland" möchte ich nicht eingehen, ich denke, das wiederholt sich. Der erste Satz im Vorwort sagt eigentlich alles:
    "In Deutschland sind Frauen in wichtigen gesellschaftlichen Lebensbereichen noch immer nicht entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung vertreten." Hier wären die Frauen gefragt, selber aktiv zu werden. Das wäre dann tatsächliche (und m.M.n. wünschenswerte) Emanzipation.
    Apropos: gibts eigentlich von destatis auch ein ähnliches Papier "Blinkpunkt Männer in Deutschland"? Ich hab keines gefunden.


    Wo siehst du denn nun die Privilegien der Männer, die sie aufgeben sollen?
    Warum siehst du die Privilegien der Frauen nicht? (als da z.B. wären: spezielle Förderungen nur für Frauen, Quoten, "Gleichstellungsbeauftragte" die nur Frauen sein können und nur von Frauen gewählt werden dürfen, das klassische "Frauen und Kinder zuerst", Wehrpflicht nur für Männer, Frauen leben länger und trotzdem so gut wie nur Frauengesundheitsberichte und Gesundheitsmassnahmen für Frauen, Frauenhäuser (Gewaltschutzhäuser für Männer gibt es m.W. 2 in Deutschland, und diese werden nicht gefördert, im Unterschied zu den ca. 400 Frauenhäusern), bei gleicher Leistung bekommen Buben in der Schule schlechtere Bewertungen, Männer bekommen vor Gericht höhere Strafen, usw. usf.)

    Ciao, Robert"

    ******

    Ich finde, der Text spricht für sich.

    Nur so viel: Ist es wirklich ein "Privileg", vor besoffener Verprügelung in einen Schutzraum fliehen zu können???

    Herzliche Grüße,
    Manuela

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    1. Erstens verstehe ich schon mal die ganze Aufregung nicht: Manu hat in ihrem Text ja nun wirklich beiden Geschlechtern einige unangenehme Wahrheiten ins Stammbuch geschrieben. Offenbar hätte sie aber nur die Frauen kritisieren sollen.

      Zu weit in statistische Debatten möchte ich mich nicht begeben – da haben Mathematiker die Gabe, dir in Kürze statistisch zu belegen, dass deine Mutter älter ist als deine Oma…

      Daher nur zu einem Thema, das mich als Biologen anspricht: Tatsächlich haben Frauen heute (je nach schon erreichtem Alter) eine zirka 4-5 Jahre höhere Lebenserwartung (ob das beim Zustand der Pflege ein „Privileg“ ist, sei dahingestellt). Bei Ordensleuten beträgt die Differenz nur etwa ein Jahr. Somit erscheint das Phänomen eher umweltbedingt als genetisch fixiert.

      Ob das, wie Robert meint, an den „härteren Anforderungen an die Männer in unserer Gesellschaft“ liegt, ist sehr zu bezweifeln:

      Der Anteil der Männer an den Suiziden ist zirka 75 %, an den Straßenverkehrstoten (2014) 74,3 %, an den Drogentoten (2016) 84 %, den Alkoholabhängigen 71 %, an Gewaltdelikten um die 75 %, an den Strafgefangenen 94,5 %.

      Männer sind also weniger sozial angepasst, nehmen sich lieber (auch wenn es verboten ist) was sie kriegen können, haben niedrigere Grenzen beim Suchtmittelkonsum, zeigen ein höheres Risikoverhalten (z.B. im Straßenverkehr), bauen (möglichst noch alkoholisiert oder bekifft) mehr Unfälle. Dass die Herren der Schöpfung sich totarbeiten, dürfte in den Bereich Legende fallen.

      Die Opfer von Mord- und Totschlagsdelikten im häuslichen Bereich (2015) sind zu 80 % Frauen. Noch lieber allerdings erledigen Männer ihresgleichen: Insgesamt doppelt so viele Männer als Frauen werden Opfer von Gewaltdelikten.

      Wie Manu schon angedeutet hat: Wären die Umstände anders, würden die Damen wohl gerne auf das "Privileg Frauenhäuser“ verzichten. Übrigens gibt es „Männerhäuser“ in Hülle und Fülle: Man bezeichnet sie als „Wirtshäuser“…

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  6. „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (GG, Art.3.3)

    Wichtig das Wort „Niemand“, denn das Problem betrifft nicht nur die unterschiedlichen Geschlechter!
    „Privilegien“ bzw. Benachteiligungen darf es also nicht geben auf Grund bestimmter vom Einzelnen nicht beeinflussbarer Voraussetzungen (Abstammung, Rasse, Sprache, Heimat, Herkunft, Behinderung). Auch die religiösen und politischen Anschauungen sind oft „vorgegeben“, durch Herkunft und Tradition geprägt – doch hier wird es schon komplizierter, z.B. angesichts aktueller religiöser und politischer Gegebenheiten.

    Zur Alltagsrealität:
    Ob Frau oder Mann in Vollzeit, Teilzeit oder zu Hause arbeiten bedeutet doch keine Bevorzugung oder ein „Privileg“. Wozu dieser Überbau bei einer eigentlich doch ganz pragmatischen Entscheidung? Die beruht, neben den wirtschaftlichen Aspekten, ganz einfach auf den Interessen, ja auch auf den Fähigkeiten der Frau oder des Mannes.
    Ein Privileg der Frau, sich ins Privatleben zu flüchten, weil der Mann eh besser verdient? Das ist schon fast lustig: Warum strebt ein Mann dann einen gut bezahlten Beruf an? Wenn er schlau ist und lieber daheim bleiben möchte, sucht er sich eine schlecht bezahlte Stelle und heiratet eine der wenigen gut verdienenden Karrierefrauen. So einfach ist das!

    Was doch die Sache zum Problem macht, ist die Wertschätzung durch die Gesellschaft. Eine Frau, die sich „nur“ um Haushalt und Kinder kümmert, wird, heutzutage, geringer geachtet als eine, die sich „tapfer“ im öffentlichen Erwerbsleben schlägt. Wieviel schlimmer noch für einen „Haus-Mann“, über dem noch dazu Attribute von „unmännlich“ bis „Weichei“ schweben!

    Leistungsbereitschaft fordert jeder Einsatzort. Die Arbeit im Beruf ist ohnehin gesellschaftlich unbestritten wertvoll – die Tätigkeit daheim oft weniger gewürdigt, dabei umfasst sie ein breites Spektrum, von der Nachhilfe für die Kinder, über Taxidienste, Kochen, Putzen, Organisieren, medizinische, soziale und psychologische Betreuung, täglichen, oft ganztägigen Einsatz, ohne Urlaubsanspruch...
    Eine Schande, dass diese Arbeitsleistung nur maximal drei Jahre als rentenrelevant anerkannt wird! Schließlich handelt es sich um die künftigen Staatsträger und Steuerzahler, die hier fürs Leben präpariert werden.
    (Um dem Gegenargument zuvorzukommen: Faulpelze jeden Geschlechts kenne ich sowohl im öffentlichen als auch im privaten Arbeitsbereich!)

    Dass Frauen heute geschützt (Stichwort „Frauenhäuser“) bzw. speziell gefördert (z.B. „Quoten“ und „Förderungen“) werden müssen, stellt unserer Gesellschaft ein Armutszeugnis aus:
    (Häusliche) Gewalt gegen Frauen verweist u.a. leider auf eine zum Glück bei uns weitgehend überholte Denkweise, in der Frauen als „Weiber“ oder Arbeitstiere, die dem Mann zu dienen haben, galten.
    Auch die Notwendigkeit von Quoten und Förderungen beweisen traurige Reste solch einer Denkweise, fürchte ich.
    Allerdings habe ich selbst in meinem Berufsleben gemerkt, dass viele Frauen die Übernahme von verantwortlichen Posten selbst eher scheuen. Warum? Vielleicht aus Sorge, dass die „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ nicht mehr funktioniert, möglicherweise aber auch die Angst vor Druck, Anstrengung, gar Überforderung. Letztere ist – zugegeben – bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern.
    Möge es deswegen auch (noch) spezielle Förderprogramme geben, die Frauen ermutigen, eine authentische Entscheidung über ihr Leben zu treffen.

    Ich wünsche mir:
    Achtung und Respekt vor jeder Tätigkeit und vor allem demjenigen, der sie aus Überzeugung ausübt!

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  7. EIn Kommentar in mehreren Teilen von Gerd Kaap. Dankeschön!

    Im Flugzeug auf dem Weg von Rhiad nach Dubai saß neben mir eine junge arabische Frau. Zwischen den Sitzreihen rannten brüllend einige arabische Kinder hin und her. Schweigend versuchten wir uns an den Speisen, die uns Emirates servierte, zu erfreuen. Unvermutet stand neben dem Sitz meiner Nachbarin ein Junge. Schweigend entwendete er von ihrem Tablett die Kaffeesahne und verschwand lärmend zwischen den Sitzreihen. Regungs- und sprachlos starrte meine Sitznachbarin auf ihr Tablett. „Kaffeesahne, ach, ich mag ohnehin keine", sann ich und stellte meine kommentarlos auf den obersten Rand des Tisches der Frau. Das hätte ich nicht tun dürfen. Sogleich brachen ausgehend von der hinter uns vorhandenen Sitzreihe wüste Beschimpfungen in Englisch und Arabisch auf uns herein. Ob ich nicht vertraut sei, wie man mit Frauen umgeht, fragten sie. Wieso ich neben ihr sitze, ob ich die arabische Kultur in den Dreck ziehen will, wollten sie erfahren. „Du willst sie nur in dein Bett haben ...Gottloser." behaupteten sie. Zoologische Begriffe flogen mir um die Ohren. Meine Nachbarin weinte, sie musste dies und noch viel Abscheulicheres auf arabisch ertragen. Den arabischen Wortkriegern habe ich friedlich erklärt, warum ich genauso und nicht wie erwartet gehandelt habe. Eine der Flugbegleiterinnen hat ihnen daraufhin noch gewünscht, das ihre Euphorie auf Dubai nicht im Zorn untergehen möge. Nach dem Aussteigen aus der Maschine überholte mich flink meine Sitznachbarin und raunte mir, ohne mich dabei anzusehen, ein vorsichtiges „ Tausend dank ..." zu und verschwand in der Menge. In einer Umgebung auf dem Boden bedeutet das für uns die Steinigung. Wegen einer Kleinigkeit. Das ist eine Episode von vielen, die ich in dieser Zeit erleben durfte. Me too- könnte jene arabische Frau jetzt ebenso schreiben. Sie wird es nicht tun. All dem ungeachtet, gestattet die winzige Episode einen bescheidenen Blick hinter die Kulisse des menschlichen Seins.

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  8. Teil 2 von Gerds Kommentar:
    Warum Menschen so handeln wie sie handeln

    Die oben erwähnten Verbalhooligans schätzte ich vor wie nach dem geschilderten Durcheinander als kultivierte Menschen. Sofern man nicht nur an der Oberfläche kratzt, erkennen wir, dass bewussten Handlungen nur einen geringeren Anteil an der Gesamtmenge der Handlungen haben. Überwiegend ist die unbewusste Handlung, die auf vererbten Einflüssen basiert, die Basis für unsere aktuelle Handlung. Für unser Treiben gibt es Gründe, die wir uns nicht eingestehen. Doch es gibt gleichermaßen Gründe, die wir nicht kennen. Das ist mutmaßlich eine Begründung für derartige Handlungen. Umfassenden gesehen hat der Mensch in seiner Existenz viele Stufen durchlaufen. Über Matriarchat, Patriarchat vom Biologischen zum gesellschaftlichen Wesen. Er stellte über diese Zeit hinweg unterschiedlichste Regeln des Zusammenlebens auf. Doch intensiv in ihm eingebrannt leben in ihm die Vererbungseinflüsse mit allen Erscheinungsformen. Wie unterschiedlich oder ähnlich der Beruf, Charakter, Lebensweise, Gefühl, Bildung, Intelligenz etc. aus sein mag, schier der Umstand in jener Situation zu einer Gruppe zu gehören, befähigte die Männer andersartiger zu fühlen und zu handeln. Die Verbindung zwischen ihnen bildete eine Idee, ein Glaube oder ein kultureller Einfluss. Von der Gewöhnlichkeit der Gruppe wird derjenige aufgesaugt, der in ähnlicher Situation als einzelner Mensch anders gehandelt hätte. Mit anderen Worten ausgedrückt, zu diesem Zeitpunkt existierte im Flugzeug eine Masse von Personen, geeint durch eine Idee und Anschauung. Dadurch entstand die Chance zur Führung der Gruppe. In Lebensbereichen in denen das Gefühl Gegenstand unserer Handlungen ist wie Kunst, Politik und Religion überragen die vermeintlich überdurchschnittlich besten Menschen nur in einzelnen Fällen das Niveau des Durchschnitts. Jener Mensch verkommt vom gebildeten Individuum zum Wesen, das sich zu Handlungen verführen lässt, die normalerweise seine eignen verletzen. Er steigt auf der Leiter der Kultur gleich mehrere Sproßen hinab. Die in der Debatte Metoo verbal angeklagten Männer sehen zweifelsfrei die Dinge so, dass ihre Überdurchschnittlichkeit und De facto, die Zugehörigkeit zu einer elitären Gruppe ihnen Machtpositionen verleiht. Ausgestattet mit dieser Autorität frönen sie ihren naturgegebenen Trieben. Ein Einzelner würde sie unterdrücken. Nicht zu vergessen, das gilt gleichermaßen für DIE Einzelne. Was tun?

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  9. Teil 3 von Gerds Kommentar:
    Wir müssen reden! Aber wie ?

    Täglich sprechen wir mit oder zu anderen Menschen. Sei es im Büro, auf der Straße, zu Hause, irgendwo findet sie immer statt, die Kommunikation. Verbal oder beispielsweise wenn wir uns vollständig dem Zauber des argentinischen Tango hingeben, gleicherweise nonverbal. Nutzen wir die zur Verfügung stehenden technischen Mittel, können Millionen Menschen unsere Botschaften empfangen. Jeden Tag stehen etwa 5 Millionen neuer Blogeinträge zum lesen bereit. Jede Sekunde zirka 8000 Tweets. Was treibt uns an, mehr oder minder emotionsgeladene Nachrichten zu verfassen? Diese dann noch mit fremden Leuten zu teilen? Forscher der Harvard University haben herausgefunden, das unser Belohnungszentrum im Gehirn stark angeregt wird, sobald wir unsere Probleme , Erfahrungen oder Erkenntnisse mit unbekannten Menschen teilen. Ein wohliges Gefühl erfasst unseren Körper. Eine wohltuende Eigenschaft unseres Gehirns regt uns an zu kommunizieren. Der Rohstoff Wissen wird vergrößert. Idealerweise. Doch eine Vielzahl solcher Nachrichten hat triviale Inhalte. Sie reichen von Liebe, Herz, Schmerz über „mein Rechner geht fremd..." bis zu wissenschaftlichen Beiträgen. Ein weitläufiges Spektrum. Chance wie Gefahr zugleich für Meetoo- Debatten, die im Grunde ausschließlich digital geführt werden. Öffentlichkeitswirksam wird Fehlverhalten angeprangert. In den vielen Fällen vermisst der Leser die Darstellung der Zusammenhänge zur Beurteilung eines Vorwurfes. Deutlich wird dies am missglückten Versuch einer Berliner Staatssekretärin, die ohne Entschuldigung und persönliche Bekanntmachung verspätet auf einer Veranstaltung erscheint. Ein Botschafter a.D., der die Dame nicht kannte, glättet die Situation mit den Worten: „ Eine so junge und schöne Frau habe ich nicht erwartet". Die angesprochene reagiert mit dem öffentlichen Vorwurf, noch nie diese Art von Sexismus erlebt zu haben. Sie erntet Unterstützung. Auf der Erde ist im Verlauf ihrer Entwicklung vieles untergegangen. Nicht das Kompliment. Es hat überlebt. Auf den geeigneten Umgang mit ihm kommt es an, dann sind Männer wie Frauen gleichermaßen dafür empfänglich. Gelingt es dem Verfasser, durch geschickte Wortwahl Bilder im Kopf seines Gesprächspartners zu erzeugen, bekommt er die Unterstützung . Egal ob der Vorwurf nachher korrekt oder manipuliert wurde und Frau nur im Mittelpunkt stehen wollte. Monika Lewinsky hat erneut eine Wortmeldung platziert. Viele Beispiele könnten noch aufgeführt werden. Manche Medien kündigen frohlockend zusätzliche aufregende Details sowie die Veröffentlichung geheimer Listen mit mutmaßlichen Delinquenten an. Eine kultivierte Debatte darf nicht zur Inquisition werden oder deren Mittel verwenden. Das miteinander reden beginnt damit, dem Gesprächspartner die Gelegenheit zu geben sich zu artikulieren. Ihm zuhören und seine Beweggründe versuchen zu verstehen. In vielen Fällen wird es eine Lösung geben. Eindeutig strafbare Handlungen gehören nicht in diese Kategorie sondern vor Gericht. Notwendig wird eine Streitkultur, die geeignet scheint, Impulse für eine Veränderung zu setzen.

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  10. Teil 4 von Gerds Kommentar:
    Veränderung

    Wie der Wunsch nach Veränderung im Verhalten von beiden Seiten artikuliert sein möge, er wird nicht kurzfristig erfüllt werden. Für eine umfassende Veränderung bedarf es einer Vorarbeit. Eine Vorarbeit, die bei der Erziehung der Kinder beginnt, über Bildung bis zur Vorbildwirkung reicht. Reglementarien bewirken keine Veränderung. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll, Checklisten für Männer auszuteilen, worin steht, was sie dürfen und was nicht. Abgesehen von den Hintergründen warum diese Debatte Meetoo jetzt wiederholt geführt wird, ist sie längst Teil der Veränderung. Erkenntnisse, Erfahrungen wie Ideen sofern diese sachlich, respekt- und würdevoll kommuniziert werden, lassen die gesamte Gesellschaft davon profitieren. Eine Einteilung in Kategorien wie Täter und Opfer ist gewöhnliches Denken. Die Grenzen, oft fließend, verschärfen den Kampf um Macht und Einfluss. Ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen muss niemand brechen. Es bedarf keiner Frauenquote und keiner separaten Lohnfestschreibung für Frauen. Ebenso jämmerlich der Ruf nach schärferen Gesetzen, wie die selbsterniedrigende Frage der Männer: „ Was dürfen wir denn faktisch noch."Was gebraucht wird, ist Respekt, Toleranz, Vertrauen, Gerechtigkeit,Vergebung, Humor sowie Standhaftigkeit. Nicht zuletzt eine Portion Gelassenheit im Umgang miteinander im Büro, im Cafe und auf dem Parkett.

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